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Im vierten Ehejahr begriff Nora König, wie die anderen sie längst sahen. Nicht als Michaels Ehefrau. Nur als eine Frau, die sich jahrelang an Michael Hartmann geklammert und dabei immer mehr von ihrer Würde verloren hatte. Vierundzwanzig Jahre lang hatte sie nur ihn gesehen. Vier Jahre lang war sie Frau Hartmann gewesen. Als Michael ein Kind unterstützen wollte, sagte sie Ja. Sie stellte keine Fragen. Sie glaubte ihm, wie sie ihm immer geglaubt hatte. Erst später erfuhr sie, wer der Junge wirklich war. Es war der Sohn der Frau, die Michael nie vergessen hatte. Nora hatte immer wieder nachgegeben. Sie hatte sich eingeredet, selbst ein Mann wie Michael ließ irgendwann doch noch Wärme zu. Bis sie eines Tages vor einer Glasscheibe stand und ihn mit eigenen Augen sah. Michael, der ihr gegenüber immer kühl und unnahbar blieb, beugte sich zu dieser Frau hinunter und strich ihr ruhig eine Falte aus der Kleidung. Auf Noras gesprungenem Display stand noch seine letzte Nachricht: Ich bin in einer Besprechung. Viel zu tun. Stör mich nicht. Da verstand Nora endlich. Michael konnte sehr wohl zärtlich sein. Nur nicht zu ihr. Niemand glaubte daran, dass sie diese Ehe wirklich zu Ende brachte. Nicht die anderen. Und Michael erst recht nicht. Bis Nora die Scheidungsvereinbarung unterschrieb. ... Als Michael Nora wiedersah, stand sie auf einer großen Veranstaltung der Forschungswelt im Rampenlicht. Sie hatte gerade die höchste Auszeichnung des Landes im Bereich Robotik erhalten und sprach vor einem Saal voller Fachleute. Neben ihr stand ein junger Mann, auffallend gut aussehend und viel zu vertraut an ihrer Seite. Mitten im Applaus sah Nora zu Michael hinüber. Für einen Moment lächelten beide. Es war ein Lächeln, das nur sie verstanden. Dann brach Michael, der immer so kühl und unerschütterlich gewirkt hatte, vor allen zusammen. Er kniete auf dem Boden und suchte nach dem Ring, den Nora weggeworfen hatte. Als er ihn fand, griff er nach ihrer Hand und steckte ihn ihr mit bebenden Fingern wieder an. „Du hast doch gesagt, du liebst mich und bleibst für immer bei mir ...“

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DER EHEMANN MEINER BESTEN FREUNDIN WOLLTE EINE AFFÄRE

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Fiction·Nayko Ayasame

„Sie ist es immer noch.“ Drei Worte. Mehr brauchte es nicht, um die Welt zu zerstören, die ich mir in den letzten fünf Jahren so mühsam aufgebaut hatte. Zane sah mir nicht einmal aus. Ohne Zögern sprach er die Wahrheit aus. Zwanzig Jahre lang war ich nur die Dritte. Der unscheinbare Schatten neben Joviennes strahlendem Licht. Meine Gefühle für Zane hatte ich so tief begraben, dass ich selbst fast vergessen hatte, dass sie existierten. Erst nachdem Jovi das Land verlassen und ihm das Herz gebrochen hatte, fasste ich den Mut, ihm meine Liebe zu gestehen. Wir bauten uns ein gemeinsames Leben auf. Wir heirateten. Und ich glaubte wirklich – naiv und voller Hoffnung –, endlich mein Happy End gefunden zu haben. Doch dann kehrte Jovienne zurück. Mit einem einzigen Augenblick zerplatzte meine ganze Illusion. Der Mann, den ich mehr liebte als mein eigenes Leben, hatte mich nie als seine erste Wahl gesehen. Ich war nur sein Trostpreis. Als meine Welt in Trümmern lag, rechnete ich am wenigsten mit Trost von ihrem Ehemann. Vance. Ein mächtiger CEO. Kühl, kontrolliert und unnahbar. Doch in seinen Augen erkannte ich denselben Verrat, der auch mein Herz zerrissen hatte. Er trat einen Schritt näher. Seine tiefe Stimme war kaum mehr als ein gefährliches Flüstern. „Sie leben beide in der Vergangenheit. Lass uns ihre Rache werden. Was meinst du, Nerissa?“ Ich hätte sofort Nein sagen sollen. Dieses Spiel konnte uns beide vernichten. Doch als ich in seine Augen blickte und denselben Schmerz, dieselbe Demütigung darin sah, blieb mir das Wort im Hals stecken. Stattdessen stellte ich die einzige Frage, die mir noch einfiel. „...Und was genau schwebt dir vor?“

3.1K views2026-09-02 18:06:49

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