Du nimmst sie, ich ihn – dann war’s das

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Raymond Galloway wollte seine erste Liebe heiraten. Elysia Kensington, die sieben Jahre lang an seiner Seite gewesen war, weinte nicht und machte auch keine Szene. Stattdessen organisierte sie sogar persönlich eine prachtvolle Hochzeit für ihn. An seinem Hochzeitstag trug auch Elysia ein Brautkleid. Auf dem breiten Prachtboulevard fuhren zwei Hochzeitswagen aneinander vorbei. Als die beiden Bräute ihre Brautsträuße tauschten, hörte Raymond Elysia sagen: „Ich wünsche dir alles Glück der Welt!“ Raymond jagte ihrem Hochzeitswagen kilometerweit hinterher, bis er ihn endlich einholte. Er hielt Elysia fest und brach in Tränen aus. „Elysia, du gehörst mir.“ Da stieg ein Mann aus dem Hochzeitswagen, zog Elysia in seine Arme und fragte: „Wenn sie dir gehört, wem gehöre dann ich?“

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Kabanata 1

Kapitel 1 Ich habe sieben Jahre auf dich gewartet

Elysia setzte den letzten Punkt unter ihr Kündigungsschreiben und blickte aus dem Fenster.

Auf der riesigen LED-Wand gegenüber lief seit sieben Tagen ununterbrochen die Ankündigung der bevorstehenden Hochzeit von Raymond Galloway und Brittany Bexley.

Für alle stand fest: Raymond liebte Brittany abgöttisch.

Doch niemand wusste, dass Elysia sieben Jahre lang an seiner Seite gewesen war.

Vom achtzehnten bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr schenkte sie diesem Mann die besten Jahre ihres Lebens.

Jetzt heiratete er eine andere.

Also war es Zeit zu gehen.

Mit seiner Hochzeit war auch für Elysia der Zeitpunkt gekommen, endgültig aus Raymonds Leben zu verschwinden.

Sie wandte den Blick vom Fenster ab, faltete ihr Kündigungsschreiben sorgfältig zusammen und steckte es in einen weißen Umschlag.

In diesem Moment öffnete sich die Bürotür.

Raymond trat herein.

Er trug ein schwarzes Hemd. Die obersten Knöpfe standen offen. Seine schwarze Hose betonte seine langen Beine. Mit festen, schnellen Schritten kam er auf sie zu. Seine kühle, selbstsichere Ausstrahlung war so präsent, dass man ihn unmöglich übersehen konnte.

Elysia erinnerte sich noch genau an ihre erste Begegnung.

Auch damals trug Raymond ein schwarzes Hemd. Er saß allein in einer Ecke einer Bar und trank. Damals sah er aus wie ein Mann, der alles verloren hatte.

Die Familie Galloway war bankrott. Raymond musste sogar seine Uhr verpfänden, um seine Drinks bezahlen zu können.

Elysia löste die Uhr beim Pfandleiher wieder aus.

Und von diesem Tag an blieb sie an Raymonds Seite.

Doch ein Mann wie Raymond blieb nicht lange am Boden.

Später baute er alles wieder auf. Inzwischen gehörte er zur gesellschaftlichen Elite Silberstadts.

„Warum antwortest du nicht auf meine Nachricht?“

Sein kühler Blick fiel auf den weißen Umschlag in Elysias Hand.

Elysia hielt ihn fest und deutete mit der anderen Hand zum Fenster.

„Ich habe mir das Hochzeitsvideo von Ihnen und Fräulein Bexley angesehen.“

Raymonds Blick verdunkelte sich leicht.

„Das hast du doch selbst zusammengestellt. Was gibt es da noch anzusehen?“

Das stimmte.

Sie selbst plante sein Hochzeitsvideo.

Jedes einzelne Foto von ihm und Brittany suchte sie aus. Jeden ihrer schönsten gemeinsamen Momente wählte sie persönlich aus. Selbst die romantischen Zeilen, die im Video eingeblendet wurden, stammten von ihr.

Als Raymond ihr diese Aufgabe gab, sagte er:

„Elysia, kümmer dich persönlich darum. Brittany vertraut da niemandem außer dir.“

Raymond und Brittany waren erst seit drei Monaten wieder zusammen.

Doch ihre Geschichte begann schon in der Schulzeit.

Vor sieben Jahren ging Brittany ins Ausland. Kurz darauf ging die Familie Galloway bankrott. Damit trennten sich auch ihre Wege.

Vor drei Monaten kehrte Brittany mit ihrer Familie zurück.

Kurz darauf fanden Raymond und sie wieder zueinander. Vor aller Augen machte er ihr einen spektakulären Heiratsantrag.

Elysia war sieben Jahre an seiner Seite gewesen.

Für alle in Raymonds Umfeld stand längst fest, dass sie eines Tages seine Frau werden sollte.

Auch Elysia selbst glaubte daran.

Noch drei Monate zuvor bat Raymond sie sogar, einen Ring auszusuchen, der ihr gefiel.

Also suchte sie ganz selbstverständlich einen Ring in ihrer eigenen Größe aus.

Doch dann kam jene Nacht.

Um Mitternacht erhellte ein gewaltiges Feuerwerk den Himmel über der ganzen Stadt.

Raymond sah sie an und sagte nur:

„Elysia, gib mir den Ring.“

Sie reichte ihm den Ring, den sie selbst mit so viel Sorgfalt ausgesucht hatte.

Raymond nahm ihn entgegen.

Dann drehte er sich um, ging vor Brittany auf ein Knie und steckte ihr den Ring an den Finger.

Unter dem strahlenden Feuerwerk hörte Elysia ihn sagen:

„Ich habe sieben Jahre auf dich gewartet. Mehr als zweitausendfünfhundert Tage und Nächte. An keinem einzigen dieser Tage warst du bei mir. Und trotzdem drehte sich jeder einzelne um dich.“

In diesem Moment zerbrach etwas in Elysia.

Über ihr erstrahlte das Feuerwerk in unzähligen Lichtern. In ihr dagegen fiel alles auseinander.

All diese zweitausendfünfhundert Tage und Nächte galten in Raymonds Augen also Brittany.

Aber wer blieb in all diesen Jahren bei ihm, wenn er bis spät in die Nacht arbeitete?

Wessen Namen rief er, wenn er betrunken war?

Wen zog er nachts im Schlaf in seine Arme?

Elysia.

Was bedeuteten diese sieben Jahre dann überhaupt?

Diese Frage stellte sie ihm nie.

Denn seine Hochzeit mit Brittany war Antwort genug.

Sieben Jahre an seiner Seite wogen offenbar weniger als die Erinnerung an die erste Liebe aus Jugendtagen.

Außerdem versprach Raymond ihr in all den Jahren nie etwas.

Sie allein hatte gehofft, dass aus ihnen eines Tages mehr werden konnte.

Jetzt war diese Hoffnung zerbrochen.

Dafür konnte sie ihm keinen Vorwurf machen.

Elysia drängte ihre Gedanken zurück und sah den Mann, den sie sieben Jahre lang liebte, ruhig an.

„Was steht heute noch an, Herr Galloway?“

„Komm heute Abend mit zur Familie Bexley. Du weißt, welche Geschenke wir vorbereiten müssen“, erklärte Raymond sachlich.

„Gut.“

Elysia war seine Assistentin.

Was immer er von ihr verlangte, erledigte sie.

Raymond musterte ihr Gesicht.

Irgendetwas daran irritierte ihn.

„Elysia, du ...“

Nach diesen wenigen Worten brach er ab.

Nicht einmal er selbst wusste genau, was plötzlich anders an ihr war.

Schließlich sagte er:

„Du lächelst in letzter Zeit kaum noch.“

Raymond war so sehr mit Brittany beschäftigt, dass Elysia nicht erwartet hatte, dass ihm so etwas überhaupt auffiel.

Sofort setzte sie ihr makelloses Berufslächeln auf.

„Ich werde darauf achten, Herr Galloway.“

„Elysia.“

Raymond sprach ihren Namen leise aus.

„An deiner Position als meine persönliche Assistentin ändert sich nichts. Nächstes Jahr befördere ich dich zur stellvertretenden Geschäftsführerin.“

Von der einfachen Sekretärin zur persönlichen Assistentin des CEO und bald zur stellvertretenden Geschäftsführerin.

So sah Raymond Elysias Weg.

Doch er wusste nicht, dass Elysia all diese Titel und Befugnisse nie gewollt hatte.

Sie wollte nur eines.

Seine Frau werden.

Doch inzwischen war dieser Wunsch nichts weiter als eine schöne Illusion, die niemals Wirklichkeit wurde.

„Gut.“

Elysia lächelte und nahm auch dieses Versprechen an.

Sieben Jahre lang nahm sie alles an, was Raymond ihr gab.

Um das, was er ihr nicht geben wollte, bat sie nie.

Das diffuse Unbehagen in Raymond wurde plötzlich stärker.

Sein Blick wurde kühler.

„Aber nur, wenn dir keine Fehler passieren. Vor allem nicht bei der Hochzeit.“

„Sie können sich darauf verlassen, Herr Galloway. Ich werde alles dafür tun, dass Ihre Hochzeit mit Fräulein Bexley perfekt wird.“

Raymond sah sie mehrere Sekunden schweigend an.

Dann wandte er sich ab.

Im nächsten Moment fiel sein Blick erneut auf den weißen Umschlag in ihrer Hand.

Abrupt blieb er stehen.

„Was hast du da?“
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