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KAPITEL 2

Author: Jaywrites
last update publish date: 2026-08-21 18:53:37

Elenas POV

In dem Moment, in dem ich endgültig begriff, dass Raven seine Entscheidung getroffen hatte und absolut nichts, was ich sagte, daran ändern würde, wischte ich mir mit meinen zitternden Händen über das Gesicht. Langsam zog ich die rechtlichen Unterlagen aus dem dicken Umschlag.

Seine markante Unterschrift stand bereits deutlich auf der Seite. Ich setzte die Spitze des Kugelschreibers an die leere Zeile, an der ich unterschreiben sollte, doch mein Körper weigerte sich. Meine Hand zitterte heftig, und meine Unterlippe bebte. Ich konnte es einfach nicht tun. Ich wollte es nicht.

Völlig gefangen in dieser Situation, riss ich die Papiere plötzlich entzwei, zerknüllte sie zu einer festen Kugel und stand vom Boden auf. „Ich bin noch nicht bereit, diese Ehe aufzugeben. Wir können einen Weg finden, das wieder in Ordnung zu bringen.“

Ravens Gesicht verzog sich vor purem Ekel, als er beobachtete, wie ich das zerknüllte Papier nach ihm warf. Er fing die Papierkugel mühelos aus der Luft und starrte mich völlig fassungslos an.

„Was glaubst du eigentlich, was du da tust?“, verlangte er wütend zu wissen. „Glaubst du wirklich, dieser kindische Auftritt ändert irgendetwas? Ich habe Dutzende Kopien dieser Unterlagen, und je schneller du unterschreibst, desto besser ist es für dich.“

Verzweifelt musste ich mir einen anderen Plan überlegen, um ihn dazu zu bringen, seine Entscheidung zu überdenken. Ich hatte schreckliche Angst davor, meine Ehe zu verlieren.

Ich hätte mir niemals im Leben vorstellen können, solch demütigende Worte auszusprechen, aber ich war verzweifelt. „Warum kannst du nicht einfach uns beide in deinem Leben haben? Du musst dich doch nicht vollständig von mir scheiden lassen.“

Raven stieß ein scharfes, amüsiertes Lachen aus, als er meinen verzweifelten Vorschlag hörte. Ich konnte ihm deutlich ansehen, wie schockiert er über meine Worte war, doch ich war über mich selbst genauso schockiert. Ich hätte nie gedacht, dass Liebe einen Menschen so erbärmlich machen konnte.

„Sieh dich nur an, wie verzweifelt du gerade bist“, erwiderte er in zutiefst spöttischem Ton und verletzte mich damit noch mehr. Ich wusste, dass ich aus purer Verzweiflung handelte, aber er musste es mir nicht auch noch grausam ins Gesicht sagen. „Unterschreib einfach die Scheidungsvereinbarung, und ich werde dafür sorgen, dass es dir finanziell gut geht. Ich gebe dir jede Summe, die du verlangst. Nenn einfach deinen Preis.“

Damit drehte er sich um und ging zurück in den Ankleideraum, während ich ihm direkt folgte. „Raven, bitte“, flehte ich und versuchte ein letztes Mal, seine Sichtweise zu ändern. „Ich habe nichts falsch gemacht. Ich war all die Jahre eine hingebungsvolle und gute Ehefrau für dich. Ich will unser gemeinsames Leben nicht verlieren.“

„Elena, hast du den Teil völlig überhört, in dem ich dir gesagt habe, dass Tracy zurück ist?“, fuhr er mich an und warf mir einen äußerst genervten Blick zu. „Sie ist mit meinem leiblichen Sohn zurückgekommen. Ich habe endlich meinen Erben.“

„Aber all die Spezialisten haben gesagt, dass medizinisch nichts mit meinem Körper nicht stimmt! Ich kann dir ebenfalls einen Erben schenken!“, schluchzte ich, doch Raven hatte längst abgeschaltet.

Er griff in seine Tasche, holte eine neue Kopie der Scheidungspapiere heraus und drückte sie mir in die Hände. Mir blieb vor purem Unglauben der Mund offen stehen. Hatte er wirklich vorhergesehen, dass ich so reagieren würde? War er tatsächlich so verzweifelt, mich loszuwerden? Ich stieß ein bitteres Lachen aus. Er wollte mich so unbedingt loswerden, und hier stand ich und machte mich völlig lächerlich.

Völlig niedergeschmettert und zutiefst gedemütigt nahm ich den Stift und die Papiere aus seiner Hand und kritzelte schnell meine Unterschrift auf die dafür vorgesehene Zeile.

Mein ganzer Körper zitterte, als die grausame Realität über mich hereinbrach: Ich war nicht länger mit Raven verheiratet. Innerhalb weniger Sekunden war aus Mrs. Elena Calloway wieder Miss Elena Voss geworden.

„Danke“, sagte Raven leise, während er mir die unterzeichneten Unterlagen wieder abnahm. Er klang so unglaublich erleichtert, dass ich mich dadurch nur noch gedemütigter fühlte. „Das war doch gar nicht so schwer, oder? Ich werde mein Finanzteam anweisen, sofort eine große Geldsumme auf dein persönliches Konto zu überweisen.“

Kurz vor unserer Hochzeit hatte seine Mutter uns dazu gezwungen, einen strengen Ehevertrag zu unterschreiben, für den Fall, dass unsere Ehe scheitern sollte. Damals hatte ich das sehr seltsam gefunden, besonders weil sie zuvor immer ziemlich freundlich zu mir gewesen war, aber ich hatte ihre Beweggründe nicht hinterfragt.

„Ich will keinen einzigen Cent von deinem Geld!“, fuhr ich ihn an, meine Stimme voller ungezügelter Wut und tiefer Frustration. „Ich habe dich nicht wegen deines Vermögens geheiratet.“

Raven lächelte nur schwach. Er war vollkommen ruhig und ließ sich von der gesamten Situation überhaupt nicht aus der Ruhe bringen, was meine Wut nur noch weiter anheizte. „Ich werde das Geld trotzdem überweisen lassen. Du kannst selbst entscheiden, ob du es benutzt oder nicht“, erklärte er beiläufig. „Sorg einfach dafür, dass du deine Sachen gepackt hast und das Anwesen verlässt, bevor ich heute Abend zurückkomme. Ich bringe Tracy mit nach Hause.“

Es fühlte sich an, als wäre ich in einem schrecklichen Albtraum gefangen, aus dem ich verzweifelt aufwachen wollte. Was sollte ich meiner Familie erzählen? Was würden die Medien über mich sagen?

Noch bevor ich den Mund öffnen konnte, drehte er sich um und verließ das Haus. Ich blieb völlig allein mitten im Raum stehen und versuchte verzweifelt, das völlige Chaos zu begreifen, das gerade über mich hereingebrochen war.

Ich war so verwirrt, verletzt und überwältigt, dass ich kaum noch klar denken konnte.

Die Scheidungspapiere lagen neben mir auf dem Bett, und jedes Mal, wenn ich sie ansah, schienen die grausamen Worte darauf miteinander zu verschwimmen.

Ein Teil von mir wollte gehen. Ein anderer Teil wollte schreien.

Doch der weitaus größere Teil von mir weigerte sich zu glauben, dass das wirklich geschah.

Raven konnte es unmöglich ernst meinen.

Wir waren seit vier Jahren verheiratet.

Vier Jahre.

Das musste doch etwas bedeuten.

Ich starrte auf die Haustür und redete mir ein, dass alles anders sein würde, wenn Raven heute Abend nach Hause kam. Vielleicht war er einfach nur wütend. Vielleicht brauchte er Zeit, um sich zu beruhigen. Vielleicht würde er, sobald wir miteinander gesprochen hatten, erkennen, dass er einen schrecklichen Fehler machte.

Die Scheidung war noch nicht endgültig abgeschlossen.

Es war noch Zeit.

Ich war noch nicht bereit, meine Ehe kampflos aufzugeben.

„Bitte …“, flüsterte ich in den leeren Raum. „Komm einfach nach Hause.“

Zitternd fuhr ich mir durch mein dunkles Haar und versuchte, meine Atmung zu beruhigen.

Da flog plötzlich die Tür unseres Schlafzimmers auf.

Erschrocken wirbelte ich herum.

Ravens Mutter marschierte herein, ohne anzuklopfen.

Bevor ich fragen konnte, was sie hier wollte, stieß sie ein spöttisches Lachen aus.

„Ich habe gehört, dass du immer noch darauf wartest, dass Raven seine Meinung ändert.“

Mein Magen zog sich zusammen.

Wie lange hatte sie schon vor der Tür gestanden und zugehört?

„Warum hast du noch nicht angefangen zu packen?“, verlangte sie und ließ ihren scharfen Blick durch das Zimmer wandern.

Ich schwieg.

„Raven ist endlich zur Vernunft gekommen“, fuhr sie fort. „Und er wird seine Meinung nicht ändern.“

Die Genugtuung in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

Es war offensichtlich, dass sie sofort herbeigeeilt war, sobald sie von der Scheidung erfahren hatte.

Als ich nicht antwortete, verschränkte sie die Arme vor der Brust.

„Ich habe Raven immer gesagt, dass Tracy die einzige Frau ist, die für unsere Familie geeignet ist.“

Ich biss mir auf die Innenseite der Lippe und kämpfte gegen die Tränen an, die mir in die Augen stiegen.

Als Raven und ich geheiratet hatten, war seine Mutter freundlich zu mir gewesen.

Alles hatte sich verändert, nachdem ein Jahr ohne Schwangerschaft vergangen war.

„Stell dir das nur vor“, höhnte sie. „Die ganze Zeit hatten wir einen Enkel, während wir Jahre mit einer nutzlosen Frau wie dir verschwendet haben.“

Die Worte trafen mich wie eine Ohrfeige.

Neue Tränen brannten in meinen Augen.

„Warum stehst du immer noch da?“, fuhr sie mich an. „Soll ich die Dienstmädchen rufen, damit sie deine Sachen für dich packen?“

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

Ich war bereits gebrochen.

Bereits jetzt fiel mir das Atmen unter der Last all dessen, was geschehen war, schwer.

Doch sie machte weiter.

„Du solltest nichts mitnehmen dürfen. Raven hat für alles bezahlt, was du besitzt. Du solltest dieses Haus mit leeren Händen verlassen.“

Sie riss Schubladen auf und warf meine Kleidung auf den Boden, als wäre sie Müll.

„Eine Frau, die ihrem eigenen Mann nicht einmal ein Kind schenken kann“, murmelte sie mit einem selbstgefälligen Lächeln.

Wie erstarrt stand ich da, während sie weiter meine Sachen durchwühlte.

Ich konnte keine weitere Sekunde ertragen. Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen, und plötzlich wurde meine Sicht vollkommen schwarz. Ich bemerkte nicht einmal, wie mein Körper zu Boden fiel, während die Dunkelheit mich vollständig verschlang.

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