MasukSeit dreiundzwanzig Jahren ist Amara Everhart vieles genannt worden. Fett, verflucht, unwürdig. Eine Schande für die Mondgöttin. Als mollige Tochter eines ermordeten Alphas ist sie gezwungen, als Dienerin in genau dem Rudel zu leben, das sie hätte verehren sollen. Ihre Stiefmutter regiert durch Grausamkeit, ihre Stiefschwester stiehlt alles, was ihr hätte gehören sollen, und die gesamte Werwolfwelt glaubt, Amara sei ohne Wolf geboren worden. Was sie nicht wissen: Ihr Wolf fehlt nicht. Er wurde versiegelt. In der Nacht des Blutmond-Treffens werden alle Alphas des Kontinents Zeugen des Unmöglichen, als sich der gefürchtetste Alpha aller Zeiten als Amaras vorbestimmter Gefährte entpuppt. Doch anstatt sie zu beanspruchen... Weist er sie öffentlich zurück. Die Demütigung wird zum größten Spektakel der Werwolfgeschichte. Doch in dem Moment, in dem seine Zurückweisung ihre Seele berührt, bricht ein jahrtausendealtes Siegel. Amara wurde nie geboren, um die Luna von jemandem zu werden. Sie wurde geboren, um die Königin zu werden, die die Mondgöttin selbst einst gekrönt hatte. Lange bevor Alphas die Werwolfwelt beherrschten, gab es Mondköniginnen, deren Befehl die stärksten Krieger mit einem einzigen Wort in die Knie zwingen konnte. Sie verschwanden vor tausend Jahren, ausgelöscht aus der Geschichte von genau den Männern, die ihren Thron stahlen. Amara ist Nun kehrt die Frau, über die sie sich lustig gemacht haben, mit einer Macht zurück, der kein Alpha widerstehen kann, mit Geheimnissen, die jedes herrschende Rudel vernichten können, und einem einzigen Versprechen, das Angst durch den Kontinent jagt: „Der Tag, an dem ihr über mich gelacht habt, war der letzte Tag, an dem ihr über mir standet.“ Während Königreiche in Trümmer gehen, Loyalitäten zerbrechen und der Alpha, der sie abgewiesen hat, um eine zweite Chance fleht, hat Amara nur ein einziges Schicksal. Nicht seine Luna zu werden. Sondern eine ganze Welt vor ihrer rechtmäßigen Königin in die Knie zwingen.
Lihat lebih banyakAus Amaras Sicht
Jeder sagte, die Mondgöttin sei perfekt. Ich war anderer Meinung. Denn wenn sie niemals Fehler machte, warum war ich dann so erschaffen worden? Mit dreiundzwanzig war ich die einzige Tochter eines gefallenen Alphas, die sich nie verwandelt hatte. Das einzige wolfslose, ungebundene Weibchen meiner Generation. Für das Rudel war ich nicht Amara, die Tochter eines Helden. Ich war das mollige Mädchen, das sie beurteilten, bevor sie überhaupt meinen Namen kannten. Die meisten nannten mich einfach fett. Ein scharfes, ungeduldiges Klopfen ließ meine Zimmertür erbeben und zerriss die Stille. „Bist du schon angezogen?“, schnitt Vivians Stimme wie eine Klinge durch das Holz. „Oder musste die Schneiderin noch eine weitere Stoffbahn an dein Kleid nähen?“ Ich schloss die Augen, während sich eine vertraute Last schwer auf meine Brust legte. Der Tag hatte noch nicht einmal begonnen, und die Rüstung, die ich um mich herum aufgebaut hatte, bekam bereits Risse. „Ich bin bereit“, antwortete ich und hielt meine Stimme so ruhig wie möglich. „Dann verschwende nicht unsere Zeit.“ Ich riss die Tür auf. Vivian stand im Flur, gehüllt in ein saphirblaues Kleid, dessen Diamanten am Hals das Flurlicht wie Eis einfingen. Neben ihr stand meine Stiefschwester Serena. Sie musterte mich von oben bis herab, ein graues, höhnisches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, bevor sie in Gelächter ausbrach. „Oh“, stieß Serena hervor und hielt sich theatralisch überrascht die Hand vor den Mund. „Es passt tatsächlich.“ Vivians kalter Blick glitt über mich und analysierte jeden Zentimeter. „Das Kleid passt“, machte sie eine Pause, während ihre Stimme vor leiser Verachtung triefte. „Du nicht.“ Meine Finger griffen instinktiv nach der silchernen Seide an meiner Taillen und gruben sich in den Stoff. Das Kleid ist wunderschön, redete ich mir verbissen ein. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich in den Spiegel geblickt und mochte fast, was ich sah. Fast. Serena umkreiste mich und musterte mich wie Vieh bei einer Auktion. „Wenn sie es heute Abend zerreißt, wer bezahlt das? Es ist importierte Seide, Mutter.“ „Ich werde es nicht zerreißen“, sagte ich, während ein seltener Funken von Trotz in meiner Brust aufflackerte. „Du klingst verdammt zuversichtlich für jemanden, der sich kaum durch die Tür quetschen kann“, grinsgte Serena. „Genug“, seufzte Vivian, drehte auf dem Absatz um und ging auf die große Treppe zu. Doch bevor sie die Stufen erreichte, blieb sie stehen und sprach über ihre Schulter. „Erinnere dich daran, wohin wir heute Abend gehen, Amara. Der Imperiale Mondgipfel ist kein Waisenhaus, das jeden aus Mitleid aufnimmt.“ Mein Kiefer spannte sich an. „Ich wurde wegen der Blutlinie meines Vaters eingeladen.“ Langsam drehte sich Vivian um. Das dünne Lächeln auf ihrem Gesicht erreichte ihre Augen nicht. „Nein. Du bist eingeladen, weil dein verstorbener Vater respektiert wurde. Wenn diese Einladung von dir abhinge...“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen. Sie brauchte ihn nicht zu beenden. Ich kannte das Ende bereits. Serena hakte sich bei Vivian ein, während sie nach unten glitten und ihr Gelächter im Treppenhaus widerhallte. „Ich habe gehört, jede Adelsfamilie wird dort sein“, überlegte Serena. „Ich frage mich, wie viele Leute starren werden.“ Vivians Antwort war ein leises, eisiges Kichern. „Mein Tipp? Alle.“ Der schwarze SUV fuhr kurz nach Sonnenuntergang vom Anwesen der Everharts weg, die Reifen knirschten auf dem Kies. Niemand sprach. Die Stille im Auto war erstickend, schwer von ihrem ungesagten Ekel. Ich starrte aus dem Fenster und beobachtete, wie die Stadtlichter auf der dunklen Fensterscheibe zu Gold- und Weißtönen verschwammen. Ich versuchte, meinen rasenden Geist zu beruhigen. Vielleicht wird es heute Abend anders. Vielleicht kümmert es niemanden auf dem Gipfel, wer ich bin. Vielleicht kann ich einfach in der Menge untergehen. „Blamier diese Familie nicht“, schnitt Vivians Stimme durch meine Gedanken. Sie sah nicht einmal von ihrem Tablet auf. „Keine zweiten Portionen. Kein Herumlungern am Buffet.“ Mein Gesicht brannte, eine heftige, erniedrigende Hitze kroch an meinem Nacken hoch. Serena schnaubte und heuchelte Mitgefühl vor. „Ehrlich gesagt, Mutter, das ist unnötig. Amara weiß bereits, dass die Leute darauf achten, was sie isst.“ Ich blickte wieder aus dem Fenster und blinzelte schnell, um die Tränen zurückzuhalten. Sie hatte nicht unrecht. Das war der kranke Witz an der Sache. Immer wenn ich in der Öffentlichkeit aß, spürte ich das brennende Gewicht von hundert verurteilenden Blicken. Wenn ich einen Salat wählte, würden sie flüstern, ich täte nur so, als sei ich gesund. Wenn ich es wagte, ein Dessert zu berühren, würden sie sich gegenseitig anstöpseln und murmeln: Kein Wunder, dass sie so aussieht. Egal, was ich tat, ich war schuldig. Irgendwie hatte das Essen aufgehört, von Ernährung zu handeln. Es wurde zu einer Quelle der Schande. Zu einem Verbrechen, das ich allein durch meine Existenz beging. Plötzlich wurde das Auto langsamer. Mein Atem stockte mir in der Kehle. Hinter den aufragenden Eisentoren erhob sich der Imperiale Mondpalast. Er leuchtete unter dem silbernen Licht des Vollmonds, ein architektonisches Meisterwerk aus weißem Marmor und Glas, das wirkte, als wäre es direkt einem Märchen entsprungen. Für eine einzige, flüchtige Sekunde verblasste die Grausamkeit meiner Stiefamilie zum Hintergrundgeräusch. „Es ist wunderschön“, flüsterte ich, gefesselt von der schieren Erhabenheit des Palastes. Weder Vivian noch Serena machten sich die Mühe zu antworten. Die schweren Eisentore schwangen auf und knarrten über den Stein. Der SUV rollte vorwärts und bewegte sich die lange, fackelbeleuchtete Einfahrt hinunter. Mein Herz begann gegen meine Rippen zu hämmern, ein seltsamer, elektrischer Strom vibrierte unter meiner Haut. Mein innerer Wolf – der stille, schlafende Teil von mir, der sich nie geäußert hatte –, rührte sich plötzlich und schickte einen scharfen Adrenalinstoß direkt in meinen Kern. Ich wusste es noch nicht, aber als das Auto am roten Teppich vorfuhr, lief ich nicht einfach nur auf eine Party zu. Ich fuhr geradewegs auf die Nacht zu, die meine Realität für immer zertrümmern würde. Denn als der Parkservice meine Tür öffnete, traf mich ein Duft. Ein Duft nach dunkler Zeder, Ozon und Mitternachtsregen, so berauschend, dass mir schwindelig wurde. Und tief aus den Schatten des Palasteingangs heftete sich ein Paar glühender, dominanter Silberaugen direkt auf meine.TANYAS POVDer Palast war noch nie so still gewesen.Nicht nach einem Sieg. Nicht nach einer Niederlage. Nicht einmal, wenn alte Könige in die Geschichte eingingen.Die Stille fühlte sich falsch an – schwer, erstickend und von einer unnatürlichen Spannung erfüllt.Jeder Diener bewegte sich mit hektischen, hastigen Schritten durch die Korridore. Jeder königliche Wächter umklammerte den Griff seines Breitschwertes, als würde ein unsichtbares Phantom durch die Hallen streifen. Jeder Adlige senkte seine Stimme zu einem gedämpften, paranoiden Flüstern, sobald ein weiterer Schatten ihren Weg kreuzte.Die gesamte kaiserliche Hauptstadt ertrank in unverfälschter, grenzenloser Angst.Ich stand vor den raumhohen Fenstern meiner privaten Gemächer und beobachtete, wie sich schwarze, zerschrammte Sturmwolken über den zerklüfteten nördlichen Gipfeln zusammenzogen, wo Kael verschwunden war.Drei Tage.Drei ganze Tage ohne eine offizielle Nachricht, ohne einen kaiserlichen Raben und ohne irgendeine S
AMARAS POVIch ging weiter.Ich sah nicht zu den Bediensteten zurück. Ich musste es nicht. Ich konnte ihre Blicke wie winzige Nadeln spüren, die sich in meinen Rücken bohrten.In dem Moment, in dem ich an ihnen vorbeiging, wurden die Flüstereien lauter. Leise. Vorsichtig. Grausam.Im Laufe der Jahre hatte ich mich an das Flüstern gewöhnt – es war das ständige Hintergrundgeräusch meines Lebens. Aber heute klang es schärfer. Vielleicht, weil ich endlich mit weit geöffneten Augen zuhörte.„Das ist sie.“„Die zurückgewiesene Gefährtin.“„In Wirklichkeit sieht sie noch größer aus.“„Wie konnte sie sich jemals einbilden, der Hohe Alpha würde sie akzeptieren?“„Vielleicht dachte sie, das Ahnenband würde ihn dazu zwingen.“Meine Schritte wurden langsamer. Meine Finger ballten sich an meinen Seiten zu festen Fäusten, doch ich zwang meine Füße, weiterzugehen.„Sie sollte dankbar sein, dass er es in der Hauptstadt beendet hat.“„Dankbar?“ Ein leises, boshaftes Lachen. „Er hat sie vor dem gesamte
AMARAS POVSerenas Lachen folgte mir den gesamten Korridor entlang.Ich ging weiter. Das war das Einzige, was mir noch blieb – einen Fuß vor den anderen zu setzen.Mein Körper fühlte sich unbeschreiblich schwer an, jeder einzelne Schritt schleppte sich über den polierten Marmorboden, als würde der Palast selbst versuchen, mich hinunter in die Erde zu ziehen. Ich konnte noch immer den dumpfen Schmerz in meinen Knien und die tiefe, bis ins Mark reichende Schwäche in meinen Gliedern spüren.Eine seltsame, unnatürliche Erschöpfung hatte sich seit der Nacht des Gipfels über mich gelegt. Ich hatte versucht, so zu tun, als wäre es nichts. Ich hatte versucht, mir einzureden, dass ich einfach nur müde war – dass die schlaflosen Nächte, die öffentliche Demütigung, die zerbrochene Verbindung und die endlosen Tränen meinen Körper nun endlich eingeholt hatten.Doch die beängstigende Wahrheit war, dass ich mich noch nie so schwach gefühlt hatte. Nicht einmal während der dunkelsten Tage nach dem Tod
TANYAS POVIch verließ die westlichen Archive eine Stunde später ohne ein einziges physisches Dokument, aber mit absoluter Klarheit.Amara verhielt sich nicht länger wie eine verstoßene, weinende Ausgestoßene. Sie deckte Stück für Stück eines uralten Rätsels auf, und Kael Draven schirmte ihre Entdeckungen vor seinem eigenen Rat ab.Ich fand Kael in der großen Ratskammer des östlichen Turms.Die massiven Eichentüren standen offen. Kael stand neben dem langen Strategietisch und starrte konzentriert auf eine riesige Karte der nördlichen Grenzgebiete. Fünf hochrangige Ratsmitglieder und militärische Befehlshaber standen um ihn herum und stritten mit gedämpften, erhitzten Stimmen.Der Hohe Alpha sah vollkommen erschöpft aus.Sein silberschwarzes Haar war zerzaust, sein Mantel aus purpurrotem Samt lag achtlos über einem nahe stehenden Stuhl, und die Ärmel seines Leinenhemdes waren bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Dunkle, wie Blutergüsse wirkende Schatten lagen unter seinen auffälligen si





