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Kapitel 7

Author: Neunrausch
Die Frau im Rollstuhl umklammerte abrupt die Armlehnen.

Ihre Miene erstarrte.

Steif hob sie den Kopf und warf einen Blick auf den Mann, der vor ihr stand.

„Sebastian... ich wusste nicht, dass Adrian ausgerechnet Johanna hat angreifen lassen.“

Der Mann hob nicht einmal den Blick.

Er drehte lediglich seine Armbanduhr leicht am Handgelenk.

Irgendwann war die Musik auf der Party verstummt.

Nur einige bunte Lichtstrahlen flackerten noch durch den Raum.

Sebastian stand genau dort, wo sich mehrere Lichtkegel kreuzten.

Doch sein Gesicht lag im Schatten.

Niemand konnte erkennen, was er dachte.

Clara holte tief Luft und hob eine Hand in Richtung ihrer Pflegerin.

Diese schob den Rollstuhl näher zu Adrian und Johanna.

Je näher sie kamen, desto stärker wurde der Blutgeruch, der sich mit dem Alkoholgeruch vermischte.

Er erinnerte an fauligen Morast und ließ ihr beinahe übel werden.

Unwillkürlich hielt Clara sich Mund und Nase zu.

Als sie Adrian sah, der kaum noch bei Bewusstsein war, zog sie die Stirn zusammen.

„Bringt den jungen Herrn sofort ins Krankenhaus.“

Doch kaum waren die Worte ausgesprochen, lockerte Johanna ihren Griff um Adrians Kragen nicht im Geringsten.

Sie hatte offensichtlich nicht die Absicht, ihn herauszugeben.

„Johanna...“

Claras Stimme zitterte leicht.

„Ich bin es.“

Johanna bewegte sich nicht.

Sie sagte kein Wort.

Nur ihre Finger schlossen sich noch fester um den Stoff seines Hemdes.

Claras Entschuldigung folgte unmittelbar.

„Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass Adrian ausgerechnet dich hat angreifen lassen.“

„Hätte ich es gewusst, hätte ich ihn selbst zur Rechenschaft gezogen. Aber du hast ihn inzwischen bestraft. Wenn du weitermachst, wird er sterben.“

Johanna lachte leise.

Sterben?

Langsam hob sie den Blick.

„Wie viel ist sein Leben wert?“

„Fünf Millionen?“

„Reicht das?“

Dieser Blick ließ Clara unwillkürlich erstarren.

Sie spürte deutlich die Ironie und Verachtung darin.

Natürlich verstand sie.

Johanna spielte auf die Entschädigung an, die ihr Vater dem Opfer zukommen ließ.

Exakt fünf Millionen.

„Ich hätte vorher genauer nachfragen müssen. Du hast Unrecht erlitten. Bitte sieh es mir zuliebe nach und lass Adrian gehen.“

Johanna verzog leicht die Lippen.

Sie betrachtete die Frau im Rollstuhl.

Sanft.

Elegant.

Kaum verändert.

Drei Jahre vergingen, doch Clara sah fast noch genauso aus wie früher.

Wenn überhaupt etwas anders war, dann die düstere Schwere, die einst auf ihr lag.

Sie war verschwunden.

An ihre Stelle trat eine natürliche, ruhige Wärme.

Offenbar schloss Clara Frieden mit ihren gelähmten Beine.

Einst war sie die gefeiertste junge Dame von Lindenfels.

Dann wurde sie an einen Rollstuhl gefesselt.

Für immer.

Ein bemitleidenswertes Schicksal.

Doch Johanna glaubte, Sebastian Clara weggenommen zu haben.

Selbst wenn sie nicht existiert hätte, hätte Clara aufgrund ihrer Behinderung niemals in die Familie Falk einheiraten können.

Wenn Clara nicht infrage kam, warum hätte sie selbst es dann nicht sein dürfen?

Doch Clara verlor ihre Beine, um Sebastian zu retten.

Dafür brachte Johanna ihr immer Dankbarkeit und Schuldgefühle entgegen.

Denn sie liebte Sebastian.

Und Clara rettete ihm das Leben.

Doch Dankbarkeit bedeutete nicht Schuld.

Johanna schuldete Clara nichts.

Sie schuldete niemandem etwas.

„Warum sollte ich ihn laufen lassen? Hat er mein Leben geschont, als er Leute auf mich angesetzt hat?“

Wenn jener Passant damals nicht zufällig vorbeigekommen wäre...

Was wäre dann aus ihr geworden?

Als Clara das hörte, sah sie auf Adrian hinunter.

Angst und Schmerz spiegelten sich in ihrem Blick.

Doch sie verstand Johannas Haltung nur zu gut.

Heute verschonte Johanna ihn nicht.

„Wenn du Adrian tötest, bekommst du vielleicht Genugtuung. Aber hast du auch an die Folgen gedacht Was wird dann aus deiner Arbeit? Soweit ich weiß, ist sie das Wichtigste in deinem Leben. Ist es das wert?“

Zum ersten Mal regte sich etwas in Johannas Gesicht.

Clara wusste genau, was Johanna liebte, vielleicht besser als jeder andere.

Denn einst waren sie die besten Freundinnen.

Doch Johanna bewegte lediglich einen Finger.

Ihr Griff blieb unverändert.

Blut breitete sich weiter auf dem Boden aus.

Clara wurde immer unruhiger.

„Adrian hat seine Strafe erhalten. Du hast dich gerächt. Lass die Sache ruhen. Außerdem geht es dir doch gut.“

„Gut?“

Johanna sah sie spöttisch an.

„Dass ich heute noch lebe, verdanke ich nicht deinem Bruder. Sondern einem fremden Menschen, der mir geholfen hat. Frag ihn doch selbst, was er in jener Nacht mit mir vorhatte.“

Clara blickte zu den beiden Männern hinüber, die mit schmerzverzerrten Gesichtern ihre verletzten Beine hielten.

Genau diese Männer griffen Johanna damals an.

Als ihre Blicke sich trafen, wandten beide sofort die Augen ab.

Schuldiger konnte niemand aussehen.

Clara musste gar nicht mehr fragen.

Adrians Befehle reichten weit über eine einfache Prügelattacke hinaus.

Doch das Blut an seinem Kopf wurde immer mehr.

Sie konnte nicht tatenlos zusehen.

Ihre Finger krallten sich in die Armlehnen.

Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte sie, ihren Körper nach vorne zu bewegen.

„Wenn ich vor dir auf die Knie falle und dich bitte...“

Plötzlich legte sich eine kräftige Hand auf ihre Schulter.

Clara erstarrte.

„Genug.“

Die tiefe, kühle Stimme drang in Johannas Ohren.

Mit einem Schlag wurde ihr Kopf leer, wie nach einer Lawine.

Nichts blieb zurück.

Clara hob den Blick.

Sebastian stand inzwischen neben ihr.

Ihre Augen wurden rot.

Doch sie zwang sich zur Ruhe.

„Wenn Johanna dadurch ihren Ärger verliert, ist das in Ordnung.“

„Johanna, ich entschuldige mich an Adrians Stelle.“

Noch immer versuchte Clara, sich aus dem Rollstuhl zu erheben.

Sebastian warf der Pflegerin hinter ihr einen Blick zu.

Sofort verstand diese.

„Fräulein Clara, bitte.“

Sie hielt Claras Körper fest.

„Ihr Gesundheitszustand erlaubt das nicht.“

„Bei diesem Wetter dürfen Sie nicht knien.“

„Aber Adrian...“

Clara wollte nicht aufgeben.

Sie sah zu Johanna.

„Um unserer früheren Freundschaft willen...“

„Lass ihn gehen.“

„Später werde ich ihn persönlich zu dir bringen, damit er sich entschuldigt.“

Als Antwort ertönte lediglich Johannas kaltes Lachen.

„Menschen wie er sind eine Gefahr für alle, solange sie leben.“

Sebastians Blick fiel auf die blutverschmierte Hälfte ihres Gesichts.

Seine Stimme wurde tiefer.

„Johanna. Es reicht.“

Ihre Beine wurden längst taub.

Die Taubheit breitete sich bis in ihr Herz aus.

Doch ein einziger Satz von Sebastian genügte, um genau dieses abgestorbene Herz wieder schmerzen zu lassen.

Dumpf.

Unaufhörlich.

Johanna biss die Zähne zusammen.

Dann lächelte sie plötzlich.

Ruhig.

Müde.

Es war sinnlos.

Völlig sinnlos.

Ihre Hand löste sich von Adrians Kragen.

Clara atmete erleichtert auf.

Sofort wandte sie sich an die Leibwächter.

„Bringt ihn ins Krankenhaus.“

Adrian Winter war in ganz Lindenfels für seine Rücksichtslosigkeit bekannt.

Heute demütigte Johanna ihn öffentlich.

Fast verlor er sogar sein Leben.

Natürlich fand er sich nicht damit ab.

Vielleicht war es Schmerz.

Vielleicht pure Bosheit.

Jedenfalls öffnete er erneut den Mund.

Blut lief zwischen seinen Zähnen hervor.

„Lasst... sie nicht gehen...“

„Heute... bringe ich sie um...“

Johanna stützte sich auf ihr linkes Bein und stand schwankend auf.

Als sie hörte, dass dieser Abschaum noch sprechen konnte, trat sie mit ihrem Absatz auf seine Finger.

Von oben herab sah sie auf ihn hinunter.

Ihr Blick glitt zu den herumliegenden Flaschen auf dem verwüsteten Tisch.

Doch genau in diesem Moment packte Sebastian ihr Handgelenk.

Gleichzeitig warf er den Leibwächtern der Familie Winter einen Blick zu.

Der Herrscher der Familie Falk.

Der mächtigste Mann von Lindenfels.

In seinem Blick lag keine offene Drohung.

Und dennoch wagte niemand, sich zu bewegen.

Die Leibwächter erstarrten augenblicklich.

Wieder und wieder.

Immer wieder.

Johanna fand alles nur noch lächerlich.

„Lass los!“

Mit aller Kraft riss sie ihre Hand frei.

Unter den flackernden bunten Lichtern hob sie den Blick.

Ihre Augen waren voller Tränen.

Und voller Hass.

„Sebastian. Du bist wirklich grausam.“

Ein Scheck flatterte durch die Luft.

Er landete direkt neben Adrians Füßen.

Die fünf Millionen der Familie Winter.

Dann drehte Johanna sich um und verließ den Club.

Hinter ihr folgte Lukas Schritt für Schritt.

„Frau Falk...“

Doch bevor er den Satz beenden konnte, stieg sie bereits in ihr Auto.

Mit einem lauten Knall schlug die Tür zu.

Der Motor sprang an.

Im nächsten Moment raste sie davon.

Fenster und Türen blieben fest verschlossen.

Der Geruch von Alkohol und Blut hing noch immer an ihrer Kleidung.

Im Wagen breitete sich ein widerlicher Gestank aus.

Ihr wurde übel davon.

Als sie schließlich nach Rosenhof zurückkehrte, warf sie die gesamte Kleidung direkt in den Mülleimer.

Barfuß ging sie ins Badezimmer.

Heißes Wasser strömte über ihren Körper.

Doch selbst das konnte die Kälte in ihren Knochen nicht vertreiben.

Plötzlich wurde die Badezimmertür von außen geöffnet.

Es war ihr eigenes Zimmer.

Deshalb schloss sie beim Duschen nie ab.

Und normalerweise wagte niemand, einfach hereinzukommen.

Zwischen den aufsteigenden Dampfschwaden traf ihr Blick auf Sebastians Gesicht.

Kalt.

Ausdruckslos.

Wie Eis.

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Higit pang Kabanata
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