LOGINJade braucht geschlagene drei Sekunden, um wieder zu sich zu kommen. Als sie endlich blinzelt, lodert in ihren Augen eine solche Wut, dass es mir eiskalt den Rücken hinunterläuft. „Hast du … hast du gerade gesagt, dass du von einem Typen mit einer Geistermaske angegriffen wurdest?“ „Jap.“ Ich schlucke schwer. „Und vergiss nicht den Baseballschläger. Das war sozusagen das Sahnehäubchen auf meinen Abend.“ Sie sieht aus, als wäre sie bereit, einen geplanten Mord zu begehen. „Warum?! Warum zum Teufel sollte jemand so etwas tun?! Wer um alles in der Welt würde dir so etwas antun?!“ Im nächsten Moment läuft sie in einem unkoordinierten Halbkreis neben der Matratze auf und ab und fährt sich aggressiv mit den Fingern durch ihre lila Haare. „Verdammt, ich höre zum ersten Mal, dass so etwas an der VSU passiert! Ich habe noch nie davon gehört, dass maskierte Irre Studenten auf dem Campus auflauern! Das ist doch völlig irre!“ „Wem sagst du das. Und – Überraschung – ich bin natürlich die Erste,
SKYLAR Ich höre Stimmen, die direkt über meinem Kopf murmeln. Anders als beim letzten Mal gibt es keine aggressiven Ohrfeigen, und ich kann weder den genauen Tonfall noch die Worte richtig deuten. Aber eines ist klar: In einer bequemen Lage befinde ich mich definitiv nicht. Wobei das Bett an sich gar nicht so übel ist. Eine weiche Matratze, frische Bettlaken und der dezente, sterile Geruch von Desinfektionsmittel in der Luft. Das Bett in der Krankenstation auf dem Campus. Woher ich weiß, dass ich in der Krankenstation bin? Weil sich die bruchstückhaften, schrecklichen Erinnerungsfetzen langsam wieder durch den Nebel in meinem Kopf zusammensetzen. Irgendwie – einfach irgendwie – bin ich wieder zu Bewusstsein gekommen, nachdem dieser maskierte Mistkerl mir ein zweites Mal in die Rippen geschlagen hatte und ich vor höllischen Schmerzen das Bewusstsein verloren hatte. Ich erinnere mich an Justins unaufhörliches Geplapper; er redete wie ein Wasserfall über irgendetwas, das mein völli
Was zur Hölle?! Mein Verstand schreit innerlich auf, während meine Beine mich im Vollsprint den regennassen Weg entlangtragen. Warum zum Teufel laufen wir in diese Richtung? Dreh um und geh zurück, wo wir eigentlich hinwollten – du verdammter Körper! Mein ganzes inneres Gebrüll bewirkt rein gar nichts. Meine Muskeln ignorieren meine Befehle völlig und treiben mich weiter voran, mitten durch die eiskalten Regenschleier. Hinter mir verrät das schwere Klatschen von Schritten, dass Justin mir dicht auf den Fersen ist und sichtlich Mühe hat, Schritt zu halten. Ich mache mir pausenlos Vorwürfe und versuche, die Panik mit Vernunft zu bekämpfen – doch mein Herz rast nicht mehr vor Wut. Es hämmert aus einem ganz anderen Grund gegen meine Rippen. Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Ich versuche, die Situation herunterzuspielen, und zwinge mich dazu, meine hektische Atmung zu beruhigen – bis mein Blick auf den Boden vor mir fällt, der in das grelle, bernsteinfarbene Licht einer Straßenlat
„Im Ernst, Alter? Willst du sie einfach so gehen lassen?“ In dem Moment, als Skylar aus der Tür der Bibliothek tritt, zerschneidet Justins schrille Stimme die Stille. Gott weiß, dass sein Geplapper mir gerade gewaltig auf die Nerven geht. Er redet schon eine verdammt lange Zeit auf mich ein, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er sich einfach in Luft auflöst – damit ich nie wieder ein Wort von ihm hören muss. Schon gar nicht heute Abend. Schon gar nicht in diesem Moment. Denn gerade fühlt es sich an, als würde meine Brust von innen heraus langsam in Stücke gerissen. Was ich jetzt durchmache, tut millionenfach mehr weh, als damals, als Brenda aus meinem Leben verschwand. Es schmerzt millionenfach mehr, als als meine Mutter ihre Sachen packte und von zu Hause weglief. Sie hat sich buchstäblich für sich selbst entschieden. Sie wollte Marcus’ erdrückendem Griff entkommen – und hat mich dabei ohne mit der Wimper zu zucken zurückgelassen. Das war ihr genialer Plan. Natürli
Der bittere Geschmack des Scheiterns legt sich erstickend auf meinen Hals. Ich bin das Problem. Dieser brutale innere Monolog wiederholt sich in meinem Kopf wie eine kaputte Schallplatte. Ich kriege einfach gar nichts auf die Reihe. Kein Wunder, dass sich nie jemand für mich entscheidet. Wäre ich an ihrer Stelle und müsste ein menschliches Totaldesaster betrachten, das alles vermasselt – ich würde mich auch nicht für mich entscheiden. Treys Schritte kommen näher. Einen Moment später greifen seine Hände nach meinen Schultern und ziehen mich an seine Brust. „Hey … hey, Liebling. Weine nicht. Bitte. Alles wird gut. Ich bin ja da“, murmelt er – so sanft, so schmerzlich zärtlich. Es ist derselbe Tonfall, den er gestern Abend benutzte, als er meine Wange streichelte. Und es hat eine unmittelbare, magnetische Wirkung auf mich: Ich möchte in ihm verschmelzen und zulassen, dass er alles wieder in Ordnung bringt. Doch gleichzeitig tröstet es mich überhaupt nicht. Denn tief in meinem
SKYLAR Ich höre Stimmen, die direkt über meinem Kopf murmeln. Ich kann die Worte nicht genau verstehen, aber wer auch immer da spricht, klingt extrem gestresst. Das merke ich an dem deutlichen Unterton von Panik – und, nun ja, daran, dass ich spüre, wie mir jemand wiederholt und recht kräftig auf die Wange klopft. Im Ernst jetzt? Wer auch immer mir da gerade ins Gesicht klopft, sollte mal einen Gang runterschalten. Denn abgesehen von diesem nervigen Geklopfe fühle ich mich hier eigentlich pudelwohl. Mein Kopf ruht auf etwas, das sich sicher anfühlt – und ehrlich gesagt weitaus bequemer ist als die Matratze in meinem Wohnheimzimmer. Es ist so gemütlich, dass ich absolut keine Lust habe, aufzuwachen und mich der Realität zu stellen. Klar, mein Gehirn erinnert sich an eine ganze Reihe schrecklicher Albträume: Jade, die Mika mit Darwin betrügt; Mika, die in der Mittagspause zu meinem Baum kommt und mir erzählt, dass Jade mit ihr Schluss gemacht hat; Mrs. Gribley, die mich in ihr Bür







