LOGINViona starrte voller Misfallen auf Hans, der nur noch halb bei Bewusstsein war. Der Mann hatte sein Gesicht schwer auf den Ellbogen gestützt und verharrte reglos am Tisch.„Warum um alles in der Welt hat er bloß so viel getrunken?“, murmelte Viona und beäugte missbilligend die etlichen leeren Alkoholflaschen, die vor ihm standen.Erst vor wenigen Tagen hatte Hans sie noch aufs Schärfste zurechtgewiesen, weil sie sich bis zur Besinnungslosigkeit betrunken hatte. Und nun tat er haargenau dasselbe. Was für eine Doppelmoral.„Wenn du dich unbedingt betrinken willst, dann tu das gefälligst zu Hause!“, äffte Viona Hans’ Worte von damals mit spöttischer Miene nach. „Tsk! Was für ein Heuchler! Aber selbst geht er natürlich zum Saufen nach draußen“, grummelte sie verärgert vor sich hin.Das Mädchen blickte sich im Lokal um. Als ihre großen, dunklen Augen zwei stämmige Männer entdeckten, rief sie die beiden kurzerhand zu sich herüber.„Könnten Sie mir bitte helfen, diesen Mann zu meinem Wagen z
„Ist Aria schon zu Hause?“, erkundigte sich Jayden, ohne den Blick von den Akten zu heben, die vor ihm lagen und die er in Kürze unterzeichnen musste.„Ja, Herr Jayden“, gehorchte Roy. „Aber Frau Aria...“ Anstatt weiterzusprechen, schloss Roy abrupt den Mund. Aus irgendeinem Grund verengten sich seine Augen, und seine Mimik verratene Unsicherheit. In ihm rangen plötzlich Furcht und Zweifel miteinander.Da ihm die weiteren Worte verwehrt blieben, blickte Jayden schließlich auf. „Aber was, Roy?“, hakte er nach.Der Mann im grauschwarz karierten Anzug wandte schlichtweg den Blick ab und vermied es tunlichst, seinem Chef in die Augen zu sehen. Dieses Verhalten bestärkte Jayden nur noch mehr in dem Verdacht, dass Roy etwas auf dem Herzen hatte, sich aber nicht zu sprechen traute.„Sag schon, Roy! Was ist los? Ist etwa irgendetwas mit Aria oder Juan passiert?“, verlangte Jayden zu wissen, während in ihm die Sorge hochstieg.Roy schüttelte hastig den Kopf. „Nein, so ist es nicht, Herr Jayden
„Dir liegt etwas an mir?“„Natürlich liegt mir etwas an dir! Ich bin schließlich dein Ehemann, Aria Kates!“, stieß Jayden nachdrücklich hervor und ließ keinen Widerspruch gelten.Aria blieb ungerührt, als Jaydens Stimme immer lautstarker wurde. Sie starrte ihn mit einem Blick an, der sich schwer in Worte fassen ließ.Ehemann.Ein einziges Wort, das Arias Herz nur noch unruhiger flackern ließ.Sollte sie etwa glücklich darüber sein, dass Jayden sie immer noch als seine Frau betrachtete?Würde sich ihre Beziehung vielleicht wirklich wieder normalisieren?Ebnete Jayden etwa gerade den Weg dafür, dass sie wieder zueinander fanden?Und war Aria überhaupt schon bereit für all das?Unbewusst stahl sich ein zartes Lächeln auf Arias Lippen, während sich Tränen in ihren Augen sammelten. Es schien ganz so, als sei ihre Entscheidung, Hans’ Angebot abzulehnen, die einzig richtige gewesen. Ihre Ehe war wohl doch noch zu retten.„Weil ich immer noch dein Ehemann bin. Ist es nicht genau das, was du m
Aria holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. Sie drehte sich um und blickte zu Juan hinüber, der friedlich und fest auf dem Bett schlummerte.„Willst du dich denn nicht langsam mal frisch machen?“Und genau in jenem Moment, als Aria an den Mann dachte, mit dem sie den gesamten Tag verbracht hatte, trat er aus dem Badezimmer. Ein Handtuch lag über seinem feuchten Kopf, und er trug einen braunen Schlafanzug. Es war genau der Mann, der Aria in ein tiefes Loch aus Verwirrung und Unsicherheit stürzte: Jayden Matthew.„Doch, gleich. Bitte pass einen kurzen Moment auf Juan auf“, bat Aria mit einem hauchdünnen Lächeln. Als sie sah, wie Jayden zustimmend nickte, verschwand sie im Bad.Es dauerte nur wenige Minuten, bis Aria fertig geduscht war. Als sie das Badezimmer wieder verließ, lag Jayden bereits auf dem Bett und hielt den kleinen Juan liebevoll im Arm. Arias Herz erwärmte sich erneut bei diesem Anblick von Vater und Sohn. Den ganzen Tag über hatte Jayden Dinge getan, die sie fast
„Warum sind wir eigentlich hier?“, entfuhr es Aria leise. Sie wusste selbst nicht genau, warum sie diese Frage gestellt hatte. Es fühlte sich beinahe so an, als grabe sie ganz gezielt in Jaydens Erinnerungen – schließlich schien es ihr schier unmöglich, dass er rein zufällig ausgerechnet hierhergekommen war.„Ist das denn nicht dein absolutes Lieblingsrestaurant?“, entgegnete Jayden, und seine Gegenfrage wirkte auf Aria wie eine stumme Bestätigung. Er erinnerte sich also tatsächlich noch genau an diesen Ort. „Außerdem schmeckt mir das Essen hier ehrlich gesagt auch ziemlich gut“, fügte Jayden gelassen hinzu.„Komm, lass uns reingehen!“, forderte er sie auf. Er konnte es kaum erwarten, seinen Magen zu besänftigen, der sich bereits lautstark zu Wort meldete.Doch es war keineswegs nur der Ort, an den Jayden sich noch glasklar erinnern konnte – er wusste sogar noch ganz genau, welches Gericht Aria am liebsten aß.Sie aßen weitgehend in Schweigen gehüllt. Aria wünschte sich aus tiefstem H
Jayden blinzelte mehrmals schlaftrunken, als er die zarten, unruhigen Bewegungen des kleinen Juan spürte.„Was ist denn los, mein Schatz? Hast du etwa Hunger?“, fragte Jayden leise und strich dem Baby behutsam über den kleinen Körper. Doch das leise Wimmern des Säuglings wurde sekündlich lauter, bis er schließlich in vollem Hals zu schreien begann.Eine leichte Panik erfasste Jayden; er nahm Juan auf den Arm und wiegte ihn behutsam. Suchend blickte er sich im Zimmer nach Aria um, doch sie war nirgends zu sehen.Während er verzweifelt versuchte, Juan zu beruhigen, verließ Jayden das Zimmer, um nach ihr zu suchen. Ein leises Ausatmen entwich seinen Lippen, als er Aria fest schlafend auf dem Sofa im Wohnzimmer entdeckte. Er trat an sie heran und schüttelte sie sanft an der Schulter.„Aria, wach auf! Juan hat wohl Hunger“, sagte Jayden mit ruhiger Stimme.Aria stöhnte leise auf, blinzelte verschlafen und kam langsam wieder zu Bewusstsein. Ohne ein Wort zu sagen, nahm sie ihm das weinende







