LOGINThéo Delmas, 24, ist ein junger, idealistischer Anwalt, dessen Leben aus den Fugen gerät, als sein Vater, ein unschuldiger Finanzmanager, wegen eines Skandals inhaftiert wird, für den er nicht verantwortlich ist. Während der Gerichtsverhandlung fällt ihm ein Richter mit grauen Augen auf, dessen intensiver Blick ihn verunsichert. Als Théo in das Büro von Richter Édouard Delacroix gerufen wird, erfährt er eine erschütternde Wahrheit: Der Richter selbst hat Beweise gegen seinen Vater manipuliert, um Théo unter Druck zu setzen und ihn an sich zu binden. Seit einer Konferenz ist Delacroix von Théo fasziniert. Nun schlägt er ihm einen folgenschweren Handel vor: Théo soll ihn regelmäßig in seinem Büro aufsuchen. Im Gegenzug verspricht der Richter, die Freilassung seines Vaters zu ermöglichen. Zwischen Angst, Empörung und Gefühlen, die er selbst kaum versteht, sieht Théo keinen anderen Ausweg, als sich auf die Vereinbarung einzulassen. Mit jedem Treffen wird ihre Beziehung komplizierter. Hinter der anfänglichen Einschüchterung kommen nach und nach verborgene Sehnsüchte, persönliche Schwächen und unerwartete Gefühle zum Vorschein. Im Laufe der Zeit verändert sich die Dynamik zwischen den beiden. Aus einem Verhältnis, das von Druck und Abhängigkeit geprägt ist, entwickelt sich eine verstörende Nähe, durchzogen von vertraulichen Gesprächen und Momenten aufrichtiger Zuneigung. Doch neue Gefahren bedrohen ihr fragiles Gleichgewicht. Die Grenzen zwischen Opfer und Geliebtem, zwischen Kontrolle und Zuneigung, verschwimmen zunehmend. Eine düstere M/M-Romanze über Macht, Abhängigkeit und verbotene Gefühle, in der Vertrauen zu einer gefährlichen Entscheidung wird und Théo schließlich vor der Frage steht, ob er selbst über seine Zukunft bestimmen kann.
View MoreRaphaël DelacroixDie Tür der Suite schlägt hinter mir mit einem dumpfen Geräusch zu, das in der Stille des leeren Salons widerhallt. Ich mache kein Licht. Ich bleibe im Halbdunkel stehen, den Rücken gegen die Tür gelehnt, die Augen auf die Lichter von Paris gerichtet, die hinter der Glasfront funkeln. Mein Herz schlägt zu schnell, meine Hände zittern noch, und der Geruch von Alessandros Parfüm scheint wie ein hartnäckiges Gift in meine Kleidung eingedrungen zu sein. Alles, was er heute Abend gesagt hat, dreht sich in meinem Schädel im Kreis, jedes Wort eine Klinge, jedes Lächeln ein Gift. Er weiß von Livio. Er weiß von der Agentur. Er weiß von meiner kranken Mutter. Er weiß alles, und diese Allwissenheit macht mir mehr Angst als jede ausdrückliche Drohung.Ich sollte keine Angst haben. Ich bin Raphaël Delacroix, der Herr des Turms, der Paris beherrscht, der Mann, der Finanzimperien in die Knie gezwungen hat, der Milliardär, den die Mächtigsten umwerben und fü
Seine Hand legt sich auf meine Wange, Handfläche offen, Finger gespreizt. Seine Haut ist rau, mit getrockneter Farbe befleckt, und diese Unvollkommenheit erschüttert mich mehr als alle Vollkommenheiten der Welt.— Ich möchte Sie um etwas bitten, sage ich in einem Hauch.— Alles, was Sie wollen.— Bleiben Sie. Nicht für eine Nacht. Nicht für zwei. Bleiben Sie eine Woche. Vielleicht länger. Ich brauche... ich brauche, nicht allein zu sein. Nicht jetzt. Nicht mit Alessandro, der herumschleicht.Er sieht mich an, seine bernsteinfarbenen Augen mit meinen verschmolzen. Ich erwarte, dass er zögert, dass er verhandelt, dass er seine Arbeit, sein Leben, sein Atelier vorbringt. Aber er tut nichts davon.— Einverstanden, sagt er einfach. Ich bleibe. Eine Woche, einen Monat, so lange Sie mich brauchen. Aber unter einer Bedingung.— Welcher?— Keine Regeln mehr zwischen uns. Kein Protokoll. Keine Maske. Wenn ich bleibe, dan
Er fixiert mich mit einer neuen Intensität, seine haselnussbraunen Augen plötzlich dunkler, tiefer. Er streckt die Hand über den Tisch und legt sie auf meine. Die Berührung seiner Haut wirkt auf mich wie eine Brandwunde.— Es tut mir leid, Raphaël. Wirklich. Wenn ich gewusst hätte, dass ich dir so viel Leid zufügen würde, wäre ich nie so gegangen.— Du lügst. Du wusstest genau, was du tust. Du hast es immer gewusst.— Vielleicht. Aber heute lüge ich nicht. Heute möchte ich nur… die verlorene Zeit aufholen. Nicht unbedingt als Liebhaber. Aber als Freunde. Wiederfinden, was wir hatten, bevor alles kippte.— Das ist nicht möglich. Das wird nie möglich sein.— Warum? Weil du in deinen kleinen Künstler verliebt bist?Die Frage überrumpelt mich. Bin ich in Livio verliebt? Der Gedanke durchfährt mich zum ersten Mal, blitzartig, erschreckend. Ich denke an seine bernsteinfarbenen Augen, an seine farbverschmierten Finger, an seinen Mund, der es gewagt hat, meine Regeln herauszufordern. Ich denk
Raphaël DelacroixDie Tour d'Argent hat sich nicht verändert. Dieselben dunklen Täfelungen, dieselben gestärkten weißen Tischdecken, dieselben Kristalllüster, die ein gedämpftes Licht auf die steinreichen Gäste verbreiten. Der Blick auf Notre-Dame ist immer noch spektakulär, die Seine, die sich zwischen den Quais wie ein Silberband unter dem Mond schlängelt. Hier hat Alessandro mir vor sieben Jahren einen Heiratsantrag gemacht. Hier hat er mir einen Ring mit blauem Diamanten angeboten und gesagt, er wolle den Rest seines Lebens mit mir verbringen, vor all diesen Fremden, die uns mit einer Mischung aus Neugier und Wohlwollen betrachteten. Ich hätte an jenem Abend wissen müssen, dass die schönsten Kulissen die schlimmsten Verrätereien beherbergen. Ich hätte begreifen müssen, dass dieser Mann eine in Seide gehüllte Schlange war, ein als Prinz Charming verkleideter Räuber.Aber ich war blind. Ich war verliebt. Und heute Abend, sieben Jahre später, sitze ich am selben Tisch, demselben Mann











