Share

KAPITEL 3

Author: Oma
last update publish date: 2026-06-14 07:52:49

            Zweiundvierzig Seiten

Der Vertrag kam Samstagabend an. Zweiundvierzig Seiten. Priscilla tauchte zwanzig Minuten auf, nachdem Nora ihr das Deckblatt geschickt hatte – die Tüte mit dem Essen zum Mitnehmen in der einen Hand, ihren eigenen Ausdruck in der anderen, der Gesichtsausdruck wie der einer Frau, die zu einem Krisenort kommt.

Sie war an diesem Nachmittag in die Bibliothek gegangen und hatte jede Seite selbst ausgedruckt, ohne darum gebeten worden zu sein. Sie setzte sich an den Tisch, schlug den Vertrag auf und begann wortlos zu lesen.

Vierzig Minuten lang waren nur das Umblättern der Seiten, Noras Textmarker und das Rauschen des Fernsehers des Nachbarn durch die Wand zu hören.

„Seite neun“, sagte Priscilla schließlich. „Verhaltensklausel. Er sichert sich ab –“

„Lies den Absatz darunter.“ Priscillas Blick wanderte die Seite hinunter. Blieb stehen. Ging zurück zum Anfang des Absatzes und las ihn noch einmal. Ihr Finger drückte flach auf die Zeile. „Es gilt in beide Richtungen. Seine Familie kann auch nicht öffentlich gegen dich vorgehen, ohne –“

„Ohne ihren eigenen Ruf zu verlieren. Victor kann mich nicht öffentlich angreifen, ohne dass es ihn etwas kostet.“ Nora kreiste etwas Hartes auf Seite 31 ein. „Das hat er schon so festgelegt, bevor ich irgendetwas unterschrieben habe.“

„Warum sollte er dich beschützen, bevor du überhaupt unterschrieben hast?“

„Weil er bereits weiß, dass jemand aus seiner Familie hinter mir her ist. Und er will im Voraus dokumentiert haben, dass er es nicht war.“ Sie blätterte um. „Das macht ihn nicht sicher. Es sorgt nur dafür, dass er vorsichtig ist, wie er es nicht ist.“

Priscilla legte ihr Exemplar beiseite. Sie verschränkte die Hände auf dem Tisch und sah Nora mit jener besonderen Stille an, die sie an den Tag legte, wenn sie etwas sagen wollte, das sie schon lange zurückhielt. „Noch etwas. Dann höre ich auf. Ich meine es ernst.“

„Sag es.“

„Gerichtsanfechtung. Ich kenne den Zeitplan. Ich weiß, dass das Vermögen eingefroren ist. Aber du wärst trotzdem …“

„Sechsundsiebzig Tage, Cilla. Mindestens sechs Monate. Das rechnet sich nicht.“

„Dann lass die Firma los.“ Priscillas Stimme wurde leise und direkt. „Bitte. Du bist nicht die Firma. Du bist ein Mensch, und ich brauche dich auch noch als solchen, wenn das hier vorbei ist.“

Nora blickte auf. Priscillas Hände lagen flach und regungslos auf dem Tisch, und die Anspannung um ihre Augen war nicht gespielt – sie war echt, die Art, die Nora in neunzehn Jahren vielleicht viermal gesehen hatte, die Art, die bedeutete, dass sie wirklich Angst hatte.

Nora ließ es auf sich wirken. Spürte die Bedeutung dessen, was jemand sie so sehr liebte.

„Er hat mich jeden Samstag mit ins Büro genommen, als ich klein war, weil er sich keine Kinderbetreuung leisten konnte“, sagte sie leise. „Ich saß in der Ecke und machte Hausaufgaben, während er arbeitete. Ich habe miterlebt, wie er diese Firma in einem einzigen Zimmer und an einem gebrauchten Schreibtisch, den er auf der Straße gefunden hatte, aufgebaut hat.“ Sie hielt Priscillas Blick stand und wandte ihn nicht ab. „Ich lasse Victor das nicht wegnehmen. Das ist etwas, wovon ich nicht abweichen kann.“

Priscillas Kehle bewegte sich. Sie nahm den Vertrag wieder in die Hand und blätterte so heftig um, dass das Papier knickte. „Dann schreibe ich heute Abend noch jedes Wort fertig. Morgen früh rufen Sie sofort einen Anwalt an. Ich komme zu jedem Treffen.“ Ihre Stimme war beherrscht, doch ihr Knöchel war weiß auf dem Papier. „Und wenn ich denke, dass Sie sterben, hole ich Sie raus. Mir ist egal, in welchem ​​Zimmer Sie sind.“

„Fertig.“

„Gut.“ Sie blätterte erneut um, wieder mit derselben Wucht. „Ich hasse das immer noch.“

„Ich weiß.“

Der Anwalt kam am Sonntagmorgen. Er verbrachte vier Stunden mit dem Vertrag und kam heraus wie jemand, der einem anderen Schachspiel zugeschaut und zu spät begriffen hatte, dass alle starken Züge bereits verspielt waren. „Sauber“, sagte er, und es kostete ihn sichtlich etwas, das zuzugeben. „Aggressiv, aber sauber. Die Ausstiegsbedingungen sind präzise. Wer auch immer das geschrieben hat, hat das schon öfter gemacht.“ Er hielt inne. „Die Bildklausel ist sehr weit gefasst. Ich würde dringend empfehlen –“

„Lass es.“ Sie unterschrieb die letzte Seite, bevor er den Satz beenden konnte. Er sah sie so an, wie die Leute sie die ganze Woche schon angesehen hatten, und sie hatte sich mittlerweile daran gewöhnt.

Samstag. Rathaus. Sie trug Dunkelblau, weil sie Schwarz satt hatte.

Priscilla stand schon auf den Stufen. Die Blumen vom Kiosk steckten in ihrer Plastikhülle, leicht schief, und sie hielt sie wortlos hin. Ihre Augen glänzten auf eine Weise, die sie offensichtlich nicht wahrhaben wollte.

„Lass das“, sagte Nora.

„Ich mache doch gar nichts.“

„Priscilla.“

„Alles gut.“ Nora legte beide Hände an ihren Kragen und strich sanft über ihren Ärmel, mit der Sorgfalt, die man nur hat, wenn man die Hände beschäftigt hat und sich nicht um sein Gesicht kümmern muss. „Du siehst wirklich gut aus. Dein Vater hätte in der ersten Reihe gesessen und so getan, als würde er nicht weinen.“ Ihre Stimme stockte beim letzten Wort – nur ganz leicht –, sie räusperte sich und wandte den Blick für einen Moment ab. „Er war darin absolut furchtbar. Jedes einzelne Mal.“

Nora nahm ihre Hände, hielt sie einen Moment lang fest und ließ sie dann los.

Damien kam um 9:58 Uhr mit zwei Anwälten an. Er betrachtete ihr Kleid – dunkelblau, figurbetont, schlicht – und wandte den Blick einen Moment lang nicht ab, nicht von ihrer Kleidung, sondern von ihr. Etwas huschte über sein Gesicht, kurz und unergründlich, dann war es verschwunden, und er blickte an ihr vorbei zu den Türen.

Sie spürte es trotzdem. Merkte es sich.

Sie standen im Flur, dann trat Priscilla vor. Ihr Gesichtsausdruck war der einer Frau, die auf dem Weg hierher eine Entscheidung getroffen hatte und diese nun durchziehen wollte.

„Ich bin Priscilla. Noras beste Freundin. Ich kenne sie, seit wir sieben sind.“ Ihre Stimme war ruhig. Ihre Augen sprachen eine ganz andere Sprache. „Du musst verstehen, dass sie keine Ware ist.“

„Cilla –“

„Fast fertig.“ Sie fixierte Damien mit den Augen. „Wenn sie durch deine Entscheidungen verletzt wird, werde ich dafür sorgen, dass du das selbst verschuldest. Ich habe nicht deine Ressourcen. Ich werde mir trotzdem etwas einfallen lassen.“ Damien sah sie einen langen, stillen Moment an. Als er sprach, war seine Stimme ruhig. „Sie kam allein in mein Büro, mit zwei Tagen Recherche und einem Argument, das schärfer war als alles, was mein Anwaltsteam mir dieses Jahr präsentiert hat. Sie hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt.“ Er hielt inne. „Ich weiß, worauf ich mich einlasse.“ Priscilla sah ihn eindringlich an und suchte nach dem Punkt, an dem seine Fassade gekippt war. Ihr Kiefer zuckte kurz, als sie ihn nicht fand. Sie trat zurück und nickte.

Elf Minuten. Der Richter war effizient. Als er sagte, sie dürften sich küssen, drehte sich Damien um und legte ihr kurz eine Hand ans Kinn – warm, trocken, völlig beherrscht – und presste seinen Mund für genau zwei Sekunden auf ihren. Es fühlte sich an wie die Unterzeichnung des letzten Satzes eines Vertrags.

Hinter ihnen stieß Priscilla ein Geräusch aus. Sie weinte ganz bestimmt nicht.

Sie gingen gerade hinaus, als Nora ihn sah – einen Mann auf der anderen Straßenseite in einem dunklen Mantel, völlig regungslos auf dem Bürgersteig, wo sich alle anderen bewegten. Die Regel ihres Vaters: Wer sich nicht bewegt, wenn sich die Menge bewegt, hat einen Grund dafür.

Da klingelte Damiens Handy. Er zog es heraus, sah auf den Bildschirm, und etwas geschah mit seinem Gesicht – ein kurzes, heftiges Zusammenziehen der Augen, das sofort wieder verschwand. Er schaltete den Anruf aus und steckte das Handy weg.

„Wer war das?“, fragte Nora.

„Niemand Wichtiges.“

Sie kannte ihn seit sechs Tagen und wusste bereits, dass ihm alles wichtig war. „Damien –“

„Das Auto wartet.“ Er ging voran.

Sie blickte zurück über die Straße. Der Mann im dunklen Mantel war verschwunden.

Im Auto reichte er ihr eine kleine weiße Karte. Vier Zeilen. Getrennte Felder. Nur öffentliche Zuneigung. Keine Gefühle. Keine Eifersucht. Und darunter, in kleinerer Schrift: Kein Sex – denn Sex ist kompliziert, und Unordnung bringt dich um.

„Dein Anwalt dachte, die letzte Zeile sei informell“, sagte sie.

„Er hatte Recht. Sie ist auch zutreffend.“ Er blickte aus dem Fenster. „Jede Vereinbarung, die ich scheitern sah, scheiterte, weil jemand nicht mehr klar denken konnte. Ich brauche dich, der du klar denkst.“

„Du brauchst mich nützlich.“

„Beides.“

Sie sah sich die Karte an. „Diese Regel mit den Gefühlen. Glaubst du wirklich, du kannst sie einhalten?“

„Ich habe es dreiunddreißig Jahre lang geschafft.“

„Regeln, die man nie anwenden musste, sind nicht dasselbe wie Regeln, die man einhalten kann.“ Sie beobachtete ihn dabei. Sein Kiefer spannte sich an. Nicht nur ein bisschen. Richtig. Seine Hand, die auf seinem Oberschenkel ruhte, drückte flach gegen den Stoff und blieb dort. „Die Regel gilt“, sagte er. Sie hatte etwas gefunden. Sie merkte sich genau, wo es war. „Gut.“ Sie steckte die Karte in ihre Tasche. „Nora.“

Er drehte den Kopf.

„Mein Name. Wir sind jetzt verheiratet. Benutze ihn.“

Eine Pause. Dann: „Nora.“ Er sagte es leise, als würde er die Karte irgendwo ablegen und darauf achten, dass sie nicht wegrollte.

Das Auto hielt am Tower. Sie stieg aus, und ihr Handy vibrierte. Unbekannte Nummer.

„Dein Vater hat vor sechs Monaten versucht, aus der Crest-Vereinbarung auszusteigen. Frag deinen Mann, warum Victor ihn nicht gelassen hat.“

Sie blickte auf. Damien hielt die Tür zur Lobby offen und beobachtete ihr Gesicht.

Sie steckte ihr Handy in die Tasche, ging auf ihn zu und gab ihm nichts. Sie hatte es von ihm gelernt: Man sollte niemandem etwas zeigen, bevor man nicht weiß, was er damit anfangen wird.

Was sie nicht wusste: Zwei Meilen entfernt saß Priscilla an ihrem Küchentisch, das Handy mit dem Display nach unten auf der Tischplatte, die Hände flach daneben. Sie rührte sich nicht.

Ihr Display war vor dreißig Sekunden aufgeleuchtet. Eine Nachricht von Victor: „Du solltest sie von Damien fernhalten.“

Sie hatte sie einmal gelesen. Dann drehte sie das Handy um.

Sie presste die Handflächen fester auf den Tisch. Das Holz war kalt unter ihren Händen.

In der Lobby des Crest Tower stieg Nora mit ihrem neuen Ehemann in den Aufzug.

Und Priscilla saß in ihrer dunklen Küche und sagte kein Wort.

Ihr Handy leuchtete erneut auf. Ihr Herz zog sich zusammen. Noch bevor sie sich rühren konnte, erschien eine zweite Nachricht.

„Sie muss eliminiert werden.“ Priscilla spürte einen Schauer über den Rücken laufen.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 17

    Umfassenderes Muster Nora erreichte am nächsten Morgen kurz nach halb acht den Konferenzraum zwei. Damien war bereits dort. Reyes hatte mehrere Fotos auf dem Tisch ausgebreitet, und ihrem Gesichtsausdruck nach wusste Nora, dass die Durchsuchung etwas zutage gefördert hatte.Er nahm das erste Foto zur Hand und reichte es ihr. Es zeigte die Wandverkleidung im Flur vor Damiens Büro – sie stand halb offen. Das zweite Bild zeigte den Inhalt: ein kleines, dunkles Objekt, das direkt am Kabelkanal klemmte. Das dritte war eine Nahaufnahme des Geräts.Nora betrachtete die Fotos eingehend, bevor sie aufblickte.„Wir haben es dort gelassen“, sagte Reyes. „Wir haben es fotografiert, alles dokumentiert und die Verkleidung genau so wieder angebracht, wie wir sie vorgefunden hatten.“„Gut.“„Dem Staub um das Gehäuse nach zu urteilen, schätze ich, dass es dort schon seit acht bis zwölf Monaten liegt.“ Er warf einen Blick auf die Fotos. „Möglicherweise gibt es noch weitere. Wir haben den Flur und

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 16

    Ermittlung von SicherheitsaspektenNora sah Damien an. „Was hat er gefunden?“„Ich weiß es nicht.“ Damien schloss die Akte, die sie gerade durchgesehen hatten, stand auf und steckte sein Handy in die Tasche. „Komm mit.“Nora nahm ihren Notizblock und folgte ihm zur Tür. „Wohin gehen wir?“„An einen Ort, wo wir reden können, ohne belauscht zu werden.“Das ließ sie einen Moment zögern; dann nahm sie ihren Notizblock und folgte ihm hinaus.Sie gingen drei Stockwerke tiefer in einen kleinen Besprechungsraum, an dem sie zwar schon vorbeigekommen, den sie aber noch nie benutzt hatte. Keine Kamera an der Wand, ein Fenster, das zum gegenüberliegenden Gebäude hinausging und nicht zur Straße. Damien schloss die Tür und drehte den Riegel um. Reyes war bereits dort; sein Laptop war aufgeklappt, und auf dem Tisch lag ein ausgedrucktes Blatt.„Ich habe heute Morgen mit den Unterlagen zur Gebäudewartung begonnen“, sagte Reyes. Er drehte den Laptop zu ihnen herum. „Für Arbeiten an der Klima- und Lüft

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 15

    Damiens Entdeckung Nora traf am nächsten Morgen kurz nach sieben Uhr in Damiens Büro ein. Sie hatte kaum geschlafen. Den Großteil der Nacht hatte sie damit verbracht, das Gespräch mit Priscilla Revue passieren zu lassen – insbesondere die Sache mit den Zugriffsebenen, die Dinge, die Priscilla ohne vorherige Unterweisung gewusst hatte, und die Frage nach den Eiern. Je mehr sie darüber nachdachte, desto schwieriger wurde es, die Sache einfach abzutun. Damien hatte ihr versprochen, der Sache nachzugehen, und nun wollte sie wissen, was er herausgefunden hatte.Sie blieb vor seinem Büro stehen, klopfte zweimal an und wartete. Wenige Sekunden später ertönte Damiens Stimme von drinnen: „Herein.“Nora öffnete die Tür. Damien saß bereits an seinem Schreibtisch und ging ein Dokument durch. Er blickte auf, als sie eintrat, und warf einen kurzen Blick auf die Wanduhr. „Du bist früh dran.“„Du hast gesagt, du würdest der Sache nachgehen.“„Das habe ich getan.“ Er schloss das Dokument vor sich u

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 14

    Das Gespräch Am nächsten Morgen wartete Nora bereits wenige Minuten vor zehn Uhr am Aufzug, als sich die Türen öffneten. Priscilla trat heraus, zwei Coffee-to-go in der einen Hand, die Tasche über der Schulter. Noch bevor sie Nora bemerkte, stand sie schon neben Reyes und sagte etwas, woraufhin er sein kleines Notizbuch aus der Jackentasche zog.Nora warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. Es war genau zehn Uhr, was sie überraschte, denn Priscilla war noch nie dafür bekannt gewesen, pünktlich zu sein. In neunzehn Jahren Freundschaft war Priscilla fast immer ein paar Minuten zu spät gekommen – nicht etwa, weil es ihr egal war, sondern weil sie immer irgendetwas aufhielt. Meistens musste sie noch eine E-Mail beantworten, ein Nachbar hielt sie auf dem Weg nach draußen auf, oder sie hatte etwas vergessen, kurz bevor sie gehen wollte. Irgendwie dehnten sich diese letzten paar Minuten immer auf zehn aus.Es war ungewöhnlich, dachte Nora, verwarf den Gedanken aber fast so schnell, wie e

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 13

    Der Mann, den sie den Teufel nennenDer Name ging Nora nicht aus dem Kopf, als sie Damiens Büro verließ.Als sie merkte, dass sie bereits die halbe Chefetage durchquert hatte, hatte sie dieselben Momente immer und immer wieder durchlebt – die Gespräche, die sie geführt hatte, die Informationen, die sie unbewusst preisgegeben hatte, die kleinen Details, über die sie nie nachgedacht hatte. Sie suchte weiter nach etwas, das sie vielleicht übersehen hatte – ein Gespräch mit Priscilla, eine beiläufige Bemerkung, irgendetwas, das erklären konnte, warum alle Beweise immer wieder zu derselben Person führten.Sie atmete leise aus und rieb sich den Nasenrücken, bevor sie sich der Chefetage zuwandte.Kaum hatte sie ein paar Schritte getan, als Stimmen aus dem angrenzenden Flur sie zum Innehalten zwangen. Die Chefetage war normalerweise so ruhig, dass selbst leise geführte Gespräche weiter zu hören waren, als die Sprecher beabsichtigten.Sie blieb ein paar Schritte vor der Ecke stehen.„Hast du g

  • Der Teufel behält seine Frau   KAPITEL 12

    Die Vorstandssitzung Die Vorstandssitzung war für neun Uhr angesetzt. Als Nora an diesem Morgen den Holt Tower betrat, fühlte es sich weniger wie eine Sitzung an, sondern eher wie der nächste Zug in einem Spiel, das jemand anderes schon seit Jahren spielte. Die Entdeckungen der vergangenen Nacht gingen ihr nicht aus dem Kopf. Sie hatte auch das Gefühl, dass irgendwo jemand darauf wartete, was sie als Nächstes tun würden.Victor war fünfzehn Minuten vor ihnen da. Er saß bereits am Kopfende des Tisches, als wäre der Platz schon immer sein Stammplatz gewesen. Er lächelte, als Damien und Nora hereinkamen, machte aber keine Anstalten aufzustehen.Damien und Nora nahmen Platz. Einige Vorstandsmitglieder am Tisch warfen ihr Blicke zu, bevor sie schnell wieder wegschauten, während die anderen die vorsichtige Neutralität derer einnahmen, die sich noch nicht entschieden hatten, welche Seite sicherer war.Victor verschränkte die Hände auf dem Tisch und blickte sich im Raum um. „Lasst uns die h

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status