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Kapitel 5

作者: N.O Darling
Mit offenem Mund stand ich in der Tür meines neuen Zimmers. Das musste ein Irrtum sein. Dieses Zimmer sah in keinster Weise aus wie ein gewöhnliches Studentenwohnheim. Es glich eher einer Hotelsuite. Das Bett war überdurchschnittlich groß und die Kissen waren wie weiche Wolken, in die ich mich am liebsten sofort hineingekuschelt hätte. Es gab einen Schminktisch, der mit einem Spiegel ausgestattet war, und einen begehbaren Kleiderschrank, der fast genau so groß war wie mein gesamtes altes Zimmer an der Mount-Universität. Das riesige Fenster wurde von Bücherregalen eingerahmt, gefüllt mit den unterschiedlichsten Büchern aller erdenklichen Genres. Außerdem gab es eine gemütliche Fensternische, ausgestattet mit Kissen und einer Decke. Ich hätte vor Freude platzen können. Neben einem Minikühlschrank gab es eine kleine Küchenzeile mit einem Tee- und Kaffeekocher. Das Badezimmer hatte nicht nur eine Dusche, sondern auch eine große Badewanne. Das alles schrie geradezu nach Luxus, den ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das bezahlen sollte, denn ich glaubte nicht, dass ein einfacher Nebenjob neben dem Studium dafür ausreichen würde. Im Badezimmerspiegel erhaschte ich einen kurzen Blick auf mich selbst und zuckte zusammen. Meine Haare waren die reinste Katastrophe. Ich trug immer noch meinen Schlafanzug und die abgetragenen Converse-Schuhe, die mir Frau Shelby vor der Fahrt zur Wache erlaubt hatte, anzuziehen. Ich passte hier nicht rein. An der Rückseite der Badezimmertür entdeckte ich einen Bademantel, und im Badezimmerschrank lag ein Stapel Handtücher und verschiedene Körperpflegemittel. Es war zwar nicht die beste Option, aber ich könnte duschen und mir erst einmal den Bademantel überwerfen. Hoffentlich bekam ich bald meine Sachen, denn nur mit einem Bademantel und Schlafanzug im Kleiderschrank würde ich mich ganz sicher vor allen blamieren. Nach einer ausgiebigen heißen Dusche fühlte ich mich wie neu geboren. Ich hüllte mich in den luxuriösen Bademantel und ging zu den Bücherregalen, um mir die Bücher genauer anzusehen. In die Welt eines anderen einzutauchen, während ich darauf wartete, dass mir jemand meine Sachen brachte und mich in mein neues Leben einführte, klang sehr verlockend. Ein Buch mit dem Titel „Greys“ sprang mir direkt ins Auge. Obwohl das nicht gerade die Art von Ablenkung war, die ich mir ursprünglich erhofft hatte, schien dies ein guter Einstieg in mein neues Leben zu sein. Ich kletterte in die Fensternische und begann zu lesen. Ich erfuhr, dass die Greys Übermenschen waren, die verschiedene Kräfte besaßen, unter anderem Superstärke, Manifestation, Teleportation, Gestaltwandlung, übermenschliche Geschwindigkeit, Gedankenkontrolle, Telepathie und Telekinese. Ich atmete tief aus und schloss das Buch wieder. Das alles überwältigte mich und ich war mir nicht sicher, ob ich das alles glauben konnte. Stimmen vor meinem Fenster erregten meine Aufmerksamkeit, und ich beugte mich näher, um nach unten zu sehen. Eine Gruppe Männer kam auf mein Gebäude zu. Sie schubsten sich und rangelten miteinander spielerisch. Erst als sie näher kamen, bemerkte ich, wie schmutzig und zerzaust sie aussahen. Vielleicht gehörten sie zu der Gruppe, die vorhin trainiert hatte. Die Männer verschwanden durch die Tür unter meinem Zimmer, bis auf einen. Von hier oben konnte ich seine Gesichtszüge nicht wirklich erkennen, aber er wirkte groß und hatte eine wuschelige blonde Mähne, die oben lang und an den Seiten rasiert war.

Er schien verwirrt, als er sich umdrehte und seine Umgebung absuchte. Wahrscheinlich suchte er jemanden. Ich warf einen Blick in die Richtung, in die er schaute, um zu sehen, ob er auf jemanden wartete, aber es war weit und breit niemand zu sehen. Als ich wieder zurück zu ihm schaute, schnappte ich nach Luft. Erschrocken schreckte ich vom Fenster zurück, als ich bemerkte, dass er nun mich anstarrte. Ich schwöre, dass seine Augen blau aufblitzten, genau wie bei Herrn Collins, kurz bevor er seine Kräfte an mir einsetzte. Nachdem ich mich wieder gefasst hatte, schlich ich langsam zurück zum Fenster und spähte vorsichtig über die Brüstung, um nachzuschauen, ob er noch da war. Als ich sah, dass der Hof wieder leer war, atmete ich erleichtert auf. Ein Klopfen an meiner Tür ließ mich erneut zusammenzucken. Weshalb war ich auf einmal so schreckhaft? Doofe Frage. Ich wurde buchstäblich aus meinem Leben gerissen und in eine völlig neue, mir unbekannte Welt geworfen. Eine Welt, in der Menschen über Superkräfte verfügten und mir befehlen konnten, zu tun, was auch immer sie wollten. Wenn ich hier überleben wollte, musste ich vorsichtiger und wachsamer sein. Ich öffnete die Tür, in der Erwartung, Herr Collins, Clarrisa oder irgendjemanden, der meine Sachen lieferte, vorzufinden, doch es war keiner von ihnen. Stattdessen stand dort der blonde Mann, den ich eben noch durch mein Fenster beobachtet hatte.

„Na hallo, Neuankömmling“, grinste er mich mit seinen makellosen weißen Zähnen an.

„Hi“, antwortete ich ungeschickt und zog meinen Bademantel fester zu, um sicherzugehen, dass ich nichts zeigte, was er nicht sehen sollte. Als ich Schritte hörte, die den Flur entlangkamen, stürmte der blonde Mann plötzlich in mein Zimmer und schloss die Tür hinter sich, wobei er mich beinah umstieß.

„Was zur Hölle?“, fragte ich möglichst ruhig, darauf bedacht, keine Angst zu zeigen.

„Pscht“, sagte er leise und legte einen Finger an die Lippen. Ich wollte ihn gerade anschreien, er solle gefälligst verschwinden, als ich Stimmen auf der anderen Seite der Tür hörte. Als die Stimmen wieder verklangen, lachte er. „Tut mir leid, ich wollte nur mit dir reden, bevor die anderen Jungs herausfinden, dass du hier bist. Ich bin Theo Henry, dein neuer Nachbar“, erklärte er und streckte mir die Hand zum Gruß entgegen. Nervös biss ich mir auf die Unterlippe und dachte kurz darüber nach, ob ich diesem Kerl überhaupt trauen konnte. „Ich beiße nicht“, versicherte er mir. Offensichtlich hatte er mein Zögern bemerkt. Als ich in seine Augen schaute, erkannte ich Güte. Etwas tief in mir sagte mir, dass ich ihm vertrauen konnte und dass er ein wichtiger Teil meines neuen Lebens hier sein würde.

„Ich bin Josie“, brachte ich endlich heraus, nahm seine ausgestreckte Hand und schüttelte sie. Seine Augen blitzten blau auf und weiteten sich gleichzeitig, als mich ein Schauer der Angst überfiel, kurz bevor alles schwarz wurde.

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