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Kapitel 2

Author: N.O Darling
Für die nächsten paar Stunden starrte ich auf die Uhr in dem kleinen Raum, in dem sie mich eingesperrt hatten. Meinen kleinen Pappbecher Wasser hatte ich bereits vor Stunden ausgetrunken und auch die kleinen Risse, seien sie auch noch so klein, in den verputzten Wänden hatte ich mindestens schon zehnmal gezählt. Gerade als ich kurz davor war, verrückt zu werden, weil sich das Geschehene mit Jenna immer und immer wieder in meinem Kopf abspielte, öffnete sich die Tür. Der männliche Polizist, den ich zuvor in meinem Wohnheimszimmer gesehen hatte, kam herein und setzte sich mir gegenüber an den Tisch.

„Entschuldigen Sie die lange Wartezeit, Frau Banks“, sagte er, während er einen Papierordner auf den Tisch legte. Diesen öffnete er und begann, schweigend darin zu lesen. Sekunden vergingen, eine unangenehme Stille verbreitete sich, und ich saß immer unruhiger auf meinem Stuhl. Gerade als ich den Mund öffnete, um diese unangenehme Stille zu brechen, öffnete sich die Tür erneut, und ein großer Mann in einem teuer aussehenden Anzug mit einer Aktentasche betrat den Raum. Der Mann schaute abschätzend auf mich herab. Er sah außerordentlich gut aus und strahlte eine Dominanz aus, die es schwer machte, ihn anzusehen.

„Das ist sie?“, fragte er schnaubend und deutete mit dem Kinn in meine Richtung.

„Jawohl, Sir“, nickte der Polizist und bedeutete dem Neuankömmling, sich neben ihm zu setzen. Er nahm Platz und las sich die Unterlagen durch, die ihm der Polizist gab. Während er las, betrachtete ich sein Gesicht genauer. Er war einer von diesen Typen, die scheinbar alterslos waren. Sein ernsthaftes – keine Zeit für Unsinn – Auftreten ließ ihn viel älter wirken, aber sein Gesicht war jung. Ich schätzte ihn auf irgendwas zwischen zwanzig und vierzig Jahren. Er hatte anscheinend meinen Blick gespürt, denn er schaute mich über das Blatt hinweg an und hielt meinen Blick. Alles in mir schrie danach, wegzusehen, den Blickkontakt zu unterbrechen, aber ich tat es nicht. Ich ließ mich nicht von irgendeinem hochnäsigen Detektiv einschüchtern. Sein Blick wurde intensiver und ich glaubte, ein kurzes Grinsen auf seinem Gesicht zu erkennen, bevor er mit der Hand auf den Tisch knallte und ich erschrocken zurückweichte.

„Wollen Sie mich etwa herausfordern, Frau Banks?“, fragte er mich in einer tieferen Stimme als noch zuvor bei dem Polizisten.

„Sie herausfordern?“, schnaufte ich und zog eine Augenbraue hoch, ein Versuch, zu verbergen, wie sehr er mich eingeschüchtert hatte.

„Ich rate Ihnen, sich unterzuordnen, und zwar schnell, denn dort, wo Sie hingehen, werden die Leute nicht so tolerant sein wie ich“, sagte er, schloss den Ordner und steckte ihn in seine Aktentasche, bevor er sich dem Polizisten zuwandte und nickte. Mein Herz raste, und Panik ergriff mich, als ich sah, wie die beiden Männer sich die Hände schüttelten. „Ich werde mich ab jetzt um sie kümmern“, sagte der hochnäsige Detektiv zu dem Polizisten.

„Nein“, brachte ich mühsam hervor. „Bitte, ich wollte sie wirklich nicht verletzen. Ich kann nicht ins Gefängnis. Das kann doch gar nicht sein! Bekomme ich gar keinen Anwalt? Was ist mit einem Anruf?“, flehte ich den Polizisten an, als dieser den Raum verließ. Ich wandte mich wieder an den Mann im Anzug. „Bitte, glauben Sie mir, es war nur ein Unfall“, schluchzte ich.

„Jetzt nicht mehr so cool, was?“, grinste er mich an. „Folgen Sie mir, Frau Banks. Ich habe einen vollen Terminkalender und keine Zeit für Ihr Geheule“, seufzte er und ging zur Tür. Wie vor Angst und Schock gelähmt blieb ich wie angewurzelt sitzen. „Sie haben genau zwei Sekunden, um mir zu folgen, sonst lasse ich Sie hier und überlasse es der Polizei, Sie ins Gefängnis zu stecken“, schnauzte er mich an.

„Warten Sie. Was?“, keuchte ich, drehte mich um und starrte ihn an. Er deutete auf die offene Tür, in der er bereits stand, und ohne lange nachzudenken sprang ich auf und folgte ihm.

„Das dachte ich mir schon“, hörte ich ihn leise vor sich hin murmeln. Mit großen Schritten ging er den Flur entlang, mit denen ich nur schwer mithalten konnte.

„Wohin gehen wir?“, flüsterte ich, während wir an Polizisten vorbeigingen, die uns alle völlig ignorierten. Er ignorierte mich ebenfalls, ganz der arrogante Arsch, der er war, und sah mich erst an, als wir beim Aufzug angekommen waren. Er drückte den Knopf und drehte sich zu mir, während wir drauf warteten, dass die Türen sich öffneten.

„Sagen Sie, Frau Banks, neigen Sie zu Panikattacken?“, fragte er.

„Was?“, antwortete ich, etwas verwirrt über die ganze Situation.

„In Ihrer Akte steht, dass Sie am Unfallort aufgrund einer mutmaßlichen Panikattacke ohnmächtig geworden sind. Und auch jetzt scheinen Sie kurz vor einer weiteren Panikattacke zu stehen. Daher frage ich Sie, Kleines: Muss ich etwa auf unserer Fahrt Ihre Hand halten?“, fragte er spöttisch. Wut kochte in mir hoch.

„Tut mir leid, Herr Perfekt, aber ich hatte wirklich einen beschissenen Tag, also verzeihen Sie mir, dass ich etwas aufgebracht bin!“, zischte ich und verschränkte die Arme, um ihm zu demonstrieren, wie knallhart ich war. Er schenkte mir wieder so ein kaum merkliches Grinsen und nickte anerkennend. Genau in diesem Moment erklang das Klingeln des Aufzugs, die Türen öffneten sich, und er trat wortlos hinein. Ich folgte dem schmierigen Arsch in den Aufzug und stellte mich neben ihn. Ich sah zu, wie sich die Türen des Aufzugs schlossen, und hatte dabei das seltsame Gefühl, dass sich damit auch die Tür zu meinem alten Leben schloss.

„Collins“, sagte er plötzlich und riss mich damit aus meinen wirren Gedanken. Ich drehte mich um und sah ihn fragend an. „Mein Name ist Herr Collins“, flüsterte er kaum hörbar, trat gefährlich nah an mich heran und schaute von oben auf mich herab. Er war mir so nah, dass, wenn ich einatmete, unsere Körper sich berührten. Die Luft schien plötzlich zu prickeln, als ich in Herr Collins’ Augen blickte. Sein Arm, der den Aktenkoffer festhielt, schlang sich um meinen Rücken, und er zog mich eng an seine Brust, sodass ich scharf einatmete. Scheiße, der Mann war verdammt heiß! Er hob seine andere Hand und strich mir mit einem heimlichen Lächeln sanft über die Wange. Dann packte er blitzschnell mein Kinn. „Schlaf“, befahl er, und seine Augen blitzten blau auf. Mein letzter Gedanke, bevor mein Körper versagte, war, dass ich diesem Vollidioten in die Eier treten werde, sobald ich die Gelegenheit dazu habe.

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