INICIAR SESIÓNKian hat das Eis besiegt und seine menschliche Wärme zurückgewonnen. An Bord der Schwarzen Muräne könnte das Leben endlich friedlich sein – zumal aus der tiefen Freundschaft zwischen ihm und der furchtlosen Kriegerin Talisa endlich mehr wird. Doch die Vergangenheit ruht nicht. Als der geniale Ingenieur Silas eine kryptische, mechanische Karte entschlüsselt, beginnt für die Rebellen das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens. Die Karte führt zu Atlantis-Null, der legendären Meister-Werkstatt von Kians Vater Corvus. Dort soll eine Erfindung ruhen, die den Krieg gegen das eiserne Imperium für immer beenden könnte. Doch sie sind nicht die Einzigen, die das Rätsel jagen. Der skrupellose Korsar „Silberzunge“ Locke, ein ehemaliger Schüler von Corvus, ist ihnen dicht auf den Fersen – bewaffnet mit tödlicher Kristall-Magie und einem dunklen Geheimnis über Kians wahre Herkunft. Eine atemlose Schatzsuche durch flüsternde Nebelriffe, rostige Schiffsfriedhöfe und gewaltige Strudel beginnt. Am Ende der Welt muss Kian entscheiden, was ihm wichtiger ist: das gewaltige Erbe seines Vaters, oder das Leben und die Liebe, die er sich selbst erkämpft hat.
Ver másDas Heulen von Lockes Kristallkanonen erreichte einen ohrenbetäubenden Höhepunkt. Das
blaue Licht spiegelte sich auf den öligen Wellen des Ehernen Meeres. Kian ignorierte das tödliche Leuchten. Er riss die Arme hoch und stieß einen markerschütternden Schrei aus. Das Wasser um die Schwarze Muräne herum explodierte förmlich nach oben. Es war kein feiner Strahl, sondern ein gewaltiger, rotierender Geysir, der mit dem Druck eines platzenden Staudamms direkt gegen die Unterseite des massiven Wracks über ihnen schoss. Der jahrzehntealte Rost wurde in Sekundenbruchteilen von den gigantischen Zahnrädern und Gelenken des imperialen Dreadnoughts gewaschen. „Der Mechanismus ist frei!“, brüllte Silas. Er hing mit einer Hand an einer schwingenden Takelage, holte mit seinem schweren Schraubenschlüssel aus und schlug mit all seiner Kraft gegen den nun freigelegten, armdicken Sicherungsbolzen des Wracks. KLONG! Der Bolzen gab nach. Ein Stöhnen ging durch das alte Metall, lauter als jeder Donnerschlag. Tausende Tonnen von imperialem Stahl, Schrott und Ketten lösten sich aus ihrer Verankerung und stürzten direkt auf die Splitter hinab. Lockes überhebliches Grinsen verschwand. „Feuer! Zerschießt die Trümmer!“, schrie er panisch. Die blauen Kristallstrahlen zuckten nach oben und ließen einige der fallenden Stahlträger zu Staub zerfallen, aber es war einfach zu viel Masse. Mit einem verheerenden Krachen schlug das Heck des Dreadnoughts auf dem Deck der Splitter ein. Zwei der vier Kristallkanonen wurden augenblicklich unter dem Schrott zermalmt. Die Druckwelle und die herabfallenden Trümmer drückten Lockes Schiff unkontrolliert zur Seite – direkt in die Flanke der Schwarzen Muräne. Holz kreischte gegen polierten Rumpf, als die beiden Schiffe sich ineinander verhakten. „Das ist unsere Chance!“, rief Talisa. Sie riss ein Enterseil aus der Halterung. Ihre Augen blitzten vor Kampfeslust. „Macht sie fertig!“ Sie schwang sich über die Reling, stieß sich ab und landete mit einer eleganten Vorwärtsrolle direkt auf dem Deck der Splitter. Noch bevor sie sich aufrichtete, flogen ihre Dolche. Zwei von Lockes Freibeutern fielen mit durchtrennten Waffengurten zu Boden. Sie war ein Wirbelwind aus Leder und imperialem Stahl. Kian folgte ihr nur einen Wimpernschlag später. Er wusste, dass große Wasserangriffe hier nutzlos waren – Locke hatte noch immer seine Kristallpistole. Also griff Kian auf die Lektionen zurück, die Talisa ihm in endlosen Trainingsstunden beigebracht hatte. Ein riesiger Korsar stürzte mit einem Entermesser auf ihn zu. Kian wich nicht zurück, sondern tauchte unter dem Schlag hindurch. Er zog nur einen winzigen Tropfen Wasser aus der Luft, fror ihn zu einer nadelscharfen Eisklinge an seinen Knöcheln und schlug dem Mann hart gegen einen Nervenpunkt am Hals. Der Pirat klappte lautlos zusammen. „Kian!“, schrie eine wütende Stimme. Silberzunge Locke bahnte sich einen Weg durch das Chaos. Sein teurer Samtmantel war zerrissen, sein Hut fehlte, und er sah absolut mörderisch aus. Er riss seine Kristallpistole hoch und zielte direkt auf Kians Brust. „Dein Vater war ein Narr, und du bist es auch!“, zischte Locke und drückte ab. Der blaue Strahl schoss lautlos auf Kian zu. Kian erschuf keinen Schild. Stattdessen warf er sich flach auf die regennassen Planken des Decks und schlitterte unter dem tödlichen Licht hindurch, das ein faustgroßes Loch in die Reling hinter ihm fraß. Aus der Bewegung heraus trat Kian hart gegen Lockes Knie. Der Korsar stolperte fluchend, feuerte wild in die Luft und verlor das Gleichgewicht. Kian sprang auf, packte Lockes Handgelenk und verdrehte es gnadenlos. Die Kristallpistole fiel klappernd auf das Deck. Locke schnappte nach Luft, aber bevor er sich wehren konnte, spürte er den kalten, unzerstörbaren Stahl von Talisas Dolch an seiner Kehle. Sie war lautlos hinter ihn getreten. „Beweg dich, und ich zeige dir, wie scharf das Erbe des Imperiums wirklich ist“, flüsterte sie bedrohlich. Der Kampf um sie herum erstarb. Die restlichen Freibeuter ließen ihre Waffen fallen, als sie sahen, dass ihr Kapitän besiegt war. Locke schluckte, aber das arrogante Lächeln kehrte langsam auf seine Lippen zurück. Er blickte zu Kian auf. „Glückwunsch. Ihr habt die Schlacht gewonnen. Aber den Krieg um Atlantis-Null werdet ihr verlieren. Ohne mich kommt ihr nicht durch den Mahlstrom.“ „Wir haben die Karte“, sagte Kian kalt und drückte Lockes Arm etwas fester auf den Rücken. „Wir brauchen dich nicht.“ „Oh, Kian“, lachte Locke leise, obwohl der Dolch an seinem Hals kratzte. „Die Karte zeigt euch nur das Wo. Aber Corvus hat die Tür zu seiner Werkstatt verschlossen. Um sie zu öffnen, braucht man seinen biometrischen Schlüssel. Sein Blut. Seine Magie. Und er hat diesen Schlüssel vor seinem Tod an jemanden weitergegeben.“ Kian gefror das Blut in den Adern. „An wen?“ Lockes Lächeln wurde breiter, und er blickte Kian direkt in die braunen Augen. „An mich. Ohne mich bleibt die Tür für immer zu. Wenn ihr euren Vater verstehen wollt, müsst ihr mich mitnehmen.“Kians Hand schwebte nur wenige Zentimeter über der kupfernen Konsole. Das leise Summen des Welten-Herzens vibrierte in seinen Knochen. Er spürte den Ruf der Maschine. Sie war hungrig nach dem Funken, der ihm das Leben schenkte. „Tu es nicht, Kian“, flüsterte Talisa. Ihre Stimme brach fast. „Bitte.“ Locke ratterte mit seinen Ketten und stieß ein spöttisches Lachen aus. „Siehst du, Architekten-Sohn? Am Ende bist du doch nur ein Egoist. Genau wie ich. Du lässt die Welt lieber in den eisernen Fängen der Admiralin brennen, als dein eigenes, kleines Leben aufzugeben.“ Kian hielt inne. Er sah von der Konsole auf und blickte direkt in Lockes arrogante, leuchtende Augen. Dann fiel sein Blick auf Silas, der seinen verbogenen Schraubenschlüssel wie einen Schild vor der Brust hielt, und schließlich auf Talisa, deren Augen voller Tränen und unbändiger Entschlossenheit waren.&n
Mit einem lauten Zischen entwich die Druckluft, und die gläsernen Türen des Aufzugs glitten auf. Kian stieß Locke grob vor sich her in das Foyer der Meister-Werkstatt. Der Raum stank nach verbranntem Öl und zerschnittenem Stahl. Überall auf dem polierten Kupferboden lagen die rauchenden Trümmer der spinnenartigen Automaten. Silas saß schwer atmend auf dem Gehäuse einer der Maschinen, sein Schraubenschlüssel war an einer Seite verbogen, und sein linkes Auge schwoll bereits bedrohlich an. Talisa stand ein paar Meter weiter, eine blutende Schramme an der Wange, aber ihre Dolche ruhten sicher in ihren Händen. Als sie das Zischen des Aufzugs hörte, wirbelte sie herum. „Kian!“, rief sie. Die eiskalte Kriegerin ließ ihre Waffen unachtsam fallen, rannte auf ihn zu und schloss ihn in eine stürmische Umarmung. Kian erwiderte sie sofort und vergrub sein Gesicht kurz in ihrem
Das eiskalte Wasser um Kians Waden dampfte leise in der aufsteigenden Hitze des Schachts. Der Eisspeer in seiner Hand zitterte leicht, zentimeterweit von Lockes Halsschlagader entfernt. Minutenlang starrten sich die beiden Männer in der flackernden, blauen Dunkelheit an. Oben, gedämpft durch hunderte Meter von massivem Gestein und Stahl, hörten sie das dumpfe Beben von Talisas und Silas' Kampf gegen die Automaten. Kian presste die Kiefer aufeinander. Er hasste Locke. Er hasste ihn für den Verrat an seinem Vater, für den Angriff im Ehernen Meer und für sein ewiges, arrogantes Grinsen. Aber Talisa und Silas brauchten ihn oben. Er durfte hier unten nicht aus Stolz sterben. Mit einem zischenden Geräusch ließ Kian den Eisspeer zu einer harmlosen Pfütze schmelzen. „Steh auf“, knurrte er und packte Locke grob am Kragen seines ruinierten Samtmantels, um ihn auf die Füße z
Die Straßen von Atlantis-Null waren atemberaubend und beklemmend zugleich. Kein Algenbewuchs, kein Zerfall. Die Stadt unter der massiven Glaskuppel wirkte, als wäre sie erst gestern verlassen worden. Kian, Talisa und Silas schritten durch Alleen aus poliertem Kupfer und imperialem Glas, geleitet von dem sanften, rhythmischen Pulsieren der blauen Energieröhren, die wie Adern durch den Boden liefen. Captain Vane war bei der Schwarzen Muräne geblieben. „Ich lasse mein Schiff in diesem mechanischen Grab nicht aus den Augen“, hatte er geknurrt und die Kanonen geladen. „Findet, was ihr sucht, und dann verschwinden wir.“ Vor ihnen, gefesselt in dicke Eisenketten, ging Silberzunge Locke. Er schlenderte, als würde er einen Sonntagsspaziergang machen, und bewunderte die Architektur. „Corvus war ein Genie“, schwärmte der Korsar und deutete mit dem Kinn auf die gewaltige Kuppel über&nbs





