LOGINScott McCall ging unruhig die Länge des Wohnzimmers entlang, während seine Schritte auf dem polierten Boden widerhallten. Seit Stunden versuchte er, einen klaren Gedanken zu fassen, doch die Ungewissheit über das Schicksal seines Sohnes ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Cara saß auf dem Sofa und beobachtete ihn aufmerksam. Sie schenkte Champagner in ein Glas und hielt es ihm entgegen, in der Hoffnung, dass er sich wenigstens für einen Moment beruhigen würde. Scott warf einen kurzen Blick auf das Glas, dann auf sie, und ging weiter, ohne es anzunehmen.
„Mein Sohn ist weg. Das Mädchen, das bei ihm war, ist weg. Und du bietest mir einen Drink an.“
Cara stellte das Glas vorsichtig auf den Tisch. Sie hatte mit einer solchen Reaktion gerechnet, dennoch fiel es ihr schwer, die richtigen Worte zu finden. „Seine Leiche wurde nie gefunden. Das bedeutet nicht, dass er tot ist.“
Scott blieb am Fenster stehen und blickte hinaus auf die dunkle Auffahrt. Seine Augen wanderten über das leere Gelände, als würde er erwarten, seinen Sohn jeden Augenblick zurückkommen zu sehen. „Wenn er am Leben wäre, wäre er nach Hause gekommen. Mary ist die Einzige, die mich zu ihm führen kann.“ Er drehte sich nicht um. „Du hast ihn nie wie deinen eigenen behandelt. Deshalb hat er dieses Haus verlassen.“
Cara senkte den Blick. Ihre Hände blieben gefaltet in ihrem Schoß, während sie nach einer Antwort suchte. Doch Scott wartete nicht darauf. Er wandte sich vom Fenster ab, verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich. Cara blieb allein zurück, während das unberührte Champagnerglas auf dem Tisch stand.
In dem dunklen Raum stellte der maskierte Mann einen Teller auf den Boden. Das schwache Licht ließ kaum etwas von seiner Gestalt erkennen. Mary saß mit gefesselten Händen an der Wand und hob den Kopf, als sie seine Schritte hörte.
„Iss.“
Mary betrachtete den Teller und anschließend ihre gefesselten Handgelenke. Sie konnte ihn nicht erreichen, ohne sich zu bewegen, und selbst dann würde sie Schwierigkeiten haben, das Essen zu sich zu nehmen. „Dann musst du mich füttern.“
Der Mann schien einen Augenblick darüber nachzudenken. Er wollte gehen, hielt dann inne, nahm den Teller und kam zurück. Ohne ein weiteres Wort setzte er sich in ihre Nähe und fütterte sie schweigend. Mary beobachtete ihn währenddessen aufmerksam, doch die Maske machte es unmöglich, sein Gesicht oder seinen wirklichen Ausdruck zu erkennen. Als der Teller leer war, erhob er sich und ging zur Tür. Mary sprach, bevor er sie öffnete.
„Warum hast du mich der Polizei entrissen?“
Er hielt inne, die Hand am Griff. Für einige Sekunden blieb es still, und Mary wartete auf eine Antwort, die ihr vielleicht erklären konnte, weshalb sie an diesem fremden Ort festgehalten wurde.
„Hier bist du in Sicherheit.“
Das Schloss drehte sich, und die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. Mary blieb an der Wand, die Augen auf die geschlossene Tür gerichtet. Seine Antwort gab ihr keine Erklärung, und sie wusste nicht, ob sie seinen Worten vertrauen konnte.
Vor einer Wohnung rief der Deputy die Bewohner auf, die Tür zu öffnen. Nach kurzer Wartezeit erschien ein junger Mann und ließ sie herein. Er bot ihnen Wasser an, bevor er sich ihnen gegenüber an den Tisch setzte. Der Sheriff beobachtete ihn aufmerksam, während er seine Fragen vorbereitete.
„Wir untersuchen das Verschwinden von Alex Scott“, begann er. „Können Sie uns sagen, ob Ihnen in jener Nacht etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist?“
Der junge Mann nickte langsam und erinnerte sich an die Ereignisse. „Ich habe einen Schuss gehört. Ich habe meine Schrotflinte geholt. Ich habe einen Waffenschein. Ich habe nicht nach draußen geschaut.“
Der Sheriff stellte noch einige Fragen, doch der Mann konnte ihnen keine weiteren Informationen geben. Schließlich bedankten sie sich und verließen die Wohnung. Auf der Straße deutete der Sheriff auf ein altes Gebäude weiter unten. Die beiden Beamten gingen darauf zu und klopften an die Tür. Eine ältere Frau öffnete ihnen und ließ sie herein, nachdem sie sich vorgestellt hatten.
„Ich habe gerade gekocht, als ich den Schuss gehört habe“, sagte sie. „Ich habe aus dem Fenster geschaut. Ein Transporter ist schnell vorbeigefahren. Kein Kennzeichen.“
Der Sheriff blickte zu seinem Deputy. Er wollte sicherstellen, dass er die Beschreibung richtig verstanden hatte.
„Schwarz?“
„Ja. Das ist alles, was ich gesehen habe.“
Sie bedankten sich bei der Frau und kehrten zu ihrem Wagen zurück. Während der Sheriff die Informationen im Kopf durchging, wurde ihm klar, dass sie bisher kaum etwas Greifbares hatten. Der unmarkierte schwarze Transporter war das erste handfeste Detail, das man ihnen gegeben hatte. Es war nicht viel, aber möglicherweise war es der erste Hinweis, der sie näher an die Wahrheit bringen konnte.
Scott nahm den Anruf beim ersten Klingeln ab. Er hatte bereits mehrere Stunden auf Neuigkeiten gewartet und hoffte, dass der Sheriff endlich etwas herausgefunden hatte. Der Sheriff erzählte ihm von dem Transporter, erklärte jedoch, dass es weder ein Kennzeichen noch Kameras an dieser Straße gab. Scotts freie Hand ballte sich auf dem Tisch zur Faust, während er versuchte, seine aufsteigende Frustration zu kontrollieren.
„Findet ihn. Ich übernehme die Kosten.“
Der Sheriff wiederholte, dass es nichts zu verfolgen gab und sie auf weitere Hinweise angewiesen waren. Scott wollte keine Ausreden hören. Für ihn war es unerträglich, dass sein Sohn verschwunden war und niemand sagen konnte, wo er sich befand. Er beendete das Gespräch und legte das Telefon auf den Tisch.
Es vibrierte fast sofort wieder. Scott blickte auf das Display und bemerkte eine unbekannte Nummer. Er öffnete die Nachricht, ohne zu wissen, wer sie geschickt hatte. Auf dem Bildschirm erschien eine einzige Zeile:
RACHE IST SÜSS.
Scotts Daumen schwebte über der Nachricht. Er bewegte sich nicht. Sein Blick blieb auf den Worten haften, während er versuchte, ihre Bedeutung zu verstehen. Wer auch immer diese Nachricht geschickt hatte, wusste offenbar etwas, das er selbst nicht wusste. Die Worte blieben in dem stillen Raum erleuchtet.
Mr. Scott McCall stand regungslos im Lagerhaus und starrte auf die Wand vor sich, während Matthew einige Meter hinter ihm stand und ihn aufmerksam beobachtete. Scott hatte beide Hände hinter dem Rücken verschränkt, doch von seiner sonstigen Ruhe war nichts mehr zu spüren. Zum ersten Mal in seinem Leben wirkte der Mann, der sich Feinden, Bedrohungen und Situationen gestellt hatte, vor denen gewöhnliche Menschen zurückgeschreckt wären, wirklich erschüttert. Alles, was er über seinen Sohn geglaubt hatte, begann plötzlich um ihn herum zusammenzubrechen, und er konnte keine einzige Erklärung finden, die Sinn ergab.Scott hatte immer geglaubt, dass die Company dafür verantwortlich war, Alex von ihm wegzunehmen. Er hatte sich eingeredet, dass der Boss seinen Sohn entführt, irgendwo eingesperrt oder ihn vielleicht sogar aus Rache an Scott getötet hatte. Dieser Glaube hatte ihm geholfen, seine Wut über Wochen hinweg aufrechtzuerhalten, denn die Company für alles verantwortlich zu machen, hatte
Mary saß still auf der Bettkante und starrte die Wände um sich herum an, als könnten sie plötzlich zu sprechen beginnen und ihr alles erklären, was geschehen war, seit dieser Albtraum begonnen hatte. Ihr Blick wanderte langsam von einer Ecke des Zimmers zur anderen, auf der Suche nach etwas, das sie nicht benennen konnte. Nichts ergab mehr einen Sinn. Jede Antwort schien eine weitere Frage aufzuwerfen, und jeder Mensch, dem sie vertraute, schien noch ein Geheimnis zu verbergen.Sie senkte den Kopf und rieb ihre Hände aneinander, während sie verzweifelt versuchte, den Sturm der Gefühle in ihrem Inneren unter Kontrolle zu bringen. Sie war wütend auf sich selbst, weil sie zugelassen hatte, dass alles so weit gekommen war. Sie war wütend auf die Menschen, die sie mitgenommen hatten, und auf die Polizei. Am wütendsten war sie jedoch darüber, dass sie nicht verstehen konnte, warum Alex verschwunden war und weshalb sie mitten in etwas hineingeraten war, das viel größer war als sie selbst. Mi
Sheriff Cole und Detective Harry fuhren schweigend durch die belebten Straßen von Los Angeles. Der Motor brummte gleichmäßig, während sich das Fahrzeug durch den Verkehr bewegte, doch keiner der beiden Männer schien an einem Gespräch interessiert zu sein. Ihre Gedanken kreisten um dieselbe Sache: den nächsten Schritt. Etwas hatte sie zu diesem Restaurant geführt, und keiner von ihnen wusste genau, was sie dort finden würden. Cole richtete seinen Blick auf die Straße, während Harry gelegentlich aus dem Fenster schaute und die vorbeiziehenden Straßen beobachtete. Die Spannung zwischen ihnen blieb bestehen, besonders weil Harry immer noch Zweifel daran hatte, wie sehr er seinem eigenen Sheriff vertrauen konnte.Nach einigen Minuten erreichten sie schließlich das Restaurant. Das Gebäude war groß und ständig von Menschen umgeben, die durch die Türen ein- und ausgingen. Es war eines der beliebten chinesischen Restaurants in Los Angeles und zog Menschen an, die etwas anderes als das gewohnte
Die Tür öffnete sich langsam, und ihre Scharniere gaben ein leises Geräusch von sich, das sofort Marys Aufmerksamkeit erregte. Sie hob den Kopf und blickte zum Eingang, wobei sie die Stille erwartete, an die sie sich gewöhnt hatte, seit man sie in diesem Zimmer eingesperrt hatte. Stattdessen trat der mysteriöse Mann in Schwarz durch die Tür. Sein Gesicht war noch immer vollständig bedeckt, sodass Mary nicht einmal das kleinste Detail seiner Identität erkennen konnte. Er betrat ruhig den Raum, blieb einige Schritte von ihr entfernt stehen und sah sie direkt an. Mary erwiderte seinen Blick mehrere Sekunden lang, bevor sie erschöpft seufzte.„Mary“, sagte er ruhig. „Wie geht es dir heute?“„Mir geht es gut“, antwortete sie.Der Mann hielt inne und schien von ihrer Antwort überrascht zu sein. Als er schließlich antwortete, war eine leichte Belustigung in seiner Stimme zu hören. „Nun, das ist eine bessere Antwort, als wie sonst einfach zu schweigen.“ Mary wandte für einen Moment den Blick
Scott McCall war gerade aus seinem Schlafzimmer gekommen, nachdem er geduscht hatte, als sein Telefon zu klingeln begann. Er ging zum Tisch und nahm es in die Hand, während er auf das Display blickte. In dem Moment, in dem er den Namen des Anrufers sah, erschien ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. Er nahm den Anruf entgegen und hielt das Telefon ans Ohr.„Matthew“, sagte er leise.Am anderen Ende herrschte kurz Stille, bevor Matthews Stimme schließlich zu hören war. „Es ist Zeit“, sagte er, und der Anruf wurde sofort beendet. Scott starrte einige Sekunden lang auf sein Telefon, bevor er es ausschaltete. Vorsichtig legte er es auf den Tisch und ging zu einer Schublade. Dort blieb er mehrere Augenblicke stehen, als würde er sich an etwas erinnern, das er tief in seinem Inneren begraben hatte.Scott öffnete die Schublade und betrachtete ihren Inhalt. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich langsam, und ein seltsames Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.„Es ist gut, wieder im S
Es fühlte sich an, als hätten sich die Türen endgültig vor ihr geschlossen. Es fühlte sich an, als wäre sie völlig allein zurückgelassen worden. Es fühlte sich an, als hätte sogar der Himmel sie zurückgewiesen. Mary stand mehrere Sekunden lang regungslos da. Die Türöffnung befand sich direkt vor ihr. Die Freiheit war zum Greifen nah. Draußen lag ihr Ausweg aus diesem Ort. Doch hinter ihr …„Willst du irgendwohin?“Die Stimme ertönte erneut. Marys Herz raste. Sie drehte sich nicht um. Sie konnte es nicht. Sie hatte zu große Angst davor, zu sehen, wer hinter ihr stand.Einen Moment lang überlegte sie, einfach durch die Türöffnung zu rennen. Aber was, wenn ich weglaufe und er mich von hinten angreift? Dann dachte sie daran, sich umzudrehen und dem mysteriösen Mann gegenüberzutreten. Das machte ihr noch mehr Angst.„Mary“, rief die Stimme erneut. „Was genau glaubst du eigentlich, was du da versuchst?“Mary schluckte schwer. „Ich verlasse diesen Ort“, antwortete sie.Es herrschte Stille. D