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Kapitel 5

Author: Lina
last update publish date: 2026-03-18 19:56:48

Etienne lenkte den Wagen in eine Seitenstraße, in der nur schwarze SUVs mit getönten Scheiben vor den Eingängen standen. Er hielt direkt vor einer schweren Glastür mit einem dezenten Logo. Kein Schaufenster, keine Werbung – wer hier einkaufte, wusste bereits, was er wollte.

„Raus jetzt“, sagte er und schaltete den Motor aus. Die plötzliche Stille im Auto war beklemmend.

Ich stieg aus und kam mir in meiner Jeans und der einfachen Jacke sofort fehl am Platz vor. Etienne ging voraus, ohne sich umzusehen. Er stieß die Tür auf, und eine leise Glocke kündigte uns an.

Drinnen roch es nach neuem Leder. Ein Mann in einem grauen Anzug kam sofort auf uns zu. Sein Blick glitt kurz über mich – ein flüchtiges Scannen, das an meinen Turnschuhen hängen blieb –, bevor er sich respektvoll vor Etienne verbeugte.

„Mr. Blackwell. Wir haben alles vorbereitet.“

„Gut“, sagte Etienne knapp. Er legte eine Hand auf meinen unteren Rücken und schob mich nach vorne. Die Berührung brannte durch den Stoff, ein klares Zeichen dafür, wer hier das Sagen hatte. „Sie braucht etwas für die Gala am Samstag. Und für das Dinner morgen Abend. Sie soll aussehen, als würde sie dazugehören.“

Der Schneider nickte und deutete auf eine Umkleidekabine mit schweren Vorhängen. „Wenn die junge Dame mir bitte folgen würde?“

Ich sah zu Etienne. Er hatte sich bereits in einen der dunklen Ledersessel fallen lassen und holte sein Handy raus.

„Ich ziehe nichts an, was du mir kaufst“, sagte ich leise, als der Schneider kurz außer Hörweite war.

Etienne sah nicht von seinem Display auf. „Du ziehst an, was ich dir sage, Lilly. Du bist an diesem Wochenende meine Begleitung. Das bedeutet, du trägst meine Kleidung und sagst meine Sätze.“ Er sah jetzt doch kurz auf, seine Augen waren kalt. „Wenn du nackt kommen willst, können wir das auch einrichten. Aber ich glaube kaum, dass das deinem Ruf gut tut.“

Ich ballte die Fäuste, bis meine Nägel in die Handflächen schnitten. „Du bist ein verdammtes Arschloch.“

„Und du bist zu spät für die Anprobe“, entgegnete er kühl. „Geh da rein. Jetzt.“

Ich riss den Vorhang der Kabine zur Seite und knallte ihn hinter mir zu. Auf einem Hocker lagen bereits mehrere Kleider. Ich striff meine Sachen ab und schlüpfte in das schwarze Modell, das Etienne ausgesucht hatte. Der Stoff war schwer und fühlte sich auf der Haut kühl an. Es hatte einen hohen Beinschlitz, der bei jeder Bewegung fast zu viel preisgab.

Als ich den Vorhang wieder öffnete, saß Etienne immer noch in dem Sessel. Er legte sein Handy langsam weg. Sein Blick glitt an meinen Beinen hoch, über die Taille bis hin zu meinen Lippen. Er sagte nichts. Er musterte mich so intensiv, dass ich am liebsten wieder hinter den Vorhang geflüchtet wäre.

„Dreh dich um“, sagte er schließlich. Seine Stimme war jetzt belegt, tiefer als zuvor.

„Ich bin kein Ausstellungsstück, Etienne.“

„Dreh dich um, Lilly. Oder ich komme zu dir und mache es selbst.“

Ich schluckte die Wut hinunter und tat, was er verlangte. Der Rücken des Kleides war fast komplett offen, nur gehalten von zwei dünnen Trägern. Ich hörte, wie er aufstand. Seine Schritte auf dem Parkett waren leise, aber ich wusste genau, wie nah er mir kam.

Er stoppte direkt hinter mir. Ich spürte die Hitze seines Körpers, ohne dass er mich berührte.

„Das hier ist keine Verkleidung“, flüsterte er so nah an meinem Ohr, dass sich die Härchen in meinem Nacken aufstellten. Er legte seine Hände auf meine Taille. Seine Finger waren warm und fest. „Du wirst am Samstag den Raum betreten und jeder wird wissen, dass du an meine Seite gehörst. Du wirst nicht weglaufen, du wirst nicht weinen und du wirst verdammt noch mal so tun, als wäre ich der einzige Mann, den du jemals gewollt hast.“

Ich sah unser Spiegelbild. Er stand hinter mir, die Hände an meinem Körper, sein dunkler Blick in den Spiegel geheftet. Wir sahen aus wie das perfekte Paar der Elite, aber unter der Oberfläche war alles nur Erpressung und Hass.

„Und wenn ich es nicht schaffe?“, fragte ich heiser.

„Dann lernst du, wie schnell dein Leben in Trümmern liegen kann.“ Er löste eine Hand von meiner Taille und strich mir eine Haarsträhne aus dem Nacken. Seine Fingerspitzen hinterließen eine Spur aus Feuer auf meiner Haut. „Zieh dich um. Wir gehen essen. Ich will sehen, ob du dich in diesem Kleid auch nur ansatzweise wie eine Blackwell benehmen kannst.“

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