INICIAR SESIÓNVerbannt, nachdem ich bloßgestellt wurde
Biancas Perspektive Ich schreckte hoch und riss die Augen auf. Für einen Moment war mir ganz schwindelig, nur ein bisschen. Reid riss mich endgültig aus dem Schlaf. „Bianca“, erklang die Stimme von Ratsmitglied Reid. Ich war halb zusammengesunken und halb wach. Ich setzte mich auf und sah mich um, immer noch benommen. Von den Turteltauben war nichts zu sehen. Sie waren längst verschwunden. Marcus hatte mich dem Tod überlassen. Ich konnte das Gemurmel der Rudelmitglieder hören. Einige von ihnen waren spöttisch und herablassend, während andere einfach nur ungläubig waren. Sie klangen eher wie ein hungriger Bienenschwarm. „Gib ihnen nicht die Genugtuung, dich zusammenbrechen zu sehen. Wenn er stark bleiben kann, dann kannst du das auch. Wenn du schwach bleibst, gibst du ihnen Recht.“ Zusammenbrechen. Das war alles, was ich in diesem Moment wollte. Ich wollte zu Boden sinken und zusammenbrechen, weil von mir nichts mehr übrig war. Aber ich fasste neuen Mut und begann, mich aufzurappeln, auch wenn jeder Schritt eine Qual für mich war. Ratsmitglied Reid führte mich. Sein Griff unter meinem Arm war fest, selbst als meine Knie ein paar Mal nachgaben. Ich ging weiter. Sein Gesicht war vor Eile angespannt, und etwas in seinen Augen sagte mir, dass diese Demütigung nur der Anfang meiner Probleme war. Die Leute standen in den Seitengängen der Halle, beobachteten uns, verspotteten uns und zeigten Mitgefühl, während wir beide hindurchgingen. Der Älteste stieß eine schwere Holztür auf und führte mich in einen der Ratssäle. Die Wände kamen mir zu nah vor und wirkten erdrückend. Aber im Vergleich zu dem Chaos, das ich draußen zurückgelassen hatte, war es hier still und sicher. „Bleib ruhig“, befahl Reid. Ich sank in den nächsten Stuhl und umklammerte meine Brust, als könnte ich so die zerbrochenen Teile meiner Seele irgendwie wieder zusammenfügen. „Warum?“, flüsterte ich mit brüchiger Stimme. „Warum hat er … wie konnte er nur …“ „Hör auf“, unterbrach mich Reid. Seine Stimme klang scharf, aber nicht hart. „Verschwende deinen kostbaren Atem nicht auf Fragen, auf die du die Antworten bereits kennst.“ Ich riss den Kopf hoch. Meine Augen füllten sich mit Tränen. „Aber ich kenne die Antworten nicht. Er war mein Gefährte. Jeder weiß, wie lange wir schon zusammen waren. Wir sollten doch …“ „Was? Gemeinsam führen? Uns für immer lieben?“ Reids Mund verzog sich. „Kind, die Mondgöttin mag zwar Bindungen knüpfen, aber Menschen können sie dennoch aus Machtgründen durchtrennen.“ Die Worte trafen mich hart. „Marcus hat dich nicht abgelehnt, weil du schwach warst, wie er sagte – du bist die beste Heilerin in diesem Rudel.“ Ich nickte. „Du musstest nie eine Kriegerin sein. Er hat dich also abgelehnt, weil du ihm im Weg standest, weil du eine Belastung warst.“ Diese Worte waren so grausam. Ein Ärgernis? Eine Belastung? Inwiefern war ich ihm ein Ärgernis? Reid beugte sich näher zu mir hin. „Das Bündnis der Blackwoods mit Selenes Familie ist ihm mehr wert als seine Bindung zu dir.“ Seine Stimme wurde leiser. „Und nach dem Spektakel da draußen ist klar, dass du kein Gewinn mehr bist, sondern zu einer Belastung geworden bist.“ Ich senkte den Kopf. Die Worte taten weh, aber es war die Wahrheit. „Das Rudel mag dich lieben, zumindest einige von ihnen. Aber ein Zeichen von Schwäche und diese Demütigung kannst du nicht einfach wegzaubern, egal wie gut du als Heilerin bist. Die Ältesten sehen darin nur eine politische Katastrophe, und es wird niemals helfen, wenn die Anführerin mitansehen muss, wie ihre Rivalin in der Rangordnung zur obersten Heilerin aufsteigt.“ Mir stockte der Atem. „Was passiert jetzt mit mir? Bin ich … werde ich aus dem Rudel verstoßen? Es ist nicht meine Schuld, dass all das passiert …“ Reids Schweigen war Antwort genug. Doch dann quietschte die Tür, und Marcus selbst trat ein, mit Selene an seiner Seite wie ein Schatten. Ich sprang auf und spürte plötzlich genug Kraft, um ihn herauszufordern. „Marcus … wie konntest du …“ „Oh, setz dich hin“, sagte Marcus tonlos, ohne mir auch nur einen Blick zuzuwerfen. Mir sank das Herz. Er konnte mir nicht einmal in die Augen sehen. Selenes Lippen verzogen sich zu einem grausamen, kleinen Lächeln. „Aus der Nähe siehst du noch schwächer aus, du solltest dich wirklich hinsetzen“, sagte sie. Ihre Stimme klang giftig. Meine Fingernägel gruben sich in meine Handflächen, als ich die Fäuste ballte. „Du hast kein Recht, …“ „Schweige“, fuhr Marcus mich an. Seine Alpha-Aura drückte auf mich wie eine erdrückende Last. Meine Worte erstickten mir in der Kehle. Dennoch weigerte ich mich trotzig, Platz zu nehmen. „Na gut“, sagte Selene mit einem Achselzucken. Ihr Anblick ärgerte mich. Reids Kiefer spannte sich an. „Marcus. Ich glaube, Bianca verdient eine Erklärung von dir, jetzt, wo wir unter uns sind.“ Marcus richtete endlich seinen Blick auf mich, und die Kälte in seinen Augen war jetzt noch schlimmer. „Die Ältesten haben bereits gesprochen und eine Entscheidung getroffen. Du bist nicht mehr geeignet, im Mountain-Rudel zu bleiben.“ Mir sank das Herz. Meine Augen weiteten sich. Ich redete mir ein: Nein, das würde er nicht tun. „Du … würdest mich verbannen?“ „Nein“, sagte Marcus. Ich wollte gerade erleichtert aufatmen, doch in seinem Ton lag ein grausamer Anflug von Spott, der mich abrupt innehalten ließ. „Ich werde dir tatsächlich eine Ehre erweisen, um der alten Zeiten willen.“ „Mir eine Ehre erweisen?“ Verwirrt sah ich Reid an. Selenes Grinsen wurde breiter, als Marcus fortfuhr. „Es gibt ein uraltes Abkommen zwischen den östlichen und südlichen Territorien. Da das Rudel dafür bekannt ist, die fähigsten Heiler hervorzubringen, schicken wir jede Generation einen Heiler, um ihren verfluchten Alphas zu helfen.“ Mein Herz begann in meiner Brust zu hämmern. Worauf wollte er hinaus? „Du wirst gehen, um diesen Pakt zu erfüllen. Für das Rudel wird es nicht wie eine Verbannung aussehen. Es wäre eine Geste des guten Willens, eine edle Pflicht.“Zeit für TraumkämpfeBIANCAS PERSPEKTIVE.Meine Hände zitterten, als ich den Balsam auf mein Knie auftrug. Ich hatte mich daran gestoßen, als wir am Vortag hereingestürmt waren. Mitten im Chaos hatte es keine Rolle gespielt, aber jetzt schon. Genauso wie die Fragen, die mir jetzt im Herzen herumschwirrten.„Brauchst du etwas?“, fragte Aurelia sanft, als sie hinter mich trat, ihre Augen strahlten mehr Wärme aus, als nötig war. Ich wollte kein Mitleid und auch nicht so angesehen werden, als wäre ich eine Retterin. „Ich habe doch gesagt, dass es mir gut geht“, antwortete ich und schlug den Balsamdeckel mit mehr Kraft zu, als ich beabsichtigt hatte. Aurelia zuckte zusammen, zwang sich dann zu einem Lächeln, bevor sie sich umdrehte. Ich brauchte Logan, aber ich konnte nicht zu ihm gehen, tat es nicht. Ich konnte es nicht – ich hatte den Schock in seinen Augen gesehen, als mein Körper eine Art Kraft entfaltet hatte, die ich nicht verstehen konnte.Nachdem die Frau geheilt worden war, hat
Die Mondwölfe LOGANS PERSPEKTIVE.„Die fünf uralten Blutlinien“, las ich laut vor, während meine Finger über die Seiten glitten, auf der Suche nach allem, was der Wahrheit ähnelte oder einen Hinweis darauf enthielt. Meine Stimme hallte von den hohen Wänden der Bibliothek wider.Die fünf uralten Blutlinien.Das war der Titel des Buches. Es lohnte sich, einen Blick hineinzuwerfen, auch wenn es sich ausschließlich auf die Geschichte der Verstorbenen beschränkte.Die Noctryn waren die erste Blutlinie, mit dem Bild eines Wolfes im Mondlicht. Ich holte tief Luft und blätterte zur nächsten Seite. Dort fand sich eine endlose Erklärung darüber, wie die Heiler entstanden waren. Darin stand, wie lange sie gelebt hatten, einschließlich des Datums, an dem der letzte Erbe dieser Blutlinie gestorben war.Ich rechnete schnell nach und stellte fest, dass der Letzte der Noctryn vor zweiundsiebzig Jahren gestorben war. Jede Hoffnung, etwas zu finden, das Antworten liefern würde, schwand fast augenbl
Bücher über die Blutlinie der HeilerLOGANS PERSPEKTIVE„Alpha“, rief Kieran scharf. Ich blickte zu ihm auf und zwang mich zu einem Lächeln. „Hast du etwas gesagt?“, fragte ich und stand auf. Er schnaubte verächtlich und deutete auf den Tisch. Ich wandte meinen Blick dorthin, wohin er zeigte, und zuckte mit den Schultern. „Was?“„Ich rede schon seit zwanzig Sekunden mit dir, und du hast wahrscheinlich kein Wort davon mitbekommen.“Er zeigte erneut auf den Tisch, und erst da bemerkte ich das Buch darauf. „Du hättest das unterschreiben oder zumindest durchlesen sollen. Hast du irgendetwas davon gemacht?“Ich rieb mir den Nacken, bevor ich den Kopf schüttelte. Ich hatte nichts gehört. Ich wusste auch nicht, dass er Bücher vor mir abgelegt hatte.„Es tut mir leid, ich war abgelenkt.“ „Wovon?“, fragte er und ließ sich auf einen der Stühle sinken. „Die Zeremonie war nicht deine Schuld. Alles …“Ich hob eine Hand, und er hörte auf zu reden. „Es geht nicht um die Zeremonie. Ich …“ Ich hielt
Gefangen in meinem eigenen KörperBIANCAS PERSPEKTIVE „Sie ist wach“, sagte Mirelle mit zitternder Stimme. „Funktioniert es?“Ich ignorierte die Angst in ihrer Stimme und den Druck in meiner Brust und rieb ihr noch mehr Salbe in die Haut, wobei ich nun schneller Gebete flüsterte, während meine Hände verzweifelt über ihren Hals und ihre Brust glitten.Für einen Herzschlag schien sich das Grün nicht weiter auszubreiten, dann zuckte der Körper der Frau heftig. „Haltet sie fest!“, fuhr ich sie an. Aurelia drückte sich gegen die Beine der Frau. Ich öffnete den Topf und goss etwas in einen der Becher, die einst mit Wein gefüllt gewesen waren, neigte ihren Kopf zur Seite und goss es ihr in den Mund.Ihre Augen öffneten sich, als sie schluckte. „Schluck es“, murmelte ich und goss noch etwas nach. Sie nahm es kurz an, doch dann ergossen sich plötzlich alle Kräuter aus ihrem Mund und ihrer Nase.Ich taumelte rückwärts, der Topf glitt mir aus den Fingern und zersprang auf dem Boden. Ich sta
Lass mich dir helfenBIANCAS PERSPEKTIVE.Der Schock ließ genauso plötzlich nach, wie er mich erfasst hatte. Ich schüttelte den Umhang von meinem Hals und stürzte neben ihr zu Boden. Die Frau stieß einen erstickten Schrei aus, ihr Körper zuckte heftig auf dem kalten Boden.Ich hätte sie fast berührt, als sie erneut von Krämpfen geschüttelt wurde; Blut quoll aus ihrer Nase und befleckte die Vorderseite ihres Kleides. Ihre Finger krallten sich in den Boden, als versuche sie, sich an etwas festzuhalten – an irgendetwas, das sie davon abhalten könnte, davonzurutschen.Meine Sicht verschwamm ganz kurz; ich hatte alles richtig gemacht. Warum passierte das? Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was schiefgelaufen sein könnte. „Aurelia! Mirelle!“, schrie ich. Innerhalb von Sekunden standen sie neben mir, die Lippen zitternd.„Was sollen wir tun?“, flüsterte Aurelia und trat näher an die Frau heran. „Was ist los?“ „Ins Zelt. Holt mir die Kräuter aus dem braunen Topf und den Balsam.
Mögen die Länder gedeihenBIANCAS PERSPEKTIVE Die Menge stieß einen Jubelschrei aus, und schon bald klatschten alle und feierten. Mein Herz schwoll an, als ich das beobachtete. Ich hatte den ersten Schritt geschafft.Während sie weiter jubelten, schenkte ich Logan seinen Wein ein, sprach dabei meine Gelübde aus und ging dann zu den Ältesten. Einer nach dem anderen, bis alle ihre Becher gefüllt hatten. Kieran schenkte mir ein Lächeln zu, als ich am Ende der Reihe der Ältesten in seinen Becher goss. „Du machst das großartig“, murmelte er. Ich lächelte ihn warm an und machte weiter. Logans Hand schloss sich um meine, als ich zurückkehrte, um mir selbst Wein einzuschenken, und gemeinsam gossen wir in meinen Becher.Die Dienstmädchen trugen den Kessel fort, als wir fertig waren, gossen ein wenig in die großen Trommeln, die an jedem der Eingänge standen, und traten dann zurück, um jedem Mitglied die Möglichkeit zu geben, vom Wein zu trinken.In der Ecke begannen tiefe Trommeln zu schlag







