MasukTalias PerspektiveEinen Moment lang konnte ich mich nicht bewegen. Wie erstarrt stand ich da und starrte Nolan an. Sein plötzliches Auftauchen kam so unerwartet, dass mein Verstand kaum hinterherkam.„Alpha Nolan“, sagte ich leise, wobei meine Stimme kaum ruhig blieb. „Was machst du hier?“Er antwortete nicht sofort. Seine Augen waren dunkel vor Wut und noch etwas anderem, das ich nicht benennen konnte.„Du hättest nicht mit ihm gehen sollen“, sagte er schließlich.Ich runzelte die Stirn. „Was?“„Mit Colin“, fuhr er mich an. „Du hättest nicht mit ihm in den Wald gehen sollen. Hast du überhaupt eine Ahnung, wie gefährlich das war?“„Woher weißt du überhaupt davon?“, fragte ich überrascht.„Jason hat es mir erzählt. Er hat gesagt, dass du mit Colin zum Wasserfall gegangen bist. Auf ein Date. Ich habe den ganzen Wald nach dir abgesucht. Stundenlang“, erwiderte Nolan.Ungläubig blinzelte ich ihn an. „Du hast nach mir gesucht?“„Ja“, sagte er. „Dir hätte alles Mögliche passieren
Talias PerspektiveNachdem ich geduscht hatte, ließ ich mich aufs Bett fallen und genoss die kühlen Laken auf meiner Haut. Der Tag hatte mich erschöpft. Colin und ich hatten den Rest des Nachmittags am Wasserfall verbracht und uns über die vergangenen Jahre ausgetauscht. Wir waren sogar schwimmen gegangen. Eigentlich hätte ich völlig erschöpft und bereit zum Schlafen sein müssen, doch meine Gedanken kamen einfach nicht zur Ruhe.„Ich kann die Vergangenheit nicht ändern. Alles, was ich habe, ist die Gegenwart. Ich will mit dir zusammen sein, Talia. Nicht aus Mitleid, nicht wegen deines Titels, sondern weil du mir schon immer etwas bedeutet hast. Lass mich dich glücklich machen. Werde meine Gefährtin“, hatte Colin zu mir gesagt.Sein Geständnis hallte noch immer in meinem Kopf nach. Es war schlicht und direkt gewesen, viel besser als Jasons schrecklicher Heiratsantrag. Aber Colin war schon immer der direkte Typ gewesen.Endlich entschied sich ein Mann für mich. Ich hätte erleichtert
Nolans PerspektiveIch konnte es kaum erwarten, bis dieser Tag endlich vorbei war.Man hatte mich zusammen mit Solon zur Patrouille eingeteilt. Es war offensichtlich, dass keiner von uns beiden darauf Lust hatte. Auch wenn ich inzwischen Frieden mit dem Alpha-König geschlossen hatte, hegte Solon noch immer einen Groll gegen mich.Solon ging neben mir her und scrollte durch irgendetwas auf seinem Handy, bevor er es in seine Jacke steckte. „Wissen Sie“, sagte er und brach damit das Schweigen, „Sie hätten Ihren letzten Bericht schon vor zwei Tagen einreichen sollen.“„Ich war beschäftigt“, erwiderte ich. „Der Sensor am westlichen Zaun war ausgefallen. Ich bin geblieben, um ihn zu reparieren.“Er seufzte. „Sie müssen nicht alles selbst machen, Alpha Nolan. Dafür haben Sie Patrouillenteams. Sie hätten jemand anderen damit beauftragen können.“„So passieren Fehler. Ich habe das Problem gesehen und behoben. Ihre Krieger sollten lernen, das ebenfalls zu tun“, sagte ich schlicht.Solon m
Talias PerspektiveIn den letzten Tagen war immer deutlicher geworden, dass Vater und Solon versuchten, Colin und mich einander näherzubringen. Colin hatte eine Gästesuite nur wenige Türen von meiner entfernt bekommen. Jedes Mal, wenn ich im Garten spazieren ging oder auf dem Trainingsplatz vorbeischaute, war Colin irgendwie schon da, lächelte und war bereit, sich mit mir zu unterhalten.Beim Abendessen lud Vater ihn oft ein, sich neben mich zu setzen. Als ich Solon darauf ansprach, grinste er nur und sagte, das sei „gut für die diplomatischen Beziehungen“. Della fand das Ganze natürlich äußerst unterhaltsam.„Sieh es ein“, sagte sie eines Morgens, während sie lässig auf meinem Sofa lag. „Du und Colin, ihr seht einfach perfekt zusammen aus. Komm schon, als ihr klein wart, ist er dir wie ein verlorenes Hündchen hinterhergelaufen.“„Wir waren Kinder. Das ist so viele Jahre her“, sagte ich.Della grinste. „Das spielt keine Rolle. Er mag dich immer noch. Du kannst mir nicht erzählen,
Nolans PerspektiveMarco und ich überquerten nach der Grenzpatrouille den Trainingsplatz. Wir waren seit Sonnenaufgang auf den Beinen gewesen, hatten die südliche Grenze kontrolliert und die Wachablösungen überprüft. Die Arbeit war nicht kompliziert, aber ich freute mich darauf, endlich schlafen zu können.„Der Prinz sorgt schon wieder für Chaos“, murmelte Marco. „Jedes Mal, wenn er die Patrouillenrouten ändert, hinterlässt er uns ein Durcheinander, das wir ausbaden müssen. Wenn er unbedingt nützlich wirken will, sollte er wenigstens den Unterschied zwischen Norden und Nordwesten kennen.“Ich ignorierte ihn, doch Marco hörte nicht auf, sich zu beschweren.„Gestern hat er die Wachen von der Ostmauer in den Innenhof versetzen lassen. Ich musste die Lücke selbst abdecken. Er macht alles komplizierter, als es sein müsste.“„Wir wären gar nicht erst in dieser Lage, wenn du deine Aufgabe richtig erledigt hättest“, sagte ich schließlich. „Lass es einfach gut sein.“Marco warf mir einen
Talias Perspektive„Colin Ashford?“, wiederholte ich. „Der Name kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht mehr, woher.“„Du erinnerst dich nicht?“, fragte Solon überrascht, und ich schüttelte den Kopf. „Colins Vater kam früher immer zu den Frühlingsfesten. Du und Colin habt ständig miteinander gespielt.“Della nickte begeistert. „Ihr zwei wart so süß zusammen.“Ich konnte nur nicken. Ich erinnerte mich weder an Colin noch daran, mit jemand anderem als Della und Solon gespielt zu haben.„Colin ist schon hier. Du musst ihn begrüßen, Talia“, sagte Della fröhlich.Solon grinste. „Natürlich. Ich sollte ihn richtig begrüßen. Es ist Jahre her, seit wir uns zuletzt gesehen haben.“„Okay, tut mir leid. Wer genau ist er noch mal?“, fragte ich.Della seufzte übertrieben und stemmte die Hände in die Hüften. „Du erinnerst dich wirklich nicht, oder? Du hast ihn früher Colly genannt. Als wir klein waren, ist er dir überallhin gefolgt.“Da kam die Erinnerung zurück. Ein schlaksiger Junge mit







