INICIAR SESIÓN. Der Regen hatte seit Mitternacht nicht aufgehört.Er trommelte wie eine ungeduldige Hand gegen die hohen Fenster und erfüllte das Penthouse mit einem gedämpften Rauschen, das die Welt draußen in weite Ferne rücken ließ.Elena saß auf der Bettkante; der seidene Morgenmantel floss um ihre Oberschenkel, und ihre nackten Füße drückten sich in den tiefen Teppich, als wollte sie im Boden Wurzeln schlagen. Seit einer Stunde nahm sie sich vor zu gehen. Ihre Reisetasche war bereits gepackt und verschlossen. Das Auto wartete unten.Doch sie brachte es nicht fertig aufzustehen.Nicht, solange sie seinen Duft noch auf ihrer Haut wahrnehmen konnte.Nicht, solange der Hauch seines Handabdrucks noch ihre Hüfte wärmte.Nicht, solange sie bei jedem Wimpernschlag vor Augen hatte, wie sein Blick sie zuvor am Abend abgetastet hatte – besitzergreifend, kompromisslos, hungrig.Die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken.Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass er es war. Die Luft veränderte
Das Schloss besaß die Eigenart, Geräusche zu verschlucken. Selbst Elenas Schritte – so leicht sie auch waren – schienen in der samtig-roten Stille der Gänge zu verhallen. Sie wusste nicht, ob es Zauberei war oder schlicht die Last der Geschichte, die auf ihre Ohren drückte; doch das Ergebnis blieb dasselbe: Sie war allein mit ihrem eigenen Atem, ihrem eigenen Puls.Und mit dem Wissen, dass er irgendwo innerhalb dieser Mauern beides belauschte.Sie hatte Lucien seit der vorangegangenen Nacht nicht mehr gesehen – jener Nacht, in der er sie zitternd und feucht unter seidenen Laken zurückgelassen hatte, während ihr Blut noch vom Nachhall seines langsamen, bedächtigen Bisses pulsierte. Doch seine Abwesenheit bedeutete keine Freiheit; sie war ein Köder. In der Luft des Zimmers hing noch immer eine leise Spur seines Duftes – Amber, Rauch und etwas Schärferes, Metallisches, wie der Geschmack, den er hinterließ, wenn er sich nährte.Elena drückte ihren Rücken gegen den kalten Stein nahe ihrer
. Elena erwachte durch Stimmen.Nicht das leise Flüstern der Dienerschaft, das sie an früheren Morgen nur halb wahrgenommen hatte, sondern scharfe, abgehackte Töne in einer Sprache, die sie nicht kannte. Die Stimme des Prinzen durchschnitt sie – tief, ruhig, aber mit einer schneidenden Schärfe, bei der sich ihr die Nackenhaare aufstellten.Sie zog das purpurrote Seidenlaken enger um sich, glitt aus dem Bett und schlich barfuß zu der einen Spalt weit geöffneten Tür.Durch den schmalen Spalt sah sie ihn. Er stand im Flur, das weiße Hemd am Hals geöffnet, das dunkle Haar zerzaust auf eine Weise, die ihn nur noch gefährlicher wirken ließ. Ihm gegenüber standen zwei schwarz gekleidete Männer; ihre Haut war bleich wie Mondlicht, ihre Augen leuchteten in demselben Purpurrot wie die seinen.„Sie wissen es“, sagte einer von ihnen mit einem fremden Akzent. „Von ihr. Von dem Band.“Sein Kiefer spannte sich an. „Sollen sie es wissen. Es ändert nichts.“„Es ändert alles“, zischte der andere. „Sie
Am Morgen hatte der Regen aufgehört.Als Elena erwachte, hatten sich die purpurroten Seidenlaken um ihre Beine geschlungen; ihre Haut vibrierte noch immer von der vergangenen Nacht. Sie konnte sich nicht daran erinnern, eingeschlafen zu sein. Sie erinnerte sich nur an seinen Mund an ihrem Hals, an seine Finger, die sich in ihr bewegten, als gehörten sie dorthin, und an die schwindelerregende, wie flüssiges Gold wirkende Art, mit der seine Stimme ihren Namen umhüllt hatte.Und nun – Tageslicht.Falls es Tageslicht war. Die Fensterläden waren geschlossen, die Luft schwer vom zarten Duft nach Rosen und Rauch. Im Marmorkamin brannte ein schwaches Feuer.Er war da.Er saß in einem Stuhl mit hoher Lehne, in die Rosen und Dornen geschnitzt waren; seine Haltung war vollkommen aufrecht, in der Hand hielt er ein Glas mit einer dunklen Flüssigkeit. Er sah sie nicht an – noch nicht. Er nahm einen Schluck, stellte das Glas beiseite und erhob sich mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung.„Du bist
Seine Lippen streiften ihr Ohr. „Ich bin der Prinz dieses Hauses. Alles hier untersteht mir. Und heute Nacht … du auch.“Ihr Puls beschleunigte sich – ein verräterischer Rhythmus, der seinen Blick schärfte.Er bewegte sich so schnell, dass sie es kaum wahrnahm, bis ihr Rücken gegen die kalte Steinmauer gepresst war und sein Körper sie umschloss. Die behandschuhte Hand, die zuvor an ihrer Taille gelegen hatte, stützte sich nun neben ihrem Kopf ab. Seine andere Hand glitt an ihrem Arm hinab; seine Finger schlossen sich um ihr Handgelenk – mit gerade genug Druck, um sie daran zu erinnern, dass sie sich nicht losreißen konnte.„Du bist ungebeten gekommen“, sagte er leise. „Du hast Seide und Spitze in die Höhle der Raubtiere getragen. Hast du wirklich geglaubt, du würdest unberührt wieder gehen?“Sie öffnete den Mund, doch jede Antwort, die sie hätte geben können, erstarb, als er den Kopf an ihren Hals senkte und – zubiss.Es war nicht sanft.Zwei scharfe Spitzen durchdrangen ihre Haut in
Die Einladung war nicht für sie bestimmt gewesen.Sie war in einem schwarzen Umschlag mit Goldrand eingetroffen; die Handschrift war scharf und elegant, als wäre sie eher in das Papier gemeißelt als darauf geschrieben worden. Sie hatte den Brief zwischen den Seiten eines Bibliotheksbuchs entdeckt, das sie während ihrer Abendschicht gerade einsortierte.Sie hätte ihn zurücklegen sollen. Sie hätte ihn für die Person liegen lassen sollen, für die er eigentlich gedacht war. Doch das geprägte Siegel – ein karmesinrotes Wachswappen in Form einer blutenden Rose – zog ihre Finger magisch an, noch ehe ihr Verstand eingreifen konnte.Darin stand nur:Mitternacht. Tragen Sie eine Maske.Das Haus Thorne heißt Sie willkommen.Und so stand sie nun vor dem schmiedeeisernen Tor eines Anwesens, das wirkte, als wäre es direkt einem düsteren Märchen entsprungen und am Stadtrand abgesetzt worden. In jedem Fenster schimmerte Kerzenlicht – warm, aber auf seltsame Weise, als wüssten die Flammen selbst von i







