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Kapitel 4

Autor: Lina
last update Data de publicação: 2026-03-18 19:56:24

„Lilly, das ist Wahnsinn. Du kannst da nicht hingehen.“

Sophie stand im Türrahmen unseres Zimmers und beobachtete mich mit verschränkten Armen. Ich starrte in den Spiegel über dem Waschbecken und versuchte, den Lidstrich halbwegs gerade hinzubekommen, aber meine Finger zitterten zu stark.

„Es ist nur eine Gala, Sophie. Ein Abend“, sagte ich, ohne sie anzusehen.

„Es ist Etienne!“, schoss sie zurück. Sie trat einen Schritt näher. „Hast du vergessen, wie er heute an dir vorbeigegangen ist? Er hat dich nicht mal eines Blickes gewürdigt. Nach allem, was letzte Nacht war, hat er dich behandelt wie Luft. Und jetzt, einen Tag später, willst du seine Begleitung spielen? Er benutzt dich, Lilly.“

Ich legte den Eyeliner weg und presste die Lippen zusammen. Wenn sie nur wüsste. Wenn ich ihr sagen würde, dass ein Video von mir und ihm auf einem silbernen Stick in seiner Hosentasche existiert, würde sie durchdrehen. Oder schlimmer: Sie würde versuchen, mir zu helfen und dabei selbst ihr Stipendium riskieren.

„Ich weiß, was ich tue“, log ich. Ich griff nach meiner Bürste und fuhr mir grob durch die Haare.

„Nein, weißt du nicht. Du siehst aus, als würdest du zu deiner eigenen Hinrichtung gehen.“ Sophie legte mir eine Hand auf die Schulter, und ich zuckte unwillkürlich zusammen. „Lass ihn stehen. Er kann dir nichts tun.“

*Doch, er kann*, dachte ich. *Er kann mich vor der ganzen Uni entblößen. Er kann dich von dieser Schule werfen lassen.*

„Sophie, bitte. Lass es gut sein.“ Ich drehte mich zu ihr um. „Ich muss das machen. Vielleicht... vielleicht ist es eine Chance, die Sache mit ihm ein für alle Mal zu klären.“

Die Lüge hinterließ einen bitteren Nachgeschmack in meinem Mund. Sophie starrte mich fassungslos an. „Gott, Lilly. Er hat dich bereits eingewickelt, oder? Eine Nacht mit ihm und dein Hirn setzt komplett aus.“

Sie schüttelte den Kopf, drehte sich um und knallte die Zimmertür hinter sich zu. Die Stille, die folgte, war drückend.

Ich sah wieder in den Spiegel. Mein Gesicht wirkte fremd. Ich trug einfache Kleidung, nichts, was für ein Event dieser Klasse angemessen war. Aber Etienne hatte gesagt, ich solle einfach kommen.

Ich griff nach meiner Tasche und warf einen letzten Blick auf die Uhr. 19:50 Uhr.

Mein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Ich wollte nicht gehen. Ich wollte mich unter meine Decke verkriechen und so tun, als wäre die letzte Nacht nie passiert. Aber das Bild des silbernen USB-Sticks brannte sich vor mein inneres Auge.

Ich löschte das Licht und verließ das Zimmer.

Der Weg zum Parkplatz fühlte sich endlos an. Die kühle Abendluft tat gut in meinen Lungen, aber sie beruhigte mein Herz kein Stück. Ich stand im Schatten eines der Betonpfeiler und beobachtete, wie die Zeiger meiner Uhr auf die Acht sprangen.

Genau in diesem Moment bog ein schwarzer Sportwagen um die Kurve. Der Motor grollte tief zwischen den Betonwänden des Parkhauses, ein vibrierendes Geräusch, das ich im Brustkorb spürte. Der Wagen rollte langsam aus, bis er genau vor mir zum Stehen kam. Das Fenster der Beifahrerseite glitt lautlos nach unten.

Etienne saß am Steuer. Er sah mich nicht einmal an. Er starrte starr nach vorne auf die Ausfahrt.

„Steig ein, Graves. Ich habe keine Lust, hier Wurzeln zu schlagen.“

Ich umklammerte den Griff meiner Tasche so fest, dass meine Knöchel weiß hervortraten, und öffnete die Tür. Der Innenraum war dunkel, beleuchtet nur von den schmalen LED-Leisten des Armaturenbretts. Kaum saß ich, trat er aufs Gas. Die Beschleunigung drückte mich hart in den Ledersitz.

„Wo fahren wir hin?“, fragte ich heiser.

„Zu einem Schneider“, sagte er knapp. Er lenkte den Wagen mit nur einer Hand, die andere lag locker auf dem Schalthebel. Er trug ein dunkles Sakko, die Haare wirkten perfekt gestylt, aber sein Kiefer war so angespannt, dass man die Muskeln arbeiten sah. „Du kannst unmöglich in diesen Sachen bei meinem Vater auftauchen.“

„Was ist mit dem Stick?“, hakte ich nach. Ich wollte nicht über Mode reden. Ich wollte wissen, wann dieser Albtraum endlich endete.

„Heh.“ Es war kein echtes Lachen, eher ein kurzes, hämisches Ausstoßen von Luft. „Du bist verdammt ungeduldig. Wir haben eine Abmachung, Lilly. Du ziehst das Wochenende ohne Fehler durch, und der Stick verschwindet. Wenn du versuchst, mich zu verarschen, landet das Video noch während des Hauptgangs in der Gruppe der Bruderschaft.“

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