
BEWEISE FÜR UNS
Eine Nacht. Keine Namen. Keine Versprechen. Nur seine Hände auf ihrer Haut und die Art, wie er sie all die Gründe vergessen ließ, die sie hatte, um Nein zu sagen.
Celine ging zum »Rabenkiel«, um die Scham zu ertränken, Ashfords Almosenfall zu sein. Sie traf einen Fremden mit dunklen Augen und Trauer in seiner Stimme. Sie behielt seine Uhr. Sie behielt seinen Namen nicht.
Jetzt steht er vor ihrem Hörsaal. Professor Damian Blackwood. Kalt. Streng. Unberührbar.
»Ich habe nichts mit Studenten, Celine.«
Aber seine Hände zittern, wenn sie sich nähert. Sein Atem stockt, wenn sie seinen Namen flüstert. Er ließ sie bei einem Test durchfallen, um sie wegzustoßen. Sie gab ihm dafür eine Ohrfeige. Die Spannung zwischen ihnen brennt so heiß, dass es ein Wunder ist, dass das Gebäude nicht in Flammen aufgeht.
Dann zwingt sie ein Schneesturm zusammen. Kein Strom. Kein Entkommen. Nur ein Kamin und die Wahrheit, vor der sie geflohen sind.
Sie will, dass er sie berührt. Er will derjenige sein, der bleibt.
Aber Ethan hat Fotos. Beweise. Er will, dass Celine von der Universität fliegt und Damian vernichtet wird. Und Dekan Harlow zieht seit elf Jahren im Hintergrund die Fäden – und nutzt Celines Stipendium, Damians Schuld und Ethans Besessenheit als Waffen.
Das Gesetz sagt, sie dürfen nicht zusammen sein. Ihre Körper sagen, das Gesetz zählt nicht.
Er nahm sie im Dunkeln. Jetzt muss er die Institution niederbrennen, um sie im Licht zu behalten.
Read
Chapter: Kapitel 6: Die Falle*Kapitel 6: Die Falle*CelineDas Lächeln des Dekans war kalt.Er stand in der Tür von Damians Büro, sein silbernes Haar fing das Licht auf, die Lesebrille baumelte an ihrer Kette wie eine Schlinge, die darauf wartete, sich zu ziehen. Er sah aus wie ein Großvater. Er sah aus wie ein Raubtier."Ich hatte gehofft, dass du das sagen würdest", wiederholte er.Mein Blut wurde zu Eis. "Du hast alles gehört.""Jedes Wort." Er trat ein und schloss die Tür. Das Klicken des Schlosses hallte wider wie ein Schuss. "Die Allianz. Der Plan. Die Beweise. Alles davon."Damian trat vor mich. Sein Körper war ein Schild. "Verschwinde aus meinem Büro, Harlow.""Professor Blackwood." Harlow's Stimme war ruhig und gemessen. "Ist das die Art, wie man mit dem Mann spricht, der Ihnen eine zweite Chance gegeben hat?""Du hast mir keine zweite Chance gegeben." "Du hast mich benutzt.""Benutzt?" Harlow lachte. Es war leise und hohl. "Ich habe dir einen Sinn gegeben. Ich habe dir einen Job gegeben. Ich habe dir ei
Last Updated: 2026-06-30
Chapter: 5. Die AkteDAMIANDer Ordner lag zwischen uns wie eine geladene Waffe.Celine konnte nicht aufhören, ihn anzustarren. Dick. Schwer. Gefüllt mit genug Beweisen, um Ethan Vance zu zerstören. Um den Ruf seines Vaters zu zerstören. Um alles zu zerstören, was er auf Lügen aufgebaut hatte.Ihre Hände zitterten immer noch von der Nachricht. „Ich weiß alles, Celine. Deine Mutter. Dein Stipendium. Harlow. Du kannst dich nicht vor mir verstecken. Wir sehen uns bald. —E“Die Worte hatten sich in ihre Netzhaut eingebrannt. Sie hatte sie sechsmal gelesen. Sieben. Acht. Jedes Mal schnitten sie tiefer.„Er weiß es“, wiederholte sie. „Er weiß über meine Mutter Bescheid. Über Harlow. Über alles.“Ich stand neben ihr. Mein Kiefer war angespannt. Meine Hände zu Fäusten geballt an meinen Seiten. „Wie? Wie konnte er es nur wissen?“Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er die Briefe gefunden. Vielleicht hat er mich beobachtet. Vielleicht hat Harlow es ihm gesagt.“„Harlow würde es ihm nicht sag
Last Updated: 2026-06-27
Chapter: 4. Das FlüsternCELINEDie Stille nach Ethans Schritten war das Lauteste, was ich je gehört hatte. Sie hallte wieder in meinem Schädel . Prallte von den Wänden ab. Ertränkte den Klang meines eigenen Atems. Damian hielt immer noch mein Gesicht. Seine Hände zitterten. Seine Augen waren hohl – dunkle Gruben aus etwas, das ich nicht benennen konnte. Angst. Schuld. Bedauern.„Er hat Fotos“, flüsterte ich. „Er hat alles.“„Ich weiß.“„Deinen Job. Deinen Ruf. Deine Zulassung.“„Ich weiß.“„Mein Stipendium. Meine Mutter. Alles, wofür ich gearbeitet habe.“Sein Kiefer spannte sich an. Seine Hände ließen mein Gesicht los. Er trat zurück, als stünde ich in Flammen.„Es tut mir leid“, sagte er.Die Worte hingen in der Luft. Nutzlos. Leer.„Tut mir leid macht das nicht wieder gut.“ Meine Stimme war scharf. Wütend. Ich war wütend auf ihn. Auf mich selbst. Auf das Universum, dass es uns in diesem Raum zusammengebracht hatte. „Tut mir leid macht nicht ungeschehen, was gerade passiert ist.“„Was willst du, dass ich s
Last Updated: 2026-06-27
Chapter: 3. Das StipendiumCELINEAshford University – Hörsaal B – 5. September, 8:00 UhrDie silberne Uhr brannte an meinem Handgelenk.Ich konnte nicht erklären, warum ich sie trug. Warum ich sie mir an diesem Morgen wie ein Talisman übergestreift hatte. Warum ich sie nicht für das dringend benötigte Mietgeld versetzt hatte. Sie war teuer, mit Initialen graviert, die ich nicht entziffern konnte. Sie gehörte dem Fremden aus dem Hotelzimmer.Er war vor dem Sonnenaufgang verschwunden. Er hatte mich mit nichts zurückgelassen, außer der Erinnerung an seine Hände und dem Gewicht seiner Abwesenheit.Ich wachte in einem leeren Bett auf. Ich hätte nicht überrascht sein sollen. Er hatte kein Versprechen gemacht. Ich auch nicht. Eine Nacht. Keine Namen. Keine Bindungen. Aber der hohle Schmerz in meiner Brust kümmerte sich nicht um Logik.Die Uhr lag auf dem Nachttisch wie ein Vorwurf. Ich hätte sie zurücklassen können. Ich hätte sie zurücklassen sollen. Es war nur Metall und Zahnräder. Eine Erinnerung an die Berührung e
Last Updated: 2026-06-27
Chapter: 2. Der FremdeDAMIANDer Whiskey war warm in meiner Kehle. Ich schmeckte ihn nicht mehr. Ich habe seit zwei Jahren nichts mehr geschmeckt, nicht wirklich. Essen war Treibstoff und Whisky war Anästhesie. Alles war grau, gedämpft, fern, als würde ich mein Leben durch ein Fenster beobachten, das langsam zufror.Die Bar roch nach altem Holz und Verzweiflung. Das Feuer knisterte in der Ecke und warf Schatten auf die Wände. Der Michigansee heulte draußen, rastlos und hungrig, die Wellen schlugen gegen das Ufer wie Fäuste.Ich kam hierher, um zu verschwinden. Ich kam hierher, weil das Hotelzimmer zu still war. Zu sauber und zu voll von Geistern. Ich kam hierher, weil ich etwas Dummes getan hätte, wenn ich noch eine Minute länger in diesem Zimmer gesessen hätte. Etwas Endgültiges.Das Glas war kalt in meiner Hand. Ich starrte auf die bernsteinfarbene Flüssigkeit. Sie sah aus wie die Farbe der Schuld. Marcus Webb. Sein Name hallte in meinem Schädel wieder wie ein Hammer, der niederschlägt. Siebenundvierzig
Last Updated: 2026-06-27
Chapter: 1. Die Uhr.CELINEThe Raven's Quill – 3. September, 23:47 Uhr*mDer Whiskey brannte. Ich mochte das. Ich mag Dinge, die auf vorhersehbare Weise wehtun. Schmerz, den man messen kann. Schmerz, den man hinunterschlucken kann und spürt, wie die Hitze sich durch die Brust ausbreitet wie eine Warnung. Wie ein Versprechen.Das Eis klirrte gegen das Glas, während ich zusah, wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit das Feuerlicht einfing. Die Bar ist halb leer. Der Michigansee drückt gegen die Fenster, dunkel und hungrig, die Wellen unsichtbar, aber hörbar wie ein tiefes Knurren, das niemals aufhört.Ich kam hierher, um zu verschwinden. Ich kam hierher, weil mein winziges Kutscherhaus sich wie ein Käfig anfühlt und mein Stipendium sich wie eine Leine anfühlt und die Stimme meiner Mutter heute Morgen am Telefon sich anfühlte wie ein Messer, das sich zwischen meine Rippen drehte.„Celine, Schatz, du musst dieses Jahr einfach durchstehen. Noch ein Jahr. Dann kannst du nach Hause kommen.“Zuhause. Detroit. Die W
Last Updated: 2026-06-27