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Kapitel 3

Author: N.O Darling
„Wachen Sie auf, Frau Banks“, sagte eine sanfte Stimme, deren Tonfall sich anfühlte wie eine liebevolle Berührung, und zum ersten Mal seit einer sehr langen Zeit fühlte ich mich geborgen. Und ich fühlte mich noch nicht bereit, daraus aufzuwachen. Ich schmiegte mein Gesicht weiter an die Wärme an meiner Wange. Ein süßlicher, buttriger und zugleich holziger Duft stieg mir in die Nase, und ich summte zufrieden. Ein missbilligendes Grunzen zerstörte meine bisherige Zufriedenheit und gleich danach wurde ich unsanft auf den Rücken geworfen. Obwohl ich weich landete, war es trotzdem unangenehm.

„Was zur Hölle?“, fluchte ich, richtete mich hastig auf und schaute mich um. Ich saß auf einem Sofa in einem sehr schwach beleuchteten Zimmer. Helles Licht durchflutete plötzlich den Raum, woraufhin ich die Augen zusammenkniff. Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Quelle des Lichts und unterdrückte nur schwer den Drang, wie ein wildgewordener Vampir zu fauchen. Dort war eine hochgewachsene Gestalt, die vom gleißenden Sonnenlicht, das durch das Fenster, das sich über die ganze Wand erstreckte, hereinfiel, umrahmt wurde. Die Gestalt fuchtelte an den Vorhängen herum, die er gerade geöffnet hatte, und ich erkannte ihn sofort: den eingebildeten Detektiv, Herr Collins. Und die Ereignisse des Tages überfluteten mich wie eine riesige Welle aus Wut, Angst und Verwirrung.

„Was haben Sie mit mir gemacht? Wie sind wir hierhergekommen?“, verlangte ich eine Antwort, deutete auf meine Umgebung und sprang hoch.

„Ich habe keine Zeit, Sie in Watte zu packen, daher hier die Kurzfassung“, begann er, während er seine Anzugsjacke aufknöpfte und diese über die Lehne eines großen Ledersessels hing. „Mein Name ist Deacon Collins, ich bin der Direktor der Grey’s Akademie, und Sie sind unsere neueste Studentin hier. Erzählen Sie mir, was wissen Sie alles über Ihre Herkunft?“, fragte er. Aber meine Augen starrten wie gebannt auf seine Hände, die die Manschetten seines Hemdes aufknöpften und die Ärmel hochkrempelten, sodass seine beeindruckenden Unterarme zum Vorschein kamen. Erst ein Räuspern riss mich aus meinem Trancezustand.

„Oh... Ähm“, fing ich verlegen an, weil ich beim Starren erwischt wurde. „Entschuldigung, aber ich bin etwas verwirrt. Ich fühle mich nicht gut“, sagte ich seufzend und ließ mich wieder auf das Sofa fallen. Ich versuchte immer noch, zu begreifen, was zum Teufel hier eigentlich los war.

„Aufgrund gegebener Tatsachen gehe ich davon aus, dass Sie von nichts wissen. Hier an der Grey’s Akademie haben unsere Studenten eine besondere Begabung... “, begann er.

„Moment, was für eine Begabung?“, unterbrach ich ihn. „Das muss ein Irrtum sein. Ich bin nicht begabt. Ich habe zwar alle Prüfungen bestanden, aber das ist doch nichts Besonderes.“

„Wenn Sie mich ausreden lassen würden, Frau Banks... “

„Josie“, korrigierte ich ihn, da mir die abwertende Verwendung meines Nachnamens nicht gefiel.

„Frau Banks“, wiederholte er sich. „Wenn Sie nur zwei Minuten still sein könnten und mich erklären ließen, könnten Sie schon längst gehen. Unsere Akademie ist speziell für sogenannte Greys. Greys sind eine Art von Übermenschen. Obwohl wir viel stärker sind als normale Menschen, sind wir zahlenmäßig unterlegen. Aus diesem Grund haben wir uns unser eigenes, kleines Reich innerhalb der menschlichen Welt geschaffen. Hier können wir sicher und friedlich leben. Aus noch unbekannten Gründen sind Sie irgendwie in der menschlichen Welt gelandet und dort aufgewachsen. Ich werde eine umfassende Untersuchung veranlassen, wie es dazu kommen konnte, aber jetzt sind Sie hier und Sie sind in Sicherheit. Ich kann mir vorstellen, dass das alles sehr viel auf einmal ist, und Sie haben viel nachzuholen. Deshalb werde ich Sie nicht weiter überfordern. Meine Assistentin wird Ihnen ein Zimmer zuweisen und Sie einem unserer intelligenteren Studenten zuordnen, sodass Sie zusätzlich zum regulären Unterricht zusammen lernen können. Außerdem werde ich auch zusätzlich Nachhilfe mit unseren Tutoren hier vereinbaren. Haben Sie noch Fragen?“, fragte er ohne die Spur eines Lächelns.

„Wow, Sie sind echt gut“, lachte ich. „Ich liebe diese Sendung! Die habe ich früher ständig geschaut“, brachte ich zwischen Lachanfällen heraus. Ich stand auf und begann, das Zimmer auf versteckte Kameras zu durchsuchen. Ich konnte es nicht glauben, dass ich bei „Verstehen Sie Spaß?“ war. Ich fragte mich, wer dafür verantwortlich war. Das kann nur Freya gewesen sein, meine beste Freundin aus dem Studium. „Hat Freya Sie dazu angestiftet?“, kicherte ich.

„Frau Banks!“, rief der Schauspieler, der Herrn Collins spielte, und knallte mit der Hand auf den Tisch, was mich nur noch mehr zum Lachen brachte. Ich näherte mich ihm und untersuchte die Knöpfe seines Hemdes; einer davon musste eine versteckte Kamera sein. Dann begann ich damit, ihn abzutasten, um nach versteckten Kabeln zu suchen. Blitzschnell packte er mein Handgelenk, und erschrocken schnappte ich nach Luft, als er fest zupackte und meine Suche unterbrach. Ich blickte zu ihm auf, und er starrte mich mit intensivem Blick an. „Was zur Hölle tust du da?“, fragte er fast knurrend.

„Ich suche nach einem versteckten Mikrofon?“, schluckte ich.

„Da ist kein Mikrofon, das ist auch kein Scherz. Sie sind neu hier und haben noch viel zu verarbeiten. Deshalb drücke ich dieses Mal ein Auge zu. Aber wenn Sie mich noch einmal anfassen sollten, wird dies Konsequenzen haben. Verstanden?“, sagte er mit tiefer, bedrohlicher Stimme. Sein schweres Atmen ließ mich innehalten, obwohl ich ihn am liebsten damit aufgezogen hätte, was diese Strafe wohl gewesen wäre. Als könnte er meine Gedanken lesen, blitzen seine Augen blau auf. Da erinnerte ich mich, dass dies schon einmal passiert war, kurz bevor er mich zum Schlafen aufgefordert hatte – eine Aufforderung, der ich mich nicht widersetzen konnte. Er sagte die Wahrheit, oder?

„Sie haben mich zum Schlafen gebracht“, sagte ich mit zitternder Stimme. Er nickte mir zu. „Was können Sie mich noch alles tun lassen?“, fragte ich. Die Angst davor, so verletzlich zu sein, trieb mich dazu, diese Frage zu stellen.

„Alles“, flüsterte er leise, und ich schwörte, sein Gesicht kam meinem immer näher. Aber seine Antwort machte mir keine Angst, im Gegenteil, sie erregte mich. Dann öffnete sich plötzlich eine Tür und riss mich aus meinem Trancezustand. Er ließ mein Handgelenk fallen und wich zurück, als wäre ich auf einmal abstoßend. Ich drehte mich um, um zu sehen, wer der Eindringling war.

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