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Blütenpracht ohne Ende
Blütenpracht ohne Ende
Author: Blütenkranz

Kapitel 1

Author: Blütenkranz
Mara Schubert sah sie fassungslos an. Sie konnte nicht glauben, dass die Frau, die sechs Jahre lang den Platz als Frau Falkenberg eingenommen hatte, plötzlich freiwillig zurücktreten wollte.

Clara Winter fügte nur gleichgültig hinzu: „Da sie dich ohnehin alle lieber mögen, erfülle ich euch eben diesen Wunsch. Du musst Alexander Falkenberg nur dazu bringen, zu unterschreiben. Sobald die Bedenkfrist vor der Scheidung vorbei ist, werde ich gehen.“

Dieses Mal wollte sie nie wieder denselben Fehler begehen. Nie wieder wollte sie Frau Falkenberg sein, die von allen übersehen wurde.

Mara strich unbewusst mit den Fingerspitzen über den Rand ihrer Tasse. Ihre Brauen waren fest zusammengezogen. „Clara Winter, was für ein Spiel spielst du hier?“

Clara betrachtete Maras wechselndes Gesicht und wiederholte ruhig: „Ich spiele kein Spiel. Ich habe nur genug.“

„Weißt du, wie viele Frauen da draußen deinen Platz haben wollen?“

„Ja.“ Clara sah ihr direkt in die Augen. „Deshalb gebe ich ihn dir.“

Endlich bekam Maras Miene einen Riss.

Sie starrte lange auf die Vereinbarung. Schließlich nahm sie sie an sich. „Gut. Wenn du so großzügig bist, werde ich mich nicht zieren.“

„Aber merk dir eines: Was einmal in meinen Händen ist, gebe ich nie wieder her.“

„Keine Sorge“, sagte Clara mit einem kurzen Lächeln. „Ich werde es ganz sicher nicht bereuen.“

Schließlich hatte sie im früheren Leben bereits erfahren, wie es war, einsam und verlassen ein ganzes Leben zu verbringen.

Mara stand auf und setzte sich an einen anderen Tisch im Café. Dann nahm sie elegant ihr Handy, und ihre Finger tippten ein paarmal leicht über den Bildschirm.

Als der Anruf verbunden wurde, wurde ihre Stimme augenblicklich weich. „Alexander, ich bin im Blue Mountain Café. Kannst du kommen und mich abholen?“

Clara saß abseits. Um ihre Lippen erschien ein bitteres Lächeln.

Früher hatte sie Alexander oft angerufen. Neun von zehn Mal war sein Assistent ans Telefon gegangen.

Und jetzt erschien der Mann, der angeblich immer „in einer Besprechung“ war, in weniger als zwanzig Minuten am Eingang des Cafés.

Durch die Glasscheibe sah Clara, wie Alexander mit langen Schritten hereinkam. Sein schwarzer Maßanzug ließ seine Schultern breiter und seine Taille schmaler wirken.

Der sechsjährige Jonas Falkenberg und die vierjährige Marie Falkenberg stürmten auf Mara zu, sobald sie sie sahen, umarmten und küssten sie.

„Tante Mara!“, rief Marie süß und rieb ihr kleines Gesicht an Maras Brust.

Alexander stellte eine Kuchenschachtel auf den Tisch. Mit seinen schlanken Fingern schob er sie leicht zu ihr hinüber. „Matcha, deine Lieblingssorte. Ich habe den Chefkoch extra weniger Zucker nehmen lassen.“

Maras Augen leuchteten auf. „Du merkst dir so etwas wirklich immer.“

Clara saß in der Ecke. Unbewusst gruben sich ihre Fingernägel in ihre Handfläche.

In sechs Jahren Ehe hatte Alexander nicht einmal gewusst, welche Geschmacksrichtung sie mochte.

Als sie im letzten Leben krank im Krankenhaus gelegen und sich Erdbeerkuchen gewünscht hatte, hatte er seinen Assistenten irgendetwas kaufen lassen. Am Ende war es Mango gewesen, gegen die sie allergisch war.

„Was möchtest du heute Abend essen?“ Alexanders Stimme war tief. „Französisch oder asiatisch?“

Mara lächelte mit geschlossenen Lippen, zog die Scheidungsvereinbarung aus ihrer Tasche und sagte: „Vorher möchte ich dir ein Dokument zeigen.“

Sie schlug die Vereinbarung auf der Unterschriftsseite auf. „Ich habe mir eine Villa ausgesucht, aber im Moment nicht genug liquide Mittel. Könntest du vielleicht ...“

Alexander nahm den Füller. Ohne den Inhalt auch nur anzusehen, unterschrieb er direkt. „Zwischen dir und mir müssen wir doch nicht so genau trennen.“

„Will Tante Mara ein neues Haus kaufen?“, fragte Jonas mit erhobenem Gesicht. „Papa, kauf doch daneben auch eins! Marie und ich wollen hinziehen und bei Tante Mara wohnen. Wir wollen nicht jeden Tag mit Mama zusammen sein.“

Alexander runzelte leicht die Stirn. Doch als er die erwartungsvollen Augen der beiden Kinder sah, gab er nach. „Dann kaufen wir eins.“

„Das ist doch nicht nötig“, sagte Mara hastig. „Ich lasse Jonas und Marie ... und dir drei Zimmer frei. Wenn ihr mich vermisst, könnt ihr jederzeit kommen und bleiben.“

Die beiden Kinder jubelten. Marie legte Mara sogar die Arme um den Hals und gab ihr einen Kuss. „Tante Mara ist die Beste! Tausendmal besser als Mama!“

Clara spürte einen dumpfen, sauren Schmerz in der Brust, so schwer, dass sie kaum atmen konnte.

Sie sah den leichten Bogen an Alexanders Mundwinkeln. Das war eine Sanftheit, die er ihr nie gegeben hatte.

Sie konnte nicht länger zusehen. Clara nahm ihre Tasche und ging.

In dem Moment, als sie aus der Tür trat, kamen die Erinnerungen an ihr früheres Leben über sie.

In jenem Leben war sie durch eine arrangierte Geschäftsehe mit Alexander Falkenberg verheiratet worden. Sie hatte einen Sohn und eine Tochter geboren, wurde zweiundsechzig Jahre alt und war doch nie glücklich gewesen.

Nur weil Alexander in seinem Herzen immer Mara Schubert trug, seine erste Liebe aus jungen Jahren.

Damals, nach ihrer Trennung, war Mara ins Ausland gegangen. Alexander hatte tagelang getrunken. Doch so stolz, wie er war, hatte er am Ende nicht den Kopf gesenkt, um sie zurückzugewinnen. Stattdessen hatte er sich umgedreht und der Eheallianz seiner Familie zugestimmt.

Alexander war Claras Mädchentraum gewesen, vornehm und unerreichbar wie eine Gottheit. Welche junge Dame der Oberschicht der Hauptstadt träumte nicht davon, den Chef der Falkenberg-Gruppe zu heiraten?

Als sie erfuhr, dass ihre beiden Familien eine Ehe vereinbaren würden, war sie außer sich vor Freude gewesen.

Doch nach der Hochzeit gab sie alles, um ihn zu lieben, und bekam dafür nur Alexanders ewige Distanz und Kälte zurück.

Bis Mara nach Hause zurückkehrte.

Er erwähnte Clara gegenüber nie die Scheidung, doch sein Blick löste sich auch nie mehr von Mara.

Noch schrecklicher war, dass auch die beiden Kinder Mara mochten und sich allmählich von Clara entfernten.

In ihren späteren Jahren wurde bei Clara Alzheimer diagnostiziert. Unter dem Vorwand, sie müsse „in Ruhe genesen“, ließ Alexander sie allein im Familienanwesen zurück.

An ihrem Geburtstag wählte sie mit zitternden Händen die Nummer ihres Mannes und ihrer Kinder. Doch sie erfuhr nur, dass sie Mara auf die Malediven begleitet hatten.

Sie wollte sich selbst eine Schale Geburtstagsnudeln kochen, doch wegen ihrer verwirrten Erinnerung vergaß sie, das Feuer auszuschalten ...

Als die Flammen ihren Körper verschlangen, war das Letzte, woran Clara dachte, Alexanders eiskalter Blick, als er ihr den Ehering angesteckt hatte.

Schmerzhaft schloss sie die Augen. Ihr einziger Wunsch war: Wenn es ein nächstes Leben gab, wollte sie nie wieder ihr ganzes Leben für ihn opfern.

Als Clara zur Villa zurückkehrte, war es bereits dunkel.

Sie ruhte sich nicht aus. Sie begann sofort, Dinge auszusortieren.

Alexanders Anzüge und Hemden, das Spielzeug der Kinder, das Familienfoto ... Eines nach dem anderen warf sie in Kartons.

„Was machst du da?“ Alexanders Stimme erklang plötzlich hinter ihr.

Clara drehte sich um und sah ihn mit den beiden Kindern an der Hand am Eingang stehen. Seine Brauen waren fest zusammengezogen.

„Warum wirft Mama unsere Sachen weg?“ Marie lief herüber. Als sie ihren Teddybären im Karton sah, wurde ihr kleines Gesicht vor Wut rot.

Auch Jonas funkelte Clara zornig an. „Wir waren doch nur eine Weile bei Tante Mara spielen. Musst du deshalb so sauer sein?“

Alexander sah sie an. Sein Blick war kalt wie immer. „Die Kinder sind gern mit Mara zusammen. Musst du wegen so einer Kleinigkeit einen Aufstand machen?“

„Ich bin nicht sauer“, sagte Clara ruhig.

„Lügnerin!“, schrie Marie. „Du bist nur eifersüchtig auf Tante Mara! Deshalb hast du meinen Teddybären weggeworfen. Du bist eine böse Mama!“

„Wenn ich groß bin, ziehe ich zu Tante Mara“, sagte Jonas, nahm die Hand seiner Schwester und blickte Clara hasserfüllt an. „Ich komme dich nie wieder besuchen!“

Alexander hielt den Lärm der Kinder nicht auf. Er runzelte nur leicht die Stirn, und seine tiefen Augen glitten gleichgültig über Clara hinweg.

Dieser Blick war, als sähe er eine fremde Frau an, die grundlos Ärger machte.

„Genug.“ Seine dünnen Lippen öffneten sich. Die tiefe Stimme trug jene angeborene Vornehmheit in sich, während seine langen Finger beiläufig seine Manschettenknöpfe richteten. „Der Vorstand hat noch eine Videokonferenz. Wirf weg, was du willst. Mach nur keinen Lärm.“

Als die Tür zufiel, liefen Clara endlich die Tränen hinunter.

Ihr Herz fühlte sich zerrissen an. Jeder Atemzug schmerzte.

Sie wischte die Tränen weg, betrachtete das Chaos auf dem Boden und lachte plötzlich.

Keine Sorge. Sie würde ihn nicht stören.

Für den Rest ihres Lebens nicht mehr.

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