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Kapitel 2: Die Begegnung 2

Author: Déesse
last update publish date: 2026-02-06 03:15:58

Elara

Ich greife erneut danach, meine Finger noch befleckt von meinem eigenen Verlangen. Der Umschlag ist mit einem roten Wachssiegel verschlossen, unversehrt. Wie ein Versprechen. Wie eine Herausforderung.

„In Ordnung“, murmele ich mit brüchiger Stimme. „In Ordnung, verdammt.“

Ich stehe auf, reiße meinen Morgenmantel herunter und gehe zum Kleiderschrank. Meine Hände wühlen durch die Stoffe, auf der Suche nach ihr. Dem Kleid, das ich mich nie zu tragen traue. Dem Kleid, das ich in einem Anfall von Wahnsinn gekauft habe, an einem Abend, an dem der Wein für mich sprach.

Schwarz. Eng anliegend. Mit einem Ausschnitt so tief zwischen den Brüsten, dass er an Obszönität grenzt. Der Stoff gleitet über meine Haut wie eine Liebkosung, schmiegt sich an jede Kurve, als wäre er für mich gemacht. Für sie.

Ich habe keinen BH, der dazu passen würde – wozu auch? Meine Brustwarzen zeichnen sich bereits durch den Stoff ab, zwei kleine harte, unanständige Punkte. Ich fahre mir mit den Fingern durch die Haare, lasse sie in ungeordneten Wellen fallen, dann streife ich schwarze High Heels über, so hoch, dass ich schwanke.

Im Spiegel erkenne ich mich nicht wieder.

Die Frau, die mich anstarrt, hat gerötete Wangen, geschwollene Lippen, Augen, die von einem Fieber glänzen, das ich nicht länger leugnen kann. Sie sieht bereit aus. Bereit, verschlungen zu werden.

Ich greife nach meinem langen Wollmantel und trete hinaus in die Nacht.

Die Akademie erhebt sich am Ende einer von knorrigen Eichen gesäumten Allee. Das Gebäude selbst ist ein Alptraum aus schwarzem Stein und roten Glasfenstern, die Fenster erleuchtet von einem goldenen Schein, der zu atmen scheint. Als würde etwas dort drinnen auf mich warten.

Ich steige die Stufen hinauf. Die massive Tür ist mit Körpern und Mündern verziert, die sich beinahe bewegen, wenn ich blinzle. Ich klopfe.

Stille.

Dann ein Knarren. Die Tür öffnet sich von selbst einen Spalt. Die warme Luft, die herausströmt, ist schwer von Moschus und Sex. Von Schweiß. Und von einem kupfernen Geruch … Blut.

Ich stoße die Tür auf und trete ein.

Die kreisrunde Halle gleicht einer perversen Kathedrale. Bordeauxfarbene Samtwände, Hunderte von Kerzen, Schatten, die tanzen wie Liebende. In der Mitte ein Tisch aus schwarzem Marmor, bedeckt mit Gegenständen … Peitschen, Klammern, ein Lederhalsband mit silbernen Nieten.

„Du bist zu spät.“

Ich drehe mich um.

Isadora. In ein schwarzes Latexkleid gegossen, an einen Pfeiler gelehnt. Ihr eisblondes Haar fällt in Kaskaden, ihre Lippen rot – zu rot.

„Ich … ich wusste nicht, dass es eine Uhrzeit gibt“, stammle ich.

Sie kichert, kommt näher, ihre Absätze klacken wie Peitschenhiebe. Ich weiche zurück, doch die Wand stoppt mich. Sie steht direkt vor mir, so nah, dass ich ihre Wärme spüre.

„Du weißt ganz genau, warum du hier bist, Kleine“, sagt sie und fährt mit der Fingerspitze meine Kieferlinie entlang. „Du spürst, was dieser Ort mit dir macht. Ich sehe es.“

Ihr Finger gleitet über meine Brüste, findet meine Brustwarze, kneift sie. Ich halte zitternd die Luft an.

„Du bist feucht, nicht wahr? Du hast mit dir gespielt, während du diesen Brief gelesen hast. Du hast dich selbst befriedigt und dir vorgestellt, was wir mit dir machen werden.“

„Nein …“

„Lügnerin.“

Ihre Hand taucht unter mein Kleid. Ich zucke zusammen, ein erstickter Schrei. Ihre kalten Finger wandern meine Innenschenkel hinauf, finden meinen durchnässten Slip und dringen ohne Vorwarnung in mich ein.

„Verdammt …“

Ich wölbe mich, meine Nägel krallen sich in den Samt, meine Hüften suchen ihre Hand. Sie bearbeitet mich gnadenlos, ihre Fingerknöchel reiben über meinen empfindlichen Punkt.

„Du bist so eng, Kleine. So heiß. Wirst du so kommen? Hier im Eingangsbereich, im Stehen, wie das kleine Luder, das du bist?“

Ich schüttele den Kopf, doch mein Körper sagt ja. Ich bin kurz davor zu explodieren …

„Genug.“

Die Stimme schlägt ein wie Donner.

Isadora zieht ihre Finger zurück. Ich schwanke. Sie leckt sie langsam ab, genießt es.

Ich hebe den Blick.

Kael. Oben auf einer Wendeltreppe. Perfekter schwarzer Anzug. Hohe Wangenknochen. Markanter Kiefer. Und diese Augen, blassblau, fast weiß. Eis. Tod.

„Willkommen, Elara“, sagt er mit einer Stimme, weich und gefährlich zugleich. „Du bist hier, um zu lernen.“

Ich zittere vor Erregung.

Isadora lacht hinter mir.

„Oh, sie hat so viel zu lernen. Sieh sie dir an. Sie kommt allein schon, wenn sie dich ansieht.“

Ich werde rot, aber ich wende den Blick nicht ab. Ich kann nicht. Kael steigt die Treppe hinunter, jeder Schritt kontrolliert. Als er vor mir steht, streift er meine Wange mit dem Handrücken. Seine Haut ist kalt. Zu kalt.

„Hast du Angst?“, flüstert er.

„Nein.“

„Solltest du aber.“

Seine Hand schließt sich um meinen Hals, gerade fest genug, um meinen Puls zu fühlen. Ich stöhne, und seine Pupillen weiten sich.

„Komm“, befiehlt er und lässt mich los. „Deine erste Lektion beginnt jetzt.“

Isadora kichert. Ich folge ihm, die Beine zittern.

Irgendwo in den Schatten stöhnt jemand.

Ich weiß, dass ich diesen Ort nicht unversehrt verlassen werde.

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