Die Gezeiten-Rebellen  Band 3: Das Brennende Meer

Die Gezeiten-Rebellen Band 3: Das Brennende Meer

last updateÚltima actualización : 2026-05-08
Por:  AzillaActualizado ahora
Idioma: Deutsch
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Kian hat die Welt vor dem Frost gerettet, doch er ist in seinem eigenen Eis gefangen. Um nicht endgültig zu einer gefühllosen Statue zu erstarren, segelt die Crew der Schwarzen Muräne an den gefährlichsten Ort der Welt: die Feuerinseln. Hier kocht der Ozean, Asche verdunkelt den Himmel und gigantische, vulkanische Schildkröten – die Leviathane – schlafen unter den Wellen. Doch der fanatische "Kult der Asche" unter Führung der Hohepriesterin Ignis will die uralten Monster wecken, um die Welt in einem Meer aus Lava zu reinigen. Angetrieben von einer defekten Maschine, die Kians Vater einst zurückließ, droht der Vulkan zu explodieren. Kian, Talisa und der geniale Ingenieur Silas müssen tief in das Herz des Berges hinabsteigen. Dort wartet auf Kian die ultimative Prüfung: Er muss das perfekte Gleichgewicht zwischen Feuer und Eis finden, bevor die Welt in Flammen aufgeht.

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Capítulo 1

Kapitel 1: Der fiebernde Ozean

Prolog: Der Schlafende Gott erwacht 

Der Himmel über dem östlichen Rand der Welt kannte kein Blau. Er war die Farbe von altem 

Rost und frischem Blut. Asche fiel wie grauer Schnee auf das Deck der Sonnenanbeter, ein 

kleines Schiff aus verkohltem Holz, dessen Segel rot gefärbt waren. Die Luft schmeckte nach 

Schwefel und verbranntem Stein. 

Auf dem Ausguck stand Jomo. Er schwitzte nicht, obwohl die Hitze unerträglich war. Seine 

Haut war mit rituellen Narben bedeckt, die Flammenmuster zeigten. Er starrte auf die Insel 

vor ihnen. Es war der „Große Aetna“, der größte Vulkan des Archipels. Rauch quoll aus 

seinem Gipfel. 

„Die Erde ist unruhig heute, Bruder“, rief der Steuermann von unten. „Das Wasser kocht.“ 

Jomo blickte nach unten. Tatsächlich stiegen überall um das Schiff herum Blasen auf. Tote 

Fische trieben an der Oberfläche, ihre Augen weiß gekocht. 

Dann passierte es. Ein Grollen, tiefer als Donner, ließ den Mast vibrieren. Jomo musste sich 

festhalten, als eine Welle das Schiff erfasste. Aber es war kein Erdbeben. Die Insel vor 

ihnen... bewegte sich. 

Der riesige Vulkanberg hob sich aus dem Wasser. Meerwasser stürzte in gigantischen 

Kaskaden von seinen Flanken herab. Was wie Fels ausgesehen hatte, enthüllte sich als 

gigantische, geschuppte Haut aus erkaltetem Lavagestein. Ein Auge öffnete sich an der Seite 

des Berges. Es war so groß wie ein Haus, ein See aus flüssigem Gold und Hass. 

„Er ist wach!“, schrie Jomo, eine Mischung aus Terror und religiöser Ekstase in seiner 

Stimme. „Der Große Aetna ist wach!“ 

An Deck des Schiffes trat eine Frau aus der Kajüte. Sie trug eine Robe aus gewebten 

Goldfäden, die im Schein des Vulkans glänzte. Ihr Haar war feuerrot, und in ihren Augen 

brannte ein fanatisches Licht. Hohepriesterin Ignis. 

Sie hob die Arme zum erwachenden Leviathan. „Endlich! Der Ruf des Vaters hat ihn 

erreicht. Die Maschine im Herzen treibt ihn an.“ 

Sie blickte nach Westen, über das kochende Meer. Dort, am Horizont, wo der Himmel noch 

blau sein sollte, zog ein seltsamer, unnatürlicher Nebel auf. Ein kalter Windhauch, der hier 

nichts zu suchen hatte, wehte ihr Asche ins Gesicht. 

Ignis lächelte. Ein grausames, wunderschönes Lächeln. „Und er kommt“, flüsterte sie. „Der 

Dämon aus Eis. Der Sohn des Architekten. Er bringt den Winter in unser Feuer.“ 

Der Leviathan stieß einen Schrei aus, der die Wolken zerriss. Ein Strahl aus reinem Magma 

schoss in den Himmel. Der Krieg der Elemente hatte begonnen. 

Kapitel 1

Der Horizont blutete. Wo früher das reine Blau des Himmels auf das Meer traf, hing nun ein 

dunstiger Schleier aus Orange und Violett. Die Sonne war keine strahlende Scheibe mehr, 

sondern ein wütendes, rotes Auge, das durch Schichten von Vulkanasche starrte. 

An Bord der Schwarzen Muräne war die Stimmung gedrückt. Das Schiff, verstärkt mit 

Platten aus schwarzem Eis und imperiales Stahl, schnitt durch ein Wasser, das sich ölig und 

schwer anfühlte. Es war heiß. Unnatürlich heiß. 

Kian stand im Schatten des Großsegels. Er trug keinen Mantel mehr, sondern nur eine leichte 

Leinenhose und ein offenes Hemd. Seine Haut war so weiß wie Marmor, und feine Adern aus 

blauem Frost pulsierten unter der Oberfläche. Um ihn herum bildete sich eine Zone aus Kälte. 

Kondenswasser gefrohr an den Planken zu seinen Füßen, wann immer er zu lange stillstand. 

„Kian“, sagte eine Stimme leise hinter ihm. 

Er drehte sich nicht um. Er wusste, wer es war. Er spürte ihre Körperwärme wie ein 

Lagerfeuer in der Nacht. „Komm nicht zu nah, Talisa“, sagte er. Seine Stimme war ruhig, fast 

monoton. „Die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch. Wenn du mich berührst, wirst du dir 

Erfrierungen holen.“ 

Talisa ignorierte die Warnung. Sie trat neben ihn an die Reling. Schweißperlen glänzten auf 

ihrer Stirn – die Hitze machte ihr zu schaffen, genau wie dem Rest der Crew. Aber sie 

zitterte, als sie in seinen Kältekreis trat. „Du isolierst dich“, sagte sie vorwurfsvoll, aber sanft. 

„Seit wir den Äquator passiert haben, hast du kaum ein Wort gesprochen.“ 

„Ich spare Energie“, antwortete Kian und blickte auf das trübe Wasser. „Die Hitze... sie zehrt 

an mir. Es fühlt sich an, als würde ich langsam verdunsten.“ 

Er hob die Hand. Seine Finger waren von Reif bedeckt. Er wollte nach ihrer Hand greifen, 

zog sie aber im letzten Moment zurück. Er wollte sie nicht verletzen. Die Distanz zwischen 

ihnen war keine Absicht, sie war physisch notwendig geworden. Talisa sah den Rückzieher 

und Schmerz flackerte in ihren Augen auf. „Wir finden eine Lösung, Kian. Ignis und ihre 

Priester... sie wissen vielleicht etwas über das Gleichgewicht.“ 

„Oder sie wollen mich einfach nur schmelzen sehen“, sagte Kian trocken. 

Vom Steuerdeck her rief eine kräftige Stimme: „Wasserverfärbung voraus! Alle Mann auf 

Station!“ 

Es war Captain Vane. Er sah aus wie ein Mann in seinen besten Jahren. Sein Rücken war 

gerade, seine Bewegungen kraftvoll. Nur die eine, schneeweiße Strähne in seinem schwarzen 

Haar und die uralten Augen verrieten, dass er mehr Leben gesehen hatte, als ihm zustand. Er 

drehte das Rad mit einer Leichtigkeit, die er seit Jahrzehnten nicht mehr gespürt hatte. Aber 

jedes Mal, wenn er Kian ansah, legte sich ein Schatten über sein Gesicht. Schuld. Er lebte, 

weil der Junge sein Leben halb weggegeben hatte. 

Kian und Talisa liefen zum Bug. Vor ihnen veränderte sich das Meer. Das dunkle Blau wich 

einem schmutzigen Rostrot. Es waren Algen. Rote Algen, die nur blühten, wenn das Wasser 

kochte. Tote Fische trieben an der Oberfläche – tausende von ihnen. Barrakudas, Thunfische, 

sogar kleine Haie. Sie waren nicht angefressen. Sie waren gegart. 

„Bei allen Geistern“, murmelte Silas, der Ingenieur, und wischte sich Ruß von der Stirn. „Das 

Thermometer steigt. 45 Grad Wassertemperatur. Das ist kein Ozean mehr, das ist eine 

Suppe.“ 

Kian griff an die Reling. Das Holz war warm. Ein Schwindelgefühl überkam ihn. Für ihn, 

dessen Herz jetzt aus dem Eis des Nordpols schlug, war diese Umgebung pures Gift. Seine 

Sicht verschwamm. „Da unten...“, keuchte er. „Da ist etwas Großes.“ 

„Ein Riff?“, fragte Vane besorgt. 

„Nein“, stöhnte Kian und sank auf ein Knie. Eisblumen breiteten sich schlagartig um ihn aus, 

als sein Körper panisch versuchte, gegen die Hitze anzukämpfen. „Ein Herzschlag. Langsam. 

Laut. Wie ein Erdbeben.“ 

Plötzlich begann das Wasser um das Schiff herum zu brodeln. Große Blasen aus Schwefelgas 

stiegen auf und platzten mit einem widerlichen Gestank. Das Schiff schwankte heftig. 

„Festhalten!“, brüllte Vane. 

Hundert Meter steuerbord brach die Wasseroberfläche auf. Kein Fels. Kein Schiff. Ein 

Rückenpanzer. Er war gigantisch, bedeckt mit versteinerten Korallen und rauchenden 

Spalten. Er war so groß wie eine kleine Insel. Magma leuchtete in den Rissen des Panzers. 

Das Wesen – eine Magma-Schildkröte, ein Leviathan aus der Urzeit – hob langsam den 

Kopf aus dem Wasser. Der Kopf war so groß wie die Schwarze Muräne selbst. Aus seinen 

Nasenlöchern schoss Dampf. Es öffnete die Augen. Sie glühten gelb. Und sie fixierten Kian. 

„Es spürt mich“, flüsterte Kian entsetzt. „Es spürt das Eis in mir. Es hasst mich.“ 

Der Leviathan stieß einen Brüller aus, der die Luft zum Vibrieren brachte. Eine Hitzewelle 

rollte über das Schiff. Die Segel begannen zu rauchen. Kian schrie auf. Es fühlte sich an, als 

würde seine Haut brennen. 

„Wende!“, schrie Talisa. „Vane, bring uns hier weg!“ 

„Zu spät!“, rief Vane und kämpfte mit dem Steuer. „Das Ding erzeugt seine eigene 

Strömung! Es zieht uns an!“ 

Der Leviathan öffnete sein gewaltiges Maul. Im Inneren glühte es wie in einem Hochofen. Er 

bereitete sich vor, Feuer zu speien – direkt auf das Schiff, das den "Winter" an Bord trug. 

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