LOGIN„Alistairs Zustand ändert überhaupt nichts. Ob er aufwacht oder nicht – diese Hochzeit findet statt. Wenn es keine Fortschritte gibt, machen wir mit einer künstlichen Befruchtung weiter. Deine einzige Pflicht ist es, für einen Erben zu sorgen.“ Warte – was? Alistair Montgomery? Der skrupellose Milliardär, der einst meine Schwester geliebt hat? Dr. Isla Bennett ist eine außergewöhnliche Frau, doch sie stand schon immer im Schatten ihrer Zwillingsschwester – unsichtbar, ungeliebt und ungewollt. Als das Imperium ihrer Familie zusammenbricht, wird sie in ein eiskaltes Arrangement gedrängt: Sie soll Alistair Montgomery heiraten, einen erbarmungslosen Milliardär, der im Koma liegt. Jeder erwartet von ihr, dass sie nicht mehr als eine Ehefrau auf dem Papier sein wird. Bis Alistair plötzlich die Augen öffnet – und ihre Welt in Scherben zerbricht. Ihre Schwester kehrt zurück, um ihren Anspruch auf ihn geltend zu machen, alte Geheimnisse kommen ans Licht und Isla gerät in ein gefährliches Netz aus Liebe, Lügen und Vergeltung. Doch alle haben den Mann unterschätzt, der nun an ihrer Seite steht. Denn als Alistair erst einmal beginnt, seine Frau zu beanspruchen, wird er jeden vernichten, der ihren Frieden bedroht. Doch gerade als Isla Gefühle für den Mann entwickelt, der niemals für sie bestimmt war, kommt die bittere Wahrheit ans Licht: Isla ist gar keine echte Bennett. Sie ist die Tochter der Frau, die beschuldigt wird, Alistairs Mutter ermordet zu haben. Angezündet durch einen eiskalten Vertrag, haben sie eine gefährliche Liebe gefunden. Doch kann diese Liebe eine Wahrheit überstehen, die sie eigentlich zerstören soll?
View More~ ISLA ~
Ich habe mich schon immer gefragt, wie es sich wohl anfühlt, weggegeben zu werden. Nicht auf diese romantisierte Art – wo ein Vater seine Tochter mit feuchten Augen und voller Stolz zum Altar führt –, sondern auf die echte, erbarmungslose Weise. Weitergereicht zu werden, nicht als jemand, den man schätzt, sondern als nützliches Tauschobjekt für ein Geschäft. Jetzt wusste ich endlich, wie sich das anfühlte. Mein Name ist Isla Bennett, und hier beginnt meine Geschichte… *** „Du wirst in die Montgomery-Familie einheiraten“, sagte mein Vater Bernard. Seine Stimme war fest und bestimmt, ohne den geringsten Hauch von Reue. Ich erstarrte mitten in der Bewegung. „Was?“ Endlich hob er den Blick, kalt und unnachgiebig. „Die Firma steht auf wackligen Beinen. Diese Zweckheirat wird Bennett Industries retten. Sobald du zustimmst, sind unsere Schulden vom Tisch. Die Montgomery-Gruppe wird das Unternehmen über Wasser halten. Alles, was du tun musst, ist deine Rolle zu spielen.“ Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Wie konnten sie mich einfach so weggeben? Mir war klar, dass ich ihnen im Vergleich zu Liana nicht viel bedeutete, aber das hier… das war einfach zu grausam! „Verkaufst du… deine eigene Tochter?“ Meine Stimme blieb ruhig, obwohl in meinem Inneren gerade alles in Scherben zerbrach. Diese Familie hatte sich noch nie wie ein richtiges Zuhause angefühlt. Seit meiner Geburt wurde ich wie eine Außenseiterin behandelt. Für sie war Liana die einzige Tochter, die existierte und zählte. Doch jetzt, wo das Familienimperium kurz vor dem Kollaps stand, erinnerten sie sich plötzlich an mich. Sie fragten nicht einmal, wie ich mich dabei fühlte. „Sei nicht so dramatisch“, schnauzte er mich an. „Diese Familie hat dir alles gegeben. Jetzt wirst du diese Schuld begleichen.“ Ich hatte also eine Schuld bei ihnen abzubezahlen? Ich war verdammt noch mal ihre Tochter! Ich wandte mich an meine Mutter, die schweigend in der Ecke saß, die Hände ineinander verkrampft und die Lippen schmal zusammengepresst. „Und du bist damit einverstanden?“, fragte ich mit brüchiger Stimme. Ihr Blick wich mir aus. Dieses Schweigen schnitt tiefer als jedes scharfe Skalpell, das ich je bei einer Operation benutzt hatte. Wie konnten sie mir das nur antun?! „Ich mache das nicht.“ Meine Stimme zitterte, aber die Worte kamen bestimmt heraus. Warum sollte ich diejenige sein, die diese Last trägt? Ich bin nicht ihre einzige Tochter. Außerdem passte Liana viel besser zu den Montgomerys – es war schon immer ihr Traum gewesen. Mein Vater lehnte sich vor, sein Blick bohrte sich in mich. „Du wirst es tun. Denn wenn du dich weigerst, schicke ich deine geliebte Großmutter weit weg, und du wirst sie nie wiedersehen!“ Und genau so brach mein letzter Funke Widerstandskraft. Ich hätte nicht erwartet, dass mein Vater so egoistisch sein würde, nur um seinen Plan durchzuziehen. Er wusste, dass Oma meine Schwachstelle war – und jetzt nutzte er sie als Druckmittel. Ich sah wieder zu meiner Mutter, immer noch unfähig zu glauben, was ich da gerade gehört hatte. Es war ihre eigene Mutter, die da bedroht wurde. Und doch schwieg sie beharrlich. Tränen brannten in meinen Augen, aber ich schluckte sie hinunter. Ich hatte meine Karriere erst vor wenigen Monaten begonnen. Wenn ich mich jetzt widersetzte, würde Oma darunter leiden. Noch hatte ich nicht die Macht, sie aus den Fängen meines Vaters zu befreien. Selbst wenn ich Nein sagte, würde er einen Weg finden – und wahrscheinlich nicht einmal davor zurückschrecken, mich eigenhändig zum Anwesen der Montgomerys zu schleppen. Heute hatten sie mir endgültig bewiesen, welchen Stellenwert ich in dieser Familie hatte. Ich war bloß ein Stück Eigentum, das man problemlos weggab, nicht ihre Tochter. Und diesen Tag würde ich niemals vergessen. **** Das Anwesen der Montgomerys in der Upper East Side in Manhattan wirkte wie aus einer anderen Zeit – prunkvoll, kalt, unerschütterlich. Meine Mutter und ich kamen in absolutem Schweigen an, jenem Schweigen, das unsere Beziehung schon immer bestimmt hatte. Als die Autotüren geöffnet wurden, empfing uns eine Haushälterin mit einer steifen Verbeugung. Sie führte uns durch glitzernde Hallen bis in den dritten Stock, wo wir in einem gemütlichen, aber eleganten Salon Platz nahmen. „Bitte machen Sie es sich bequem. Die alte Dame wird gleich hier sein.“ Die Haushälterin ließ uns allein. Ich saß steif da und berührte kaum die Kante des Samtsessels, während sie mir gegenübersaß – wie eine Fremde. Das Schweigen zwischen uns war ohrenbetäubend, bis sie es schließlich brach. „Du wirst ein komfortables Leben führen“, murmelte sie. „Die Montgomerys sind großzügig.“ Das war also der einzige Trost, den sie für mich übrig hatte… Was für ein Witz. Ich antwortete nicht und versuchte auch nicht, ein weiteres Gespräch anzufangen. Dafür war die Enttäuschung über meine Familie einfach zu tief. Momente später ertönten leise Schritte. Dann trat eine ältere Frau ein – ihr Haar war auffallend silberweiß, und doch strahlte sie eine unnahbare Eleganz und Würde aus. Trotz ihres Alters war sie wunderschön, fast so, als ließe die Zeit sie rückwärts altern. Margot Montgomery – das mächtige Oberhaupt und die wahre Kraft hinter der Familie. Ihre bloße Präsenz fühlte sich an, als würde man einen eiskalten Raum betreten. Sie trug ein tiefblaues Kostüm und Perlen, ihr silbernes Haar war perfekt hochgesteckt. Ihr Blick, der noch schärfer war als die Diamanten an ihrem Handgelenk, ruhte auf mir, als würde sie eine Ware begutachten. Wir standen sofort auf und verbeugten uns respektvoll. „Du musst Isla sein“, sagte sie mit sanfter, aber kühler Stimme. „Setzt euch.“ Wir gehorchten augenblicklich. Ohne unnötige Worte zu verlieren, wurden Dokumente hereingebracht und auf dem niedrigen Tisch vor mir abgelegt. Der scharfe Blick der alten Dame wich keine Sekunde von meinem Gesicht. „Verstehst du deine Rolle?“, fragte sie. Ich zwang meine Stimme, stabil zu bleiben. „Ja, Madam.“ Ihre Lippen zuckten unzufrieden. „Von jetzt an wirst du mich mit ‚Großmutter‘ ansprechen. Respekt ist in diesem Haus keine Option.“ Ich senkte die Augen. „Ja… Großmutter.“ Zufrieden lehnte sie sich zurück. „Alistairs Zustand ändert überhaupt nichts. Ob er aufwacht oder nicht – diese Vereinbarung findet statt. Sein Arzt glaubt, dass er bald aufwachen könnte, aber nichts ist garantiert. Wenn es keine Fortschritte gibt, machen wir mit einer künstlichen Befruchtung weiter. Deine einzige Pflicht ist es, für einen Erben zu sorgen.“ Warte, was? Alistair? Der skrupellose und gefürchtete Alistair Montgomery? Mir drehte sich der Kopf. Ich krallte mich fest in die Armlehne der Couch, um nicht den Halt zu verlieren. Ich… sollte Alistair heiraten? Was für ein verdrehtes Schicksal war das? Er ist… Lianas Ex-Geliebter! Die Worte der alten Dame ließen meinen Körper zu Eis gefrieren. „Unterschreib.“ Der Stift wurde vor mir abgelegt. Ich zögerte einen Moment. Ich wusste, sobald ich meinen Namen auf dieses Stück Papier setzte, gab es kein Zurück mehr. Die Worte des Vertrags verschwammen vor meinen Augen, zusammen mit dem mächtigen Namen des Mannes, an den ich gebunden werden sollte. Doch als das sanfte Gesicht meiner Oma vor meinem inneren Auge auftauchte, zwang ich mich, den Stift in die Hand zu nehmen und jede einzelne Seite der Vereinbarung zu unterzeichnen. Jeder Strich meiner Unterschrift fühlte sich an wie eine Handschelle, die zuschnappte. Als es vorbei war, blieb Lady Margots Miene starr. „Du wirst sofort in Alistairs Zimmer ziehen. Haushälterin Xia wird dich in die Regeln einweisen. Ab dem heutigen Tag gehörst du zu den Montgomerys.“ Ihr Tonfall ließ keinen Zweifel offen – das war keine Ehre. Es war ein Befehl. Und ich war nichts weiter als der Preis, den meine Familie gezahlt hatte, um zu überleben.~ ISLA ~Mein Herz schmerzte, als ich sah, wie sie schluchzte und mich um Vergebung bat. Der Groll, den ich getragen hatte, zerfiel zu Staub. Ich streckte meine zitternden Hände aus und ergriff sanft ihre Handgelenke, um ihre Hände von der Erde zu heben.Sie erstarrte bei der Berührung, ihre blutunterlaufenen Augen waren weit vor Unglauben, als sie mich anstarrte.„Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis ich das alles begriffen habe“, sagte ich leise, meine Stimme brach leicht, trug aber eine stille, unerschütterliche Wahrheit in sich. „Sechsundzwanzig Jahre sind eine sehr lange Zeit … und mein Verstand dreht sich immer noch. Aber ich möchte keinen Groll hegen. Ich kann dir nicht böse sein, Mama.“Dieses eine Wort – Mama –, direkt zu ihr gesprochen zu hören, brach den letzten kleinen Rest von Stärke, der ihr noch geblieben war. Ein ersticktes, erwürgtes Schluchzen entkam ihrer Kehle. Tränen ergossen sich über ihre bleichen Wangen, als sie nach vorne sackte und ihr Gesicht an mei
~ ISLA ~Das warme, vertraute Wohnzimmer von Omas Haus am See fühlte sich erstickend klein an.Draußen vor dem Fenster glitzerte die Sonne auf dem ruhigen Wasser, doch drinnen war die Luft dicht unter dem Gewicht einer sechsundzwanzig Jahre alten Lüge.Oma saß mir auf dem blumigen Sofa gegenüber, ihre Hände zitterten, während sie ein Taschentuch umklammerte. Allison war nirgendwo zu sehen. Ehe im Garten auch nur ein einziges Wort ausgetauscht werden konnte, hatte Oma sanft eingegriffen und Alice – nein, Allison – darum gebeten, uns ein paar Momente alleine zu lassen. Sie wollte diejenige sein, die mir als Erste alles erklärte.Ich saß starr in dem Sessel ihr gegenüber, meine Hände lagen auf meinem Bauch. Mein Herz schlug noch immer gegen meine Rippen – ein wilder, chaotischer Rhythmus, den ich einfach nicht beruhigen konnte. Ich zwang mich zu langsamen, bedachten Atemzügen und versuchte verzweifelt, meine zersplitterten Gedanken zu ordnen, während ich darauf wartete, dass die ältere F
~ ISLA ~Das stetige Summen des Automotors füllte den ruhigen Innenraum, während wir über den Highway in Richtung New Jersey fuhren.Draußen vor dem Fenster wich die betongraue Silhouette Manhattans sanften grünen Hügeln, Bäumen und Weiten aus blauem Himmel.Dieser Besuch war im Voraus geplant gewesen, aber Alistair hatte heute eine dringende Vorstandssitzung, also entschied ich mich, schon ohne ihn vorzufahren, da ich Oma so sehr vermisste. Seit unserem letzten Besuch war es mir nicht mehr möglich gewesen zurückzukehren – nicht eher, bis ich schwanger wurde und nachdem so viele Dinge geschehen waren.Alistair hatte sich nur äußerst widerwillig dazu bereit erklärt, mich aus den Augen zu lassen. Um seinen Verstand zu beruhigen, hatte ich mich schließlich fügen müssen und zugelassen, dass er mich in ein enges Netz aus Sicherheitsvorkehrungen hüllte. Er teilte vier seiner besten Leibwächter ein, um meinen Wagen in einem schwarzen SUV dicht dahinter zu begleiten – mit dem strikten Befehl,
~ ISLA ~Der sterile Desinfektionsgeruch begann endlich zu verfliegen, als Alistair mich durch den Hauptgang des Krankenhauses begleitete. Seine hohe Gestalt schwebte dicht neben mir, sein Arm lag schützend um meine Taille, um jeden meiner Schritte zu stützen, als wäre ich aus zerbrechlichem Glas.Nach zwei Tagen Entlassung aus dem Krankenhausbett fühlte sich der Schritt in die frische Morgenluft am großen Glaseingang wie eine absolute Erleichterung an.„Lass es langsam angehen“, murmelte Alistair; seine Stimme war leise und warm nahe meinem Ohr. Seine Finger zogen sich sanft an meiner Hüfte zusammen. „Der Wagen wartet direkt am Bordstein.“Ich blickte zu ihm auf, ein kleines Lächeln stahl sich auf meine Lippen, als ich mich an das rohe, zärtliche Geständnis erinnerte, das er mir in der Dunkelheit meines Krankenhauszimmers gemacht hatte. Selbst ohne seine Erinnerungen war die Tatsache, dass sein Herz mich erneut gewählt hatte, etwas, das ich mir kaum vorstellen konnte. Diese einfache

















