Seine Wärme

Seine Wärme

last updateLast Updated : 2026-07-28
By:  DéesseUpdated just now
Language: Deutsch
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Zusammenstellung erotischer Geschichten – für ein erwachsenes Publikum: Geschichten, geschrieben für Männer, die andere Männer lieben. Seine Wärme in meinem Mund Théo Delmas, 24, junger idealistischer Anwalt, sieht sein Leben aus den Fugen geraten, als sein Vater, ein unschuldiger Finanzmanager, wegen eines Skandals, den er nicht begangen hat, inhaftiert wird. Bei der Gerichtsverhandlung bemerkt er einen Richter mit grauen Augen, der mit beunruhigender Intensität auf seinen Mund starrt. In das Büro von Richter Édouard Delacroix zitiert, entdeckt Théo die schreckliche Wahrheit: Delacroix selbst hat die Beweise gegen seinen Vater gefälscht, nur um Théo an sich zu binden. Besessen von seinem Mund, seit er ihn auf einer Konferenz gesehen hat, bietet der Richter einen Handel an: Jeden Abend wird Théo in sein Büro kommen, niederknien und seinen Mund benutzen, um zu flehen, zu dienen und Vergnügen zu bereiten. Im Gegenzug kommt sein Vater frei. Zerrissen zwischen Entsetzen und einem aufkeimenden Verlangen, das er sich nicht einzugestehen wagt, willigt Théo ein. Die Abende reihen sich aneinander, die Handlungen werden intimer, tiefer. Delacroix erkundet seinen Mund mit methodischer Langsamkeit, lernt jeden Winkel, jede Empfindung kennen. Théo entdeckt trotz der Scham ein ihm unbekanntes Bedürfnis nach Gehorsam und Hingabe. Im Laufe der Nächte verändert sich ihre Beziehung. Die schlichte erzwungene Unterwerfung weicht einer verstörenden Komplizenschaft, Vertraulichkeiten, Momenten echter Zärtlichkeit. Doch die Gefahr lauert: Weitere Akteure bedrohen ihr Gleichgewicht, und die Grenze zwischen Opfer und Liebhaber, zwischen Kerkermeister und Liebendem verschwimmt zusehends. Eine dunkle erotische Romanze M/M, in der der Mund zum Zentrum aller Macht wird: der Macht zu flehen, zu lieben, zu verraten und letztlich zu wählen.

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Chapter 1

Kapitel 1: Das gebrochene Urteil

Théo

---

Der Gerichtssaal hält den Atem an. Ich atme nicht mehr.

Der Saal ist überfüllt, erstickend, erdrückend, Körper dicht an dicht auf den Holzbänken, kurze Atemzüge, Flüstern, das wie Gebete klingt. Doch ich höre nur das Hämmern meines Herzens, das in meinen Schläfen widerhallt, eine dumpfe Trommel, die schneller wird, die hämmert, die droht, meine Brust zu zersprengen. Meine Hände umklammern das Holz der Schranke so fest, dass meine Knöchel weiß hervortreten, dass meine Nägel sich in die Handflächen graben, ohne dass ich den Schmerz spüre. Vor mir steht die Gestalt meines Vaters aufrecht, zu aufrecht, als weigere er sich nachzugeben, selbst jetzt, da alles um ihn herum zusammenbricht, selbst jetzt, da ihm der Boden unter den Füßen wegbricht, selbst jetzt, da die Welt, die er in zweiundfünfzig Jahren aufgebaut hat, nur noch Staub ist.

Jacques Delmas. Mein Vater. Seit dreißig Jahren ein tadelloser Finanzmanager. Treuer Ehemann. Liebender Vater. Und heute: Angeklagter.

Der Vorsitzende Richter blättert mit einer Langsamkeit in seinen Papieren, die mich zum Schreien bringt, die mich über die Schranke springen und ihm diese verfluchten Blätter aus den Händen reißen lassen will. Jede umgeblätterte Seite ist ein Fallbeil, das näher kommt, jede Sekunde eine Ewigkeit der Qual. Meine Mutter, neben mir sitzend, umklammert meinen Unterarm so fest, dass ihre Nägel sich in mein Fleisch bohren und rote Halbmonde auf meiner Haut hinterlassen. Ich spüre nichts. Meine Schwester Isabelle, neunzehn, weint lautlos hinter uns. Ich höre ihr ersticktes Schluchzen, jenes, das sie in ihrem Schal zu verbergen sucht, tief in ihrer Kehle zurückzuhalten, um unseren Schmerz nicht noch zu vergrößern. Ihre Schultern lassen die Bank stoßweise erzittern.

Das grelle Neonlicht lässt den Schweiß auf meiner Stirn glänzen, er läuft mir in die Augen, salzig, brennend, ich wage nicht, ihn wegzuwischen. Ich bleibe erstarrt, eine Statue aus Fleisch und Angst.

Veruntreuung von Geldern. Vertrauensmissbrauch. Bildung einer kriminellen Vereinigung. Ungeheuerliche Worte, monströs, Worte, die niemals im selben Satz mit dem Namen meines Vaters hätten ausgesprochen werden dürfen. Worte, die zu nichts von dem passen, was ich kannte, was ich erlebt, was ich geliebt habe. Mein Vater, hereingelegt von Kollegen, die ins Ausland geflohen sind und eine finanzielle Leiche hinterlassen haben, geleerte Konten, gefälschte Bilanzen, ein ruiniertes Unternehmen. Er ist geblieben. Er hat an die Gerechtigkeit geglaubt. Er hat geglaubt, wenn er ehrlich ist, kooperiert, seine Bücher öffnet, alle Fragen beantwortet, wäre er geschützt.

Naiv. Wir waren alle naiv.

Die Staatsanwältin, eine hagere Frau mit eisigem Blick, beendet ihr Plädoyer. Ihre Stimme ist ein Messer, das die Luft zerschneidet, das den Ruf meines Vaters in Stücke hackt, das ihn auf eine Summe von Zahlen und Verdächtigungen reduziert. Sie spricht von Verantwortung, von verratenem Vertrauen, von der Notwendigkeit eines Exempels. Ich höre kaum zu. Ich sehe meinen Vater an. Er dreht leicht den Kopf zu mir, unsere Blicke treffen sich für den Bruchteil einer Sekunde, ein Blitz im Sturm. Er versucht zu lächeln, um mich zu beruhigen, um mir zu sagen, dass alles gut wird, dass es nur eine Formalität ist. Das Lächeln eines Mannes, der weiß, dass er fallen wird, der seinen Fall bereits akzeptiert hat und nur seinem Sohn den Anblick seiner Angst ersparen will.

Dann ergreift der Vorsitzende das Wort. Seine Stimme ist ernst, feierlich, sie hallt unter dem hohen Glasdach wie eine Totenglocke.

Untersuchungshaft wird beantragt. Bis zum Prozess. Bis zur Wahrheit, falls es sie überhaupt noch irgendwo gibt.

Meine Mutter keucht auf, ein rauer, herzzerreißender Laut, der aus den Tiefen ihres Wesens kommt. Isabelle stößt einen kleinen Schrei aus, sofort erstickt, als schäme sie sich ihres eigenen Schmerzes. Ich bleibe erstarrt, als wäre die Zeit in dem exakten Moment stehen geblieben, in dem mein Leben aus den Fugen geriet, in dem sich alles, was ich für fest hielt, als Sand erwies.

In diesem Augenblick sehe ich ihn.

Ihn.

In der zweiten Reihe der Richter, kaum sichtbar hinter seinen Kollegen, halb im Schatten, beobachtet ein Mann um die vierzig die Szene mit einer Intensität, die mir das Blut in den Adern gefrieren lässt, die mein Herz für den Bruchteil einer Sekunde anhält, die mir sämtliche Härchen am Körper aufstellt. Groß, breite Schultern unter der schwarzen Robe, dunkles, an den Schläfen grau meliertes Haar, ein markanter Kiefer, schmale und doch unglaublich sinnliche Lippen. Sein Gesicht ist wie mit dem Meißel gehauen, harte Züge, eine kalte, fast beunruhigende Schönheit. Aber es sind seine Augen, die mir zuerst auffallen.

Graue, fast metallische Augen, starr auf mich gerichtet.

Nein, nicht auf mich. Auf meinen Mund.

Ich spüre seinen Blick wie eine Verbrennung, wie eine Flamme, die meine Haut leckt, ohne sie zu berühren. Er beobachtet meine Lippen, wie ich sie beiße, um nicht zu weinen, wie ich sie zusammenpresse, um meine Würde zu bewahren, wie ich sie nervös befeuchte, wenn die Angst meine Kehle austrocknet. Er verfolgt jede Mikrobewegung mit einer Aufmerksamkeit, die mich lähmt, die mich an Ort und Stelle festnagelt, die mir das Gefühl gibt, nackt vor ihm zu sein, ausgesetzt, verletzlich. Wer ist das? Warum sieht er mich so an? Warum starrt er mit diesem Hunger in den Augen auf meinen Mund?

Der Vorsitzende verkündet die Entscheidung. Mein Vater wird in Untersuchungshaft genommen. Mit sofortiger Wirkung.

Das Chaos bricht aus. Meine Mutter bricht zusammen, ihr Körper rutscht von der Bank, ich muss sie auffangen. Isabelle schreit, ein schriller, herzzerreißender Schrei, der das Stimmengewirr des Saals durchdringt. Die Gendarmen nähern sich meinem Vater, legen ihm Handschellen an. Das metallische Klicken ist das schrecklichste Geräusch, das ich je gehört habe. Er lässt es geschehen, würdevoll, aber ich sehe, wie seine Schultern leicht herabsinken, sein Kopf sich neigt, sein Widerstand erlischt.

Papa.

Ich will zu ihm rennen, über die Bänke springen, den Saal durchqueren, ihn in die Arme nehmen, ihn beschützen, doch der Gerichtsdiener versperrt mir den Weg, eine Mauer aus Fleisch und Uniform. Mein Vater dreht sich ein letztes Mal um, sucht meine Mutter mit den Augen, sieht mich, und seine Lippen formen lautlos, mit einer Langsamkeit, die jede Silbe herzzerreißend macht:

— Kümmere dich um sie.

Dann verschwindet er durch eine Seitentür, verschluckt von der Dunkelheit des Korridors, fortgebracht in seine Zelle, ins Unbekannte, ins Unrecht.

Ich bleibe stehen, aufrecht, verloren. Die Menge strömt um mich herum, gleichgültig, eilig, es hinter sich zu bringen, zu ihren Beschäftigungen zurückzukehren. Die Journalisten notieren ihre Artikel mit gelangweilter Miene. Die Schaulustigen kommentieren mit gedämpfter Stimme, während sie zum Ausgang gehen. Und ich bin erstarrt, unfähig, mich zu bewegen, unfähig zu denken, unfähig zu atmen.

Da spüre ich erneut diesen Blick.

Er ist immer noch da, der Richter mit den grauen Augen. Er ist aufgestanden, seine schwarze Robe unterstreicht seine hohe Statur, seine Macht, seine Autorität. Er überragt den sich leerenden Saal, reglos, wie die Statue eines ewigen Richters. Er starrt jetzt nicht mehr auf meinen Mund. Er sieht mir direkt in die Augen, und seine Lippen deuten etwas an, das ein Lächeln sein könnte. Ein winziges Lächeln, kaum wahrnehmbar, ein Zucken der Mundwinkel, das mir jedoch etwas verspricht.

Was? Ich weiß es nicht. Aber ich spüre bereits, dass ich es bald wissen werde. Ich spüre, dass dieser Mann in mein Leben treten wird, dass unsere Wege miteinander verbunden sind, dass dieser auf meinen Mund gerichtete Blick kein Zufall war.

Er dreht sich auf dem Absatz um und entfernt sich, seine schwarze Robe wallt hinter ihm wie ein Rabenflügel, wie ein Omen, wie ein Fluch.

Meine Mutter zieht mich am Arm, holt mich in die Realität zurück. Wir müssen hinaus, nach Hause, die Angehörigen benachrichtigen, die Verteidigung organisieren, überleben. Ich folge ihr wie ein Automat, meine Beine bewegen sich von selbst, mein Körper funktioniert ohne meinen Geist. Doch in meinem Kopf bleibt ein Bild eingebrannt, glühend, unauslöschlich: das dieses Mannes, seiner grauen Augen und seines auf meine Lippen gehefteten Blickes.

Ich weiß noch nicht, dass er Édouard Delacroix heißt.

Ich weiß noch nicht, dass er Untersuchungsrichter ist.

Ich weiß noch nicht, dass er mein Leben zerstören wird, bevor er es mir zurückgibt, verwandelt, verklärt, für immer von ihm gezeichnet.

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