Die Gezeiten-Rebellen  Band 1: Das Herz des Abgrunds

Die Gezeiten-Rebellen Band 1: Das Herz des Abgrunds

last updateTerakhir Diperbarui : 2026-06-16
Oleh:  AzillaOngoing
Bahasa: Deutsch
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Der 14-jährige Kian ist kein normaler Junge. Auf seiner Haut wachsen leuchtend blaue Schuppen, und das Meer reagiert auf seine Gefühle. In einer Welt, in der das grausame Steampunk-Imperium die Ozeane mit eisernen U-Booten und mechanischen Monstern erobert, wird Kian schnell zur gejagten Beute. Als er auf der Flucht die furchtlose Kriegerin Talisa und den mysteriösen Captain Vane trifft, ändert sich sein Schicksal. An Bord des Knochenschiffs Schwarze Muräne lernen sie, dass Kian der Sohn des Mannes ist, der die tödlichsten Maschinen des Imperiums entworfen hat. Um seine Heimat, die tropischen Smaragd-Inseln, vor den mechanischen Flutbestien des Kommandanten Malakor zu retten, muss Kian lernen, das Wasser selbst als Waffe zu nutzen. Das Abenteuer beginnt!

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Bab 1

Kapitel 1: Das Flüstern von Rostanker

Prolog: Der Preis der Tiefe 

Das Meer vergisst nicht. Es hungert. Man sagt, vor dem Krieg war das Wasser blau und 

friedlich. Aber das sind Märchen für kleine Kinder, damit sie nachts schlafen können. Wir 

wissen es besser. Das Wasser ist schwarz. Es ist kalt. Und es ist voll von Dingen, die Zähne 

haben, wo keine Zähne sein sollten. 

Mein Name ist Kian. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, so zu tun, als wäre ich 

einer von euch – ein Mensch, der Angst vor der Flut hat. Ein Mensch, der am Ufer steht und 

zittert, wenn der Nebel kommt. Aber ich habe gelogen. Denn wenn das Wasser steigt, 

bekomme ich keine Angst. Ich bekomme Heimweh.

Der Nebel über der Hafenstadt Rostanker schmeckte nach Salz, verfaultem Seetang und 

Angst. Es war kurz nach Mitternacht, die Stunde, in der vernünftige Menschen ihre Fenster 

verriegelten und beteten, dass die Flut nicht an ihre Türen klopfte. 

Kian war nicht vernünftig. Er war dreizehn Jahre alt, fror in seiner zu dünnen Jacke und hing 

gerade mit einer Hand an der Dachrinne des königlichen Seekarten-Archivs. 

Nicht loslassen, dachte er und biss die Zähne zusammen. Wenn du jetzt fällst, brichst du dir 

das Genick. Und wenn du dir das Genick brichst, findest du Vater nie. 

Er zog sich hoch. Seine Muskeln brannten, aber Kian war zäh. Er war in den Gassen von 

Rostanker aufgewachsen, zwischen Fischabfällen und Bettlern. Klettern war so natürlich für 

ihn wie Atmen – auch wenn das Atmen ihm oft schwerfiel, als ob die Luft an Land zu dünn 

für seine Lungen wäre. 

Er schwang sich durch das offene Oberlicht und landete lautlos auf den staubigen Holzdielen. 

Das Archiv roch nach altem Papier und Tinte. Überall ragten Regale bis zur Decke, 

vollgestopft mit Rollen, die Orte zeigten, die kein Mensch mehr bereisen durfte. 

Kian zog eine kleine, sturmgesicherte Laterne aus seiner Tasche und entzündete sie. Das 

schwache Licht tanzte über die Regale. Er wusste genau, wonach er suchte. 

„Sektor 7“, flüsterte er. „Die Zone der Stille.“ 

Dort, so hieß es in den Gerüchten der alten Seeleute, war das Schiff seines Vaters zuletzt 

gesehen worden. Vor sieben Jahren. Bevor die Marine behauptete, er sei als Verräter 

hingerichtet worden. 

Kians Finger glitten über die vergilbten Etiketten der Kartenrollen. Nordroute... Handelsweg 

Alpha... Sperrzone West... Da war sie. Eine Karte, die mit rotem Wachs versiegelt war. Das 

Siegel zeigte einen Raben – Corvus. Kians Herz hämmerte gegen seine Rippen. Das war das 

Zeichen seines Vaters. 

Er griff nach der Rolle. In dem Moment, als seine Finger das Papier berührten, ertönte ein 

Klicken. Ein Mechanismus. Verdammt. 

Eine Sekunde später schrillte eine Alarmglocke durch das Gebäude, laut genug, um Tote zu 

wecken. 

„Hey! Da oben!“, brüllte eine Stimme von unten. Schwere Stiefel polterten die Treppe 

herauf. Marine-Wachen. 

Kian fluchte leise, stopfte die Karte in seinen Mantel und rannte zum Fenster. Er stieß es auf 

und blickte hinab. Drei Stockwerke. Unten Kopfsteinpflaster. Keine Chance. Er blickte nach 

links. Das Hafenbecken. Das Wasser war schwarz und ölig. Schaumkronen tanzten darauf 

wie kleine Geister. 

Jedes Kind in Rostanker kannte die Regel: Berühre nie das Wasser bei Nacht. Nachts kamen 

die Kiel-Kratzer an die Oberfläche. Nachts jagten die Dinge, die keine Namen hatten. 

Die Tür zum Archivsaal flog auf. Zwei Wachen in den blauen Uniformen der Königlichen 

Marine stürmten herein, Musketen im Anschlag. „Stehenbleiben!“, brüllte der Vordere. 

Kian sah die Wachen an. Dann sah er auf das tödliche schwarze Wasser. Und dann tat er das 

Einzige, was ihm übrigblieb. Er zog seinen Schal fester um den Hals, um die schimmernden 

Schuppen in seinem Nacken zu verbergen, und sprang. 

Der Wind pfiff in seinen Ohren. Der Aufprall war hart und eiskalt. Das Wasser schlug über 

ihm zusammen wie ein Sargdeckel. Kälte bohrte sich in seine Haut wie tausend Nadeln. Kian 

strampelte, versuchte, zur Oberfläche zu kommen, aber seine Kleidung sog sich voll und zog 

ihn nach unten. Panik stieg in ihm auf. Luft. Ich brauche Luft. 

Er öffnete den Mund zu einem Schrei, aber stattdessen strömte Wasser in seine Kehle. Er 

erwartete den Würgereiz. Er erwartete das Brennen, das Ertrinken. Aber es kam nicht. Ein 

seltsames Kribbeln lief durch seinen Nacken, dort, wo die Schuppen saßen. Das Wasser 

fühlte sich plötzlich nicht mehr feindlich an. Es fühlte sich... richtig an. Kian atmete ein. Er 

atmete Wasser, als wäre es frische Frühlingsluft. 

Er riss die Augen auf. Unter Wasser war es nicht dunkel. Es war eine Welt aus Schatten und 

seltsamem, grünlichem Glimmen. Und er war nicht allein. 

Etwa zehn Meter von ihm entfernt, unter den vermoderten Holzpfählen des Piers, hing ein 

riesiges Netz. Darin verheddert kämpfte eine Gestalt. Sie sah aus wie ein Mensch, aber ihre 

Bewegungen waren zu schnell, zu flüssig. Sie hatte silbrige Haut, die im trüben Licht blitzte, 

und lange, dunkle Haare, die wie ein Schleier um sie trieben. Eine Sirene. Ein Monster. 

Aber dieses Monster sah nicht aus, als wollte es jemanden fressen. Es sah aus, als hätte es 

Todesangst. Zwei dunkle Schatten näherten sich dem Netz. Haie? Nein. Kian kniff die Augen 

zusammen. Es waren Maschinen. Mechanische Aale aus Bronze und Stahl, die sich mit 

ratternden Propellern durch das Wasser schraubten. Sie kreisten um das Netz, trieben die 

Sirene in die Enge. 

Kian wusste, er sollte wegschwimmen. Er hatte die Karte. Er konnte entkommen, solange die 

Wachen oben noch nach seiner Leiche suchten. Aber dann drehte die Sirene den Kopf. Ihre 

Augen trafen seine. Sie waren nicht schwarz und leer wie die eines Fisches. Sie waren 

goldgelb. Intelligent. Und sie flehten um Hilfe. 

Kian stieß sich von einem Pfeiler ab. Er wusste nicht, was ihn trieb, aber er zog das kleine 

Messer, das er immer zum Fische ausnehmen benutzte, aus seinem Stiefel. Er schwamm nicht 

wie ein Mensch. Er schoss durch das Wasser wie ein Torpedo. 

Er erreichte das Netz, kurz bevor der erste mechanische Aal zuschlagen konnte. Mit zwei 

schnellen Schnitten durchtrennte er die Taue. Die Sirene war sofort frei. Sie wirbelte herum, 

packte den metallenen Aal mit bloßen Händen und rammte ihn gegen den Pfeiler, bis 

Zahnräder und Öl austraten. 

Dann drehte sie sich zu Kian um. Im Wasser wirkte sie riesig. Ihre Zähne waren spitz wie 

Nadeln. Sie kam auf ihn zu, packte ihn am Kragen seiner Jacke und zog ihn nah an ihr 

Gesicht. Kian erstarrte. Jetzt frisst sie mich, dachte er. 

Stattdessen starrte sie auf seinen Hals. Auf die Schuppen, die jetzt, im Wasser, hellblau 

leuchteten. Sie öffnete den Mund, und Kian hörte ihre Stimme klar und deutlich in seinem 

Kopf, als würde sie Gedanken übertragen. „Du riechst nach Land, aber du schmeckst nach 

Salz. Was bist du?“ 

Bevor Kian antworten konnte, explodierte die Wasseroberfläche über ihnen. Ein riesiger, 

dunkler Rumpf brach durch die Wellen. Holz ächzte. Ein Schiff. Aber kein normales Schiff. 

Der Kiel bestand aus weißen Knochen. Die Sirene ließ Kian los und blickte nach oben. „Die 

Muräne“, zischte sie. „Der Verrückte ist hier.“ 

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