LOGINDas Imperium schlägt gnadenlos zurück. Admiralin Valerius hat am eisigen Nordpol eine gigantische Waffe errichtet – den "Nullpunkt-Bohrer" –, der den gesamten Ozean der Welt Schicht für Schicht einfrieren soll. Die Flotte der Rebellen sitzt in der Falle, und das Leben auf den Meeren droht für immer zu erlöschen. Um gegen diese absolute Kälte bestehen zu können, trifft Kian eine verhängnisvolle Entscheidung: Er nimmt die uralte Magie des ewigen Eises in sich auf. Er wird zum Wächter des Winters. Doch der Preis ist hoch: Mit jedem Zauber, den er wirkt, friert sein Herz weiter ein und er verliert ein Stück seiner Menschlichkeit. Während Captain Vane verzweifelt gegen seine schwindende Lebenszeit ankämpft und Talisa versucht, Kians Seele zu retten, entbrennt am Ende der Welt eine epische Schlacht zwischen Magie und Maschine.
View MoreDie Stille nach dem Sturm war ohrenbetäubend. In der Eishöhle unter dem Nullpunkt gab es keinen Wind mehr, kein Maschinenlärm. Nur das leise Plätschern des schwarzen Wassers und das ferne Knacken des Gletschers. Kian kniete neben Vane. Der alte Pirat sah friedlich aus, fast so, als würde er schlafen. Aber seine Haut war so kalt wie der Stein unter ihm. Die goldene Uhr in seiner Hand war starr, das Zifferblatt blind. „Es ist vorbei, Kian“, sagte Talisa sanft. Sie legte ihre Hand auf Kians Schulter. Ihre Stimme zitterte. „Seine Zeit ist abgelaufen. Das war der Pakt, den er geschlossen hatte.“ „Pakte kann man brechen“, flüsterte Kian. Er starrte auf seine eigenen Hände. Sie leuchteten immer noch schwach vom blauen Licht des Kerns. „Oder neu schreiben.“ Silas trat nervös von einem Bein auf das andere. „Kian, der Kern ist instabil. Wenn du jetzt noch mehr Energie reinpumpst... das könnte dich umbringen. Oder schlimmeres.“ Kian hörte nicht zu. Er hatte eine Entscheid
Kian legte beide Hände auf den Kern. Er erwartete Kälte. Er erwartete Schmerz. Doch was er fühlte, war ein Herzschlag. Es war nicht nur Energie. Es war das Gedächtnis der Welt. Er spürte jeden Sturm, der je gewütet hatte, jeden Walgesang, jede Welle, die an einen Strand brandete. Es war zu viel für einen einzelnen Menschen. Es hätte ihn zerrissen. Aber Kian war nicht mehr allein. Er hatte den See akzeptiert. Er hatte die Kälte akzeptiert. „Ich bin die Brücke“, schrie er, und seine Stimme hallte nicht in der Höhle, sondern im Wasser wider. Der Kern pulsierte. Ein Lichtblitz, so hell wie eine Supernova, blendete die Null-Gardisten, die gerade auf das Wrack feuerten. Das schwarze Wasser des Sees begann zu kochen. Aber nicht vor Hitze – vor purer Kraft. Über ihm lachte Admiralin Valerius. Sie stand auf ihrer schwebenden Plattform, gesichert an den Trossen des riesigen Bohrers. „Ja!“, rief sie in ihr Mikrofon. „Der Pegel steigt! Er aktiviert es für uns! Saugt alles
Der Speer, der auf Kians Brust gerichtet war, zitterte nicht. Er bestand aus einem einzigen, milchigen Knochen, geschärft bis zur Unendlichkeit. Der Wächter, der ihn hielt, hatte Augen wie Nebel – weiß, blind und doch alles sehend. „Du trägst den Geruch von Eisen und Öl“, zischte der Wächter. Seine Stimme klang wie reibendes Eis. „Du gehörst zu denen da oben. Zu den Weltenfressern.“ „Nein!“, rief Kian und hob beschwichtigend die Hände. Er humpelte leicht, sein Bein schmerzte höllisch. „Wir sind abgestürzt. Wir kämpfen gegen sie. Ich bin Kian... Sohn von Corvus.“ Er dachte, der Name würde helfen. Er irrte sich. Ein Raunen ging durch die Reihe der blassen Gestalten. Es war kein ehrfürchtiges Raunen. Es war ein Knurren. „Corvus“, wiederholte der Anführer und spuckte den Namen aus wie Gift. „Der Architekt. Der Mann, der Ketten für den Ozean schmiedete. Er war hier, vor vielen Jahren. Er stahl einen Splitter des Kerns, um seine Maschinen zu bauen. Du bist Brut des V
Der Nullpunkt war kein Ort. Er war ein Mahnmal. Mitten in der endlosen weißen Wüste des Nordpols ragte der Ozean selbst in den Himmel. Ein gigantischer Wasserstrudel war vor Jahrtausenden im Moment seiner wildesten Drehung zu Eis erstarrt. Er bildete einen Trichter aus blauem, gezacktem Eis, der kilometerweit in die Tiefe reichte – bis zum Herzen der Welt. Und dort, am Rand dieses erstarrten Schlundes, hatte Admiralin Valerius ihr Lager aufgeschlagen. Die EISENFAUST lag wie ein schwarzer Parasit im Eis verankert. Doch sie war nur das Beiboot. Das wahre Monster war „Die Nadel“. Ein Bohrturm aus Messing und Stahl, so hoch wie ein Wolkenkratzer, der direkt über der Mitte des Trichters hing, gehalten von dicken Trossen. Sein Bohrer glühte rot und fraß sich langsam, kreischend, in das absolute Eis. „Da sind sie“, sagte Kian leise im Cockpit der Frost-Schwalbe. „Und da ist Vane.“ Er zoomte das Bild auf dem Display heran. Auf einer Plattform direkt am Bohrer stand der