INICIAR SESIÓNHUNDERTVIERUNDFÜNFUNDFÜNF
Vom hohen Turm des Palastes ertönte die Mitternachtsglocke, ihr tiefer, metallischer Klang hallte durch die kalten Steinkorridore.
Der Flur vor meinem Schlafgemach war pechschwarz. Die Wachen hatten ihren Rundgang vor zehn Minuten beendet, ihre schweren Stiefel wurden in Richtung der unteren Höfe immer leiser.
Es gab kein Licht au
HUNDERTFÜNFUNDFÜNFUNDFÜNFUNDFÜNF!Derek lag halb ausgestreckt auf den seidenen Laken, seine schweren Stiefel baumelten über die Matratzenkante. Seine Brust hob und senkte sich in schweren, unregelmäßigen Stößen. Sein Gesicht war seitlich in die Samtkissen gepresst.Ich beugte mich dicht zu seinem Ohr und ließ meinen seidenen Morgenmantel sanft über seine Schulter streifen.„Derek?“, flüsterte ich mit sanfter, unschuldiger Stimme voller süßer Sorge. „Was ist los mit dir? Ist irgendetwas nicht in Ordnung?“Derek blinzelte heftig, seine dunklen Augen waren trüb und blutunterlaufen. Er stöhnte auf, als ob sein Schädel zehn Kilo wo
HUNDERTVIERUNDFÜNFUNDFÜNFVom hohen Turm des Palastes ertönte die Mitternachtsglocke, ihr tiefer, metallischer Klang hallte durch die kalten Steinkorridore.Der Flur vor meinem Schlafgemach war pechschwarz. Die Wachen hatten ihren Rundgang vor zehn Minuten beendet, ihre schweren Stiefel wurden in Richtung der unteren Höfe immer leiser.Es gab kein Licht außer dem, das von innen kam: zwei Duftkerzen, die auf dem Kaminsims schwach brannten, und das silberne Licht des Vollmonds, das durch die gewölbten Balkontüren fiel. Die Vorhänge wiegten sich sanft in der nächtlichen Brise, ihre Schatten tanzten lang über die Holzdielen.Ich saß nicht wie ein nervöses Mädchen am Rand der Matratze.
(Teil zwei)„Alice …“, stammelte er, seine sonst so selbstsichere Stimme brach vor blankem Schock. „Willst du damit sagen, dass das stimmt? Du … heute Abend?“„Heute Nacht“, wiederholte ich fest und entschlossen. „Ich zögere nicht länger. Ich möchte, dass du mich um Mitternacht in meinem Zimmer triffst. Wir werden unser Bündnis unter dem offenen Mond besiegeln, genau wie wir es in der Nacht der Wintersonnenwende tun wollten, bevor alles zerbrach. Du hast mich in jener Nacht im Stich gelassen, Derek. Du hast dich von anderen Dingen ablenken lassen, und das hat mein Vertrauen gebrochen. Aber heute Nacht gebe ich dir die Chance, alles wiedergutzumachen.“Ich hob das Kinn, und das fahle Licht der Kerzen umspielte mein Gesicht.„Komm um Mitternacht in mein Zimmer&
HUNDERTDREIUNDFÜNFZIGDie Gänge des Gästetraktes waren aus Stein, still und kalt in der hereinbrechenden Dunkelheit.Meine Füße bewegten sich kaum laut auf den Kufen. Meine Hände waren fest in den Ärmeln meines Kleides verkrampft, meine Nägel bohrten sich in meine Handflächen, bis der stechende Schmerz die Hitze hinter meinen Augen davon abhielt, in Tränen umzuschlagen. Ich sah die Diener nicht an, die mir Platz machten. Ich sah auch nicht die schweren Bögen an, die zurück zu Kanes Privatgemächern führten.Kanes Worte trafen mich wie ein eiserner Knall.Du kannst bei mir bleiben, während ich Deborah heirate.Ein schmutziges Geheimnis. Ein Nebengemach. Ein Schatten hinter Samtvorhängen. Das Königreich jubelte der Frau zu, die seine Krone trug.Ich schluckte den bitteren Brechreiz hinunter, der mir in de
HUNDERTZWEIUNDFÜNFZIGDie Wärme des Kamins schien zu erlöschen, sobald Kane den Blick von mir abwandte.Seine Finger glitten langsam von meiner Wange. Er legte die Hände flach auf die Knie, während seine Schultern unter einer schweren, unsichtbaren Last zusammensackten. Der sanfte Blick in seinen bernsteinfarbenen Augen war verschwunden, ersetzt durch einen dunklen, grüblerischen Schatten, der mir plötzlich ein beklemmendes Gefühl im Magen bereitete.„Kane?“, flüsterte ich und zog die Wolldecke enger um meine Schultern. „Was ist los? Was verschweigst du mir?“Kane starrte einen langen, stillen Augenblick lang auf die Dielen zwischen seinen Stiefeln. Dann hob er endlich den Kopf.
HUNDERTEINUNDFÜNFZIGALICES SICHTDas ruhige Schlafzimmer im Ostflügel des Palastes schien weit entfernt vom Chaos im Thronsaal.Der schwere Steinboden war erleuchtet und warf sanftes gelbes Licht über die sauberen Dielen. Auf dem kleinen Holztisch neben dem Bett stand ein unberührtes Glas mit beruhigender weißer Paste und saubere Leinenbinden. Kane hatte die Schnittwunde an seinem Hals gewaschen. Sie war lang, aber die Blutung hatte aufgehört, und entlang seines Kiefers verlief eine dunkle, gezackte rote Linie.Ich saß auf der Kante der breiten Matratze, eine dicke Decke um die Knie geschlungen. Meine Brust schmerzte an der Stelle, wo der Pfeil eingeschlagen hatte, aber meine Haut war warm und die widerliche violette Farbe war vollständig verschwunden.&n







