Das Licht im Badezimmer war unbarmherzig. Es war diese grelle, kalte Neonröhre, die Maya schon so oft verflucht hatte, weil sie jede Falte, jeden Augenring und jede Spur der chronischen Erschöpfung gnadenlos betonte. Es war exakt 05:45 Uhr morgens. Draußen war es noch stockdunkel, und das Haus lag in einer trügerischen, fast unheimlichen Stille. Es waren die einzigen fünfzehn Minuten des Tages, die ganz allein ihr gehörten. Fünfzehn Minuten, bevor der unaufhaltsame Strudel aus kochendem Milchkaffee, vergossenen Cornflakes, vergessenen Turnbeuteln und dem alltäglichen Chaos über ihr zusammenschlagen würde. Maya tritt näher an das Waschbecken heran und stützt die Hände auf den kalten Keramikrand. Sie atmet tief ein, hält die Luft an und blickt in den Spiegel. Dann langsam, fast ehrfürchtig, hebt sie die rechte Hand und streicht sich über den Kopf. Unter ihren Fingerspitzen fühlt es sich nicht mehr nach nac
Last Updated : 2026-06-16 Read more