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Kapitel 2

Author: Moore
Meine Fügsamkeit überraschte die Familie. Nach einem Moment des Schweigens ergriff Papa das Wort.

„Genau so ist es richtig. Wir sind eine Familie, was gibt es da, das man nicht besprechen kann? Ich will doch nur dein Bestes.“

„Ja, ich weiß.“

Ich nickte gehorsam, ein taubes Lächeln auf den Lippen.

Erst als sie sahen, dass ich es wirklich nicht persönlich nahm, zogen sie beruhigt mit Marie zurück ins Wohnzimmer.

Ich zögerte kurz, dann setzte ich meinen Weg zum Schlafzimmer im zweiten Stock fort.

Kaum hatte ich die Treppe betreten, packte jemand mein Handgelenk.

Lukas war plötzlich neben mir und flüsterte mir ins Ohr:

„Bist du wirklich nicht böse?“

Diese fürsorglichen Worte ließen die Tränen erneut aus meinen Augen schießen.

Tausend Demütigungen ballten sich in meiner Brust, doch ich schüttelte nur stumm den Kopf. Meine Kehle war wie zugeschnürt.

Aber Lukas strahlte.

„Ich wusste, dass du die Vernünftigste bist und dich nicht über Kleinigkeiten aufregst. Es gibt da noch etwas, worüber ich mit dir sprechen wollte...“

Er wandte den Blick ab, sah mir nicht in die Augen.

„Die Hochzeit nächste Woche sollten wir verschieben. Ich habe deiner Schwester versprochen, sie nach ihrer Volljährigkeit mit nach Frostheim zu nehmen, um die Nordlichter zu sehen. Die Feier ist jetzt vorbei, und sie besteht darauf, dass ich mein Versprechen einhalte. Deshalb dachte ich, wir könnten in ein paar Tagen alle zusammen nach Frostheim fliegen. Was hältst du davon?“

Lukas lächelte leicht, sein Blick voller Zärtlichkeit.

„Die Einladungen sind sowieso noch nicht verschickt. Eine Hochzeit ist doch nicht so wichtig, ein paar Tage Verschiebung machen keinen Unterschied.“

Mein Herz gefror augenblicklich. Die Tränen der Rührung machten mich lächerlich.

Sie hatten mich neunundneunzigmal im Stich gelassen. Wie konnte ich noch auf ihre Liebe hoffen?

Als ich lange schwieg, fuhr sich Lukas gereizt durch die Haare.

„Marie ist noch nie ins Ausland gereist. Das ist das erste Mal, dass sie so weit verreist. Als ihre Familie sollten wir sie begleiten. Außerdem hast du doch auch noch nie Nordlichter gesehen, oder? Wir können es als vorgezogene Flitterwochen betrachten.“

„Von mir aus.“

Lukas wollte gerade weiter auf mich einreden, als meine Worte ihn erstarren ließen.

„Was hast du gesagt?“

Ich atmete tief durch und sagte ruhig:

„Ich stimme zu. Die Hochzeit kann abgesagt werden.“

Lukas runzelte die Stirn und korrigierte mich missbilligend.

„Was heißt hier absagen? Verschoben. Wie kann man eine Hochzeit absagen?“

Ich senkte den Kopf, ein spöttisches Lächeln auf den Lippen.

Was spielte es für eine Rolle? Solange Marie da war, würde sie niemals zulassen, dass unsere Hochzeit stattfand.

Sie konnte mich nicht ausstehen und begehrte alles, was ich hatte.

Das wusste ich schon, als ich noch klein war.

Doch egal wie sehr ich mich anstrengte, ich konnte ihr nie etwas streitig machen. Die Bevorzugung unserer Familie gab ihr das Selbstvertrauen, mich immer unter ihren Füßen zu halten.

Und jetzt begann sogar mein Verlobter, sie zu bevorzugen.

Meine Augen brannten. Meine Haut begann zu jucken.

Der Mangosaft von vorhin löste nun doch eine allergische Reaktion aus.

Ich nickte gleichgültig und drehte mich zur Treppe.

In meinem Schlafzimmer hatte ich immer Antiallergika vorrätig. Ich musste sie nehmen, bevor die Allergie richtig ausbrach.

„Sophie, bist du jetzt sauer, weil ich Lukas gebeten habe, mit mir nach Frostheim zu kommen und die Nordlichter zu sehen?“

Maries Stimme kam von hinten, durchdrungen von gespielter Trauer.

Aber ich ignorierte sie und beschleunigte meine Schritte die Treppe hinauf.

Marie machte das jedes Mal. Selbst wenn ich nichts tat – sobald sie vor der Familie weinte und Theater machte, sprangen alle für sie in die Bresche.

Jonas konnte sich zuerst nicht zurückhalten.

„Jetzt reicht’s! Sophie, hast du nicht gehört, dass Marie mit dir spricht? Eben sagst du noch, du bist nicht böse, und im nächsten Moment ziehst du wieder so ein Gesicht und ignorierst sie. So behandelst du deine Familie?“

Auch Jonas’ Geschrei ignorierte ich. Solche sinnlosen Vorwürfe hatten meine gesamte Kindheit begleitet. Ich hatte längst gelernt, regungslos damit umzugehen.

Doch kaum hatte mein Fuß die Stufe zum zweiten Stock berührt, durchfuhr ein stechender Schmerz meine Kopfhaut, als mir jemand brutal die Haare zurückriss.
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