Handelskammer Chicago, 27. Etage. Um 9:55 Uhr erschien Matteo an der Tür des Konferenzraums. Es war das erste Mal, dass er nicht zu spät kam. Im Inneren saßen bereits die Ältesten beider Familien. Die fünf Rossi-Ältesten saßen auf einer Seite des langen Tisches, die vier Falcone-Ältesten auf der anderen. Ich saß auf dem Platz meines Vaters und blätterte ausdruckslos durch Unterlagen. Als Matteo hereinkam, richteten sich alle Blicke auf ihn. Er sah fürchterlich aus. Drei Tage Bartstoppeln, tiefe Ringe unter den Augen, sein Anzug zerknittert. Der einst tadellosgekleidete Mafia-Don wirkte wie ein verlorener, gebrochener Mann. „Natalia“, sagte er mit rauer Stimme – kaum hörbar. Ich sah kurz auf, dann wandte ich mich wieder meinen Unterlagen zu. „Bitte nehmen Sie Platz, Don Falcone“, sagte Giuseppe und deutete auf den Stuhl ihm gegenüber. Matteo setzte sich nicht. Er ging direkt auf mich zu. „Natalia, ich muss mit dir reden. Unter vier Augen.“ „Es gibt nichts zu besprechen“, s
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