登入Raphaël DelacroixDer Artikel ist heute Morgen in voller Länge im Le Figaro Culture erschienen, begleitet von einem Foto von Soren, das während seiner Vernissage aufgenommen wurde.Die Überschrift trifft wie eine Ohrfeige:„Soren Vinter, der verfluchte Künstler, der seine Seele an Milliardäre verkauft.“Und darunter, in kleinerer Schrift, aber nicht weniger boshaft:„Ist das ehemalige Wunderkind der zeitgenössischen Kunst inzwischen zum Spielzeug des Vorstandsvorsitzenden des Delacroix-Turms geworden?“Ich sitze in meinem Büro. Die Zeitung liegt ausgebreitet vor mir, meine Finger zittern vor Wut.Der Artikel ist ein einziges Geflecht aus Lügen, Unterstellungen und schmutzigen Andeutungen.Darin wird behauptet, Soren, ein gescheiterter und mittelloser Künstler, habe seine körperlichen Dienste gegen finanzielle Unterstützung für seine Ausstellung eingetauscht.Unsere „widernatürliche Beziehung“ soll angeblich bis zu fünfzehn Jahre zurückreichen, als Soren fünfundzwanzig und ich zwanzig
Sie setzen sich an die beiden gegenüberliegenden Enden meines Arbeitstisches, so weit voneinander entfernt wie möglich, und sehen mich mit demselben misstrauischen Ausdruck an.„Warum hast du uns herbestellt?“, knurrt Malik und verschränkt die Arme.„Weil wir reden müssen. Alle drei. Ohne Raphaël.“„Worüber?“, fragt Soren mit einem bitteren Lächeln. „Darüber, wie wir gerade alle drei dabei sind, ihn zu verlieren?“„Ganz genau. Darüber.“Sie tauschen überraschte Blicke aus. Offenbar hatten sie nicht erwartet, dass ich so direkt und ehrlich sein würde.Aber von Raphaël habe ich gelernt, dass Masken nichts bringen und man Problemen direkt ins Auge sehen muss, wenn man sie lösen will.„Wir sind dabei, ihn zu zerstören“, sage ich und setze mich ihnen gegenüber auf einen Hocker. „Unsere Eifersucht, unsere Rivalitäten, unsere kleinen Machtkämpfe. Raphaël kann Konflikte nicht ertragen, das wisst ihr. Er hat vier Jahre gebraucht, um sich eine Festung aufzubauen und sich vor weiteren Verletzung
„Rede nicht über Dinge, die du nicht verstehst“, knurrt er mit zusammengebissenen Zähnen. Seine glühenden Augen lodern vor Zorn. „Meine Loyalität ist keine Schwäche. Meine Hingabe ist keine Feigheit. Du bist der Feigling. Du bist geflohen, anstatt zu kämpfen. Du hast Raphaël seiner Einsamkeit überlassen.“Ich richte mich wieder auf. Meine Wange brennt, doch ich lächle. Ein bitteres, spöttisches Lächeln, das ihn ins Wanken bringt.„Du hast recht. Ich bin ein Feigling. Das war ich schon immer. Aber wenigstens habe ich nicht sechs Jahre lang Raphaël durch Überwachungskameras beobachtet, während ich mich im Dunkeln selbst befriedigte.“Maliks Gesicht entgleist.Seine Wut weicht blankem Erstaunen, dann Scham. Er öffnet den Mund, um zu antworten, doch kein Laut kommt über seine Lippen.„Woher weißt du das?“, flüstert er schließlich.„Ich bin Maler. Ich beobachte Menschen. Und du bist durchsichtig wie ein Aquarell. Jeder Blick, den du Raphaël zuwirfst, jede deiner Gesten, jedes Schweigen. Ic
Soren Vinter Der Morgen legt sich über die Präsidentensuite wie ein grauer Schleier, der die Versprechen der vergangenen Nacht verhüllt. Das Novemberlicht dringt blass und kalt durch die Seidenvorhänge, und ich bin der Erste, der aus dem Knäuel von Körpern erwacht, das Raphaëls Bett bedeckt. Arme, Beine, nackte Rücken. Der Geruch von Sex und Wein hängt noch immer in der Luft, vermischt mit dem aufdringlichen Duft der abgebrannten Kerzen. Vorsichtig und mit langsamen Bewegungen befreie ich mich aus dem Bett, um niemanden zu wecken. Mein Kopf ist schwer, meine Gedanken sind verworren. Was habe ich getan? Was haben wir getan? Diese gemeinsame Umarmung, dieser improvisierte Tanz, dieses Teilen unserer Körper und Seelen ... War es eine Befreiung oder ein Wahnsinn? Ich sammle meine auf dem Boden verstreuten Kleidungsstücke ein und ziehe mich schweigend an. Meine Finger zittern. Raphaël schläft noch immer. Er liegt zwischen Livio und Malik, sein Gesicht friedlich, seine Züge so ent
Ich drehe den Kopf zu Livio.Er ist mein Geliebter, mein Partner, der Mann, dem ich Treue versprochen habe. Wenn dieser Vorschlag Wirklichkeit werden soll, muss er zustimmen.Er sieht mich an. Seine bernsteinfarbenen Augen leuchten mit einem Ausdruck, den ich bisher nicht an ihnen kannte. Verlangen, ja. Aber auch Neugier, Aufregung und ein Hauch von Abenteuerlust.„Was auch immer du entscheidest“, flüstert er, „ich möchte es ebenfalls. Ich vertraue dir.“Ich wende mich Malik zu. Er ist mein Beschützer, mein Soldat, der Mann, der sich mir in absoluter Hingabe anvertraut hat. Er nickt kaum merklich, doch seine Augen sprechen für ihn.Also erhebe ich mich und strecke Soren die Hand entgegen.„Einverstanden. Aber heute Abend liebt ihr mich. Alle drei. Ich möchte mich nicht entscheiden. Ich möchte niemanden verletzen. Ich möchte einfach ... fühlen.“Was danach folgt, ist ein unbeholfener, zögerlicher Tanz aus suchenden Berührungen und fragenden Blicken. Wir sind keine Experten darin, Liebe
Raphaël DelacroixDer Abend begann ganz harmlos, wie so viele Abende, die schließlich aus dem Ruder laufen. Livio musste nach Alessandros Besuch auf andere Gedanken kommen, Malik wurde von Schuldgefühlen zerfressen, weil er nicht da gewesen war, um ihn zu beschützen, und ich hatte Soren eingeladen, sich uns anzuschließen, ohne selbst genau zu wissen, warum.Vielleicht war es die Einsamkeit des verfluchten Künstlers, der seit dem Ende seiner Ausstellung in seinem leeren Atelier eingeschlossen war. Vielleicht war es auch das unbewusste Bedürfnis, alle Männer, die in meinem Leben eine Rolle spielten, um mich zu versammeln, als könnte ihre Anwesenheit einen Schutzwall gegen die drohende Gefahr bilden.Wie dem auch sei, nun sitzen wir alle vier in der Präsidentensuite, auf den Ledersofas verteilt, umgeben von leeren Weinflaschen und halb aufgegessenen Käseplatten.Durch die großen Panoramafenster blicken wir auf das beleuchtete Paris. In der Ferne funkelt der Eiffelturm, und die Atmosphäre







