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Kapitel 3

Author: Bagel
Logan kam schnell zurück.

So schnell war ein Alpha. Wenn es ihm wichtig war, waren ein paar Meilen nichts weiter als ein paar Herzschläge.

Aber er kam nicht zurück, weil er sich um mich sorgte.

Er kam zurück, weil er dachte, ich hätte die Gedankenverbindung gekappt.

Für einen krankhaft kontrollsüchtigen Alpha war es eine offene Demütigung, wenn seine Gefährtin die mentale Verbindung eigenmächtig blockierte.

Er schenkte dem kleinen, erbärmlichen Koffer zu meinen Füßen nicht mal einen Blick.

Er stapfte auf mich zu – und brachte Chloes Duft mit.

„Sienna, Baby.“ Sein Daumen strich über mein Kinn. „Warum hast du plötzlich die Gedankenverbindung blockiert? Mein Wolf kann dich nicht spüren. Er läuft unruhig in mir auf und ab.“

Ich drehte den Kopf weg, wich seiner Berührung aus. „Ich will allein sein.“

Logans Hand griff ins Leere. Er erstarrte einen Moment, dann legte er mir ganz geschmeidig den Arm um die Schulter.

„Immer noch sauer wegen dem Foto?“

„Sienna, du weißt, Chloe ist nur meine Sekretärin, und sie ist ein wertvolles Mitglied des Rudels, sie arbeitet hart. Als Alpha ist es meine Pflicht, meine Untergebenen im Kampf auszubilden.“

„Die Ältesten im Rudel sind wegen deiner Herkunft sowieso schon voreingenommen“, seufzte er, und sein warmer Atem strich über meinen Hals. „Sei nicht eifersüchtig wegen so einer Kleinigkeit. Das lässt dich unsicher wirken, hm?“

Mir drehte sich der Magen um – und trotzdem hätte ich fast lachen müssen.

So hatte Logan mich jahrelang kontrolliert: Er reichte mir immer ein Messer, eingewickelt in die süßeste Zuckerwatte.

Und er sah mir dabei zu, wie ich es schluckte, und erwartete trotzdem noch Dankbarkeit.

„Unsicher?“ Ich trat einen Schritt zurück und löste mich aus seinem Griff. „Unser Alpha ist wirklich beschäftigt. So beschäftigt, dass er nicht mal merkt, wie seine Sekretärin im Rudel herumspaziert, als wäre sie die Luna.“

Das Lächeln auf Logans Gesicht wurde hart. „Sienna, seit wann bist du so empfindlich?“

„Es ist nicht leicht für eine junge Wölfin wie Chloe, sich in einem Rudel wie diesem durchzusetzen. Du bist die Luna. Du solltest verständnisvoller sein und nicht auf Gerede hören. Als du das letzte Mal im Ratssaal wegen des Siegels ausgerastet bist, hat Chloe die ganze Nacht geweint – und sie hat dich trotzdem noch verteidigt.“

Er sah mich tadelnd an, als wäre ich die undankbare Sünderin.

„Ich gebe dir das beste Leben, ist das nicht so, damit du dir keine Sorgen machen musst? Wenn du weiter so auf Chloe losgehst, bin ich enttäuscht.“

„Außerdem ist deine Wölfin so schwach. Extreme Gefühlsschwankungen sind nicht gut für sie.“

„Sienna, hör mir zu. Du musst nicht so viel nachdenken. Hör einfach auf Chloes Anweisungen und konzentrier dich erst mal darauf, deine Wölfin zu heilen.“

Da konnte ich nicht mehr anders – ich lachte laut auf.

Aber in dem Lachen war kein Gefühl.

Direkt vor Logan riss ich den Reißverschluss des Koffers zu meinen Füßen auf.

„Sorgenfrei? Das beste Leben?“

„Logan, ist das deine Liebe zu mir?“

Der Koffer lag offen – komplett leer.

Darin waren nur ein paar T-Shirts, so oft gewaschen, dass sie ausgeblichen waren und die Kragen ausgeleiert.

Das waren die alten Sachen, die ich vor drei Jahren mitgebracht hatte, als er mich das erste Mal markiert hatte.

„Ich gehe – und ich finde nicht mal fünf anständige Teile, die ich anziehen kann, um hier rauszugehen.“

„In diesem sogenannten goldenen Käfig muss ich einen Antrag ausfüllen, wenn ich zum Friseur will. Für einen einzigen Lippenstift muss ich warten, bis deine tolle Sekretärin gute Laune hat und mir einen Stempel gibt. Sogar die Dienstmädchen in diesem Haus haben jeden Monat mehr Bargeld als deine Luna zur Verfügung!“

Logan runzelte die Stirn. „Sienna, übertreib nicht...“

Ich ignorierte ihn, packte den Ärmel seines teuren, maßgeschneiderten Anzugs und zerrte ihn zur geschlossenen Tür des Abstellraums.

Ich zeigte auf das blinkende rote Licht des elektronischen Schlosses.

„Na los, mein hingebungsvoller Alpha. Dann sag mir, wie ich dieses Schloss aufkriegen soll.“

„Du brauchst ein Passwort, einen Fingerabdruck – und am Ende eine Fernfreigabe von unserer armen Chloe!“

„Was für eine geliebte Luna muss wie eine Bettlerin leben und zu Füßen der Sekretärin ihres Mannes um jeden Krümel bitten!“

Logan starrte auf das elektronische Schloss, sein Gesicht wie eingefroren vor Verwirrung.

Dann drehte er den Kopf zu mir und sah mich ungläubig an. „Darum geht’s?“

„Baby, machst du so ein Riesentheater, drohst sogar zu gehen, nur weil du findest, dass es unbequem ist, an Geld zu kommen? Oder ... bist du einfach nur eifersüchtig, weil Chloe so viel Befugnis hat?“

Bei diesen Worten wurde mein Herz eiskalt.

All mein Zorn, all mein Kummer war für ihn nichts weiter als der Wutanfall einer kleinlichen, materialistischen Gefährtin.

Ich ließ seinen Ärmel los und trat zwei Schritte zurück, der Blick leer. „Vergiss es, Logan. Es ist egal, was du denkst.“

„Lass uns die Gefährtenbindung durchtrennen.“
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