LOGINIris
Innerlich zuckte ich bei seiner Aufforderung zusammen. Ich hätte meine Antwort kürzer und prägnanter halten sollen, gerade lang genug, um die Sache hinter mich zu bringen, aber natürlich musste ich mich verplappern.
Es führte kein Weg daran vorbei. Ich holte tief Luft und fuhr fort.
„Auf den ersten Bl
IrisWie erwartet, wurden die Ereignisse dieser Nacht nicht weitererzählt.Den ersten Tag wartete ich einfach ab und ging wie gewohnt durch meine Kurse und Treffen. Mittendrin sah ich mich nach irgendwelchen Blicken, Gemurmel oder Geflüster um, die meine Theorie widerlegen würden. Nichts davon war da.Das einzige Mal, als ich ihnen beim Überqueren der Straße begegnete, sahen sie mich mit etwas an, das beinahe wie Angst wirkte, bevor sie den Blick abwandten und mit dem Rest ihrer ‚Schwestern aus der Verbindung‘ weitergingen. Es bereitete mir keinerlei Genugtuung, das zu sehen.Das war Beweis genug. Sie hatten niemandem davon erzählt. Vielleicht, weil es ihre persönliche Rache gewesen war. Welche Rache sie auch immer geplant hatten, sie wa
DmitriDie Stille zog sich länger als nötig hin. In Momenten wie diesen drängten unzählige Fragen in meinen Kopf und kämpften darum, ausgesprochen zu werden, doch angesichts meines älteren Bruders blieb mir jedes Wort im Hals stecken.Nach dem Tod unseres Vaters und nachdem er die Führung über die Sterling Corporation übernommen hatte, hatte sich unsere Beziehung – oder was davon noch übrig war – weiter verschlechtert. Wir hatten im letzten Jahrzehnt nur sporadisch miteinander gesprochen, meistens ging die Initiative von mir aus, woraufhin er das Gespräch schnell wieder abwürgte. Ich konnte die wenigen Male zählen, in denen er aus eigenem Antrieb mit mir gesprochen hatte, und es ging immer um Caleb, angefangen bei dem Moment, als er mich informierte, ich solle nach Caleb sehen, sobald dieser an der Hawthorne-Universität aufgenommen worden war.
DmitriDie samtweichen Klänge von Michele McLaughlin breiteten sich in meinem Arbeitszimmer aus. Wo sie sonst Trost gespendet hätten, schürten sie jetzt nur das Feuer in mir.Ich umklammerte das Whiskeyglas, während die Anspannung in mir immer stärker wurde.Ich ging, sobald sie sicher in ihrem Wohnheimgebäude angekommen war. Das war der einzige beruhigende Teil dieser verdammten Nacht.Ich konnte es nicht leugnen. Ich war verdammt wütend. Die Wut schwoll in mir an, wie die langsam sengenden Feuer im siebten Kreis der Hölle.Aber nicht auf sie.Ich konnte zugeben, dass ich in diesem kurzen Moment wütend gewesen war, wei
IrisIch fuhr hoch. Ich erkannte die Stimme trotz meines ohrenbetäubenden Herzschlags nicht, aber das war mir vollkommen egal.Und diese Stimme, diese Person, war meine Rettung.„Hier.“ Wann war meine Stimme so heiser geworden? „Ich bin hier.“Ein gedämpfter Fluch erklang, gefolgt vom scharfen Klirren von Schlüsseln. Ich stand auf und ignorierte das Ziehen in meinen Gliedern, als die Schlösser klickten. In dem Moment, als ich einen schmalen Lichtstreifen sah, stürmte ich hinaus, nur um mit einer harten Oberfläche zusammenzustoßen.Arme hielten mich fest, und ich dachte nicht nach. Ich schlang die Arme um die Person, vergrub mich an der festen Gestalt und unterdrückte ein Schluch
IrisDie Zeit verging quälend langsam. Wir hatten bereits abgesprochen, wie lange wir bleiben würden, bevor wir wieder verschwanden. Ich wartete einfach darauf, dass die Sekunden verstrichen, während ich mich mit ihr unterhielt und einige der wenigen alkoholfreien Getränke nahm.Plötzlich versteifte sich Jean, ihr Blick glitt an mir vorbei. Ich folgte ihm und entdeckte jenseits der grellen Menge ihren Rivalen Michael, der sie mit einem provokanten Grinsen ansah.Ich konnte die Funken zwischen den beiden förmlich sehen, während sie sich gegenseitig anstarrten. Mein Kopf raste und ich traf eine schnelle Entscheidung.„Du solltest zu ihm gehen.“ sagte ich. Sie fuhr zu mir herum und ich nickte in seine Richtung.
IrisIch schob mir das Armband als letztes Accessoire über das Handgelenk und warf einen letzten Blick in den Spiegel. Der Anblick ließ sich etwas in meinem Inneren zusammenziehen, und schon nach wenigen Sekunden wandte ich den Blick ab, bevor es zu viel wurde.Es spielte keine Rolle.„Bringen wir es einfach hinter uns.“ murmelte ich vor mich hin und griff nach der kleinen Handtasche, die ich vorbereitet hatte.Als ich mein Zimmer verließ, fand ich Jean bereits in unserem gemeinsamen Wohnbereich vor, wo sie im Spiegel ihren Eyeliner auftrug. Sie war so konzentriert, dass sie meine Anwesenheit nicht bemerkt hatte oder zumindest keine Reaktion darauf zeigen konnte.Ich schloss die