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Kapitel 7

Author: N.O Darling
Wir verließen unser Gebäude und durchquerten den Innenhof zu einem moderneren Backsteingebäude, aus dem Studenten scheinbar aus allen Richtungen zu strömen schienen. Die Leute starrten mich an, und ich sah, wie sie sich umdrehten und leise miteinander flüsterten.

„Hallo Schönheit“, sagte eine tiefe Stimme hinter uns. Ich drehte mich noch gerade rechtzeitig um, um zu sehen, wie Dot von einem großen blonden Mann mit wuscheligem, schulterlangem Haar hochgehoben wurde. Bevor sie überhaupt antworten konnte, kam ein weiterer Mann hinzu. Dieser war kleiner und hatte einen kurzrasierten Kopf wie bei der Bundeswehr. Er schlang seine Arme um sie, zog sie von dem Blondschopf weg und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen. Mit offenem Mund starrte ich auf die Szene vor mir und wartete drauf, dass ein Streit ausbrach oder dass Dot protestierte, aber nichts davon geschah.

„Lass mich runter“, kicherte Dot und wand sich in seinen Armen hin und her, bis er sie schließlich losließ. Sie richtete ihre Kleidung und sah mich wieder an. „Josie, das ist Marcus“, stellte sie vor und deutete auf den Blondschopf, „und das ist Cole“, sagte sie und tätschelte dem zweiten Mann den Arm.

„Schön, euch kennenzulernen“, lächelte ich Marcus ungeschickt an, bevor ich mich an Cole wandte und ihm ebenfalls ein Lächeln schenkte.

„Wo sind Joe und Max?“, wollte Dot von den Beiden wissen, die nun hinter uns gingen.

„Sie sind heute extra früher los, um uns einen Tisch ganz vorne zu sichern“, antwortete Cole.

„Sehr gut!“, rief Dot begeistert und klatschte dabei in die Hände. „Die Tische vorne dürfen sich zuerst einen Nachschlag holen“, flüsterte sie mir zu, als wir den großen Speisesaal betraten. Ich spürte die Blicke aller Studenten auf mir ruhen. Angesichts dieser ganzen Aufmerksamkeit fühlten sich meine Schritte an wie Blei. Als ich an die Worte aus dem Buch dachte, das ich zuvor gelesen hatte, fühlte ich mich plötzlich wie ein Fisch im Haifischbecken. Das waren alles Greys, Übermenschen mit Superkräften, die mir alles Mögliche antun konnten, was auch immer sie wollten, und ich war absolut machtlos. Wie sollte ich hier nur überleben?

„Mach dir keine Sorgen. Die sind bloß neugierig. Wir bekommen nicht oft neue Studenten, vor allem nicht in unserem Alter. Die meisten hier sind zusammen aufgewachsen“, versicherte Dot mir, hakte sich bei mir ein und führte mich zu einem großen Tisch. Der Raum war gar nicht so beeindruckend, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Ich hatte Hogwarts erwartet, stattdessen war dies eine ganz normale Mensa.

„Das ist also dein neues Haustier, was?“, fragte ein gutaussehender, dunkelhäutiger Mann mit auffallend blauen Augen. Er stand vom Tisch auf, zog Dot in seine Arme und küsste sie auf ihren Scheitel.

„Ja, das ist Josie. Josie, das ist Joe“, stellte Dot uns vor. Joe schenkte mir ein strahlendes Lächeln und streckte mir die Hand zum Gruß entgegen. Doch ich zögerte, als ich mich daran erinnerte, was mit Theo geschehen war.

„Hi“, antwortete ich und winkte unbeholfen, bevor ich schnell den Blick abwandte. „Schatz, ich habe dir einen Milchshake mitgebracht“, unterbrach ein frech wirkender, dunkelhaariger Mann und gab Dot einen Erdbeermilchshake.

„Du weißt wirklich, wie man ein Mädchen verwöhnt“, schwärmte Dot, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie wandte sich mir erneut zu. „Das ist Maximus“, grinste sie mich an.

„Max“, korrigierte er mit einem Augenrollen, gleich gefolgt von einem Zwinkern.

„Ich bin Josie“, sagte ich freundlich.

„Und was hast du mir mitgebracht, Max?“, fragte Cole und stupste Max spielerisch mit dem Ellbogen in die Rippen. Alle vier begannen nun, sich gegenseitig zu necken und Witze zu machen.

„Entschuldigung, sie übertreiben manchmal etwas, aber ich liebe sie“, sagte Dot sehnsüchtig, während sie den Männern beim Gerangel zusah. „Lass uns was essen“, fügte sie hinzu und führte mich zu einer großen Essensausgabe. Sie reichte zuerst mir ein Tablett und einen Teller, bevor sie sich selbst auch einen nahm und anfing, Essen draufzuladen. Das Essen war wie ein Selbstbedienungsbuffet aufgebaut und wurde durch Warmhalteplatten gewärmt. Ich nahm mir ein Stück Käsepizza und ein paar Pommes, während wir uns an der Theke entlang bewegten.

„Also, mit wem von ihnen bist du zusammen?“, wollte ich nun endlich wissen und warf den vier Männern einen Blick zu, die jetzt alle am Tisch saßen.

„Mit allen“, grinste sie mich an.

„Was?“, schnappte ich nach Luft. „Wie hast du das denn angestellt?“, fügte ich kichernd hinzu. Ich nahm einen Apfel, eine Flasche Saft und folgte Dot zurück zu unserem Tisch.

„So läuft es hier nun mal. Sieh dich genau um“, lachte sie. Ich setzte mich neben sie, und die Männer standen auf, um sich ihr eigenes Essen zu holen. Als ich mich umsah, fiel mir auf, wie an jedem Tisch kleine Gruppen, bestehend aus jeweils einer Frau und bis zu fünf Männern, zusammensaßen.

„Unsere Bevölkerung ist relativ klein und Frauen sind selten, daher werden Bindungen geschaffen. Normalerweise sind es vier Männer und eine Frau, aber manchmal auch nur drei oder sogar fünf Männer“, erklärte sie.

„Und die Männer werden nicht eifersüchtig oder streiten sich deswegen?“, fragte ich und hatte Schwierigkeiten, das alles zu verstehen.

„Am Anfang ist es manchmal etwas schwierig, aber sie finden eine Lösung. Über diese Bindungen können wir nicht selbst entscheiden. Einige unter uns haben die Gabe der Hellsicht; sie können Seelenverwandte erkennen und zusammenführen. Sobald eine Frau achtzehn Jahre alt wird, führt ein Seelenseher sie zu ihren Seelenverwandten.“

„Hat man dabei überhaupt eine Wahl?“ Ich gab mir größte Mühe, die Abscheu in meiner Stimme zu verbergen. Dies erschien mir sehr unfair und klang eher nach Ausbeutung.

„Natürlich hat man eine Wahl. Einige wehren sich gegen diese Bindung, aber fast alle geben schließlich nach. Immerhin ist es nicht leicht, seine Seelenverwandte zu ignorieren“, sagte sie achselzuckend. Ich ließ meinen Blick erneut durch den Raum schweifen. Alle schienen tatsächlich sehr glücklich zu sein. Dann fiel mein Blick auf einen Tisch, an dem nur Männer saßen, und jeder von ihnen starrte mich an.

„Und wer sind die?“, flüsterte ich Dot zu.

„Das sind die Ungebundenen, denen man keinen lebenden Seelenverwandten in dieser Welt zuschreibt und die sich mit einem einsamen Leben abgefunden hatten. Aber du hast ihnen allen gerade eine zweite Chance gegeben“, sagte sie aufgeregt. Mein Herz setzte einen Schlag aus, als sich Masons und mein Blick trafen. Grauen überkam mich, als ich den Teufel in seinen Augen erkannte, während er mich erneut mit diesem mörderischen Blick anstarrte.

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