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Kapitel 6

Author: Carla Cadete
last update Petsa ng paglalathala: 2026-04-10 13:51:35

Kapitel 6

Ísis zitterte noch immer. Sie fühlte sich, als würde sie gleich ohnmächtig werden. Trotzdem verließ sie langsam den Raum, die Augen auf die Szene vor ihr gerichtet: Der Sicherheitsmann schleifte die Frau hinaus, während diese schrie, sich über Schmerzen beklagte und allen mit einer Klage drohte.

"Ihr werdet dafür bezahlen! Das ist Missbrauch!", schrie sie und wand sich.

---

Weit entfernt davon beobachtete Caio alles über die Überwachungskamera. Als er Ísis mit dem Eisen zum Umrühren der Kamin glühte sah, stellte er sich sofort das Schlimmste vor.

"Hm...", murmelte er nachdenklich und strich sich über den Bartansatz, der sich gerade auf seinem Gesicht zeigte. "Dieses Mädchen... Hat sie die Frau fast mit einem Eisen getötet?"

Ein Lächeln erschien in seinem Mundwinkel, irgendwo zwischen Neugier und Eindruck.

---

Ísis kehrte schweigend in den Raum zurück. Sie legte das Eisen neben den Kamin, ihre Hände zitterten noch immer. Dann ging sie zu Leon und kniete sich vor ihn.

Er blieb reglos, als wäre nichts geschehen, die Augen gesenkt, das Gesicht blass. Doch als sie seine Lippen betrachtete, kehrte die Wut mit voller Wucht zurück. Das Rot des Lippenstifts – ihr Lippenstift – verschmierte die Perfektion der Lippen, die sie heimlich bewunderte.

Sie verengte die Augen und spürte eine Mischung aus Abscheu und Eifersucht in sich aufsteigen.

"Diese Frau...", sagte sie zwischen den Zähnen. "Sie soll es ja nicht wagen, hierher zurückzukommen."

Sie stand auf, ging zu einem Möbelstück und nahm ein Papiertuch und eine kleine Wasserflasche. Dann kam sie zurück und kniete sich erneut hin.

"Ich werde das sauber machen, Leon", murmelte sie. "Du verdienst es nicht, von jemandem wie ihr markiert zu werden."

Sie befeuchtete das Tuch leicht und näherte sich ihm mit größtmöglicher Vorsicht.

"Das passt nicht zu dir...", flüsterte sie, fast wie eine Entschuldigung.

Dann legte sie das Tuch an den Rand seiner Lippen.

Die sanfte Berührung ließ Leon tief einatmen. Doch sie bemerkte es.

Auch sie atmete tief ein.

Das Tuch glitt langsam über die Kontur seines Mundes, und sie spürte, wie ihre Finger zitterten. Ihr Blick sank nach unten, blieb an seinen Lippen hängen, die nun noch definierter wirkten, sinnlich, feucht durch das nasse Tuch. Sie versuchte, konzentriert zu bleiben, doch ihr Körper begann unkontrollierbar zu reagieren.

Die Wärme stieg durch ihre Oberschenkel, ihren Bauch, ihren Rücken.

Mit jeder kleinen Bewegung, während sie das unerwünschte Rot entfernte, wuchs ihr Verlangen.

Das Tuch glitt über seine Unterlippe und sie hielt inne.

Sie betrachtete Leons Mund und für einen Moment verschwand alles. Die Welt, das Haus, der Skandal von vor wenigen Minuten.

Es blieben nur sie beide.

Und der verrückte Wunsch, ihn zu küssen.

Sie wollte wissen, wie seine Haut schmeckte, wollte die Weichheit dieser Lippen auf ihren spüren, wollte dort ihre eigene Spur hinterlassen, nicht mit Lippenstift, sondern mit Verlangen.

Ihr Körper beugte sich unmerklich näher. Sie war nah. So nah, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte. Sein dezenter Duft, holzig, männlich, umhüllte sie wie ein süßes und gefährliches Gift.

Sie schluckte, ihre Augen an seinen Lippen festgehalten.

"Fertig...", sagte sie mit rauer Stimme, obwohl sie noch nicht alles gereinigt hatte.

Doch sie wusste, dass sie, wenn sie jetzt nicht aufhörte, einen Fehler begehen würde, den sie sich vielleicht nie verzeihen könnte.

Langsam erhob sie sich, atmete tief ein und versuchte zu begreifen, was sie gerade gefühlt hatte. Welche Energie zog sie wie ein Magnet zu ihm?

"Gott... ich glaube, ich bin verrückt geworden", murmelte sie und legte sich die Hand an die Stirn. "Er könnte mein Vater sein... und das Schlimmste ist: Er ist bewusstlos."

Sie fühlte sich schuldig und verwirrt, versuchte das Verlangen zu verdrängen, das so plötzlich und intensiv aufgetaucht war. In diesem Moment betrat Rosie den Raum mit besorgtem Gesichtsausdruck. Als sie Ísis angespannt sah, ging sie zu dem Patienten und kniete sich neben ihn. Sie nahm das Tuch und beendete vorsichtig das Reinigen seiner Lippen.

"Ich habe diese Verrückte hinausgehen sehen", sagte sie und runzelte die Stirn. "Ich würde gern verstehen, wie sie hier hineingekommen ist. So... jetzt ist er sauber."

Ísis verschränkte die Arme, als wollte sie alles in sich zurückhalten. Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern:

"Ist sie wirklich seine Freundin?"

Rosie drehte langsam den Kopf und betrachtete Ísis aufmerksam. Sie bemerkte den Tonfall und hob leicht eine Augenbraue.

"Fragst du aus Neugier... oder aus Interesse?"

"Rosie...", seufzte Ísis und versuchte auszuweichen, konnte das Erröten jedoch nicht verbergen. "Es ist nur so... diese Frau wirkte eher wie eine Schauspielerin aus einer Telenovela. Die Sorte, die nur auftaucht, um ein Drama zu verursachen."

Ísis sah zu Leon. Seine Lippen waren nun sauber. Für einen Moment blieb ihr Blick daran hängen. Sie waren seltsam perfekt. Fest, klar gezeichnet, mit einer Kontur wie gemalt. Ein heißer Impuls durchzog ihren Körper ohne Vorwarnung. Sie biss sich auf die Lippe und wandte den Blick ab.

Sie spürte, wie ihr Herz schneller schlug und ihr Atem unruhig wurde.

"Ich... brauche etwas frische Luft", murmelte sie und wandte sich zum Gehen.

"Ísis?", rief Rosie misstrauisch. "Geht es dir gut?"

Sie winkte nur ab, ohne sich umzudrehen, und ging den Flur entlang.

Im Garten seufzte sie und schloss für einen Moment die Augen. Die Morgenbrise strich über ihr Gesicht.

Langsam öffnete sie die Augen.

"Ich brauche Fokus... und einen Freund. Ich werde noch verrückt", murmelte sie zu sich selbst, die Hände in die Hüften gestützt, den Blick ins Leere gerichtet.

Sie fuhr sich durch die Haare und ging zu der Bank unter dem höchsten Baum, setzte sich mit einem langen Seufzer. Sie zog ihr Handy aus der Tasche, entsperrte es und starrte auf den Bildschirm. Keine neue Nachricht. Keine Ablenkung.

"Nicht einmal mein Ex meldet sich, um mich zu nerven...", brummte sie und legte den Kopf zurück, schloss erneut die Augen.

Da hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte sich um, erwartete Rosie oder einen Pfleger... doch da war niemand.

"Super. Jetzt höre ich auch noch Dinge", murmelte sie und runzelte die Stirn.

Sie stand auf und ging, bemüht, selbst vor sich zu verbergen, was sie fühlte, wieder ins Haus zurück. Auf dem Weg brodelte ihr Geist und wiederholte die Szene der anderen Frau, die Leon küsste. Mit jedem Schritt wuchs ihre Empörung.

"Diese Lächerliche!", murmelte sie zwischen den Zähnen, die Augen funkelten vor Wut. "Wenn sie es wagt, hier noch einmal aufzutauchen, werfe ich sie eigenhändig an den Haaren hinaus."

Sie ging am Wohnzimmer vorbei, warf einen kurzen Blick auf Leon, der reglos dalag, und seufzte tief. Ihr Herz schien im Krieg mit ihrer Vernunft zu stehen. Er wusste nicht einmal, dass sie existierte, war noch nicht einmal aufgewacht... und doch war sie hier und fühlte Eifersucht auf eine Fremde.

"Fokus, Ísis. Fokus!", sagte sie laut und klopfte sich leicht mit den Fingerspitzen gegen die Schläfen.

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