MasukDas Imperium schlägt gnadenlos zurück. Admiralin Valerius hat am eisigen Nordpol eine gigantische Waffe errichtet – den "Nullpunkt-Bohrer" –, der den gesamten Ozean der Welt Schicht für Schicht einfrieren soll. Die Flotte der Rebellen sitzt in der Falle, und das Leben auf den Meeren droht für immer zu erlöschen. Um gegen diese absolute Kälte bestehen zu können, trifft Kian eine verhängnisvolle Entscheidung: Er nimmt die uralte Magie des ewigen Eises in sich auf. Er wird zum Wächter des Winters. Doch der Preis ist hoch: Mit jedem Zauber, den er wirkt, friert sein Herz weiter ein und er verliert ein Stück seiner Menschlichkeit. Während Captain Vane verzweifelt gegen seine schwindende Lebenszeit ankämpft und Talisa versucht, Kians Seele zu retten, entbrennt am Ende der Welt eine epische Schlacht zwischen Magie und Maschine.
Lihat lebih banyakKian tauchte auf. Er durchbrach die Wasseroberfläche wie ein Delfin, das Salzwasser perlte
von seinen dunkelblauen Schuppen am Hals ab. Er holte tief Luft, und die tropische Hitze der Smaragd-Inseln schlug ihm ins Gesicht wie ein nasses Handtuch. „Alles ruhig da unten?“, rief eine Stimme von oben. Kian blinzelte gegen die grelle Mittagssonne. Über ihm schaukelte Die Corvus. Es war kein großes Schiff, kaum länger als ein gewöhnlicher Fischkutter, aber es war das schnellste Ding im ganzen Archipel. Kian hatte es selbst entworfen, basierend auf den alten Skizzen seines Vaters, aber ohne die schweren Maschinen. Die Corvus nutzte die Strömung, nicht den Dampf. „Zu ruhig, Jaro!“, rief Kian zurück und zog sich an einem Tau an Deck. Jaro, sein erster Maat – ein bulliger Mann mit mehr Tattoos als Haut – reichte ihm ein Handtuch. „Die Fische sind nervös“, sagte Kian, während er sich das Wasser aus den Haaren rieb. Er war gewachsen. Seine Schultern waren breiter geworden, und in seinen Augen lag jetzt eine Ruhe, die man nur bekam, wenn man Monster gesehen und überlebt hatte. „Der Schwarm Korallenbarsche beim Riff... sie verstecken sich. Als würde ein Sturm kommen.“ Jaro blickte zum wolkenlosen, strahlend blauen Himmel. „Kein Wölkchen in Sicht, Käpt’n. Das Barometer schläft.“ „Das Meer lügt nicht“, murmelte Kian. Er trat an die Reling und legte die Hand auf das Holz. Er spürte immer noch die feinen Vibrationen des Wassers. Aber heute war da noch etwas anderes. Ein feines, hohes Sirren. Wie Zahnschmerzen, die von weit her kamen. „Kurs auf Insel Tuva“, befahl Kian plötzlich. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Magen aus. „Dort drüben stimmt was nicht.“ Die Corvus drehte bei. Die Segel, gefärbt in einem tiefen Indigoblau, blähten sich im warmen Südwind. Sie glitten über das Wasser, vorbei an grünen Atollen und bunten Riffen. Doch je näher sie der Insel Tuva kamen, desto seltsamer wurde die Luft. Der Wind starb ab. Die Vögel verstummten. Keine Möwen kreischten mehr. Und dann sah Kian es. Am Horizont, dort wo die palmenbewachsene Insel Tuva liegen sollte, war ein weißer Fleck. Er passte nicht in die Welt. Es sah aus, als hätte jemand ein Loch in das Gemälde des Sommers gerissen und dahinter nur weißes Papier gelassen. „Bei allen Geistern...“, flüsterte Jaro und ließ das Fernrohr sinken. „Ist das... Nebel?“ „Nein“, sagte Kian. Er spürte es jetzt deutlich. Die Kälte kroch über das Wasser, unsichtbar, aber beißend. Sie griff nach dem Rumpf der Corvus. „Das ist kein Nebel.“ Als sie die Bucht erreichten, stockte der gesamten Crew der Atem. Das Wasser war weg. An seiner Stelle erstreckte sich eine Ebene aus massivem, undurchsichtigem Eis. Es war nicht glatt wie auf einem See im Winter. Es war eine Momentaufnahme des Chaos. Wellen waren mitten im Brechen zu Eis erstarrt, die Gischt hing wie bizarre Skulpturen aus Glas in der Luft. Die Palmen am Ufer waren kristalline Skelette. Die bunten Fischerboote steckten fest, manche halb zerdrückt vom Druck des plötzlichen Gefrierens. „Das ist unmöglich“, sagte einer der Matrosen und machte das Zeichen gegen den Bösen Blick. „Wir sind am Äquator! Hier schneit es nicht mal in hundert Jahren!“ Kian sprang über die Reling, doch er landete nicht im Wasser. Seine Stiefel knirschten auf dem Eis. Die Kälte kroch sofort durch seine Sohlen. Es war keine natürliche Kälte. Es fühlte sich an wie die Leere zwischen den Sternen. Er ging vorsichtig auf das Dorf zu. Alles war totenstill. Er sah einen Fischreiher, der im Flug eingefroren war und nun wie eine Statue knapp über dem Eis hing, gehalten von gefrorener Gischt. Er sah einen Fischer, der gerade ein Netz ausgeworfen hatte. Das Netz war hart wie Draht, der Mann stand da, die Augen weit aufgerissen, die Haut grau und mit Raureif bedeckt. Er war nicht tot – zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Er war angehalten. „Kian!“ Die Stimme kam von den Klippen. Kian wirbelte herum, die Hand instinktiv an seinem Messer. Eine Gestalt sprang von einem Felsvorsprung und landete geschmeidig auf dem Eis. Sie trug keine Rüstung mehr aus Muscheln, sondern leichte Lederkleidung, verstärkt mit Haifischhaut. Ihre langen, dunklen Haare waren zu einem Zopf geflochten, in dem kleine Knochennadeln steckten. „Talisa“, atmete Kian aus. Sie sah wütend aus. Ihre goldenen Augen funkelten, und ihre Hände waren zu Fäusten geballt. Um ihren Hals trug sie eine Kette aus toten, bleichen Korallenstücken. „Sie waren hier“, sagte sie ohne Begrüßung. Ihre Stimme zitterte vor unterdrücktem Zorn. „Vor zwei Stunden. Ein Schiff aus Eisen, das Rauch speit wie ein Vulkan.“ „Wer?“, fragte Kian. Er trat näher zu ihr. Er spürte, dass ihre Haut eiskalt war, viel kälter als sonst. „Wer kann so etwas tun?“ Talisa deutete auf den Horizont, wo eine dünne, schwarze Rauchfahne den makellosen Himmel zerschnitt. „Sie nennen sich das Imperium. Sie haben eine Maschine an Bord, Kian. Sie saugt die Wärme aus der Welt. Meine Späher sagen, sie haben das Wasser nicht nur gefroren... sie haben es getötet.“ Kian blickte auf den eingefrorenen Fischer. „Können wir sie auftauen?“ Talisa schüttelte den Kopf. „Ich habe es versucht. Das Eis ist magisch versiegelt. Wenn wir es mit Gewalt brechen, zerbrechen wir auch die Menschen darin. Wir brauchen Feuer, das heißer ist als die Sonne. Oder wir müssen die Maschine finden, die das getan hat, und sie umkehren.“ Plötzlich knackte das Eis unter ihren Füßen. Ein tiefes Grollen hallte durch die Bucht. „Das Schiff kommt nicht zurück“, sagte Kian und blickte auf die Rauchfahne. „Sie fahren nach Norden.“ „Warum nach Norden?“, fragte Talisa. „Dort gibt es nichts außer Eisbären und Sturm.“ Kian dachte an die Geschichten seines Vaters. An die alten Karten, die Corvus versteckt hatte. „Dort ist der Nullpunkt“, flüsterte er. „Der Ort, an dem die Magie der Welt verankert ist. Wenn sie so eine Waffe haben... und sie zum Nullpunkt bringen...“ „...dann wird die ganze Welt so aussehen wie dieses Dorf“, beendete Talisa den Satz. Sie sah ihn an. „Wir müssen sie aufhalten, Kian. Aber meine Krieger können dem kalten Wasser nicht folgen. Wir werden langsam, wenn es friert.“ „Dann nehmen wir mein Schiff“, sagte Kian entschlossen. Er drehte sich zur Corvus um. „Aber wir sind nicht schnell genug für diesen Vorsprung.“ „Ich kenne jemanden, der schnell genug ist“, sagte Talisa düster. „Aber du wirst es nicht mögen.“ Kian wusste sofort, wen sie meinte. Er seufzte. „Vane.“ „Sein Signal kam heute Morgen rein“, sagte Talisa. „Er wartet beim 'Schlund der Heuler'. Und Kian... er klang verzweifelt.“Als das Trio schließlich aus dem dichten Dschungel des Immergrünen Archipels auf den weißen Sandstrand trat, boten sie ein Bild des absoluten Elends. Talisa sah aus, als hätte sie in einem Schlammteich gebadet, und ihre Haare klebten dank des Harzes kreuz und quer in ihrem Gesicht. Kians Kleidung war rußig und zerrissen. Und Silas... Silas war ein wandelndes Mahnmal aus getrocknetem Schlamm, klebrigem Goldharz und glücklicher Erschöpfung, gekrönt von einem winzigen Messing-Frosch, der es sich noch immer auf seinem Kopf bequem gemacht hatte. Captain Vane stand an der Reling der Schwarzen Muräne, die Schlagseite in der Bucht hatte. Er nahm langsam die Pfeife aus dem Mund und zog eine Augenbraue hoch. „Ich hatte euch losgeschickt, um Baumharz zu besorgen“, brummte der alte Pirat, als sie über die provisorische Planke an Bord kletterten. „Nicht, um euch als Moorleichen zu verkleiden. Und bei allen Seegeistern, Silas, was ist das für ein klapperndes Ding auf deinem Kopf?“ Surrr-Quak! m
Das Eisenholz-Harz regnete in dicken, sanft leuchtenden Tropfen auf sie herab. Es roch intensiv nach Kiefernnadeln, altem Bernstein und einem Hauch von Gewitterluft. Sobald die Tropfen den felsigen Boden berührten, begannen sie mit einem leisen Zischen zäh zu werden. „Schnell!“, rief Silas, der vor Begeisterung fast über seine eigenen Füße stolperte. Er riss seinen Rucksack auf – der kleine Messing-Frosch klammerte sich derweil tapfer an seinen wild abstehenden Haaren fest – und zog drei leere Metallkanister heraus. „Wenn das Zeug an der Luft aushärtet, wird es widerstandsfähiger als kaiserlicher Stahlpanzer. Wir müssen es flüssig abfangen!“ Talisa verdrehte die Augen, schnappte sich aber einen der Kanister. „Und ich dachte, nach dem Feuer-Eintopf in Portaleon könnte es nicht mehr schlimmer werden. Jetzt stehe ich in einer unterirdischen Höhle und sammle klebrigen Baumschweiß.“ Ein großer, goldener Tropfen landete zielsicher genau auf ihrer Nase. Sie blies sich genervt eine Haarsträ
Das Brüllen des Proto-Leviathans klang nicht wie das organische Kreischen seiner lebenden Verwandten aus dem Ozean. Es war eine Symphonie aus reibendem Metall, zischendem Hochdruckdampf und der reinen, ungebändigten Energie uralten Äthers. Die Erschütterung war so gewaltig, dass sich handgroße Felsbrocken von der Höhlendecke lösten und auf den Boden prasselten. „Silas, weg da!“, brüllte Talisa. Sie stieß sich vom Boden ab, hechtete über die glatten Bronzeschuppen des Kolosses und riss den völlig erstarrten Ingenieur in letzter Sekunde zur Seite. Genau dort, wo Silas gerade noch gestanden hatte, schlug ein gewaltiger, stählerner Bartfaden des Leviathans ein und zerschmetterte den Steinboden zu Staub. Der kleine Messing-Frosch saß inzwischen völlig unbeeindruckt auf dem Horn des Ungetüms und stieß ein fröhliches Surrr-Quak! aus, als würde er auf einem riesigen, mechanischen Karussell reiten. „Das ist faszinierend!“, rief Silas, der auf dem Rücken im Staub lag, aber seine Brille bere
Talisa zögerte keine Sekunde. Sie zog einen ihrer Dolche, deutete auf den linken der drei Tunnel und schlich lautlos voran. „Das tiefe Grollen kam von dort. Und wenn dieses mechanische Frosch-Ding auch nur einen Funken Überlebensinstinkt hat, sucht es sich das größte, dunkelste Versteck, das es finden kann.“ Kian nickte und folgte ihr dicht auf den Fersen, während Silas hastig sein im Schlamm verdrecktes Notizbuch einsammelte und stolpernd hinterhereilte. Der linke Tunnel unterschied sich drastisch von den anderen. Das natürliche, weiche Moos wich allmählich einem glatten, perfekt behauenen Steinboden. Je weiter sie in die Tiefe vordrangen, desto mehr künstliche Strukturen brachen durch die massiven Baumwurzeln. Es war kein kühles, imperiales Eisen, sondern dunkle Bronze und milchiger Kristall, kunstvoll verziert mit wellenförmigen Gravuren, die Kian seltsam vertraut vorkamen. Schließlich traten sie aus dem engen Gang und blieben wie angewurzelt stehen. Die Höhle, die sich vor ihn






Ulasan-ulasan