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Die verkaufte Seele

last update Data de publicação: 2026-08-31 09:14:39

**LOS ANGELES**

**MIA NOVA**

Das Land der Eitelkeit erfordert ein gewisses Maß an Schamlosigkeit, wenn man keine zehntausend Dollar teuren Ohrringe zum Festklammern besitzt. Das ist eure freundliche Nachbarschaftsdiebin, und mein einziges Ziel im Leben ist es, mit allen Mitteln zu überleben.

Aus einer Ecke heraus beobachtete ich mein Opfer ganz genau. Er passte genau zu der Beschreibung, die ich suchte. Geriatrisch, möglicherweise senil.

Ich war in eine Verkleidung gehüllt, die mich von den hochmütigen Ebenen absetzte. Ein übergroßer Mantel, bedeckt mit Schlamm und Schweinemist, aufgesprungene Lippen, eine falsche Synthetikperücke, die in den Piss eines Betrunkenen getaucht war, und mein Gesicht mit Kohle verschmiert, damit ich wie eine Obdachlose aussah.

Der alte Mann mit zitternden Fingern beendete seinen Anruf und steckte sein Handy wieder in die vordere Tasche.

Das war mein Zeichen, denn jeden Moment würde er sich in Bewegung setzen.

Ich überquerte die belebte Straße schnell, meine Augen nie von meinem Ziel abwendend, das sich bereits in Bewegung gesetzt hatte.

Geduld war alles, was ich brauchte. Das Timing musste präzise sein, sonst riskierte ich, reines Gold zu verpatzen.

Trotz der geschäftigen Stadt, die um mich herum summte, ging ich im Takt meiner Konzentration.

Er kam mir jetzt entgegen, während ich auf ihn zuging. Es geschah im Bruchteil einer Sekunde… Wir prallten zusammen. „Entschuldigung, Sir“, murmelte ich.

Der alte Mann antwortete mir nicht. Es spielte keine Rolle, denn meine Hand umschloss jetzt die goldene Uhr, die noch Sekunden zuvor sein gebrechliches, faltiges Handgelenk bedeckt hatte.

„Hey, das Mädchen ist eine Diebin!“

Mein Oberkörper erstarrte für ein paar Sekunden, als ich diese Worte hörte, aber zum Glück bewegten sich meine Füße weiter.

Es konnte nicht mich meinen. Ich war zu schlau. Zu vorsichtig. Ich hatte das schon zu oft gemacht, als dass es jetzt scheitern konnte.

Es gab keine Zeit, zurückzublicken und zu bestätigen, also rannte ich los. Das Geräusch schwerer Schritte hinter mir beantwortete meine gefürchtetste Frage. Ich war zum Ziel geworden, und ich musste um mein Leben rennen.

Ich überquerte die Straße, ohne hinzusehen. Meine Lungen brannten, aber ich konnte nicht aufhören. Ich musste weiterlaufen.

Ein Auto kreischte plötzlich neben mir zum Stehen, und die Beifahrertür flog auf. Ich dachte nicht zweimal nach, bevor ich hineinsprang und die Tür zuschlug.

Es hätten genauso gut die Leute sein können, die mir auf den Fersen waren, und ich hätte mich ihnen einfach auf dem Silbertablett ausgeliefert.

Aber in diesem Moment konnte ich mich nur auf meinen Überlebensinstinkt verlassen, und der hatte mich in dieses fremde Auto geführt.

„Vielen Dank, Sir. Vielen Dank für Ihre Freundlichkeit. Sie haben mir gerade das Leben gerettet.“

Der Fahrer hielt den Kopf geradeaus auf die Straße gerichtet. Nicht ein einziges Mal drehte er den Kopf oder antwortete mir. Ich konnte nur ein Seitenprofil sehen.

Obwohl dieses Seitenprofil mich zweimal hinschauen ließ.

Ein Hauch einer Tätowierung wanderte von der kleinen freiliegenden Seite seines Halses in sein Hemd. Der Anzug sah teuer aus. Meine Nase blähte sich, als ich das teure Leder des Autos roch.

Irgendwas stimmte nicht. Irgendwas – ich konnte meine Gedanken nicht zu Ende bringen, als mein Gehirn neblig wurde und meine Sicht verschwamm.

„Öff–“ eine Dicke verstopfte meine Kehle, sodass ich ihm nicht sagen konnte, er solle das Fenster öffnen.

Ich legte eine Hand auf meine Brust, während mein Kopf nach hinten zu schwanken begann. „Nein!“ schrie ich innerlich weiter.

Die goldene Armbanduhr fiel aus meiner anderen Hand, und kurz bevor meine Augen sich schlossen, hörte ich das Geräusch der Tür, die einschnappte.

*****

Als ich wieder aufwachte, war es mit einem Ruck, als kämpfe mein Körper immer noch gegen das, was kurz zuvor abgeschaltet hatte.

Mein Kopf lag diesmal nicht auf einem teuren Autositz. Er war gegen einen Teppich gepresst.

Über mir hing ein Kronleuchter aus reinen Diamanten. Umgeben war ich vom Duft von Lavendel und arabischem Oud.

„Ist das der Himmel?“ fragte ich laut und schnupperte an der reinen Opulenz.

Trotz der Schwäche, die immer noch meinen Körper bedeckte, schaffte ich es, mich hochzudrücken. Dabei erinnerte ich mich an alles.

„Hallo?“ Mein Nacken drehte sich, als ich auf die Füße kam, und meine Augen stolperten über einen breiten Rücken, der zu einer großen Gestalt gehörte. „Hey, bist du der Typ, der mir zur Flucht verholfen hat? Was hast du mir angetan? Mich vergiftet? Wer bist du? Handelst du mit jungen Mädchen?“ Ich keuchte bei dem Gedanken. „Lass dich nicht von meinem dünnen Körper täuschen. Ich werde in einem Monat vierundzwanzig–“

Er drehte sich mitten in meinem Gerede um, und der Rest der Worte, die ich noch nicht gesagt hatte, verschwand aus meinem Mund und meinem Gehirn.

Seine Augen waren so dunkel wie die des Teufels, und sie besaßen eine Intensität, die einem durch die Seele schnitt und ihren Inhalt enthüllte.

„Wow! Du bist ein richtig gutaussehender Mann!“ platzte es aus mir heraus. Ich war nie jemand, der seine Gedanken für sich behielt.

Sein Blick verdunkelte sich, und ich konnte sehen, dass er mich einschätzte. Ich versuchte, hell zu lächeln, damit er vielleicht hinter meine hässliche Verkleidung blicken würde.

Dann erinnerte ich mich, dass ich meine Zähne mit gelber Farbe bemalt hatte.

„Oh Mia!“ trauerte ich innerlich.

„Du redest viel und du stiehlst. Eine sehr besorgniserregende Kombination.“

Er sprach endlich, und genau wie ich angenommen hatte, war seine Stimme wie verführerischer Donner. Nicht auf laute Art. Auf die Art eines tiefen blauen Meeres.

„Also warum hast du mir geholfen?“ Ich war nur allzu begierig zu erfahren.

„Deine Seele wurde an mich verkauft“, antwortete er im Bruchteil einer Sekunde.

Ich starrte ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Sicher, er hatte diesen teuflischen Look an sich, aber das übersetzte sich doch nicht in einen echten Teufel, oder? Was genau meinte er damit, dass meine Seele an ihn verkauft worden war?

„Du glaubst mir nicht. Dein Vater hat deine Seele an mich verkauft, um seine Schuld zu begleichen. Ich muss sagen, ich bin enttäuscht. So krank deine Schwester auch sein mag, sie ist ein atemberaubendes Mädchen. Was ist mit dir passiert? Wie soll ich mit dir Geld verdienen?“

Erkenntnis flackerte in meinen Augen. Es stach nicht, dass er mich praktisch hässlich nannte. Ich war zu sehr an dem hängengeblieben, was er kurz zuvor gesagt hatte.

„Du lügst nicht. Klingt genau nach dem, was Mr. Nova tun würde. Wie dem auch sei, ich kann nichts ändern, oder? Also hier bin ich. Du hast meine Seele. Wofür brauchst du sie?“ Ich zuckte mit den Schultern und akzeptierte mein Schicksal.

Seine Stirn runzelte sich sofort. Es schien, als hätte der selbsternannte Teufel meine Antwort nicht kommen sehen.

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