LOGINMara Stein verlor ihr ungeborenes Kind. Zehn Jahre lang hatte sie Leonard Voss geliebt. Sie brach ihr Studium ab, heiratete ihn und war drei Jahre lang seine Ehefrau – pflichtbewusst, still und ohne sich je zu beklagen. Bis ein verborgenes Dokument auftauchte. Erst da erkannte sie die Wahrheit: Sie war nie seine Wahl gewesen, sondern nur ein Teil eines Spiels – eines grausamen Rollenspiels zwischen ihm und seiner ersten Liebe. Im Krankenzimmer erfuhr Mara, dass Leonard mit seiner ersten Liebe beim Hochseefischen war. Noch am selben Tag reichte sie die Scheidung ein. Die Frau, auf die man einst herabgesehen hatte, verschwand – und kehrte als jemand völlig Neues zurück: als gefeierte Designerin eines internationalen Luxus-Schmucklabels, als Lehrerin eines weltberühmten Pianisten, als Rennsport-Ikone, als Tochter des Außenministers, als Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Milliardenunternehmens … Während immer mehr Männer um Mara warben, verlor Leonard die Kontrolle. Er klammerte sich an sie und ließ nicht mehr los. Mara jedoch hatte genug. Sie inszenierte ihren Tod und verschwand – spurlos. Vor einem leeren Grab kniete Leonard Nacht für Nacht, bis er kaum noch stehen konnte. Und eines Tages stand sie plötzlich vor ihm. Lebendig. Unnahbar. „Meine Frau, komm mit mir nach Hause, bitte“, flüsterte er mit geröteten Augen. Mara lächelte ruhig. „Nennen Sie mich nicht so, Herr Voss. Wir sind geschieden. Und ich bin jetzt Single.“
View More„Das ist unsere neue Kollegin. Sie wird künftig gemeinsam mit uns für die PO-Produktlinie verantwortlich sein. Ich hoffe, ihr kommt gut miteinander aus“, sagte Teamleiterin Hannah Vogt zur Einleitung und bat die Neue, sich kurz vorzustellen.„Hallo zusammen“, sagte Mara Stein, „ich heiße Mara Stein und freue mich auf die Zusammenarbeit.“Die meisten klatschten höflich. Nur Leonie Brandt rührte sich nicht.„Leonie, kennst du sie?“ fragte Jana Schneider leise, da ihr Leonies Reaktion nicht entgangen war.Leonie Brandt lächelte gekünstelt und antwortete ausweichend: „Wir sind uns schon einmal begegnet.“Sie hätte niemals damit gerechnet, dass die neue Kollegin in ihrer Abteilung ausgerechnet Mara Stein sein würde.Leonie Brandt wusste, dass Mara Stein früher Schmuckdesign studiert hatte. Aber Mara Stein hatte ihr Studium nicht abgeschlossen. Kein Abschluss, kein Diplom – wie konnte FY jemanden wie sie einstellen?Leonie Brandt selbst hatte einen renommierten Universitätsabschluss,
Mara war von klein auf von Musik umgeben gewesen. Sie besaß ein ausgeprägtes Talent, liebte Musik von Herzen und war mit ihr aufgewachsen.Als sie die Flecken auf dem Doppelmanual bemerkte, griff sie lediglich zu einem feuchten Tuch und wischte sie ab. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Leonard Voss und die anderen sie deshalb für eine Reinigungskraft halten würden.Nach all den Jahren, in denen sie keine Tasten mehr berührt hatte, war sie sich selbst unsicher gewesen. Doch kaum war das Stück zu Ende, brandete begeisterter Applaus auf. Selbst der befreundete Pianist des Hotelbesitzers kam persönlich zu ihr, lobte ihre Darbietung überschwänglich und bat sie eindringlich, noch mehrere Stücke zu spielen.An seiner Begeisterung erkannte Mara, dass ihr Spiel an diesem Abend zumindest überzeugt hatte. Und vor allem: Sie hatte Clara Neumann geholfen.Draußen im Flur stand Leonard Voss und führte ein langes Telefonat.Eigentlich war er ganz in die geschäftlichen Details vertieft gewese
„Guten Tag, ich bin Mitarbeiterin von ZM. Unsere Filialleiterin hat mich gebeten, Ihnen das hier zu überreichen.“Erst in diesem Moment begriff Mara, was los war. Das musste von Katrin Hoffmann sein.Hoffmann war die Filialleiterin von ZM – und eine alte Bekannte von ihr.„Und obwohl Sie mich gar nicht kennen, wussten Sie sofort, dass ich Frau Stein bin?“, fragte Mara beiläufig. „Das ist beeindruckend.“Die Mitarbeiterin lächelte. „Unsere Chefin hat gesagt, ich solle einfach ins Hotel gehen und es der schönsten Frau dort überreichen. Selbst wenn ich Sie nicht erkenne – die Schönste ist hundertprozentig Frau Stein.“Dieses Kompliment brachte Mara tatsächlich ein wenig in Verlegenheit.Bei Leonie Brandt und den anderen war davon nichts zu sehen. Ihre Gesichter verdunkelten sich merklich.Mara schenkte ihnen keine weitere Beachtung. Sie nahm das Kleidungsstück an sich und machte sich auf den Weg zur Umkleide. In diesem Moment eilte eine Reinigungskraft herbei, führte sie ein Stück
Mara reagierte nicht auf Julian Berger. Ihre Augen ruhten unverwandt auf Leonard Voss – und er hielt ihrem Blick ebenso unbeirrbar stand.Dieser Blick, trotzig und zugleich von oben herab, war derselbe wie damals in der Jugendeinrichtung.Die junge Mara, die gerade erst begonnen hatte, Liebe zu begreifen, war ihm damals völlig schutzlos ausgeliefert gewesen. Das Herzklopfen von damals war ihr bis heute lebhaft in Erinnerung.Doch jetzt …Mara seufzte leise. „Wenn es dir peinlich ist, dann unterschreib endlich die Scheidungspapiere. Sobald wir geschieden sind, kann ich meinetwegen auf der Straße betteln oder Pfandflaschen sammeln – das geht dich nichts mehr an.“Kaum hatte sie das gesagt, verschränkte Julian Berger die Arme und verdrehte genervt die Augen. „Verdammt, hast du eigentlich überhaupt keinen Stolz? Betteln, Flaschen sammeln … Schon wenn man dir zuhört, wird einem schlecht. Leonard erst recht.“Leonard warf ihm einen missbilligenden Blick, schob ihn zur Seite und bedeute





