LOGIN„Lass mich für einen einzigen Monat wirklich deine Frau sein, Daven.“ Es klang wie eine einfache Bitte – wie ein letzter, stummer Aufschrei einer zutiefst verletzten Frau. Doch für Althea Grayson war es eine Frage ihres Stolzes. Es war der Preis für all die Liebe, die sie gegeben, aber nie zurückbekommen hatte. Sie hatte es von Anfang an gewusst: Ihre Ehe war keine Liebesgeschichte. Daven Callister hatte sie aus Pflicht geheiratet, gedrängt von seiner Großmutter. Zärtliche Umarmungen, liebevolle Blicke – all das hatte es nie gegeben. Es gab nur kaltes Schweigen und ein Haus, das sich nie wie ein Zuhause angefühlt hatte. Trotzdem hielt Althea daran fest. Sie versuchte, eine gute Ehefrau zu sein, und klammerte sich an die Hoffnung, dass Daven ihr eines Tages vielleicht sein Herz öffnen würde. Doch diese Hoffnung zerbrach, als er sie verriet – er wollte eine andere Frau heiraten. Die Frau, die er wirklich liebte – ganz gleich, ob Althea einverstanden war oder nicht. Und seine ganze Familie unterstützte ihn dabei. Verletzt und ernüchtert bat Althea ein letztes Mal darum, einen Monat lang geliebt zu werden – wie eine echte Ehefrau. Ein einziger Monat … bevor sie für immer ging. Daven hielt das für einen verzweifelten, beinahe beschämenden Versuch. Doch dieser Monat stellte sein Leben auf den Kopf. Altheas Lächeln, ihre bedingungslose Art zu lieben – und sogar die Art, wie sie am Ende ging – all das ließ etwas in seinem Herzen zurück, das er nicht mehr loswurde. Und jetzt war Daven verloren. Jetzt, da sich die Liebe, die er nie gesehen hatte, endlich gezeigt hatte … war es vielleicht schon zu spät. Oder sollte er doch kämpfen – gegen alles –, nur um eine einzige zweite Chance?
View MoreDaven und sein Anwaltsteam hatten einige zermürbende Wochen hinter sich. Der langwierige Gerichtsprozess hatte ihnen viel Kraft abverlangt.An diesem Morgen herrschte vor dem Gerichtsgebäude noch mehr Andrang als gewöhnlich. Zahlreiche Journalisten drängten sich hinter den Absperrungen, um keinen Moment des Falls zu verpassen, der von Anfang an großes öffentliches Interesse erregte. Im Mittelpunkt standen die Familien Callister und Miller sowie die beiden Angeklagten Harold und Marlene.Der Wagen, in dem Daven und seine Familie saßen, hielt in einem abgesperrten Bereich.Daven stieg als Erster aus. Seine Miene blieb ruhig, aber sein Blick war kühl und entschlossen. Sofort drehte er sich um und reichte Althea die Hand.„Ganz langsam“, sagte er knapp.Althea ergriff schweigend seine Hand. Ihre freie Hand legte sich wie von selbst auf ihren leicht gewölbten Bauch, während sie sich mit der anderen fest an Daven hielt.„Mir geht's gut“, murmelte sie.Daven sah sie kurz an. „Bleib dic
An diesem Abend ging es im Esszimmer der Familie Miller lebhafter zu als gewöhnlich.Der Kronleuchter verbreitete ein warmes Licht über dem langen Esstisch und ließ die sorgfältig angerichteten Speisen sanft schimmern. Der Duft von heißer Suppe, Brathähnchen und frisch gebackenem Brot lag in der Luft und sorgte für eine gemütliche, entspannte Atmosphäre.Eli saß zwischen Grace und Josh. Im Gegensatz zum Vortag wirkte sie nicht mehr so verkrampft. Ein wenig nervös war sie zwar noch, aber ihre Gesichtszüge hatten sich entspannt. Sie wirkte deutlich gelöster.Grace stupste sie sanft am Arm an. „Du warst heute mit Mama unterwegs, stimmt's?“, fragte sie neugierig.Eli nickte kurz. „Ja.“„Und wie war's?“, platzte Josh sofort dazwischen. Seine Augen leuchteten neugierig auf. „Ist die Schule toll?“Eli zögerte einen Moment. „Ähm … ja, eigentlich schon.“„Nur eigentlich?“, schnaubte Josh. „Das klingt aber nicht besonders überzeugend.“Grace kicherte. „Das heißt, sie findet die Schule to
Elis Augen begannen zu leuchten, ohne dass sie es selbst merkte.Althea bemerkte die Veränderung sofort. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. „Dürfen die Schüler diese Einrichtungen auch nach dem Unterricht nutzen?“„Natürlich“, erwiderte der Schulleiter. „Unter Aufsicht, versteht sich. Uns ist wichtig, dass die Schüler den Stoff wirklich verstehen, statt ihn nur auswendig zu lernen.“Althea nickte zufrieden.Anschließend führte sie der Rundgang zum Musikraum. Schon vor der Tür hörten sie leise Klaviermusik. Als die Tür aufging, empfing sie eine ganz andere, wärmere Atmosphäre. Im Raum standen ordentlich aufgereiht Klaviere, Gitarren und weitere Instrumente. Daneben gab es sogar einen separaten Übungsraum für Gesang.Unwillkürlich trat Eli einen Schritt näher.„Hier fördern wir die künstlerischen Interessen unserer Schüler“, erklärte der Schulleiter. „Gesangsunterricht gehört ebenfalls dazu.“Elis Blick blieb an dem Gesangsraum hängen, dessen Wände mit schalldämmenden Pla
Althea stieg als Erste aus und wandte sich Eli zu. Diesmal zögerte das Mädchen kaum noch, sondern folgte ihr und ging an ihrer Seite weiter.Gemeinsam betraten sie das Gebäude. Drinnen herrschte eine angenehme Ordnung. Einige Schüler kamen mit Büchern in den Händen an ihnen vorbei, während andere in offenen Aufenthaltsbereichen saßen und sich leise austauschten.Nirgends war unnötiger Lärm zu hören.Alles wirkte ruhig. Einladend.Eli ließ den Blick aufmerksam umherschweifen und betrachtete jedes noch so kleine Detail.„Hier ist es … so friedlich“, murmelte sie unwillkürlich.Althea sah zu ihr hinüber. „Gefällt es dir hier?“Eli zögerte mit ihrer Antwort. „Ich … weiß nicht“, gestand sie schließlich ehrlich.Althea hakte nicht nach, sondern nickte nur verständnisvoll.Als sie den Empfang erreichten, begrüßte sie eine Mitarbeiterin freundlich. „Guten Morgen. Sie sind Frau Callister?“„Ja.“„Der Schulleiter wartet bereits auf Sie.“Die Mitarbeiterin begleitete sie zum Büro des
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß


















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