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Kapitel 3

Author: Desire steve
last update publish date: 2026-08-29 21:15:23

Milena~

Eine brennende Substanz verätzt meine Hand- und Fußgelenke, sodass meine schweren Augenlider flackern. Alles ist nur ein verschwommener Umriss. Geräusche hallen wie Erinnerungen wider, die auf mich einprügeln. Eine Erinnerung an den brutalen Schlag auf meinen Kopf und Mamas Blutlache.

„Mama“, flüstere ich, aber mir schlägt nur kalte Stille entgegen. Meine Schläfen pochen, als ich mich zwinge, mich daran zu erinnern, was nach der Dunkelheit geschah.

Aber mein Verstand wird taub.

Ich greife nach meiner Wölfin, doch ihre Antwort ist nur ein Wimmern mit langsamem, schwachem Atem. Meine Wölfin liegt im Sterben. Irgendetwas bringt uns um.

Ich nehme meine letzte Kraft zusammen, hebe den Kopf und nehme meine Umgebung wahr. Für einige Sekunden ist meine Sicht verschwommen, dann setzt Klarheit ein.

Ich bin im Freien – nein, mitten auf dem Rudelplatz. Der Geruch von getrocknetem Blut und staubiger Luft steigt mir in die Nase.

Jubelrufe aus der Menge dröhnen in meinem Kopf und ziehen mich tiefer in die Realität zurück.

Wenn ich mich nicht irre, ist das der Versteigerungsplatz, ein Ort, an dem Streuner und Omega-Wölfinnen in die Sklaverei verkauft werden. Warum bin ich hier? Warum haben diese hässlichen Männer mich hierher gebracht?

Mir schnürt es die Kehle zu, während ich die freudigen Gesichter unserer Rudelmänner mustere, in deren Zügen die Lust geschrieben steht. Sie sind verzweifelt. Gierig darauf, bei dem mitzumachen, was als Nächstes passiert.

Ich lehne an dem Stahlpfahl, stöhne und zische auf, als das Silber der Ketten sich noch tiefer in meine Hand- und Fußgelenke brennt. Meine nackten Füße schmerzen jämmerlich.

Was ist in den Sekunden passiert, in denen ich bewusstlos war, und wie lange war ich weggetreten?

„Drei Kupfermünzen.“ Eine Stimme aus der Menge lässt meinen Kopf ruckartig in diese Richtung schnellen. Es ist der dreckige Metzger aus der Stadt. Das widerwärtige Wesen, das mir seit meinem achtzehnten Geburtstag unaufhörlich Nachstellungen macht.

„Ich gebe zehn“, hallt eine andere Stimme wider.

Warum versteigern sie mich? Ich bin die Tochter des Betas und stehe nicht zum Verkauf. Wenn es wegen meines Fluchtversuchs ist, gibt es andere Strafen. Warum das hier?

„Alpha Vladimir, soll ich Eure Gefährtin für zehn Kupfermünzen handeln?“, fragt der Auktionator, und mein Herz setzt für hundert Schläge aus.

Gefährtin?

Was meint er damit? Wie kann ich die Gefährtin von Alpha Vladimir sein? Dem Auktionator muss ein Versprecher unterlaufen sein. Ich hoffe, er hat die Konsequenzen einer solchen Aussage nicht vergessen. Ich stecke ohnehin schon mitten im Sturm. Er sollte keinen weiteren heraufbeschwören.

Ich werfe den Kopf nach hinten, um mein rasendes Herz zu beruhigen. Mein Blick wandert durch die Menge, und ich nach Luft schnappe, als er auf die stechenden, wassergrauen Augen von Alpha Vladimir trifft, dem ersten Enkel des Hauses Ryder. Er sitzt zu meiner Rechten und starrt mich an, als wäre ich die seltsamste Frau, die er je gesehen hat.

Sein Duft nach Holzrauch und Patchouli steigt mir in die Nase und lässt mir auf verbotene Weise das Wasser im Mund zusammenlaufen. Eine Art und Weise, wie ich mich niemals gegenüber irgendeinem Mann fühlen sollte. Das Monster ist tatsächlich mein Gefährte. Das ist die Bestätigung; ich bin die schlimmste Schöpfung der Göttin, und sie hat es auf mein Leben abgesehen.

Ich dränge die unbeweinten Tränen zurück, die meine Sicht verschleiern, und versuche, meinen Blick abzuwenden. Doch ein glühendes Band hält mich gefangen und zwingt mich, Alpha Vladimirs hohes, dunkles, braunes Haar zu bemerken, das immer glänzend und feucht wirkt.

Das Haar fällt ihm ins Gesicht und um die Schultern und rahmt sie ein. Seine hohen Wangenknochen und die ausgeprägte Kieferpartie sind unglaublich männlich; er wirkt wie eine Kreatur, die in einer perfekten Vollmondnacht aus dem Schoß der Göttin gemeißelt wurde. Ich hätte nie gedacht, dass ich seinen leichten Flaum am Kinn einmal fürchten würde. Früher war es das Nervigste an ihm.

Wie kann ein Mann nur so köstlich gebaut sein, dass selbst ein kurzes schwarzes Hemd seine Muskeln abzeichnet?

Es ist unerklärlich, warum er der attraktivste Mann ist, den ich je gesehen habe. Glaub mir; es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Mann sehe.

Aber heute ist er anders.

Ich kämpfe gegen das Verlangen an, das mich mit diesem Monster verbindet, und zische auf, als meine Muschi vor seltsamer Süße pocht. Mein Blut kocht, während meine Brustwarzen hart werden und nach seiner Berührung flehen.

Ich will diesen Mann.

Nein, ich sollte ihn nicht wollen.

Warum verrät mich mein Körper? Das ist das Werk des Gefährtenbandes. Ich muss dagegen ankämpfen. Ich kann mich niemals einem Mann hingeben, erst recht nicht einem so grausamen wie Alpha Vladimir.

„Fünfzig Kupfermünzen.“ Eine Stimme ertönt aus der Menge und unterbricht Alpha Vladimirs Fokus.

Wenn ich diesen herzlosen Alpha nicht besser kennen würde, hätte ich gesagt, dass sich sein Kiefer anspannte, als das Angebot gemacht wurde.

„Fünfzig Kupfermünzen! Zum Letzten?“, verkündet der Auktionator, holt mich erneut in die Realität zurück und füllt meinen Kopf wieder mit den richtigen Gedanken.

Ehrlich gesagt, warum werde ich verkauft? Ist es, weil ich weglaufen wollte? Oder weil ich mich im Wilderdeep-Wald verwandelt habe? Ist Alpha Vladimir unter dem Vollmondbaum wegen mir erschienen? Habe ich das allmächtige Monster warten lassen?

Denn es ist Hochverrat, einen Alpha warten zu lassen.

Wenn ich es getan habe, ist es nicht meine Schuld. Ich habe keine Ahnung, dass er mein Gefährte ist oder dass irgendjemand aus dem Hause des Alphas mein Gefährte werden würde. Außerdem ist Alpha Vladimir bereits mit Lada Brooks verlobt, der Prinzessin des Deadmoon-Rudels.

Wir können nicht zusammen sein. Er wird mich zurückweisen. Vielleicht ist das der Grund, warum er mich verkauft hat.

Er hätte stattdessen die Worte der Zurückweisung aussprechen und mich freilassen sollen, damit ich mein Leben weiterführen kann. Aber ja, das Monster muss eben zeigen, warum es ein Monster ist.

„Ich kaufe das Beta-Mädchen für fünfhundert Barren Gold“, spricht ein Mann in einem schwarzen Umhang mit tiefer, rauem Stimme.

Das Angebot löst keuchende Reaktionen in der Menge aus. „Fünfhundert Barren? Niemand ist je für so einen Betrag verkauft worden. Und warum sollte jemand eine Frau für einen so hohen Preis kaufen wollen?“, argumentieren sie.

Der Auktionator räuspert sich, als der Mann aus der Menge tritt. Seine Nase ist mit Leder verdeckt, sodass nur seine hellbraunen Augen zu sehen sind, die absolut nichts verraten.

„Wir alle wissen, dass sie die Tochter eines Betas ist“, beginnt der Auktionator, „... aber sie bleibt eine Frau und jetzt eine Sklavin. Keine Frau sollte fünfhundert Barren Gold wert sein.“

„Es ist nicht an Ihr zu entscheiden. Lasst Euren Alpha sprechen.“ Der Mann tritt näher und wirft fünf Säcke Gold vor die Füße des Auktionators.

„Aber fünfhundert Barren—“

„Abgemacht“, unterbricht Alpha Vladimir den Auktionator.

„Alpha—“

„Wünschst du den Tod?“, Alpha Vladimir spannt den Kiefer an.

„Verzeiht mir, Alpha.“ Der Auktionator verbeugt sich, bevor er sich der Menge zuwendet. „Milena Blackwood ist verkauft für… für fünfhundert… Goldbarren. Zum Letzten!“

Als das letzte Urteil gesprochen ist, steht Alpha Vladimir auf und stürmt davon. Sein Vater und Tato tun dasselbe, ohne mich auch nur anzusehen.

Enttäuschte Murrengeräusche erfüllen die Luft, während sich die Menge in alle Richtungen zerstreut.

Der Auktionator rümpft die Nase. Seine herablassenden Augen ruhen auf mir. „Sei dankbar, dass der Alpha in seiner besten Stimmung ist. Du hättest noch teurer dafür bezahlt, dass du dich als seine Gefährtin herausgestellt hast.“ Er spuckt aus, hebt die Goldsäcke auf und stürmt davon.

Das ist lächerlich. Wie dumm können Männer nur klingen? Ich sollte einem Mann dankbar sein, der mich gedemütigt und meine Pläne ruiniert hat? Er hätte mich zurückweisen können. Mich zu verkaufen ist schlimmer als der Tod. Ich werde ihm das für immer nachtragen.

Der Mann, der mich gekauft hat, oder sollte ich sagen, ‚mein Herr‘... hmpf! Das ist absurd. Mein angeblicher Herr steigt auf das Auktionspodest.

„Zeit zu gehen“, sagt er und löst die Ketten an meinen Handgelenken.

Für einen Moment hatte ich vergessen, wie schrecklich das Silber meine Haut zerfressen hatte.

„Hoffen wir, dass wir keinen Seestreunern begegnen.“ Er wickelt die Kette um meine Fußgelenke ab.

Ich atme tief aus und flüstere: „Warum haben Sie mich gekauft?“

„Das habe ich nie.“

„Wer war es dann?“

„Jemand, dem etwas an dir liegt.“

„Wer?“

Er hält inne und starrt mir in die Augen. „Ich hasse Fragen.“

„Es ist mir egal, was Sie hassen.“ Ich beiße mir auf die Zunge und schlucke meine unhöfliche Rede herunter.

„Das sollte es dir aber.“ Er mustert meinen Körper, ohne beleidigt zu klingen. „Deine Flecken heilen schneller. Seltsam für eine Beta.“

Mir schnürt es die Kehle zu, während ich von einem Fuß auf den anderen trete. Ich habe Nanas Identität vergessen. Ich kann kein Aufsehen riskieren. Ich werde dafür sorgen, dass sie sicher ist. „Wie weit gehen wir?“

Er starrt mich kalt an, und ich schlucke den Kloß in meinem Hals herunter. „Bitte“, murmle ich, meine Stimme zittert.

Die Information ist wichtig. Sie wird mir helfen, mein Schicksal zu erkennen.

„Hängt vom Kapitän ab.“ Er steigt vom Podest herunter. „Unsere Zeit läuft ab jetzt“, sagt er und geht davon.

Ehrlich gesagt will ich weglaufen, nicht nach Hause, weil man mich dort leicht finden würde. Vielleicht an die Küste, um auf mein Schiff zu steigen. Aber es ist unmöglich, besonders wenn man von Kriegern mit tödlichem Blick umgeben ist, die nur darauf warten, dass man sich unklug verhält.

Ein einziger Protest von mir, und ich bin weg; ich kann nicht zulassen, dass sie meinem Leben ein Ende setzen. Als Sklavin gibt es vielleicht Chancen für mich zu entkommen. Ich bete, dass ich nicht von einem anderen Monster wie Alpha Vladimir gekauft werde.

Ich bete, dass die Göttin mir eine zweite Chance gibt, meine Träume zu erreichen und eines Tages zurückzukehren.

Ich bete, dass das Leben vor mir fair ist.

Ich bete—

„Wir haben nicht viel Zeit“, knurrt der Mann und wirft mir einen tödlichen Blick zu.

Ich nicke und eile hinunter. Ich werfe einen letzten Blick auf mein Rudel, während ich hinter dem maskierten Mann hergehe, und Tränen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie zurückgehalten hatte, strömen mir über die Wangen.

So sehr ich auch vorgebe, stark zu sein, kann ich nicht leugnen, dass mein Herz schrecklich schmerzt. Der Schmerz gräbt sich tief ein, wissend, dass ich jetzt eine Sklavin bin und meine Identität als Beta für immer verloren ist.

Das Schlimmste ist, dass ich nicht sagen kann, ob Mama noch lebt oder ob ich sie jemals wiedersehen werde.

Und was Alpha Vladimir betrifft: Das Monster sollte beten, dass sich unsere Wege nie wieder kreuzen.

Niemals.

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