LOGINMeine Finger zitterten, als ich den Zettel auseinanderfaltete. Ben sah mich noch einen Moment lang an – sein Gesicht war völlig ausdruckslos, bevor er sich umdrehte und den anderen aus dem Saal folgte. Ich blieb allein zurück. Das ferne Gelächter der Studenten auf dem Flur war das einzige Geräusch im Raum.
Die Handschrift auf dem Papier war hastig. Die Kugelschreibermine hatte das dünne Papier an einigen Stellen fast durchstoßen, so fest war aufgedrückt worden. *Bibliothek. Zweiter Stock. Ganz hinten. Jetzt.* Kein „Bitte“, kein Name. Nur diese fünf Wörter. Mein Verstand sagte mir, ich solle den Zettel zerknüllen, ihn im nächsten Mülleimer versenken und einfach nach Hause gehen. Ich hätte Sophie anrufen können. Wir hätten uns in unserem Zimmer verkriechen und die Tür abschließen können. Aber mein Körper schien nicht mehr auf mich zu hören. Die bloße Erinnerung an Etiennes Hände aus der letzten Nacht fühlte sich an wie ein brennender Abdruck auf meiner Haut, der mich unweigerlich in seine Richtung zog. Ich warf mir die Tasche über die Schulter und verließ den Saal. Jeder Schritt auf dem Boden der Universität fühlte sich schwer an. Im zweiten Stock der Bibliothek war es still. Hier oben verirrte sich fast nie jemand hin. Das Licht war gedämpft, nur ein paar schmale Fenster ließen die trübe Nachmittagssonne auf den Boden fallen. Ich bog um die letzte Ecke und blieb stehen. Dort stand er. Etienne lehnte an einem der massiven Eichenregale, die Arme vor der Brust verschränkt. Er trug komplett schwarze Kleidung, das Hemd spannte über seinen Schultern. Die Ärmel waren bis zu den Ellenbogen hochgekrempelt und gaben den Blick auf die dunklen Tätowierungen frei, die sich über seine Unterarme zogen. Er starrte auf seine Fingernägel. „Du bist zu spät, Graves“, sagte er, ohne aufzusehen. Seine Stimme war tief und vollkommen flach. „Ich wusste nicht, dass ich auf dein Kommando springen muss.“ Ich versuchte, meine Stimme fest klingen zu lassen, aber sie war dünn. Er lachte leise, ein dunkles Geräusch, das meine Nackenhaare aufstellte. Er stieß sich vom Regal ab und kam auf mich zu. Er bewegte sich langsam, was mich instinktiv zurückweichen ließ. Schritt für Schritt drängte er mich in die Enge, bis mein Rücken gegen das kalte Holz der gegenüberliegenden Regalwand stieß. Er stoppte erst, als kein Platz mehr zwischen uns war. Er legte eine Hand direkt neben meinen Kopf gegen das Regal. Ich konnte die Hitze spüren, die von seinem Körper ausging. Mein Atem ging schnell, meine Brust hob und senkte sich so heftig, dass sie fast seinen Stoff berührte. Ich sah den leichten Schatten von Bartstoppeln an seinem Kiefer und die Kälte in seinem Blick. „Du hast gestern Nacht eine Wahl getroffen, Lilly“, flüsterte er. Er beugte sich so weit vor, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spürte. Das Kribbeln breitete sich überall aus – ein verräterisches Ziehen in meinem Unterleib, das ich am liebsten einfach ignoriert hätte. „Und jetzt spielst du nach meinen Regeln.“ „Ich bin kein Spielzeug, Etienne“, presste ich hervor. Ich versuchte, seinen Blick zu halten, obwohl meine Knie nachgaben. „Irgendjemand hat mir erzählt, dass deine letzte Freundin wegen dir die Uni geschmissen hat. Ich weiß, dass du Menschen zerstörst, nur weil dir langweilig ist.“ Sein Körper spannte sich augenblicklich an. Der Kieferknochen unter seiner Haut mahlte. Er packte mein Kinn mit den Fingern und drückte fest zu, um meinen Kopf in den Nacken zu zwingen. Seine Augen waren dunkel vor einer Wut, die mich erzittern ließ. „Du weißt gar nichts“, zischte er, und seine Lippen waren nur Millimeter von meinen entfernt. „Und Sophie sollte verdammt noch mal ihren Mund halten, wenn sie ihr Stipendium behalten will. Ich kann dafür sorgen, dass sie noch heute Abend ihre Koffer packt.“ Die Drohung war klar. Ich schluckte schwer. Er hatte die Macht dazu, das wusste ich. Seine Familie besaß die Hälfte der Stiftungen dieser Universität. Er ließ mein Kinn los, trat aber keinen Zentimeter zurück. Stattdessen griff er in seine Hosentasche und holte einen kleinen, silbernen USB-Stick heraus. Er hielt ihn so nah vor meine Augen, dass ich die feinen Kratzer auf dem Metall sehen konnte. „Die Überwachungskameras im Penthouse laufen vierundzwanzig Stunden am Tag, Lilly. In jedem Raum. Man sieht alles auf diesem Stick. Wie du mich ansiehst. Wie du mich bittest, nicht aufzuhören. Wie ich dir jedes einzelne Stück Kleidung ausziehe, während du meinen Namen sagst.“ Mir wurde schlagartig eiskalt. Ein heftiger Schwindel erfasste mich, und ich musste mich am Regal festkrallen. Die Vorstellung, dass diese privaten Momente auf einem digitalen Speicher lagen, den jeder sehen konnte, war unerträglich. „Warum tust du das?“, fragte ich heiser. Ich spürte, wie die Tränen in meinen Augen brannten. „War dir die Demütigung von letzter Nacht nicht genug?“ Er steckte den Stick mit einer schnellen Bewegung wieder ein. Ein spöttisches Lächeln trat auf seine Lippen. „Ich brauche eine Begleitung für die Gala am Wochenende. Mein Vater kommt aus London, und er erwartet eine unschuldige Frau an meiner Seite. Jemand Sauberes. Jemand wie dich, Graves.“ Ich starrte ihn fassungslos an. „Du willst, dass ich deine Freundin spiele? Vor deinem Vater? Nach dem, was du letzte Nacht abgezogen hast?“ „Du wirst die perfekte Partnerin spielen. Den gesamten Abend lang. Du wirst lächeln, du wirst meine Hand halten und du wirst so tun, als gäbe es nichts Besseres auf der Welt als mich.“ Er trat einen Schritt zurück, was mir endlich wieder erlaubte, zu atmen. „Und danach vernichte ich diesen Stick vor deinen Augen. Wenn du nicht auftauchst... nun ja, du weißt, wie schnell Videos auf dem Campus-Server landen. Es dauert genau drei Klicks.“ Mein Herz raste so wild, dass ich dachte, es müsste jeden Moment aussetzen. Er meinte es ernst. „Überleg es dir bis heute Abend“, sagte er und strich sich die Haare aus der Stirn. „Wenn du nicht um Punkt acht an meinem Wagen auf dem Parkplatz stehst, drücke ich auf 'Senden'.“ Er drehte sich um und ging, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Das Echo seiner Schritte verhallte langsam in den Gängen, bis nur noch das Rauschen meines eigenen Blutes in meinen Ohren zurückblieb.Die Drehtür aus Glas verschluckte uns. Die Empfangsdame hielt mitten in einer Bewegung inne, als sie uns sah. Die Männer in ihren maßgeschneiderten Anzügen ließen die Handys sinken. Das Flüstern setzte sofort ein.*Da ist sie. Das ist das Mädchen vom Flughafen.*Ich spürte, wie mein Puls nach oben schoss. *Zieh die Schultern zurück.* Ich tat es. Ich tat so, als wäre ich es gewohnt, dass Menschen mich anstarren wie ein Objekt.Etienne legte eine Hand flach auf meinen Rücken. Er führte mich zum Aufzug, ohne nach rechts oder links zu sehen. Für ihn waren diese Leute Luft.„Nicht reagieren“, murmelte er, während die Aufzugtür lautlos zuglitt. „Sie suchen nach einem Riss in der Fassade. Gib ihnen keinen.“„Ich bin kein Ausstellungsstück, Etienne“, gab ich leise zurück.Er fixierte die Zahlen über der Tür. „In diesem Gebäude bist du genau das. Gewöhn dich dran.“Der Aufzug hielt im 42. Stock. Ein schmaler Flur führte zu einer schweren Tür. Etienne klopfte nicht. Er drückte die Klinke nach u
Als ich aufwachte, war die andere Seite des Bettes leer. Die Sonne knallte durch die Jalousien. Ich blinzelte gegen das Licht an. Einen Moment lang hatte ich vergessen, was passiert war, bis ich das schwarze T-Shirt auf meiner Haut spürte. Es roch nach ihm. Einfach nur nach ihm.*Reiß dich zusammen, Lilly.*Ich setzte mich auf und lauschte. Aus dem Wohnzimmer drang gedämpftes Brüllen. Keine sanfte Stimme. Der Etienne von letzter Nacht war weg. Der Etienne, der mich gehalten hatte, war durch das Arschloch ersetzt worden, das ich am liebsten hassen würde.„Ich habe dir gesagt, dass ich das unter Kontrolle habe!“, herrschte er jemanden am Telefon an. Das Geräusch von Glas, das hart auf einen Tisch knallte, hallte durch die Wohnung. „Es ist mir egal, was der Vorstand denkt. Sie ist Teil des Plans.“*Teil des Plans.* Natürlich.Ich stand auf. Der Boden war eiskalt. Ich schlich zur Tür. Etienne stand mit dem Rücken zu mir am Fenster. Er trug bereits eine dunkle Anzughose, sein Hemd war offe
Der Wagen hielt vor einem dieser schmalen, dunklen Gebäude in Mayfair. Alles hier sah so diskret aus, dass man den absurden Luxus dahinter kaum erahnen konnte. Etienne stieg aus und wartete nicht auf den Fahrer, sondern hielt mir selbst die Tür auf. Er legte seine Hand flach auf mein Kreuz und schob mich sanft ins Foyer.*Was tust du da, Lilly?*, schrie eine Stimme in meinem Kopf. *Glaubst du ernsthaft, dass das hier echt ist?* Ich beobachtete sein Profil in der Spiegelung der glänzenden Aufzugtür. Er wirkte so ruhig, fast schon friedlich, aber ich wusste, wie schnell sich das ändern konnte. In seinem Apartment war es stockfinster, bis er mit einer kurzen Geste das Licht aktivierte. Die riesige Fensterfront bot einen Blick über die funkelnden Dächer von London, aber Etienne schenkte der Aussicht keine Beachtung. Er warf seine Schlüssel auf eine Konsole und sah mich an. Die Maske, die er am Flughafen getragen hatte, war endgültig verschwunden.„Du siehst fertig aus“, sagte er leise. E
Das dumpfe Aufschlagen der Reifen auf dem Asphalt riss die Stille in der Kabine endgültig in Stücke. Der Jet vibrierte, die Bremsen kreischten leise, und draußen jagten die Lichter des Flughafens an uns vorbei. Ich spürte, wie sich mein Magen zusammenzog. Das hier war London. Die Stadt, in der jeder seinen Namen kannte, in der jede Kamera auf ihn gerichtet war und in der er ständig so tun musste, als hätte er alles im Griff. Ich war nur das Mädchen an seiner Seite, das jetzt mit in diesen Zirkus gezogen wurde.Etienne ließ meine Hand los, als das Flugzeug zum Stehen kam. Er stand auf, zog sich sein Sakko über und rückte seine Manschetten zurecht. Innerhalb von Sekunden war er wieder der Typ, den die Leute hier erwarteten – distanziert, glatt und kontrolliert. Er wartete stumm vor der Tür, bis die Verriegelung von außen gelöst wurde, ohne mich auch nur anzusehen.Ich stand unsicher auf und strich mir durch die Haare. Mein ganzer Körper fühlte sich noch schwer an von dem, was auf dem Ti
Er packte mich an der Hüfte und drückte mich mit einer einzigen, fließenden Bewegung rückwärts gegen den massiven Tisch in der Mitte der Kabine. Das glatte Holz fühlte sich kühl gegen meine nackte Haut an, als er meine Beine hart auseinanderschob und sich direkt vor mir auf die Knie sinken ließ.Ich wollte nach Luft schnappen, aber der Sauerstoff schien aus der Kabine verschwunden zu sein, als er mein Gesicht zwischen seine Hände nahm und mich nur eine Sekunde lang ansah, bevor er seinen Kopf senkte. Ich spürte seinen heißen Atem direkt an meinem Kitzler, ein kurzer, feuchter Hauch, der mich zusammenzucken ließ. Und dann traf mich seine Zunge.Er leckte mich nicht einfach nur; er presste seinen Mund fest gegen mich und benutzte seine Zunge mit einem Druck, der mich fast den Verstand kostete. Er fuhr in langen, langsamen Zügen an meinen Schamlippen entlang, sammelte meine Feuchtigkeit auf, nur um sie dann mit kreisenden Bewegungen direkt auf meiner empfindlichsten Stelle zu verteilen.
Der Wagen kam direkt vor dem Privatjet zum Stehen. Noch bevor die Tür aufgerissen wurde, fühlte ich, wie sich mein ganzer Körper anspannte.Etienne ließ meine Hand los. Es war ein abrupter Bruch, als hätte er sich an der plötzlichen Nähe verbrannt. Er stieg aus, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Seine ganze Haltung veränderte sich in dem Moment, als seine Füße den Asphalt berührten. Die Schultern strafften sich – der unnahbare Blackwell-Erbe war zurück. Die Maske saß perfekt.Ich folgte ihm mit weichen Knien. Der Wind auf dem Rollfeld peitschte mir die Haare ins Gesicht und zerrte an meiner Kleidung. Vor uns warteten zwei Männer in dunklen Anzügen, die Köpfe respektvoll gesenkt, während sie die Treppe des Jets flankierten.Etienne schritt an ihnen vorbei, als wären sie Teil der Kulisse. Er drehte sich nicht um. Kein prüfender Blick, ob ich mithalten konnte. Nichts.Diese plötzliche Kälte schnürte mir die Kehle zu. Nur Minuten zuvor im Wagen hatte er mich fast angefleht, bei ihm zu