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DAS VERSCHWINDEN

Author: Ugonna
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-16 02:08:24

NO HERO

DAS VERSCHWINDEN

Marys Lippen bewegten sich lautlos. Ihre Augen blieben auf den Sitz vor ihr gerichtet. Die Handschellen drückten in ihre Handgelenke. Draußen vor dem Fenster glitt die Stadt in grauen und roten Lichtstreifen vorbei.

„Pass auf!“

Der Schrei ließ sie den Kopf hochreißen. Metall schrie. Das Polizeifahrzeug hob ab, drehte sich und schlug hart auf. Glas platzte nach innen. Ihr Körper zuckte gegen den Sicherheitsgurt. Warmes Blut lief an der Seite ihres Gesichts herunter und tropfte auf ihren Kragen.

Schüsse knallten durch den Rauch. Die Stimme eines Beamten erhob sich über dem Lärm. „Achtet auf die Verurteilte!“ Marys Augen öffneten sich halb. Eine Gestalt in einer schwarzen Maske griff durch die zerbrochene Tür, packte sie unter den Armen und zog sie über den Asphalt zu einem anderen Wagen.

Vier Beamte lagen still auf der Straße hinter ihnen. Marys Beine wollten nicht nach hinten drücken. Ihr Mund formte Worte, die kaum ihren Hals verließen. „Wer bist du? Wo—“ Die Dunkelheit schloss sich über ihr, bevor eine Antwort kam.

Als sie die Augen wieder öffnete, fühlte sich die Luft kühler an. Schwaches Sonnenlicht drang durch die Ränder eines geschlossenen Holzfensters. Der Rest des Raumes blieb dunkel. Sie stemmte sich auf die Ellbogen hoch und sah sich die leeren Wände an.

„Wo bin ich? Was wollt ihr von mir?“

Eine Stimme antwortete aus den Schatten. „Mein Name ist Niemand.“ Marys Körper erstarrte. Die Gestalt trat nur so weit vor, dass die Umrisse zu erkennen waren, drehte sich dann um und ging. Die Tür schloss sich. Ihre Rufe folgten ihr in den Flur und verklangen.

„Mr. Scott McCall, seien Sie willkommen. Bitte nehmen Sie Platz.“

Der Sheriff deutete auf den Stuhl. Scott McCall blieb stehen. Seine Augen ruhten auf dem Mann gegenüber dem Schreibtisch. „Was gibt es Neues?“

„Die Verdächtige ist während des Transports entkommen. Es scheint, als hätte sie Hilfe von jemandem von innen gehabt. In diesem Fall steckt mehr, als wir wissen.“

Scotts Kiefer spannte sich an. Er trat näher an den Schreibtisch. „Mein Sohn wird vermisst und gilt als tot, und Sie lassen die Frau, die verdächtigt wird, ihn getötet zu haben, frei herumlaufen. Ich rufe Ihre Vorgesetzten an. Der Staat und das FBI werden das ab jetzt übernehmen.“

Er drehte sich um und verließ das Büro. Einen Moment später öffnete sich die Tür erneut. Er ging direkt zum Stuhl, nahm die Schlüssel, die er zurückgelassen hatte, und sah den Sheriff noch einmal an.

„Machen Sie Ihren Job und bringen Sie mir Gerechtigkeit. Andernfalls werde ich Leute bezahlen, die es für mich tun – sauber oder unsauber.“ Die Tür schloss sich hinter ihm. Der Sheriff blieb in dem stillen Raum stehen.

„Alex, warte auf mich. Ich bin gleich fertig mit meinem Make-up.“

Alex stand an der Tür, die Schlüssel schon in der Hand. „Beeil dich, Mary. Wir kommen zu spät. Meine Freunde sind schon da.“ Sie trat aus dem Badezimmer, glättete ihr Kleid und lächelte. Er beugte sich vor und küsste sie leicht auf den Mund.

„Du siehst umwerfend aus.“ Sie gingen zum Auto und fuhren los. Mary blickte auf das Armaturenbrett, dann auf ihn. „Warum hast du nicht den anderen Wagen genommen? Der ist schöner.“

Alex behielt die Augen auf der Straße. „Meine Eltern haben ihn zurückgenommen. Er steht immer noch auf ihren Namen. Da konnte ich nichts machen.“ Sie nickte einmal und sah nach vorn. Das Gebäude kam in Sicht. Musik drang durch die offenen Türen.

Sie traten ein. Stiles hob ein Getränk zum Gruß. „Alex. Nicht schlecht für einen Abend, oder?“ Alex klopfte ihm auf die Schulter. „Besser als der Homecoming vom letzten Jahr? Zweifelhaft.“ Sein Blick glitt über die Tanzfläche zu einem Mädchen, das sich zur Musik bewegte.

Stiles beugte sich näher. „Augen hoch. Du bist mit Mary gekommen. Geh sie suchen.“ Alex wandte sich ab und suchte in der Menge, bis er sie in der Nähe der Wand entdeckte. Er griff nach ihrer Hand. „Komm tanzen.“

Mary schüttelte den Kopf. „Mir ist schon schwindelig. Ich glaube, ich habe genug.“ Er zog sie trotzdem vor. Die Musik umhüllte sie. Später fand sie Stiles wieder. „Wir gehen. Er muss nach Hause.“

Stiles zuckte mit den Schultern. „Es ist noch Platz, wenn du bleiben willst.“ Alex schüttelte den Kopf. „Wir sind in Ordnung. Bis später.“ Sie gingen zurück zum Auto. Mary lehnte sich gegen den Sitz. „Kannst du die Musik ausmachen?“ Er schaltete sie ohne ein Wort aus.

Die Wohnungstür schloss sich hinter ihnen. Sanftes Licht erfüllte den Raum. Sie bewegten sich gemeinsam in Richtung Sofa. Ein Klopfen ertönte an der Tür – einmal, dann wieder, härter. Alex stand auf und runzelte die Stirn. „Warte hier.“

Er ging zur Tür. „Wer ist da?“ Keine Antwort kam. Marys Stimme erhob sich vom Sofa. „Alex, komm zurück. Das klingt nicht nach jemandem aus dem Gebäude.“ Er drehte sich zu ihr um. Ein Schuss knallte durch den Flur.

Mary sprang auf die Füße und rannte. Die Tür stand offen. Der Flur war leer. Alex war weg.

Kaltes Wasser traf ihr Gesicht und ihre Brust. Mary ruckte aufrecht, hustend. Wasser tropfte von ihrem Haar auf den Boden. Die dunkle Gestalt stand ein paar Meter entfernt und beobachtete sie. Sie drückte sich zurück an die Wand, die Augen auf ihn gerichtet,

die Erinnerung an den Schuss noch laut in ihren Ohren.

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