LOGINEvaAls ich in das zweite Trimester meiner Schwangerschaft komme, verändert sich etwas in mir. Etwas Tiefes, Instinktives, vollkommen Unerwartetes.Mein Verlangen nach Alexander verzehnfacht sich.Ich spreche nicht von einem normalen Verlangen, nicht von dem zärtlichen Wunsch, miteinander zu schlafen. Ich spreche von einem verzehrenden Hunger, einem unstillbaren Durst, einer Obsession, die mich Tag und Nacht beherrscht. Mein durch die Schwangerschaft veränderter Körper ist zu einem Feuer geworden, das nichts löschen kann, zu einem Vulkan, der nur darauf wartet auszubrechen. Jede Berührung Alexanders, jeder Blick, jede zufällige Berührung genügt, um mich in Flammen aufgehen zu lassen. Und nachts, wenn wir uns in unserem Bett wiederfinden, stürze ich mich auf ihn wie eine ausgehungerte Löwin.— Schon wieder? fragt er an diesem Abend mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen, nachdem ich gerade zum zweiten Mal innerhalb einer Stunde auf i
Doch das wichtigste Projekt, dasjenige, das mir am meisten am Herzen liegt, ist das Kinderzimmer.Ich beschließe, es selbst einzurichten. Kein Architekt, kein Innenausstatter, kein Bauunternehmer. Ich. Der König von Manhattan, der Herrscher der Wall Street, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, einen Pinsel in der Hand und dabei, die Wände eines Kinderzimmers zu streichen.Es ist der Raum neben unserem Schlafzimmer, ein Zimmer, das wir bisher nicht genutzt haben, das als Abstellkammer, zusätzlicher Ankleideraum und Sammelstelle für alles Mögliche gedient hat. Ich leere ihn vollständig, schleife die Wände ab und streiche sie in einem sehr sanften, beruhigenden Cremeweiß. Danach male ich an die Hauptwand ein Wandgemälde – einen verwunschenen Wald mit jahrhundertealten Bäumen, Waldtieren und einem Bach, der sich zwischen den Farnen hindurchschlängelt. Jedes Blatt, jeder Grashalm, jedes Eichhörnchen wird mit einer beinahe obsessiven Genauigkeit gemalt
Als das Porträt fertig ist, setzen wir unseren Spaziergang fort. Alexander trägt die zusammengerollte Leinwand unter dem Arm, während ich mich fröstelnd an seine Schulter schmiege. Die Luft ist kühler geworden, die Sonne sinkt, und über den Wolkenkratzern erscheinen die ersten Sterne am Himmel.— Erinnerst du dich an unseren ersten öffentlichen Auftritt? fragt er. Die Wohltätigkeitsgala, vor einer Ewigkeit.— Ich erinnere mich. Du hattest mir ein Kleid von Saks geschenkt, und ich hatte schreckliche Angst davor, dich zu blamieren.— Du hast mich nie blamiert. Du hast mich immer stolz gemacht. Jeden einzelnen Tag machst du mich stolz.— Auch wenn ich brisante Artikel in der New York Times schreibe?— Gerade dann. An diesem Tag war ich so stolz auf dich, dass ich beinahe geweint hätte.Wir lachen gemeinsam, und unser Lachen ist eine Musik, die sich in die heraufziehende Nacht erhebt. Die Straßenlaternen gehen eine nach der
EvaDer Oktober in New York ist ein Monat aus Feuer und Gold. Die Bäume im Central Park lodern in Purpur, Orange und Gelb, während die klare, schneidende Morgenluft bereits die ersten Versprechen des Winters mit sich trägt. Die Frühaufsteher joggen durch die Wege und steigen über die toten Blätter hinweg, die unter ihren Sohlen rascheln, Kindermädchen schieben Kinderwagen entlang der Alleen, und ältere Paare sitzen auf den Bänken und füttern die Tauben. Alles ist ruhig, friedlich, gewöhnlich.Und doch ist für mich nichts gewöhnlich. Nicht an diesem Morgen. Nicht nach allem, was wir durchgemacht haben.Der Artikel ist vor einer Woche erschienen. Nun kennt die ganze Welt unsere Geschichte. Die Geschichte des Sterling-Skandals, der Intrige von Marcus Thorn und Alexanders Erlösung. Die Journalisten haben aufgehört, uns zu verfolgen – sie hatten ihren Scoop, ihre Titelseite, ihre sensationelle Schlagzeile. Die Neugierigen haben aufgehört, uns heimlich
Wir gehen hindurch und gelangen in Alexanders Büro. Sein eigenes Reich, mit seinem monumentalen Schreibtisch, den Ledersesseln, den Regalen voller Bücher und Trophäen. Dasselbe Büro wie an dem Tag, an dem wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Doch heute ist alles anders.— Und? Was hältst du davon? frage ich lächelnd.— Ich denke, diese geheime Tür ist die beste Idee, die du jemals hattest.— Besser als der Partnerschaftsvertrag? Besser als der Maskenball? Besser als die Nacht der Spiele?— Vielleicht nicht die beste. Aber ganz sicher unter den ersten fünf.Er kommt auf mich zu, seine Hände legen sich auf meine Hüften, seine Lippen streifen meine.— Stell dir all die spontanen Besprechungen vor, die wir hier haben werden, sagt er mit rauer Stimme.— Das stelle ich mir vor. Und ich kann es kaum erwarten.— Warum warten?Seine Lippen legen sich auf meine, und dieser Kuss ist ein Vorgeschmack auf all die kommenden Besprechungen. Ein zärtlicher, tiefer, verheißungsvoller Kuss. Ein Kuss, d
DER STERLING-SKANDAL: DIE WAHRHEIT ENDLICH ENTHÜLLT Von Eva King, Tochter von Robert Sterling Der Artikel schlägt ein wie eine Bombe. Innerhalb weniger Stunden wird er von allen Medien weltweit aufgegriffen. Nachrichtensender zitieren ihn ununterbrochen. Die sozialen Netzwerke explodieren. Kommentatoren äußern sich, Blogger analysieren, die Öffentlichkeit empört sich. Marcus Thorn, der bereits im Gefängnis sitzt, wird als das Monster verurteilt, das er ist. Robert Sterling wird rehabilitiert. Charles King wird von jedem Verdacht reingewaschen. Und Alexander wird zum Helden – zu dem Mann, der seine Jugend geopfert hat, um die Tochter seines Vaters zu beschützen, zu dem Mann, der sein Leben riskiert hat, um sie zu retten, zu dem Mann, der gegen das Böse gekämpft und gewonnen hat. — Hast du die Reaktionen gesehen? fragt Alexander mit einem breiten Lächeln, als er die Bibliothek betritt. — Ich habe sie gesehen. Das ist... unglaublich. — Unglaublich? Du bist unglaublich. Du hast die







