LOGINMeine Frau galt als Heilige und widmete sich der buddhistischen Lehre. Körperliche Begierde war für sie das größte Tabu. Nähe zwischen Mann und Frau erlaubte sie nur am sechzehnten Tag jedes Monats. Alles musste nach ihren Regeln laufen. Sobald ich zu weit ging, brach sie sofort ab und ging. Fünf Jahre waren wir verheiratet. Auch wenn ich nicht ganz zufrieden war, gab ich immer wieder nach, weil ich sie liebte. Ich dachte, sie mochte kalt und unnahbar sein, aber wenigstens liebte sie mich. Erst als ich mit meinem Team zu einem Einsatz in ein brennendes Hotel gerufen wurde, begriff ich erst, wie sehr ich mich geirrt hatte. Als ich sie fand, lag sie in den Armen eines anderen Mannes. Zwischen ihnen saß ein kleines Kind.
View MoreGleich darauf fuhr Julias wütende Stimme durch den Raum.„Lass die Rechtsabteilung zwei Scheidungsvereinbarungen aufsetzen. Ich gehe kurz raus!“Scheidungsvereinbarungen!Ralf erstarrte.Er musste nicht lange nachdenken, um zu begreifen, dass Julia sich diesmal wirklich von Leon scheiden lassen wollte.Aber Herr Fischer war doch letzte Nacht gekommen.Hatten die beiden sich nicht wieder versöhnt?Der Gedanke kam nur kurz auf. Ralf wagte nicht, sich weiter in Julias private Angelegenheiten einzumischen. Er nickte respektvoll und verließ das Büro.Zehn Minuten später lagen zwei Scheidungsvereinbarungen im Büro.Mit kaltem Gesicht nahm Julia die Unterlagen und verließ die Goldstein-Gruppe. Ihr Ziel war direkt die Feuerwache, bei der Leon arbeitete.„Leon, du willst mit mir Stärke zeigen? Lächerlich.“„Dann zeige ich dir eben, wer am Ende wirklich dasteht und nicht mehr zurückkann!“Zur selben Zeit auf der anderen Seite.Ich hatte gerade das Fitnesstraining der Wache beendet, als mich der
„Wer den buddhistischen Weg geht, meidet Begierde am meisten.“„Sex ist nur am sechzehnten Tag jedes Monats erlaubt.“Nach fünf Jahren gab ich ihr genau diese Worte zurück.Dann legte ich auf und schaltete das Handy aus.Das Taxi kam genau in diesem Moment. Ich stieg ein und ließ die Goldstein-Gruppe hinter mir in der Nacht zurück.„Leon!“Zur selben Zeit stand Julia vor der bodentiefen Fensterfront und sah hinaus, bis ihre Augen brannten.Doch unten auf der Straße war Leon längst verschwunden.Das Handy glitt ihr aus den Fingern. Tränen liefen ihr über das Gesicht.Im Glas der Fensterfront spiegelte sich die funkelnde Nacht der Stadt. Und darin sah Julia ihr eigenes Gesicht, blass, erschöpft und voller Tränenspuren.Ihr Herz tat weh.Es war ein Schmerz, der tief in ihre Brust schnitt.In dieser Nacht konnte Julia lange nicht einschlafen.Ihr Kopf war schwer, und hinter den Schläfen pochte ein dumpfer Schmerz. Trotzdem wollte Julia die Augen nicht schließen.Sobald sie die Augen schlos
Vielleicht war Julia mit ihrem Nachgeben inzwischen am Ende. Jeder Satz von ihr war eine Provokation. Sie wollte mich zum Streit treiben und danach wieder einen Weg zurückfinden.Doch diesen Weg hatte es nie wirklich gegeben.Was sie Versöhnung nannte, war immer nur mein Nachgeben für die Liebe.Doch wenn der Mensch, der immer gelitten hatte, nicht mehr weiter leiden wollte, woher sollten dann noch so viele Wege zur Versöhnung kommen?„Denk, was du willst. Dann bin ich eben eifersüchtig. Mir egal.“„Ruh dich früh aus.“Nachdem ich das gesagt hatte, achtete ich nicht mehr auf Julias Reaktion und verließ das Büro.Ich dachte, diese Nacht war endlich vorbei.Doch damit hatte ich nicht gerechnet.Doch ich hatte nicht damit gerechnet, dass Julia mir tatsächlich nachkam.Sie packte meinen Arm fest und sagte mit scharfer Stimme: „Leon, meine Geduld ist begrenzt!“„Ich habe dir immer wieder erlaubt, meine Grenzen auszureizen, weil mir diese Ehe wichtig war. Aber das heißt nicht, dass du immer
Doch jetzt hielt ich besser etwas Abstand zu meiner künftigen Exfrau.Julia rückte weiter näher, und ich wich zur Seite aus.Am Ende konnte ich sie aber auch nicht wirklich fallen lassen. Also streckte ich die Hand aus und stützte sie nur kurz am Arm, genau wie Ralf es vorher getan hatte.„Vorsicht.“Bei dieser leisen Erinnerung erstarrte Julia kurz.Ihre schönen Augen sahen mich ungläubig an.Offenbar verstand sie nicht, wie der Mann, der ihr fünf Jahre lang jeden Wunsch erfüllt hatte, plötzlich so distanziert sein konnte.„Danke.“In diesem Moment verlor Julia sichtbar an Kraft. Sie rückte nicht mehr näher an mich heran, sondern ging allein weiter.Wir betraten ihr Büro.Sie nahm geübt einen Schlüssel aus der Schublade und öffnete die kleine Tür zum Schlafzimmer, die neben dem Bücherregal verborgen lag.In diesem Moment blieb ich stehen und ging nicht weiter.Ich wollte dieses Schlafzimmer nicht sehen, das sie mir all die Jahre verschwiegen hatte. Und ich wollte erst recht nicht wiss