ログインCourtney:
Der Montag kam, ganz gleich, ob die Welt gerade zusammenbrach oder nicht. Zeit wartete definitiv auf niemanden. Das war eine der ersten Lektionen, die mein Vater mich lehrte. Geschäfte kümmerten sich nicht um gebrochene Herzen.
Märkte pausierten nicht wegen Trauer. Unternehmen hörten nicht auf zu laufen, nur weil einen jemand verraten hatte. Also saß ich trotz allem, was am Samstagabend geschehen war, am Montagmorgen wieder in meinem Büro.
Die Astor Group war nicht von schwachen Menschen aufgebaut worden, und ich hatte ganz gewiss nicht vor, eine zu werden. Die Stadt erstreckte sich hinter den bodentiefen Fenstern meines Büros, während ich Quartalsberichte durchging.
Mein Kaffee war längst kalt geworden. Drei verschiedene Nachrichtenseiten diskutierten immer noch meine Hochzeitstagsfeier. Die Schlagzeilen ließen sich nicht ignorieren.
Sean Davenport in öffentlichem Untreue-Skandal ertappt.
Courtney Astor entlarvt Ehemann bei Hochzeitstagsfeier.
Traumpaar steuert auf Scheidung zu.
Das Internet hatte seinen großen Moment. Investoren waren nervös, und die Medien waren besessen.
Die Familie Davenport war zweifellos außer sich. Und Sean? Mit ihm hatte ich seit Samstag kein Wort gewechselt.
Ein Klopfen unterbrach meine Gedanken.
„Herein.“
Meine Sekretärin trat ein.
„Miss Astor.“
Ich blickte von dem Bericht auf.
„Was gibt’s?“
Sie zögerte. Allein das erregte meine Aufmerksamkeit. Meine Sekretärin zögerte nie.
„Mr. Rhys Davenport ist hier und möchte Sie sprechen.“
Meine Augenbraue hob sich. Rhys Davenport, neun Uhr morgens, in meinem Büro.
Interessant.
„Lassen Sie ihn herein.“
Sie nickte und verschwand. Wenige Momente später öffnete sich die Tür erneut.
Rhys trat ein. Wie immer wirkte er vollkommen beherrscht. Kein einziges Haar lag falsch. Der Mann sah aus wie die Kontrolle in Person. Seine blauen Augen fanden sofort meine.
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück.
„Was für eine Überraschung.“
Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.
„Miss Astor.“
Seine Stimme war ruhig. Ich rollte meinen Stuhl ein Stück zurück.
„Was verschafft mir die Ehre?“
Statt zu antworten, begann er zu gehen. Sein Blick wanderte über die Bücherregale, die Kunstwerke, die Auszeichnungen. Als würde ihm der Ort gehören. Oder vielleicht verhielt er sich einfach überall so.
Ich beobachtete ihn schweigend, dann blieb er direkt neben mir stehen.
Bevor ich reagieren konnte, legte sich seine Hand auf die Rückenlehne meines Stuhls. Er drehte ihn, und der Stuhl schwang herum, bis ich ihm vollständig gegenübersaß.
Die Bewegung war geschmeidig und kontrolliert. Mein Atem stockte, wider Willen. Rhys beugte sich leicht vor. Eine Hand ruhte auf der Armlehne meines Stuhls, die andere blieb in seiner Tasche vergraben.
Plötzlich gab es nichts mehr, wohin ich blicken konnte, außer zu ihm. Seine Präsenz füllte den Raum um mich herum aus. Meine Muskeln spannten sich automatisch an, und seine Augen hielten meine fest.
Mehrere Sekunden lang sagte keiner von uns etwas. Dann, endlich, sprach er.
„Lassen Sie uns heiraten, Miss Astor.“
Stille. Ich starrte ihn an, er starrte zurück. Keiner von uns blinzelte oder sah weg. Die Absurdität der Situation brachte mich beinahe zum Lachen.
Stattdessen lehnte ich mich zurück.
„Das hat aber gedauert.“ Ein Mundwinkel hob sich. Das Nächste, was Rhys Davenport je an Belustigung zeigte.
„Ich wollte sichergehen.“
„Wie rücksichtsvoll.“
Seine Augen verengten sich leicht. Das Grinsen blieb. Ich weigerte mich anzuerkennen, wie lächerlich attraktiv dieser Ausdruck ihn machte.
„Ich nehme an, Sie haben endlich erkannt, dass dieses Arrangement für Sie von Vorteil ist.“
„Unter anderem.“
Ich verschränkte die Arme.
„Und was hat sich geändert?“ Sein Blick wich nicht von meinem.
„Der Davenport-Vorstand ist gestern zusammengetreten.“ Meine Aufmerksamkeit spitzte sich zu.
„Und?“
„Sean wurde unter Bewährung gestellt.“
Die Worte setzten sich zwischen uns, und ein langsames Lächeln erschien auf meinem Gesicht. Ich konnte nicht anders.
Sean Davenport, unter Bewährung. Der Mann, der jahrelang geglaubt hatte, unantastbar zu sein. Der Mann, der dachte, Konsequenzen seien für andere Leute gemacht.
„Herzlichen Glückwunsch.“
Rhys richtete sich ein wenig auf.
„Dazu sollten Sie sich selbst gratulieren.“
Ich neigte den Kopf.
„Sollte ich?“
„Der Vorstand hätte nicht so schnell gehandelt ohne Ihre kleine Vorstellung am Samstag.“
Kleine Vorstellung. Interessante Wortwahl.
„Ich bevorzuge den Ausdruck öffentliche Hinrichtung.“ Das brachte mir tatsächlich ein weiteres schwaches Grinsen ein.
„Der Punkt bleibt derselbe.“
Seine Stimme wurde ein wenig tiefer.
„Sie haben mir geholfen.“
„Jetzt erwidere ich den Gefallen.“
„Sind Sie dabei?“
Die Frage hing zwischen uns im Raum.
Langsam schob ich meinen Stuhl zurück, seine Augen folgten mir. Ich griff nach meiner Handtasche auf dem Schreibtisch. Dann nach meinem Telefon und meinen Autoschlüsseln. Rhys beobachtete jede Bewegung. Ich ging zur Tür.
Meine Hand erreichte den Griff, und erst dann sah ich zu ihm zurück. Sein Gesichtsausdruck blieb unlesbar.
Ich lächelte.
„Lassen Sie uns heiraten.“
Das Standesamt war überraschend gewöhnlich. Kein extravaganter Saal, kein Luxus. Nur Beamte, Zeugen und Unterschriften.
Rhys und ich saßen einander gegenüber, während Dokumente geprüft wurden. Eine Frau mit Brille erklärte die rechtlichen Abläufe. Keiner von uns hörte besonders aufmerksam zu. Wir beide wussten, warum wir hier waren.
Einen Trauzeugen stellte das Standesamt. Meine Assistentin traf mitten im Prozess ein, nachdem sie einen äußerst verwirrenden Anruf von mir erhalten hatte. Die arme Frau wirkte immer noch geschockt. Ich konnte es ihr nicht verübeln.
Ich kannte Rhys Davenport seit weniger als zwei Wochen. Und trotzdem saßen wir hier und heirateten. Schließlich lächelte der Standesbeamte.
„Bereit?“
Ich warf einen Blick zu Rhys, doch er sah mich bereits an. Ich wandte mich wieder dem Beamten zu.
„Bereit.“
Die Zeremonie begann. Wir tauschten Eheversprechen aus, weil das Gesetz es verlangte. Die Worte klangen seltsam, als sie meinen Mund verließen. Rhys sprach sein Gelübde ohne zu zögern nach.
Seine Stimme blieb ruhig und beherrscht. Als würde er über Quartalsergebnisse sprechen und nicht über eine Ehe. Schließlich reichte der Beamte die Urkunde herüber.
Mein Name stand bereits darauf. Courtney Astor. Bald Courtney Davenport.
Ich unterschrieb, der Stift glitt über das Papier. Rhys unterschrieb gleich danach. Seine Handschrift war präzise und elegant.
„Ich erkläre Sie nun zu Mann und Frau.“ Meine Assistentin verschluckte sich beinahe. Ich tat, als bemerkte ich es nicht, und Rhys blieb ausdruckslos.
Mehrere Fotos wurden gemacht, weil der Beamte darauf bestand. Offenbar verdiente jede Ehe Erinnerungsfotos.
Wir verließen das Gebäude gemeinsam. Die Nachmittagssonne war hell und warm.
Plötzlich klingelte mein Telefon, und ich zog es aus meiner Tasche.
Der Bildschirm leuchtete auf. Seans Mutter. Nur Gott wusste, warum sie mich anrief. Neben mir begann auch Rhys’ Handy zu klingeln. Er blickte auf das Display.
„Mrs. Davenport.“ Ihre Stimme war kalt.
„Courtney.“
Ich wartete.
„Heute findet ein Familientreffen auf dem Davenport-Anwesen statt.“
Natürlich fand es statt. Die Haie versammelten sich.
„Um sechs Uhr.“ Ihr Ton ließ keinen Verhandlungsspielraum.
„Es wird erwartet, dass Sie erscheinen.“
„Ich werde da sein.“ Das Gespräch endete augenblicklich.
Ich senkte das Telefon. Rhys beendete gerade sein eigenes Gespräch. Ein paar Sekunden später steckte er sein Handy zurück in die Tasche.
„Dieselbe Einladung?“
„Eher eine Vorladung.“
Sein Mund zuckte leicht. Das Nächste an Zustimmung, das er je zeigte.
Die Familie Davenport hatte keine Ahnung, was sie heute Abend erwartete. Sean ganz sicher nicht.
Und irgendwo zwischen der Entlarvung meines Ehemanns und der Heirat mit dessen Onkel war ich zum Zentrum eines Sturms geworden, der gerade erst begann.
Ich blickte zu Rhys hinüber.
„Sieht aus, als würde das Abendessen interessant werden.“ Ein schwaches Lächeln berührte seinen Mund.
„Das ist eine Möglichkeit, es zu beschreiben.“
Ich lachte leise.
Dann machte ich mich auf den Weg zu meinem Wagen, hin zum Davenport-Anwesen. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieses Familientreffen weitaus unterhaltsamer werden würde als meine Hochzeit.
Courtney:Die Nachricht platzte siebzehn Minuten, bevor wir endlich am Davenport-Anwesen ankamen. Ich kannte die genaue Zeit, weil mein Handy nicht aufhörte zu vibrieren.Eine Benachrichtigung, dann noch eine, dann zehn weitere. Das Internet erlebte seinen nächsten großen Tag.Zahlreiche Nachrichtenportale berichteten darüber, denn wer wollte schon auf solch saftigen Klatsch verzichten?Neuigkeiten über die beiden mächtigen Familien waren schwer zu bekommen.Ich warf einen Blick auf die neueste Schlagzeile, die über meinen Bildschirm flackerte.COURTNEY ASTOR HEIRATET RHYS DAVENPORT, TAGE NACHDEM SIE DIE AFFÄRE IHRES EHEMANNS AUFGEDECKT HAT.Eine weitere folgte sofort.CHAIRMAN VON DAVENPORT HOLDINGS HEIRATET HEIMLICH DIE EX-FRAU SEINES NEFFEN.Dann noch eine und noch eine. Ich seufzte schwer.Meine Sekretärin arbeitete schnell. Die Heiratsurkunde, die Hochzeitsfotos. Sie musste alles direkt an die Medien geschickt haben.Ehrlich gesagt sollte ich ihr wohl eine Gehaltserhöhung geben.
Courtney:Der Montag kam, ganz gleich, ob die Welt gerade zusammenbrach oder nicht. Zeit wartete definitiv auf niemanden. Das war eine der ersten Lektionen, die mein Vater mich lehrte. Geschäfte kümmerten sich nicht um gebrochene Herzen.Märkte pausierten nicht wegen Trauer. Unternehmen hörten nicht auf zu laufen, nur weil einen jemand verraten hatte. Also saß ich trotz allem, was am Samstagabend geschehen war, am Montagmorgen wieder in meinem Büro.Die Astor Group war nicht von schwachen Menschen aufgebaut worden, und ich hatte ganz gewiss nicht vor, eine zu werden. Die Stadt erstreckte sich hinter den bodentiefen Fenstern meines Büros, während ich Quartalsberichte durchging.Mein Kaffee war längst kalt geworden. Drei verschiedene Nachrichtenseiten diskutierten immer noch meine Hochzeitstagsfeier. Die Schlagzeilen ließen sich nicht ignorieren.Sean Davenport in öffentlichem Untreue-Skandal ertappt.Courtney Astor entlarvt Ehemann bei Hochzeitstagsfeier.Traumpaar steuert auf Scheidun
CourtneyEine Woche verging nach meinem Treffen mit Rhys Davenport.Sieben furchtbare Tage aus Schweigen und Verstellung.Genau sieben Tage, in denen ich Sean über den Frühstückstisch und den Abendbrottisch hinweg ansah und genau wusste, wo er seine Nächte verbrachte.Das Merkwürdige war: Verrat verlor mit der Zeit seinen Stachel.Ich stand vor dem Spiegel, während meine Stylistin die letzten Details an meinem Haar richtete.Das Spiegelbild, das mir entgegenblickte, wirkte perfekt. Mein Make-up saß makellos. Mein schwarzes Abendkleid lag an mir wie eine zweite Haut.Alles an mir schrie nach Eleganz – außer der Leere hinter meinen Augen.„Sie sind fertig, Miss Astor.“Ich nickte. Die Stylistin ging. Der Raum wurde still.Für einen Moment betrachtete ich einfach nur mich selbst.Vor zwei Jahren hatte ich in einem anderen Raum gestanden, in einem anderen teuren Kleid. Einem Hochzeitskleid. Ich erinnerte mich, geglaubt zu haben, ich sei eine der Glücklichen. Ich erinnerte mich, geglaubt z
Courtney Astor:„Sagen Sie Rhys Davenport, dass Courtney Astor ihn jetzt sprechen will.“ Meine Worte waren so scharf wie mein Blick.Ich sah, wie die Augen der Sekretärin für einen Moment aufrissen, dann nickte sie.Sie griff nach der Sprechanlage auf ihrem Schreibtisch und hielt sich den Hörer ans Ohr.„Okay, Sir.“ Sie nickte knapp. Als könnte er sie sehen.„Mr. Davenport erwartet Sie, Miss Astor.“ Sie lächelte kurz, ich nickte.Ihre Assistentin am Nebentisch eilte sofort herbei, um mich in sein Büro zu bringen.Sie öffnete die Tür und trat zur Seite, damit ich eintreten konnte.Meine Schritte waren sanft und präzise, und als ich eintrat, traf mich die Luft kalt und scharf.Ich sog den Anblick in mich auf. Die bodentiefen Fenster rahmten die Stadt hinter ihm ein. Dunkler Marmorboden, Regale voller Bücher, die außer Rhys wohl niemand je berührte.Er saß hinter dem Mahagonitisch, den Blick auf den Laptop vor sich gerichtet.Ich ging weiter, bis ich seinen Tisch erreichte.„Courtney Ast







