LOGINIch war fünf Jahre lang mit Matteo verheiratet – dem Don der Familie Lamberti. Niemand wusste, dass ich seine Frau war. Ich wollte weder Privilegien noch Aufmerksamkeit und blieb deshalb im Verborgenen. Wir waren verliebt. Jeden Tag fühlte es sich an wie am Anfang. Dann zerstörte mein erster Tag im neuen Krankenhaus alles. „Frau Accardi, das glauben Sie nie.“ Eine Kollegin beugte sich zu mir, breit grinsend. „Raten Sie mal, wer der Ehemann der neuen Patientin ist? Matteo Lamberti höchstpersönlich.“ Ich erstarrte. Wenn sie seine Frau war – wer war dann ich? Sie war schwanger. Sie trug den künftigen Lamberti-Erben. Was machte das dann aus dem Baby in mir? Ich hielt die Fassade aufrecht. Ich führte die Untersuchung durch und spielte die ruhige, kompetente Ärztin. Niemand bemerkte die Panik, die an mir zerrte. Ich redete mir ein, dass es nur Klatsch war. Nichts als Lügen. Es musste so sein. Dann hörte ich, wie Matteo sie „meine Prinzessin“ nannte. Das war es. Er hatte eine neue Prinzessin. Und ich musste ihn loslassen.
View MoreIch zog Ian mit mir und wollte gehen, als Matteo vorpreschte und mein Handgelenk packte.Ich riss mich los. Er taumelte gegen eine Straßenlaterne und verzog das Gesicht vor Schmerz.„Arianna…“ Seine Stimme brach. Seine Augen glühten rot. „Ich habe Fehler gemacht. Ich … ich habe wirklich Fehler gemacht…“Ich lachte, scharf und kalt. „Sie haben die Person verletzt, die Sie angeblich geliebt haben. Danach gibt es kein Zurück. Ich weiß nicht, wer diese ‚Arianna‘ ist, von der Sie reden, aber sie würde Sie nie wiedersehen wollen.“Er fiel auf die Knie und klammerte sich an meine Hosenbeine.„Arianna, ich tue alles. Geh nur nicht!“Ian trat vor, aber ich hob die Hand und hielt ihn zurück.„Tu nicht so, als würdest du mich nicht kennen. Ignorier mich nicht…“Ich holte langsam Luft. Ewig wegzulaufen würde nichts lösen.„Gut. Ich bin Arianna. Aber glaubst du wirklich, eine einzige Entschuldigung macht alles ungeschehen?“Sein Adamsapfel zuckte. Kein Wort kam heraus.„Als deine Männer
Einen Monat später stand ich im Flur des Calidora Medical Center. Der Geruch nach Desinfektionsmittel störte mich nicht mehr.Yvette hatte recht gehabt – der Himmel hier war klar und endlos weit. Sonnenlicht wärmte meinen Kittel.„Dr. Accardi, Notfall in Zimmer 3!“Eine Krankenschwester rannte an mir vorbei und stieß mir beinahe die Akte aus der Hand.Ich eilte in den Kreißsaal. Blutung.Überall Blut. Die Laken dunkel durchtränkt.Meine Hände arbeiteten von allein. Mein Mund nicht.„Transfusion vorbereiten. Blutbank anrufen. OP in Bereitschaft setzen.“„Dr. Accardi?“Eine ruhige Stimme hinter mir.Ich drehte mich um. Ian, in dunkelgrünem OP-Kittel. Goldrandbrille. Ein ruhiger, fester Blick.„Ich übernehme die Leitung. Sie assistieren.“Das OP-Licht sprang an, und eine Erinnerung überrollte mich – ich auf dem Boden, überall Blut, mein Baby, das ich verlor.Meine Hand begann zu zittern.Ian legte seine Hand auf meine. Ruhig und fest.„Keine Angst. Ich bin da.“Drei Stunde
Matteo taumelte zurück, und sein Rücken knallte gegen die kalte Wand. Die Schuld lastete so schwer auf seiner Brust, dass ihm die Luft wegblieb.Er stürmte in sein Büro, außer sich, und trat den Schreibtisch um. Papiere, Laptops, Glas – alles krachte zu Boden.Bilderrahmen zerbarsten. Sein verzerrtes Spiegelbild zersplitterte in den Scherben.„FINDET SIE! RIEGELT GANZ SAN CALVINO AB!“, brüllte er mit hervortretenden Halsvenen. „KREMPELT DIE VERDAMMTE STADT UM. ICH WILL SIE ZURÜCK!“Seine Männer hatten ihn noch nie so erlebt. Mit gesenkten Köpfen setzten sie sich rasch in Bewegung.Matteo rammte die Faust gegen die Wand. Blut verschmierte seine Knöchel.Drei Tage und drei Nächte lang wurde jeder Flughafen, jeder Hafen, jeder Bahnhof durchkämmt.Nichts.Arianna war verschwunden.Matteo stand am Fenster und sah dem Verkehr zu, der sich durch die Straßen schob. Sein Handy vibrierte.Lucia.„Matteo … mein Bauch tut weh…“ Ihre Stimme zitterte, wässrig vor gespielten Tränen.Er ru
Der beißende Geruch von Desinfektionsmittel stieg mir in die Nase, als ich hochschreckte. Yvettes Gesicht verschwamm vor mir und wurde langsam scharf.„Du bist wach?“ Sie drückte mich sanft zurück. „Beweg dich nicht. Du wurdest gerade operiert.“Ich starrte die Risse in der Decke an. Meine Stimme kam rau und brüchig. „Mein Baby…“„Weg.“ Ihr Griff um meine Hand wurde fester. Ihre Augen waren blutunterlaufen. „Aber du hast es geschafft.“Ein langsames, dumpfes Brennen breitete sich in meinem Bauch aus – als würde mich etwas von innen langsam aufschneiden. Ich schloss die Augen und spürte, wie mir die Tränen seitlich ins Kissen liefen.„Ich habe Ian von dir erzählt.“ Sie legte einen Ordner auf den Nachttisch. „Er hat deinen Anfangstermin verschoben. Du kannst reisen, sobald du wieder auf den Beinen bist. Deine Identität ist bereits gelöscht. Matteo wird Arianna Accardi nie wieder finden.“Ich sah in ihre geschwollenen Augen und drückte ihre Hand. „Danke, Yvette. Danke…“Sie zog die





