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Kapitel 4

作者: N.O Darling
„Ich habe mir doch gedacht, dass ich Stimmen gehört habe. Ist alles in Ordnung, Dee?“, fragte eine sehr attraktive Frau, die um etwa dreißig Jahre zu sein schien, als sie mit einem strahlenden Lächeln den Raum betrat. Sie hatte pechschwarzes Haar, welches im Sonnenlicht glänzte. Sie hatte die Art von Haar, die perfekt in eine Shampoo-Werbung passen würde und ihre atemberaubenden blauen Augen und ihre makellose Haut perfekt zum Vorschein brachte. Ihre Sanduhrfigur wurde durch ein hautenges schwarzes Kleid betont, dazu passend schwarze Stilettos. Ihre Finger- und Fußnägel waren knallrot lackiert. Eben der Typ von Frau, bei dem man sich sofort unsicher fühlte, wenn man sie sah.

„Ja. Clarrisa, das hier ist Josie Banks, eine neue Studentin. Ich habe sie gerade aus der Menschenwelt abgeholt. Könntest du ihr bitte eines der Einzelzimmer im Haus Rubin zuweisen?“, sagte Herr Collins, während er die Polizeiakte aus seiner Aktentasche holte und sie Clarrisa hinhielt.

„Bist du dir sicher? Im Haus Bernstein oder Haus Saphir ist noch genügend Platz für sie“, sagte Clarrisa und musterte mich prüfend von oben bis unten, bevor sie leicht die Nase rümpfte.

„Begleite sie bitte zum Haus Rubin und sorge dafür, dass es ihr an nichts fehlt“, sagte er abweisend. Daraufhin setzte er sich an seinen Schreibtisch und klappte einen Laptop auf. Ich stand nur da und wusste nicht, was ich jetzt tun sollte. Herr Collins blickte erst zu Clarrisa und dann zu mir. „Das wäre dann erstmal alles“, brummte er.

„Natürlich, Deacon. Josie, folge mir doch bitte“, sagte Clarrisa mit einem gezwungenen Lächeln.

„Aber… “, begann ich.

„Wie gesagt, das wäre dann alles, Frau Banks. Clarrisa wird sich um alles, was Sie brauchen, kümmern. In Kürze wird jemand bei Ihnen vorbeikommen, um Ihre Fragen zu beantworten und Ihnen beim Einleben zu helfen. Herzlich willkommen an der Grey's Akademie. Ich hoffe doch sehr, dass in Zukunft kein Besuch in meinem Büro mehr notwendig sein wird“, erwiderte Herr Collins emotionslos und wendete sich dann wieder seinem Laptop zu.

Seufzend folgte ich der perfekten Clarrisa.

Wir verließen das Büro durch einen gläsernen Korridor. Clarrisas Absätze klackerten laut auf dem cremefarbenen Marmorboden. Alles wirkte viel zu hell und glänzend. Ich wollte wirklich nicht in der Haut der Putzfrau stecken; es musste wohl eine ganze Horde von Putzkräften geben, um all das Glas und den Marmor sauberzuhalten. Clarrisa führte mich zu einem Aufzug, und ich atmete hörbar aus, als ich mich an meine letzte Aufzugsfahrt erinnerte. Kurz zuvor war ich von einem unglaublich attraktiven, unhöflichen und idiotischen… Zauberer entführt worden? Ich musste laut lachen, als mir klar wurde, was hier vor sich ging. Ich war im verdammten Hogwarts, und das machte Herr Collins zu Professor Dumbledore. Clarrisa warf mir einen missbilligenden Seitenblick zu.

„Tut mir leid, heute war wirklich hart“, erklärte ich.

„Das kann ich mir vorstellen. Aber keine Sorgen wegen Deacon. Er war gerade unter der Dusche, als der Anruf wegen dir kam. Er musste sofort los, keine Zeit für seinen Morgenkaffee. Und ohne seinen Kaffee ist er immer unausstehlich“, lachte sie, zu übertrieben, als dass es echt gewesen wäre. Plötzlich war mein Kopf gefüllt mit Gedanken an Herrn Collins unter der Dusche, als mir klar wurde, was sie da gesagt hatte. Wenn sie dabei war, als er den Anruf bekam, bedeutete das gleichzeitig, dass sie auch da war, als er duschte. Sie ist seine Freundin… oder Ehefrau? Natürlich war sie das, sie war wunderschön und er war unglaublich attraktiv, die beiden passten perfekt zusammen. Das erklärte auch, weshalb er so abrupt von mir zurückgewichen war, als stünde ich in Flammen. Er wollte nicht, dass seine Freundin die Situation falsch verstand. Mein Herz wurde etwas schwerer. Ich hatte geglaubt, bei unserer kurzen Begegnung etwas zwischen uns gespürt zu haben. Aber das war wohl nur Wunschdenken meinerseits. Ich war jetzt seine Studentin, und obwohl ich noch nicht wusste, wie die Dinge hier liefen, war ich mir sicher, es war genauso wie in der normalen Welt: Beziehungen zwischen Studenten und Lehrern waren ein absolutes Tabu. Warum verschwendete ich überhaupt meine Zeit mit solchen Gedanken, wo mein Leben doch gerade komplett auf den Kopf gedreht wurde?

„Warte!“, platzte es aus mir heraus. „Ich muss wieder zurück… meine Mama“, brachte ich zwischen panischen Atemzügen hervor. Wie konnte ich nur meine Mutter vergessen? Ich wurde von Schuldgefühlen überflutet.

„Darum brauchst du dir jetzt keine Sorgen machen. Die Zeit tickt hier anders, daher wird dich also noch niemand vermissen. Deacon kümmert sich schon um alles, bei deiner Mutter wird alles gut sein. Ich bin mir sicher, er wird dich über solche persönlichen Angelegenheiten auf dem Laufenden halten“, lächelte sie.

„Ok“, nickte ich. „Aber was ist mit all meinen Sachen? Kann ich die wenigstens holen?“, fragte ich.

„Auch um deine Sachen wird sich Deacon schon kümmern. Du brauchst dir also gar keine Sorgen zu machen. Konzentriere dich lieber auf dein neues Leben hier. Ich weiß, dies ist eine schwierige Zeit für dich, aber ich bin mir sicher, du wirst dich hier wohlfühlen. Wir werden alles versuchen, dir den Übergang so leicht wie möglich zu machen“, erklärte sie, als wir durch ein Labyrinth aus Glas- und Marmorgängen gingen. Wir verließen das Gebäude und gelangten in einen Innenhof mit einem riesigen Brunnen in der Mitte. Aus vier Stellen sprudelte Wasser. Über jeder Stelle befand sich ein großer Kristall. Clarrisa blieb kurz stehen, damit ich ihn betrachten konnte. „Jeder Kristall repräsentiert ein Haus unserer Akademie. Für den Moment bist du dem Haus Rubin zugeteilt“, erklärte sie und deutete auf den roten Stein. „Du kannst deine Mitstudenten ganz einfach an der Farbe ihrer Krawatte erkennen. Rot für das Haus Rubin, grün für das Haus Smaragd, blau für das Haus Saphir und gelb für das Haus Bernstein“, erläuterte sie, während wir weitergingen. Innerlich verdrehte ich die Augen bei dem Gedanken, wieder eine Uniform tragen zu müssen. Ich bin fast 19 Jahre alt und ich fühlte mich, als würde ich wieder in die Schule gehen.

„Wo sind all die anderen Studenten?“, wollte ich wissen, als mir auffiel, wie still es war.

„Sie sind alle im Unterricht, aber sie müssten bald fertig sein. Wir haben hier etwas über 300 Studenten, da kann es in den Pausen ganz schön voll werden“, erklärte sie und verzog das Gesicht. In der Ferne bemerkte ich eine Bewegung, ich konnte gerade noch eine Gruppe von etwa dreißig Personen erkennen. Sie bewegten sich schnell umeinander, als würden sie miteinander tanzen. Aber als wir näher kamen, erkannte ich, dass sie kämpften. „Kampftraining“, kommentierte Clarrisa. „Dies ist unsere nächste Soldatentruppe“, fügte sie voller Stolz hinzu. Ich hätte mir das gerne genauer angesehen, stattdessen drängte Clarrisa mich weiter in die Richtung eines alt aussehenden Steingebäudes, das mit Rubinen verziert war. „Das ist dein Haus“, sagte sie, als wir durch die Tür gingen. Ich schaute mich ehrfürchtig um. Es war atemberaubend. Innen sah es zwar aus wie ein altes Schloss, allerdings bot es jeden Komfort eines modernen Hauses. Der große Raum hatte Steinwände und dicke rote Vorhänge umrahmten riesige Fenster. Um einen riesigen Teppich herum standen Sofas, daneben befand sich ein Steinkamin mit echtem Feuer. An einer Wand hing ein überdimensionaler Flachbildfernseher und in Regalen darunter befanden sich Spielkonsolen. Auf beiden Seiten des Raumes befand sich eine imposante Treppe, die oben zusammenführte. Ich folgte Clarrisa die Treppen hinauf und einen Flur entlang. Wir gingen an zwei Türen vorbei, bevor sie stehen blieb und mir einen Schlüssel reichte. „Das ist dein Zimmer. Ich werde dich nun allein lassen, damit du dich ein wenig einleben kannst. Gleich wird jemand vorbeikommen und dir alles zeigen“, lächelte sie und ging fort, bevor ich überhaupt die Gelegenheit hatte, mich zu bedanken oder die Tür zu öffnen.

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