INICIAR SESIÓNEin Jahr verging.Das Dorf wuchs.Neue Häuser entstanden. Neue Stimmen erfüllten die Luft. Neue Namen wurden geboren.Ariana saß auf der Veranda, wie sie es so oft getan hatte.Lio war nicht mehr der Kleine, der sie brauchte, um getragen zu werden. Er war größer geworden. Sein Haar war dunkler. Seine Augen waren klar.Er saß neben ihr und schnitzte an einem Stück Holz.„Was machst du?", fragte Ariana.„Ein Vogel."„Warum?"„Weil er fliegen kann."Ariana lächelte.„Und du?"„Ich kann auch fliegen."„Wie?"„Mit den Namen."Ariana verstand.Die Namen waren nicht fort.Sie waren überall.In jedem Menschen, der sich erinnerte. In jedem Kind, das geboren wurde. In jedem Wind, der durch die Bäume strich.Jonas kam aus dem Haus.Er trug zwei Tassen Tee.Wie an jenem Tag.Vor einem Jahr.Vor einem Leben.„Danke", sagte Ariana.Jonas setzte sich.„Mira hat heute Morgen angerufen."„Von wo?"„Von der Küste."„Wie geht es ihr?"„Gut. Sera ist größer geworden."„Und Elias?"„Er ist bei ihr."Arian
Der Morgen kam ohne Sonne. Der Himmel war grau, aber nicht von Wolken. Es war, als hätte das Licht vergessen, wie man scheint.Ariana wachte auf.Lio schlief noch.Der weiße Vogel war verschwunden.Sie stand auf und ging zur Tür.Draußen stand das Dorf still.Zu still.Kein Rauch stieg von den Dächern auf. Kein Wasser floss aus dem Brunnen. Keine Stimmen riefen sich zu.Ariana trat hinaus.„Jonas?"Keine Antwort.„Mira?"Nichts.Sie ging zum Brunnen.Der Stein war kalt.Nicht warm wie gestern.Kalt wie Eis.Sie legte die Hand darauf.Der Herzschlag war fort.„Ariana."Sie drehte sich um.Liora stand am Rand des Platzes.Ihr Gesicht war blass.„Was ist geschehen?"„Die Namen."„Was ist mit ihnen?"„Sie sind wach."Ariana spürte es sofort.In ihrer Brust bewegten sich die Namen. Nicht wie Samen. Wie Stimmen.„Was wollen sie?"„Nicht sie."Liora zeigte hinter sich.„Er."Aus dem Wald trat eine Gestalt.Nicht Morrow.Größer.Älter.Sein Körper bestand aus Schatten, aber sein Gesicht war a
Der Friede kam leise Zu leise. Drei Tage lang läuteten keine Glocken. Keine Türen erschienen. Keine Namen gingen verloren. Das Dorf kehrte zu seinem Alltag zurück, als wäre die Welt nicht beinahe untergegangen.Ariana saß jeden Morgen auf der Veranda und beobachtete Lio, der mit den anderen Kindern spielte. Er rannte und lachte und fiel und stand wieder auf. Er war nur ein Junge.Nur ein Junge, der einmal eine Tür gewesen war.Liora saß neben ihr.„Du wartest auf etwas."Ariana antwortete nicht sofort.„Ich warte auf den Preis."„Welchen Preis?"„Morrow sagte, er würde einen fordern."Liora sah auf ihre Hände.„Vielleicht wird er es nicht."„Vielleicht."„Aber du glaubst es nicht."„Nein."Liora lehnte sich zurück gegen den Holzpfosten.„Ich habe die Namen so lange getragen, dass ich vergessen habe, wie es sich anfühlt, leer zu sein."„Und jetzt?"„Jetzt fühle ich mich, als hätte ich einen Teil von mir in diesem Turm gelassen."Ariana verstand.Sie fühlte es auch.Die Namen in ihr war
Der Wald war nicht mehr derselbe. Wo früher die Bäume dicht gestanden hatten, gab es nun Lücken, die zu tief waren, um hindurchzusehen. Die Luft roch nach Asche und nassem Stein. Zwischen den Wurzeln lag Schnee, obwohl es Sommer war.Ariana blieb stehen.„Liora“, rief sie.Keine Antwort.Nur die Glocke läutete wieder.Diesmal näher.Jonas zog sein Messer.„Bleib hinter mir.“Ariana schüttelte den Kopf.„Nein.“Sie ging voran.Mira folgte mit Sera. Mara hinkte, doch sie ließ das Schwert nicht sinken. Lio schlief in Arianas Armen, sein Atem war ruhig, als wäre nichts geschehen.Der Pfad endete vor einer Lichtung.In ihrer Mitte stand ein alter Glockenturm.Er war nicht aus Stein gebaut.Er war aus Namen.Jeder Stein trug ein Wort. Manche waren verblasst, andere leuchteten weiß. Ariana erkannte einige.**Nera.****Marek.****Samuel.****Evelis.**Und in der Mitte, über dem Eingang, stand ein Name, der noch nicht vollständig war.**Lio—**Ariana trat näher.„Liora ist hier.“Jonas sah zum
Der Name stieg aus der Erde.**Morrow.**Ariana kannte ihn nicht.Doch Lio kannte ihn.Das Kind begann zu weinen, und diesmal kam kein fremder Klang aus seinem Mund. Es war nur ein kleiner, erschöpfter Laut.„Morrow“, sagte Ariana.Der Boden unter dem Dorf wurde schwarz.Alle Menschen wichen zurück. Selbst Mara ließ das Schwert sinken. Aus dem Riss stieg eine Gestalt empor, langsam und lautlos, als würde sie aus tiefem Wasser auftauchen.Morrow war kein Mann.Er war kein Schatten.Er war eine Öffnung in der Welt.Wo sein Gesicht sein sollte, lag eine glatte, schwarze Fläche. In seiner Brust bewegte sich ein schwaches weißes Licht, wie ein Herz hinter Eis.Eren war verschwunden.Doch seine Stimme kam aus Morrow.„Du hast meinen Bruder freigelassen.“Ariana hielt Lio fest.„Eren hat sich selbst freigelassen.“„Du hast ihm geholfen.“„Ja.“„Dann wirst du mir ebenfalls helfen.“„Nein.“Morrow hob eine Hand.Die Nacht fiel über das Dorf.Nicht Dunkelheit.Nacht.Sterne erschienen zwischen
Der Mann trat vollständig in die Welt.Hinter ihm verschwand die weiße Tür.Einen Augenblick lang geschah nichts.Dann wandten sich alle Schatten im Dorf ihm zu.Lio begann in Arianas Armen zu zittern.„Schau ihn nicht an“, sagte Jonas.„Ich kenne ihn.“„Du hast ihn noch nie gesehen.“„Ich kenne ihn trotzdem.“Der Mann lächelte.Er trug keine Waffe, keine Krone und keine Glocke. Nur ein blasses Zeichen unterhalb seiner Kehle, geformt wie ein geschlossenes Auge.„Ariana“, sagte er.Der Klang ihres Namens ließ den Boden aufbrechen.Mara hob ihr Schwert. „Noch einen Schritt, und ich schlage dich nieder.“Der Mann sah sie an.„Du kannst nichts zerschneiden, das noch keine Gestalt gewählt hat.“Sein Körper veränderte sich.Für einen Augenblick war er ein Junge mit dunklem Haar. Dann ein junger Mann. Danach ein alter, von unsichtbarer Last gekrümmter Mensch. Schließlich nahm er wieder das Gesicht an, das Ariana im weißen Raum gesehen hatte.Ihr Bruder.Die Erinnerung kehrte auf einmal zurüc







