LOGINElara
Der Unterrichtsraum liegt in dichtem Halbdunkel, nur durchbrochen vom flackernden Schein der Kerzen, die auf staubigen Regalen verteilt stehen. Ihre Flammen tanzen und werfen verzerrte Schatten an die Wände, als würden die Geister vergangener Lektionen uns beobachten, gierig nach einem Schauspiel.
Mein Atem geht flach, beinahe erstickt von der schweren Luft, durchzogen vom berauschenden Duft von Leder, moschusartigem Parfüm und diesem herben, fast metallischen Geruch des Verlangens, das zwischen uns aufsteigt.
Ich stehe in der Mitte des Raumes, die Beine leicht zitternd unter meinem engen schwarzen Kleid, der Stoff klebt an meiner feuchten Haut. Jede Bewegung lässt den tiefen Ausschnitt zwischen meinen Brüsten beben – eine stumme Einladung.
Isadora steht vor mir, ihr Körper in dieses Latexkleid gehüllt, das jede Kurve wie eine zweite Haut umschließt. Ihr blondes Haar, im flackernden Licht beinahe weiß, fällt in perfekten Wellen über ihre Schultern und kontrastiert mit dem blutroten Glanz ihrer Lippen.
Sie fixiert mich. Ihre grünen Augen sind kalt wie Eis auf einem schwarzen See, und ich spüre, wie ihr Blick mich durchbohrt, mich seziert, als könnte sie jeden schamvollen Gedanken lesen, der durch meinen Kopf zieht.
„Wähle, Elara“, haucht sie, ihre Stimme samtig und gedehnt wie vergifteter Honig. „Willst du dominieren … oder dominiert werden?“
Die Worte hallen in mir nach, schwer von Versprechen und Drohungen. Mein Herz schlägt so laut, dass ich sicher bin, sie kann es hören – diesen dumpfen, verzweifelten Rhythmus, der meine Erregung mehr verrät als meine Angst.
Hinter mir bewegt sich Kael.
Ich höre ihn, noch bevor ich ihn spüre – das leise Reiben des Leders seines Gürtels, den er langsam, methodisch öffnet, als hätte er alle Zeit der Welt. Als gehöre ich ihm längst.
Das Geräusch des Metalls, das durch die Schlaufen gleitet, jagt mir einen Schauer über den Rücken, und ich balle die Fäuste, um mich davon abzuhalten, mich umzudrehen, ihn anzuflehen – wofür? Ich weiß es nicht. Mich zu berühren? Mich zu verschonen?
Der erste Kontakt seiner Finger an meiner nackten Taille lässt mich zusammenzucken. Er hat seine Hand unter den Saum meines Kleides geschoben, seine Haut brennend heiß gegen meine, und ich spüre, wie meine Knie nachgeben.
„Du zitterst“, stellt Isadora fest, ein grausames Lächeln auf ihren Lippen. „Das ist ein gutes Zeichen.“
Ihre Finger streifen meinen Hals, wandern hinauf zu meinem Kiefer, zwingen mich, den Kopf in den Nacken zu legen und meine Kehle preiszugeben.
„Deine Grenzen sind nur Illusionen“, flüstert sie so nah, dass ihr warmer Atem mein Ohr streift. „Und wir werden sie brechen. Eine nach der anderen.“
Dann zieht sie.
Ein Blitz aus Schmerz schießt durch meine Kopfhaut, als sich ihre Finger in mein Haar krallen, fest genug, um mich das Gesicht verziehen zu lassen.
„Auf die Knie“, befiehlt sie.
Ich habe keine Wahl. Sie stößt mich nach vorn, zwingt mich, mich über den alten Schreibtisch vor uns zu beugen, das Holz kalt und hart gegen meine Hüften. Mein Kleid rutscht hoch, entblößt meine Schenkel, und ich spüre die kühle Luft auf meiner nackten Haut – unmittelbar bevor Kaels Hand sich dort niederlässt, breit, besitzergreifend.
„Verdammt“, hauche ich, die Finger am Rand des Möbels verkrampft, die Nägel graben sich ins Holz.
Er lässt seine Finger höher gleiten, streift die feuchte Spitze meiner Unterwäsche, und ich stöhne, unfähig, den Laut zurückzuhalten.
„Du bist schon völlig nass“, spottet er, seine Stimme rau, beinahe amüsiert. „Dein Körper weiß, was er will, auch wenn dein Verstand noch Widerstand leistet.“
Isadora tritt vor mich und versperrt mir die Sicht.
„Spürst du, wie dein Körper dich verrät, Elara?“
Die Frage trifft mich wie ein Peitschenhieb. Ich schließe die Augen, Scham und Lust vermischen sich in mir zu einem brennenden Cocktail.
„Ja“, gestehe ich kaum hörbar.
Sie lacht leise, melodisch, und tritt einen Schritt zurück.
„Dann sieh hin.“
Ich öffne die Augen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sie langsam ihr Kleid öffnet, ihre geschickten Finger das Latex über ihre Schultern gleiten lassen. Ihre milchige Haut kommt zum Vorschein, ihre festen Brüste, gekrönt von rosigen, harten Brustwarzen wie Edelsteine.
„Leck mich“, befiehlt sie – und es ist keine Bitte.
Für einen Moment bleibe ich reglos stehen, mein Herz hämmert. Hinter mir drückt Kael sein Becken gegen mein Gesäß, und ich spüre die Hitze seiner Erektion durch den Stoff seiner Hose – dick, fordernd.
„Gehorche“, flüstert er an meinem Ohr.
Der Befehl durchzuckt mich wie ein Stromschlag.
Ich rutsche vom Schreibtisch, die Beine weich, bis ich vor Isadora auf die Knie sinke. Sie spreizt leicht die Schenkel und gibt ihr rasiertes Geschlecht preis, bereits glänzend vor Verlangen.
„Na los“, drängt sie und vergräbt die Finger in meinem Haar, um mich zu führen. „Zeig mir, wie sehr du das willst.“
Ich atme tief ein, ihr moschusartiger Duft hüllt mich ein, bevor ich meine Lippen vorwärts bewege.
Der erste Kontakt ist elektrisch. Ihre Haut ist weich, heiß, und als meine Zunge über ihren Kitzler streicht, entweicht ihr ein zufriedenes Stöhnen, ihre Hüften schieben sich leicht gegen mich.
„Genau so“, murmelt sie. „Genau so.“
Ich gehorche, ziehe langsame Kreise, koste den salzigen Geschmack ihres Verlangens, während meine Hände sich an ihre Schenkel klammern, um mich zu stabilisieren.
Hinter mir hat Kael seine Hose heruntergelassen, und ich spüre die nackte Spitze seines Geschlechts an meinem Eingang entlanggleiten, feucht und bereit.
„Du bist so sanft, wenn du leckst“, sagt Isadora, ihre Stimme leicht bebend. „Aber ich will sehen, wie du nimmst, was du verdienst.“
Kassian LéonIch schlafe in dieser Nacht nicht.Nicht wirklich. Ich bleibe wach in dem großen Bett, höre auf ihren Atem, sehe zu, wie das Dunkel langsam gegen die Morgendämmerung verblasst. Sie schläft, friedlich, ihr Haar auf dem Kissen verstreut wie eine Signatur. Eine Hand liegt auf meinem leeren Platz, als ob sie selbst im Schlaf die Wärme suchte, die ich mitgenommen habe.Ich sollte ruhig sein.Bin ich nicht.Es ist schlimmer als alles vorher. Schlimmer als das Warten, schlimmer als die Ungewissheit. Jetzt, wo ich weiß, wo ich gekostet habe, wo ich meinen Namen in ihrem Mund gehört habe, in dem Moment, als sie sich hingab, bin ich hungriger denn je.Ein Wolfshunger. Ein Bestienhunger.---Sechs Uhr dreißig. Ich bin in meiner Ankleide, wähle einen grauen Anthrazit-Anzug, eine nachtblaue Krawatte. Die Bewegungen mechanisch, präzise. Ich könnte es
LéonDas Abendessen verläuft in dieser seltsamen Intimität. Ich beantworte ihre Fragen, ich benenne die Gewürze, ich erkläre, warum Risotto Geduld erfordert, warum man zu Fisch nie Käse serviert. Sie hört zu, ernst, als ob jede Information kostbar wäre. Sie probiert, sie genießt, sie schließt die Augen, wenn ein Geschmack sie überrascht.Ich spreche nicht über meine Arbeit. Sie fragt nicht. Wir schweben, zeitenthoben, in dieser Küche, die nie benutzt wurde, erleuchtet von Kerzen aus jungfräulichem Wachs.Als sie ihren Teller leert, legt sie die Gabel bedächtig beiseite.— Es war perfekt, sagt sie.— Tiramisu ist im Kühlschrank.Sie schüttelt den Kopf, ihre Augen in meinen.— Ich habe keinen Hunger mehr. Nicht darauf.Der Atem der Kerze flackert zwischen uns.— Was willst du?Meine Stimme i
LéonIhre Finger um mein Handgelenk. Dieser winzige Druck, kaum bewusst. Sie schläft noch, aber ein Teil von ihr wacht, hat mich kommen gespürt, hat mich erkannt.Ich ziehe meine Hand nicht weg.Die Zeit dehnt sich, steht still. Die Lichtstreifen auf dem Bett verändern sich unmerklich, gleiten vom Kissen auf ihre nackten Schultern. Die Nacht bricht herein, das Zimmer versinkt im Blau der Abenddämmerung. Ich bewege mich nicht. Ich mache kein Licht. Atmen genügt. Sie ansehen genügt.Ihre Lider flattern. Ein langer Wimpernschlag. Ihre Augen öffnen sich, zuerst verloren, dann finden sie meine. Sie zuckt nicht zusammen. Zieht ihre Hand nicht weg. Ihre Lippen öffnen sich zu einem erwachenden, verschlafenen, hingegebenen Lächeln.— Du bist zurück, haucht sie. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Eine frohe Feststellung.— Ich bin zurück.Meine Stimme
LéonIch gehe die Stufen der Freitreppe hinunter. Die Morgenluft ist kalt, schneidend, ein Schock nach der feuchten Wärme des Bades. Die Stadt erwacht, grau und laut, aber ihre Konturen wirken verschwommen, wie von Watte gedämpft. Meine Sinne sind betäubt, gesättigt von ihr. Der Duft ihres Shampoos auf meiner Haut unter dem Eau de Cologne. Die Erinnerung an ihre Finger, schüchtern und entschlossen, die ihre Spuren auf meinem Körper zogen.Die Tür der schwarzen Limousine öffnet sich. Ich lasse mich auf den Rücksitz fallen.— Zum Büro, Monsieur?— Zum Büro.Meine Stimme ist tiefer als sonst. Sie hallt seltsam im gedämpften Innenraum wider. Der Motor schnurrt. Die Stadt zieht vorbei, eine Kulisse ohne Substanz.Ich schaue aus dem Fenster, aber ich sehe nicht die Straße. Ich sehe ihre Augen, glänzend im Halbdunkel des Bettes, die mir folgen, w&aum
LéonIch hebe den Blick zu ihr. Der Dampf tropft an ihrem Gesicht herunter, vermischt mit neuen, stillen Tränen. Sie weint nicht vor Kummer. Sie weint, weil sie so gesehen wird. Weil sie gewaschen wird. Weil sie bis in diese Reinigung hinein besessen wird.— Dreh dich um, befehle ich, meine Stimme heiser vor Emotion, die ich nicht zeige.Sie gehorcht. Ich wasche ihre Beine, lang und schlank, meine Hände gleiten von den Knöcheln zu den Oberschenkeln hoch. Ich verweile an ihren Kniekehlen, an der Innenseite ihrer Schenkel. Jede Zone wird gereinigt, beansprucht.Als ihr Körper mit Schaum bedeckt ist, makellos, richte ich mich auf. Ich nehme sie um die Taille und ziehe sie weg vom Hauptstrahl. Ich bleibe unter dem Wasser, schließe für einen Moment die Augen, lasse es über mich laufen, um meinerseits die Stigmata unserer Nacht fortzutragen.— Jetzt du, sagt sie plötzlich, mit leis
LéonDas Morgenlicht ist jetzt grell, unbarmherzig. Es zeichnet jedes Detail des Desasters, das wir sind, auf das blasse Leder. Der Schweiß ist zu salzigen Schlieren auf ihrer Haut getrocknet, auf meiner. Der Geruch unserer geteilten Wut hat sich verdichtet, ist zu einem animalischen, bittersüßen Duft geworden, der den Raum erfüllt.Ich sehe sie schlafen, zusammengesackt auf meiner Brust. Ihre Züge sind glatt, fast kindlich, aber die Ringe unter ihren Augen und der leicht verzogene Mund sprechen von der Verwüstung. Meiner Verwüstung. Ein roher, primitiver Stolz steigt in mir auf. Und etwas anderes, Beunruhigenderes, das ich nicht benenne. Etwas, das einer Art heiliger Scheu ähnelt.Mein ursprünglicher Plan, dieses kleine, saubere Geschäft, scheint zu einem anderen Leben zu gehören, zu einem anderen Mann. Dieser Mann war ein Idiot. Er hatte die Schwachstelle in sich nicht gesehen, diese Lücke, die nur darauf wartete, sich mit ihr zu füllen. Jetzt ist sie darin. Und nichts wird sie jema
ElenaIch flüstere, aber meine Hände diese verdammten, ungehorsamen Hände legen sich auf seine Hüften und ziehen sein Becken an meines.Er lacht leise auf, ein tiefes Geräusch, bevor er sich meine Lippen in einem Kuss nimmt, der nichts Zärtliches hat. Es ist eine Beanspruchung. Seine Zähne fangen
ÉvaKael legt die Nadel beiseite, und in der darauffolgenden Stille kehrt keine Erleichterung ein, sondern eine noch schrecklichere Erwartung, denn ich weiß tief in meinem bereits gemarterten Körper, dass diese Pause nur das Vorspiel zu einer neuen Form der Folter ist, und ich sehe ihm zu, wie er d
ElaraDas Herrenhaus verschluckt den sterbenden Tag. Seine hohen Mauern aus hellem Stein, die Reihen unermesslicher, dunkler Fenster, die geometrisch geschnittenen französischen Gärten – alles atmet Ordnung, Erhabenheit und eine absolute Stille. Es ist weniger ein Wohnsitz als ein Territorium. Mein
ElaraDer Schlaf war ein bodenloser Schacht gewesen, ein bleiernes Nichts, in dem mein erschöpfter Geist versunken war. Ich erwache in meinen eigenen Laken, in dem weitläufigen, stillen Raum der Penthouse-Suite. Das Morgenlicht, gedämpft durch die elektrischen Jalousien, streichelt den Marmorboden.