LOGINCourtney:
Die Nachricht platzte siebzehn Minuten, bevor wir endlich am Davenport-Anwesen ankamen. Ich kannte die genaue Zeit, weil mein Handy nicht aufhörte zu vibrieren.
Eine Benachrichtigung, dann noch eine, dann zehn weitere. Das Internet erlebte seinen nächsten großen Tag.
Zahlreiche Nachrichtenportale berichteten darüber, denn wer wollte schon auf solch saftigen Klatsch verzichten?
Neuigkeiten über die beiden mächtigen Familien waren schwer zu bekommen.
Ich warf einen Blick auf die neueste Schlagzeile, die über meinen Bildschirm flackerte.
COURTNEY ASTOR HEIRATET RHYS DAVENPORT, TAGE NACHDEM SIE DIE AFFÄRE IHRES EHEMANNS AUFGEDECKT HAT.
Eine weitere folgte sofort.
CHAIRMAN VON DAVENPORT HOLDINGS HEIRATET HEIMLICH DIE EX-FRAU SEINES NEFFEN.
Dann noch eine und noch eine. Ich seufzte schwer.
Meine Sekretärin arbeitete schnell. Die Heiratsurkunde, die Hochzeitsfotos. Sie musste alles direkt an die Medien geschickt haben.
Ehrlich gesagt sollte ich ihr wohl eine Gehaltserhöhung geben. Mir gegenüber blickte Rhys langsam von seinem Handy auf.
Sein Gesichtsausdruck blieb ruhig wie immer. Die Welt könnte untergehen, und Rhys Davenport würde vermutlich immer noch beherrscht aussehen.
„Du wirkst überraschend entspannt.“
Ich lächelte.
Natürlich sollte ich entspannt sein. Papa hatte mich gelehrt, dass so etwas nicht ausreichte, um mich in Panik zu versetzen.
„Du wirkst überraschend unüberrascht.“
Sein Blick hielt meinen unbeirrt fest.
„Ich habe vermutet, dass deine Sekretärin etwas unternehmen würde.“
Ein Lachen entkam mir.
„Kluge Frau.“
„Eine Unruhestifterin.“
„Auch das.“
Sein Mundwinkel zuckte, das Nächste, was er je an Belustigung zeigte. Mein Handy vibrierte erneut, und diesmal war es mein Vater.
Ich lehnte den Anruf sofort ab. Ich war heute Abend nicht in der Stimmung dafür.
Endlich sprach der Fahrer.
„Wir sind da, Sir.“
Der Wagen kam zum Stehen. Durch das Fenster entdeckte ich sie sofort.
Kameras, Reporter und Fotografen, die vor den Toren des Anwesens warteten. Kaum bemerkten sie das Auto, begannen die Blitzlichter.
Der Fahrer öffnete zuerst Rhys’ Tür, dann kam Rhys herüber, um meine zu öffnen. Kühle Abendluft strich sanft über meine Haut.
Das Rufen begann sofort.
„Mrs. Davenport!“
„Wie lange sind Sie schon zusammen?“
„Hat die Affäre Ihre Ehe beeinflusst?“
„Mr. Davenport!“
„Haben Sie die Frau Ihres Neffen gestohlen?“
Ich verschluckte mich beinahe an meinem eigenen Lachen. Die Medien kannten wirklich keine Scham. Eine warme Hand legte sich fest in meinen Rücken. Die Geste überraschte mich. Seine Hand blieb dort, während er mich zum Eingang der Villa führte.
Die Kameras rasteten aus. Die Schlagzeilen von morgen schrieben sich praktisch von selbst.
Die Frischvermählten kommen gemeinsam an.
Die Türen der Villa öffneten sich, und der Butler trat sofort zur Seite.
„Mr. Davenport.“
„Mrs. Davenport.“
Mrs. Davenport klang nicht mehr fremd in meinen Ohren. Je näher wir dem Besprechungsraum kamen, desto lauter wurden die Stimmen. Rhys stieß die Tür auf, und der Raum verstummte augenblicklich.
Jeder Einzelne wandte sich uns zu.
Nicht mir, nicht Rhys, sondern dem Fernseher, der an der Wand hinter ihnen hing.
Mein Blick folgte ihrem. Und sofort verstand ich. Der Nachrichtenbericht lief. Ein großes Foto füllte den Bildschirm, Rhys und ich, Seite an Seite.
Der Nachrichtensprecher redete begeistert.
„…Quellen bestätigen, dass die Hochzeit heute früher am Tag stattgefunden hat…“
Ein Fluch durchschnitt plötzlich den Raum.
„Machst du Witze?“
Natürlich war es Seans Stimme. Sein Gesicht war rot, seine Augen auf den Fernseher gerichtet. Die Wut, die von ihm ausging, hätte die gesamte Villa niederbrennen können. Ohne Vorwarnung zog Rhys mich ein Stück näher zu sich. Seine Hand wanderte tiefer an meinem Rücken.
Sean bemerkte auch das, und sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich weiter.
„Was zur Hölle soll das?“
Niemand antwortete. Der Raum blieb still. Ich ließ mir Zeit, mich langsam umzusehen. Dakota saß neben Sean und sah wütend aus. Mama Erica saß in der Nähe, neugierig und still amüsiert. Seans Anwalt sah aus, als wolle er kündigen, und der Familienanwalt wirkte völlig erschöpft.
Ehrlich gesagt tat er mir beinahe leid. Sean machte mehrere Schritte nach vorn. Seine Augen fixierten meine.
„Was geht hier vor, Courtney?“ Die Frage brachte mich fast zum lauten Lachen.
Ich hob langsam meine linke Hand. Der Diamant fing sofort das Licht ein. Sean bemerkte es, und seine Augen weiteten sich.
„Du bist verheiratet.“
Ich lächelte.
„Sehr aufmerksam.“
Sein Gesicht verlor jede Farbe. Ich sprach weiter, bevor er etwas sagen konnte.
„Ja, Sean.“
Ich wackelte leicht mit den Fingern.
Der Ring blitzte erneut auf.
„Ich habe Rhys geheiratet.“ Dann setzte ich nach.
„Deinen Onkel.“
Sean sah aus, als hätte man ihn körperlich getroffen. Ausnahmsweise hoffte ich, dass er genau verstand, wie sich Verrat anfühlte. Der Schock hielt nur eine Sekunde an, dann kehrte die Wut doppelt so stark zurück.
„Du bist widerlich.“
Die Worte hallten durch den Raum. Bevor ich reagieren konnte, sprach Rhys ruhig.
„Mäßige deinen Ton.“
Sean erstarrte augenblicklich. Rhys trat einen Schritt vor.
Nicht viele Menschen erkannten, wie einschüchternd er sein konnte, ich aber schon.
„Du wirst mit meiner Frau mit demselben Respekt sprechen, den du mir entgegenbringen würdest.“
Der Raum wurde vollkommen still. Sean öffnete den Mund, schloss ihn dann wieder.
Gut. Endlich hatte ihm jemand Manieren beigebracht. Dakota stand plötzlich auf.
Ihr Stuhl kratzte laut über den Boden.
„Rhys!“ Ihre Stimme zitterte vor Empörung.
„Wie konntest du so etwas tun?“
Rhys sah sie an, dann deutete sie scharf auf mich.
„Du hast die Frau deines Neffen geheiratet.“
Ex-Frau, genau genommen, aber ich entschied, sie nicht zu korrigieren.
Ihre Aufmerksamkeit wandte sich mir zu. Der Ekel in ihrem Gesicht war unübersehbar.
„Du.“
Ich zog eine Augenbraue hoch.
„Ich.“
„Du bist eine Mitgiftjägerin.“
„Vielleicht.“
Dakota wirkte für einen Moment überrascht. Sie hatte offensichtlich mit Widerspruch gerechnet.
Ich bot keinen. Stattdessen fuhr ich ruhig fort.
„Immerhin bin ich nicht die, die mit neunzehn mit verschiedenen Männern schläft, schwanger wird und dann jahrelang rätselt, wer wohl der Vater ist.“
Der Raum wurde vollkommen still.
Selbst der Nachrichtensprecher schien leiser zu werden. Dakotas Gesicht wurde weiß, dann rot.
Hoppla. Vielleicht hatte ich einen wunden Punkt getroffen. Bevor irgendjemand reagieren konnte, stürmte Dakota nach vorn. Die Ohrfeige saß hart. Das Geräusch hallte durch den Raum, und für eine halbe Sekunde erstarrte alles.
Dann übernahm der Instinkt. Meine Hand schoss sofort vor. Die Retourkutsche saß noch härter. Dakota taumelte zurück, und der Raum brach in Aufruhr aus. Alle redeten gleichzeitig. Ich konnte ehrlich gesagt kein einziges Wort verstehen.
Ich machte einen weiteren Schritt nach vorn. Bereit für Runde zwei. Leider verdarb Rhys mir den Spaß. Sein Arm legte sich fest um meine Taille. Ich hörte sofort auf, mich zu bewegen. Hauptsächlich, weil ich wusste, dass ich gegen ihn nicht gewinnen würde.
„Courtney.“ Seine Stimme war leise.
Ich warf Dakota einen letzten finsteren Blick zu. Dann ließ ich zu, dass er mich sanft zurückzog. Eine Bewegung fing meine Aufmerksamkeit ein, Mama Erica. Die alte Dame erhob sich langsam von ihrem Stuhl. Ein warmes Lächeln breitete sich über ihr faltiges Gesicht aus.
Unerwartet öffnete sie die Arme. Dann zog sie mich in eine Umarmung, die mich erstarren ließ. Ihre Hand tätschelte sanft meine Wange.
„Du armes Kind.“ Die Worte drohten mich fast aus der Fassung zu bringen. Bevor ich antworten konnte, wandte sie sich zu Rhys. Sie reckte sich und küsste ihn auf die Wange. Der ganze Raum wirkte entsetzt. Mama Erica wirkte vollkommen entzückt. Dann ergriff sie beide unsere Hände und führte sie zusammen.
„Herzlichen Glückwunsch.“
Meine Kehle schnürte sich unerwartet zu. Ich drückte sanft ihre Hand.
„Danke.“
Das Lächeln, das sie mir schenkte, war warm.
„Diese hier mag ich lieber.“ Der ganze Raum hielt kollektiv den Atem an, und Sean verschluckte sich beinahe. Dakota sah aus, als würde sie gleich ohnmächtig werden. Ich derweil kämpfte gegen den Drang zu lachen an. Mama Erica tätschelte Rhys’ Wange.
„Pass gut auf sie auf.“
Rhys nickte einmal, entschlossen.
„Das werde ich.“ Mama Erica schien zufrieden.
„Gut.“
Sie ließ unsere Hände los, dann seufzte sie theatralisch.
„Ich bin alt.“
Niemand widersprach. Sie winkte zur Tür.
„Ihr beide solltet gehen.“
Mama Erica fuhr fort.
„Ihr seid frisch verheiratet.“
Ich lachte beinahe, doch Rhys blieb ausdruckslos.
„Ihr braucht Ruhe.“
Diesmal musste ich tatsächlich husten, um mein Vergnügen zu verbergen. Mama Erica lächelte wissend. Sie wandte sich ihrem Stuhl zu.
„Ich bin auch müde.“
Dann setzte sie sich, und die Besprechung war beendet, einfach so. Rhys blickte langsam durch den Raum. Alle verarbeiteten noch immer die Katastrophe, die sich vor ihnen abgespielt hatte. Schließlich durchbrach Rhys die Stille.
„Wenn es nichts weiter gibt.“
Sein Blick ruhte kurz auf Sean, Dakota und dann auf den Anwälten.
„Ich werde jetzt gehen.“
Seine Finger verschränkten sich sanft mit meinen. Gemeinsam wandten wir uns zur Tür. Der Raum blieb still.
Der Fahrer wartete bereits, und die Autotür öffnete sich. Ich stieß einen langen Atemzug aus. Der Fahrer warf uns einen Blick durch den Spiegel zu.
„Nach Hause, gnädige Frau?“
„Ja.“
Ich gab ihm sofort meine Adresse. Der Fahrer nickte. Doch bevor er losfahren konnte, sprach Rhys.
„Penthouse.“
Der Fahrer erstarrte.
„Also… Sir?“
„Penthouse.“
Sein Ton ließ keinen Diskussionsspielraum. Der Fahrer nickte rasch.
„Jawohl, Sir.“
Ich wandte mich zu Rhys um, und er erwiderte meinen Blick, vollkommen ruhig.
„Wie bitte?“
„Wir sind verheiratet.“
Ich starrte ihn an, und er starrte unbeirrt zurück.
„Wir fahren nach Hause.“
Etwas an der Art, wie er das sagte, ließ meinen Magen unerwartet einen Sprung machen.
„Mein Haus.“
Die Lichter der Stadt begannen langsam am Fenster vorbeizuziehen.
Der Fahrer hatte bereits losgefahren.
Auf dem Weg zu Rhys’ Penthouse und zu meinem neuen Leben. Und nach dem Mann zu urteilen, der still neben mir saß, würde es tatsächlich ein sehr interessantes werden.
Courtney:Die Nachricht platzte siebzehn Minuten, bevor wir endlich am Davenport-Anwesen ankamen. Ich kannte die genaue Zeit, weil mein Handy nicht aufhörte zu vibrieren.Eine Benachrichtigung, dann noch eine, dann zehn weitere. Das Internet erlebte seinen nächsten großen Tag.Zahlreiche Nachrichtenportale berichteten darüber, denn wer wollte schon auf solch saftigen Klatsch verzichten?Neuigkeiten über die beiden mächtigen Familien waren schwer zu bekommen.Ich warf einen Blick auf die neueste Schlagzeile, die über meinen Bildschirm flackerte.COURTNEY ASTOR HEIRATET RHYS DAVENPORT, TAGE NACHDEM SIE DIE AFFÄRE IHRES EHEMANNS AUFGEDECKT HAT.Eine weitere folgte sofort.CHAIRMAN VON DAVENPORT HOLDINGS HEIRATET HEIMLICH DIE EX-FRAU SEINES NEFFEN.Dann noch eine und noch eine. Ich seufzte schwer.Meine Sekretärin arbeitete schnell. Die Heiratsurkunde, die Hochzeitsfotos. Sie musste alles direkt an die Medien geschickt haben.Ehrlich gesagt sollte ich ihr wohl eine Gehaltserhöhung geben.
Courtney:Der Montag kam, ganz gleich, ob die Welt gerade zusammenbrach oder nicht. Zeit wartete definitiv auf niemanden. Das war eine der ersten Lektionen, die mein Vater mich lehrte. Geschäfte kümmerten sich nicht um gebrochene Herzen.Märkte pausierten nicht wegen Trauer. Unternehmen hörten nicht auf zu laufen, nur weil einen jemand verraten hatte. Also saß ich trotz allem, was am Samstagabend geschehen war, am Montagmorgen wieder in meinem Büro.Die Astor Group war nicht von schwachen Menschen aufgebaut worden, und ich hatte ganz gewiss nicht vor, eine zu werden. Die Stadt erstreckte sich hinter den bodentiefen Fenstern meines Büros, während ich Quartalsberichte durchging.Mein Kaffee war längst kalt geworden. Drei verschiedene Nachrichtenseiten diskutierten immer noch meine Hochzeitstagsfeier. Die Schlagzeilen ließen sich nicht ignorieren.Sean Davenport in öffentlichem Untreue-Skandal ertappt.Courtney Astor entlarvt Ehemann bei Hochzeitstagsfeier.Traumpaar steuert auf Scheidun
CourtneyEine Woche verging nach meinem Treffen mit Rhys Davenport.Sieben furchtbare Tage aus Schweigen und Verstellung.Genau sieben Tage, in denen ich Sean über den Frühstückstisch und den Abendbrottisch hinweg ansah und genau wusste, wo er seine Nächte verbrachte.Das Merkwürdige war: Verrat verlor mit der Zeit seinen Stachel.Ich stand vor dem Spiegel, während meine Stylistin die letzten Details an meinem Haar richtete.Das Spiegelbild, das mir entgegenblickte, wirkte perfekt. Mein Make-up saß makellos. Mein schwarzes Abendkleid lag an mir wie eine zweite Haut.Alles an mir schrie nach Eleganz – außer der Leere hinter meinen Augen.„Sie sind fertig, Miss Astor.“Ich nickte. Die Stylistin ging. Der Raum wurde still.Für einen Moment betrachtete ich einfach nur mich selbst.Vor zwei Jahren hatte ich in einem anderen Raum gestanden, in einem anderen teuren Kleid. Einem Hochzeitskleid. Ich erinnerte mich, geglaubt zu haben, ich sei eine der Glücklichen. Ich erinnerte mich, geglaubt z
Courtney Astor:„Sagen Sie Rhys Davenport, dass Courtney Astor ihn jetzt sprechen will.“ Meine Worte waren so scharf wie mein Blick.Ich sah, wie die Augen der Sekretärin für einen Moment aufrissen, dann nickte sie.Sie griff nach der Sprechanlage auf ihrem Schreibtisch und hielt sich den Hörer ans Ohr.„Okay, Sir.“ Sie nickte knapp. Als könnte er sie sehen.„Mr. Davenport erwartet Sie, Miss Astor.“ Sie lächelte kurz, ich nickte.Ihre Assistentin am Nebentisch eilte sofort herbei, um mich in sein Büro zu bringen.Sie öffnete die Tür und trat zur Seite, damit ich eintreten konnte.Meine Schritte waren sanft und präzise, und als ich eintrat, traf mich die Luft kalt und scharf.Ich sog den Anblick in mich auf. Die bodentiefen Fenster rahmten die Stadt hinter ihm ein. Dunkler Marmorboden, Regale voller Bücher, die außer Rhys wohl niemand je berührte.Er saß hinter dem Mahagonitisch, den Blick auf den Laptop vor sich gerichtet.Ich ging weiter, bis ich seinen Tisch erreichte.„Courtney Ast







