LOGINDie Familie Rossi hatte eine Regel. Wer die nächste Donna werden wollte, musste sich beweisen. Innerhalb eines einzigen Jahres dreihundert Millionen Euro verdienen. Sauberes Geld. Ganz allein. Ohne jede Hilfe der Familie. Ich hatte zehn Jahre lang dafür gekämpft. Für Vincent. Ich hatte zehn Firmen aus dem Nichts aufgebaut. Und jedes einzelne Mal, kurz bevor ich die Ziellinie erreichte, lief etwas schief. Alles brach einfach ... in sich zusammen. Dieses Jahr hatte ich es endlich geschafft. Mit dem Prüfbericht in der Hand rannte ich in sein Arbeitszimmer. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich glaubte, ich hätte endlich gewonnen. Stattdessen erfuhr ich, dass mein ganzes Leben auf einer Lüge aufgebaut hatte. Er übergab mein gesamtes Imperium Ava Rossi. Der Bastardtochter meines Vaters. Nur weil sie ihm angeblich einmal das Leben gerettet hatte und er deshalb sie zur wahren Donna machen wollte. In diesem Moment gab ich auf. Ihn. Und auch den Traum meiner Familie, gemeinsam mit seiner aufzusteigen. Dann nahm ich das Telefon in die Hand und rief das Outfit in Chicago an. „Dein Heiratsantrag“, sagte ich. „Ich nehme ihn an.“
View MoreDer Hubschrauber flog über ein türkisfarbenes Meer.Unter uns lag eine private Insel, die ich noch nie zuvor gesehen hatte.„Wo sind wir?“, fragte ich Julian.Er saß neben mir. Seine große Hand hielt meine. Seine Stimme war sanft.„Zu Hause.“Ich sah sein Profil an. Tausend Fragen wirbelten mir durch den Kopf.„Julian, warum jetzt?“ Ich drehte mich zu ihm um. „Warum bist du erst jetzt aufgetaucht?“Er schwieg lange. Dann sprach er endlich.„Isabella, ich muss dir eine Geschichte erzählen.“ In seinen Augen lag tiefer Schmerz. „Eine Geschichte vom Warten.“Der Hubschrauber setzte auf einer weitläufigen Rasenfläche auf. Rosenblätter trieben noch immer durch die Luft.„Erinnerst du dich an die Nacht, in der du entführt wurdest?“, fragte er, während wir gingen. „An das verlassene Lagerhaus, in dem man dich festhielt.“Sofort schoss mir diese schreckliche Nacht wieder durch den Kopf.Meine Mutter war gerade gestorben. Mein Vater war mit seiner Geliebten beschäftigt und schenkte mir keinerlei
Julian gab ein Zeichen.Sofort wurde ein riesiger Projektor herangeschoben und auf die Außenwand der Kirche gerichtet.Auf dem weißen Stein flackerte ein Bild auf.Es war das Überwachungsvideo vom Pool. Dreizehn Sommer zuvor.Auf der Leinwand rang der fünfzehnjährige Vincent im tiefen Becken ums Überleben.Die zwölfjährige Ava stand am Beckenrand. Sie trug ein rotes Kleid und hielt einen Rettungsring in der Hand.Doch sie warf ihn nicht.Im Gegenteil.Als Vincent verzweifelt die Hand nach ihr ausstreckte, wich sie panisch zurück. Aus Angst, selbst Ärger zu bekommen, trat sie den Rettungsring sogar noch weiter vom Rand weg.Vincent sank immer tiefer. Seine Bewegungen wurden schwächer.Dann tauchte plötzlich von rechts eine kleine Gestalt im Bild auf.Ich.Zwölf Jahre alt.Ohne eine Sekunde zu zögern sprang ich ins Wasser und stemmte Vincent mit aller Kraft nach oben, obwohl er viel schwerer war als ich.Aber ich war zu klein. Zu schwach.Gerade als ich ihn zum Beckenrand schob, verließe
Die Welt verstummte. Nur das Echo des Schusses hing noch in der Luft.Vincent presste seine taube Hand an sich und starrte ungläubig auf die Trümmer seiner Pistole am Boden.„WER WAR DAS?!“, brüllte er und sah sich wie wahnsinnig um. „Wer hat geschossen?!“Die einzige Antwort war das Geräusch marschierender Schritte.Hunderte Männer in schwarzen Anzügen strömten aus den gepanzerten Wagen.Sie waren bis an die Zähne bewaffnet. In ihren Händen lagen Waffen in Militärqualität. Ihre Gesichter waren hinter Masken verborgen. Nur ihre kalten, harten Augen waren zu sehen.Mitten in dieser furchteinflößenden Streitmacht glitt ein Rolls Royce Phantom langsam zum Stehen.Die Tür öffnete sich.Ein Mann stieg aus.Er war groß und schlank und trug einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug. Jede seiner Bewegungen wirkte tödlich präzise. Von ihm ging eine absolute Autorität aus. Die obere Hälfte seines Gesichts war hinter einer Sonnenbrille verborgen. Doch allein seine schmalen Lippen und seine markante
Die schweren Kirchentüren bewegten sich nicht.Da durchschnitt plötzlich eine Stimme hinter mir die Stille.„Isabella.“Ich drehte mich um.Die Morgensonne fing die Diamanten auf meinem Kleid ein und ließ sie wie tausend kleine Sonnen aufblitzen.In dem Moment, als Vincent mich sah, erstarrte er. Sein Kiefer spannte sich. Für einen Augenblick brachte er kein Wort heraus.Sein Blick glitt über mich. Über die Linien meines Kleides. Über die blendenden Diamanten.„Mein Gott“, hauchte er. „Isabella ... Du siehst...“„Wir haben dich überall gesucht, Isabella.“ Avas Stimme schnitt durch die Luft, süß wie vergifteter Honig. „Wir haben dir ein Ultimatum geschickt. Du antwortest nicht und tauchst dann hier in einem Hochzeitskleid auf? Willst du Vincent damit zur Hochzeit zwingen?“Ich sah sie an. Mein Gesicht blieb eiskalt.„Du denkst zu viel, Ava. Ich werde heiraten. Nur eben nicht ihn.“Vincent fing sich endlich wieder. Er atmete tief ein, und sofort kehrte dieser arrogante Ausdruck in sein G
Ich ging in mein Apartment zurück. Als Erstes trat ich an den Schminktisch.Dort lag ein blauer Diamantring mit zwölf Karat.Vincents Verlobungsring. Der Ring, den er mir vor zehn Jahren gegeben hatte.Ich nahm ihn in die Hand und warf ihn ohne das geringste Zögern ins Feuer.Die Flammen fraßen sich
Der Ekel in seinen Augen tat mehr weh als jede Waffe.In genau diesem Moment hob Ava, die „zitternd“ in Vincents Armen hing, den Kopf und sah mich mit tränenfeuchten Augen an.„Isabella, bitte, hör auf...“, sagte sie schwach. Ihre Stimme bebte schon beim Sprechen. „Ich weiß, dass du mich hasst. Aber
Eine Kugel abgefangen?Mein Herz setzte aus.„Wann?“ Ich stürzte auf Vincent zu. „Du bist verletzt?“Meine Hände griffen sofort nach seinem Hemd. Ich wollte nach der Wunde sehen.Vincent zuckte zurück und versuchte, mich wegzuschieben. Doch die Bewegung war steif. Er hatte die Verletzung ganz eindeu
Vincent entspannte sich sichtbar.Er setzte sich wieder in seinen Sessel und legte sich erneut diese herablassende Haltung zu.Als wäre nicht er es gewesen, der eben noch in Panik geraten war. Als hätte ich mir das alles nur eingebildet.„Isabella, du enttäuschst mich.“Ich blinzelte.Was?„Traditio





